Zum Zähneausbeißen
Die Projektoren„Die Projektoren“ von Clemens Meyer ist ein Roman, an dem man sich die Zähne ausbeißen kann. Das beginnt schon bei der Bestimmung des Themas. Wovon handelt „Die Projektoren“ mit seinen über 1000 Seiten? ...
„Die Projektoren“ von Clemens Meyer ist ein Roman, an dem man sich die Zähne ausbeißen kann. Das beginnt schon bei der Bestimmung des Themas. Wovon handelt „Die Projektoren“ mit seinen über 1000 Seiten? Meine erste Antwort wäre: Von der Bedeutung und der Macht des Films am Beispiel der Karl-May-Filme.
Zugleich ist „Die Projektoren“ ein Roman, der die Folgen des Krieges am Beispiel des Jugoslawienkriegs aufzeigt. In Jugoslawien nämlich wurden die meisten May-Filme gedreht. Und durch die Beschreibung des erstarkenden Rechtsextremismus in Ostdeutschland zeigt Meyer ebenso, dass Faschismus immer einen gewissen Reiz ausstrahlt.
Dann ist das Buch aber auch ein Sprachspiel mit unterschiedlichen Motiven, die sich durch das ganze Buch ziehen: von den Projektoren (in unterschiedlichster Ausführung) und den ersten Kinosälen über Karl May bis hin zur Nervenheilanstalt in Leipzig. Nicht zu vergessen der geheimnisvolle Ort Damagdarut, . Hinzu kommt noch eine Vielzahl literarischer Bezugnahmen.
Nein, „Die Projektoren“ ist keine leichte Kost. Denn Clemens Meer ist einerseits ein Autor, der beim Erzählen sehr weit ausholt, andererseits aber auch sehr dicht erzählt, Wiederholungen auf unterschiedlichen Ebenen inklusive. Und nicht immer ist es auf Anhieb klar, ob man in der realen Geschichte ist oder Zuschauer eines Films ist. Überhaupt ist vieles traumhaft dargestellt in diesem Roman, der immer wieder wie eine Geschichte aus tausendundeiner Nacht wirkt. Meisterhaft im Fabulieren, aber immer wieder angebunden an Zeit und Raum.
Es sind einzelne Figuren und Orte, die einem beim Lesen Halt Geben. Da ist der „Cowboy“, der bis zum Schluss des Buches dem Leser erhalten bleibt. Auch Lex Barker (LEX geschrieben) ist eine Figur, die nicht untergeht. Dann ist da die Irren-Hilfs-Heil- und Pflegeanstalt des Dr. Güntz zu Leipzig-Thonberg, in der 1865 auch Karl May als Patient zu finden war. Aber selbst ein Buch wie „Bodenbearbeitung mittels Sprengstoffen“ taucht in Meyers Roman immer wieder auf.
Freilich hilft das nur sehr bedingt, sich in Clemens Meyers Buch zurechtzufinden. Aber eigentlich ist das auch gar nicht möglich, weil es die eine zentrale Handlung nicht gibt. Ein wenig tröstlich ist, dass auch die Romanfiguren verwirrt sind. So heißt es vom Cowboy, dass er noch Jahre später nicht sagen konnte, was von den Ereignissen er geträumt hat und was tatsächlich geschehen ist. Freilich kann man sich auch damit begnügen, sich an der Schönheit der Sprache zu erfreuen. Manchmal slapstickartig komisch, manchmal skurril, aber immer mit dem genauen Blick auf die Dinge.