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Veröffentlicht am 06.01.2025

Bauernbub

Über dem Tal
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Steve ist noch ein junger Bauernbub in den nordenglischen Fells, als 2001 die Maul- und Klauenseuche um sich greift und sämtliche Schafe gekeult werden müssen. Auch der Nachbar, William Herne, verliert ...

Steve ist noch ein junger Bauernbub in den nordenglischen Fells, als 2001 die Maul- und Klauenseuche um sich greift und sämtliche Schafe gekeult werden müssen. Auch der Nachbar, William Herne, verliert alle Tiere und sieht im Diebstahl einer Herde die einzige Chance auf eine Zukunft. Trotz schwierigster Bedingungen in diesem kargen Landstrich ist man nicht bereit, einfach aufzugeben.

Steve Elliman erzählt uns aus seiner Sicht diesen traurigen, ja düsteren Roman, der auch einiges an Brutalität und Gewalt bereithält. Die raue Gegend der Handlung bedingt wohl die wortkarge, in sich zurückgezogene Bevölkerung, der man kaum näherkommt, Diebstahl, Schlägereien, Mord vereinfachen dies nicht unbedingt. Der Überlebenskampf, die Liebe zum Flecken Erde, an dem man geboren wird, kann Scott Preston aber umso besser herausarbeiten, auch sein Schreibstil mit verkürzten Sätzen fügt sich bestens ins Geschehen.

Ein Buch, das durch Atmosphäre und Spracheleganz eher punktet als durch die Handlung selbst. Drei Sterne.


Veröffentlicht am 04.01.2025

Anne Kramer

Das Inselhaus
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Anne Kramer muss mit dem Unfalltod ihrer Eltern erst fertig werden und erfährt plötzlich, dass sie ein Haus auf Amrum erbt. Abgesehen davon, dass sie von diesem Besitz ihrer verunglückten Eltern nichts ...

Anne Kramer muss mit dem Unfalltod ihrer Eltern erst fertig werden und erfährt plötzlich, dass sie ein Haus auf Amrum erbt. Abgesehen davon, dass sie von diesem Besitz ihrer verunglückten Eltern nichts weiß, lebt dort eine ihr unbekannte Frau, die nicht einmal Miete zahlt. Welche Rätsel hält diese Geschichte für Anne bereit, die auf der schönen Nordseeinsel wieder ein Stück weit zu sich findet und auch noch den charmanten Ben kennenlernt?

Ein sympathisches Konzept liegt diesem Roman zugrunde, eine idyllische Kulisse begleitet Anne und die Leser. Verschiedenste Probleme werden von der Autorin aufgegriffen und in die Handlung eingebettet, interessante Ansätze glimmen immer wieder auf, dazu ein gut gehütetes Geheimnis und eine zarte Romanze. Leider will der Funke nicht so recht überspringen, einiges ist vorhersehbar, manches unrealistisch, es fehlt an Tiefe und spürbaren Empfindungen.

Fazit: ein Roman für behagliche Stunden, der eher an der Oberfläche bleibt, aber dennoch einige liebenswerte Figuren und deren positive Entwicklung vorstellt.


Veröffentlicht am 03.01.2025

Prägung

Staffellauf
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Eine junge Frau malt, bekommt mit einem skurrilen Nebensatz einen Heiratsantrag und bald darauf drei Kinder. Ihr fröhliches Wesen weicht einer Depression, bevor im zweiten Teil des Buches der älteste Sohn ...

Eine junge Frau malt, bekommt mit einem skurrilen Nebensatz einen Heiratsantrag und bald darauf drei Kinder. Ihr fröhliches Wesen weicht einer Depression, bevor im zweiten Teil des Buches der älteste Sohn in den Mittelpunkt rückt.

Von Episode zu Episode springend erzählt sich Joachim Zelter durch diesen Roman, was davon autobiografisch ist und was Fiktion, das darf sich der Leser selbst zusammenreimen. Treffend in seiner Wortwahl, scharfzüngig und pointiert reiht sich ein Bild ans andere, wechseln die Themen scheinbar zusammenhanglos und verschwimmen in Gefühlen und Gedanken. Warum stimmt die Frau der Heirat zu, wie weit prägt das Verhalten der Eltern die drei Kinder? Weshalb flüchtet sich der Sohn in Lügen, oder sind es derer gar keine? Fragen über Fragen wirft der Autor auf, schildert Irrwege auf Schienen und Sackgassen im Berufsleben, schwirrt hin und her zwischen Fehlentwicklungen und flüchtig getroffenen Entscheidungen. Zeitweilig ist es schwierig, den roten Faden nicht aus den Augen zu verlieren, dann wiederum spiegeln sich Sohn und Mutter ineinander wider. Kunst ist ein zentrales Thema, prägt die Menschen in der Geschichte, wertvoll und vergänglich, so wie jeder Moment im Leben kostbar und zerbrechlich ist.

Wie kostbar dieses Büchlein ist, muss jeder selbst beurteilen, trotz der gewaltigen Eindrücke bleibe ich ein wenig ratlos zurück ob der Vielfalt an angerissenen Themen.


Veröffentlicht am 29.12.2024

Unbeirrt

Das zweite Kind
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Ein nackter Zehnjähriger wird verstört am Straßenrand aufgegriffen, nur knapp konnte er seinem Entführer entkommen. Ein weiterer Bub, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, wird noch vermisst. Valentina ...

Ein nackter Zehnjähriger wird verstört am Straßenrand aufgegriffen, nur knapp konnte er seinem Entführer entkommen. Ein weiterer Bub, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, wird noch vermisst. Valentina Medici vom SCO (Zentraler Operationsdienst der Staatspolizei) soll den Fall rasch klären und zu einem Abschluss bringen, aber das ist gar nicht so einfach, denn sie findet irgendwann Spuren zu Cold Cases, denen sie trotz gegenteiliger Anweisungen unbeirrt folgt.

Spannend beginnt dieser Thriller, der seine Leser mit den zwillingsgleichen verschwundenen Buben rasch in seinen Bann zieht. Dann schließen sich jedoch langwierige Ermittlungen an, die zwar überaus authentisch dargestellt werden – schließlich kann der Autor auf jahrzehntelange eigene Erfahrung zurückgreifen – den Sog hingegen immer wieder schwinden lassen. In der Mitte des Buches scheint alles geklärt zu sein, die Sachlage wird von Valentina jedoch neu eingeschätzt, um den Fall abermals aufzurollen. Auch diese Richtung ist grundsätzlich interessant und bietet einen brisanten Hintergrund, der Weg zur Aufklärung gestaltet sich allerdings steinig und langwierig. Viele Figuren sorgen für Überraschungen und zeigen, wie anspruchsvoll die Tätigkeit der Kommissare ist, für den Leser ist das mitunter verwirrend und langatmig. Auch die Hauptpersonen selbst sind zwar mit Ecken und Kanten ausgestattet, ein lebendiges Profil, das einem dauerhaft im Gedächtnis bleibt, zeigen sie aber eher nicht. Dennoch kreiert De Franchi einen ganz speziellen Fall, der logisch aufgebaut ist und schlussendlich ein passendes Ergebnis präsentiert.

Das zweite Kind entwickelt sich in eine ganz andere Richtung als von mir ursprünglich erwartet, aufwendige Ermittlungen verlangen auch vom Leser Ausdauer und Geduld, wobei die geschilderten Motive und Handlungen durchaus spannend sind. Somit eine Empfehlung für Krimi/Thriller-Freunde, die sich auch von knapp 700 Seiten nicht abschrecken lassen.

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Hochzeit im Herrenhaus

Nachtwald
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In einem etwas heruntergekommenen Herrenhaus im Westen Irlands, inmitten eines ungezähmt wuchernden Waldes, feiern zwei Paare ihren Hochzeitstag: Claire und George, Freya und Hudson. Mit dabei sind noch ...

In einem etwas heruntergekommenen Herrenhaus im Westen Irlands, inmitten eines ungezähmt wuchernden Waldes, feiern zwei Paare ihren Hochzeitstag: Claire und George, Freya und Hudson. Mit dabei sind noch Claires erwachsene Kinder Lizzie und Liam sowie die Köchin Mia. Und obwohl das riesige Haus so abgeschieden liegt, dass man es nur zu Fuß erreichen kann, taucht alsbald ein ungebetener Gast auf.

Hervorragende Zutaten für einen gelungenen Thriller, der sich auch durchaus stimmig und unheimlich anlässt: ein einsamer Ort, ein kleiner Kreis an Personen, eine düstere Stimmung. Sofort nehmen Triona Walshs flotter Schreibstil und ihre bildhaften Darstellungen der Handlung den Leser gefangen. Die Neugierde wird rasch geweckt, was sich hier noch zutragen wird, unheimliche Geräusche und Schatten im Wald führen nicht nur bei den Frauen in der Runde zu angespannten Nerven. Obwohl die Zahl der Figuren niedrig gehalten wird, fehlt ihnen – für meinen Geschmack – ein klares und kantiges Profil, irgendwann beginnt sich dann auch die Handlung etwas in die Länge zu ziehen und den Anstrich eines aufregenden Thrillers zu verlieren. Immerhin aber lenkt die Autorin geschickt den Blick des Lesers auf unterschiedliche mögliche Tatmotive, man weiß sehr lange nicht, wer welches Geheimnis hütet und wer versucht hat, den Fremden wieder loszuwerden.

Fazit: eine spannende Ausgangssituation, die viele Wendungen zulässt, sich allerdings zuweilen in Langatmigkeit verliert anstatt die Gänsehaut noch weiter zu steigern. 3 von 5 Sternen.