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Veröffentlicht am 07.02.2025

Auf der Jagd nach Kunst

Der falsche Vogel
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Der Antiquitätenhändler Arthur Crockleford ist plötzlich in seinem Laden verstorben. Als hätte er etwas geahnt lässt er seiner Ziehtochter Freya Lockwood einen rätselhaften Brief zukommen. Gemeinsam mit ...

Der Antiquitätenhändler Arthur Crockleford ist plötzlich in seinem Laden verstorben. Als hätte er etwas geahnt lässt er seiner Ziehtochter Freya Lockwood einen rätselhaften Brief zukommen. Gemeinsam mit Arthurs Freundin Carole organisiert Freya die Beisetzung. Mit Hilfe des Briefes erfahren Freya und Carole von einer Aufgabe, die Arthur ihnen übertragen wollte, sollte es ihm selbst nicht möglich sein den Auftrag durchzuführen. Sie sollen die Sammlung eines verstorbenen Lords in dessen Landhaus schätzen. Erst nicht begeistert entschließen sich die beiden Frauen doch, zu dem Landsitz zu fahren. Vielleicht erreichen sie nichts, doch wenigstens können sich etwas von ihrer Trauer ablenken.

Dieser erste Band einer Reihe von Kriminalromanen spielt in England. Freya Lockwood war vor ihrer Ehe gemeinsam mit Arthur Crockleford auf der Jagd nach verschollenen oder gestohlenen Kunstgegenständen. Doch nach einen schrecklichen Ereignis, dass sie in Kairo erleben muss, hat Freya den Beruf aufgegeben. Sie hat eine wunderbare inzwischen erwachsene Tochter und einen überhaupt nicht wunderbaren inzwischen anderweitig liierten Ex-Mann. Dieser drängt darauf, das Haus in London zu verkaufen. Und so fühlt sich Freya frei, den letzten Wunsch ihres Ziehvaters zu erfüllen. Die Gesellschaft auf dem Landsitz erweist sich dann als etwas seltsam und etliche der Kunstgegenstände halten dem Kennerblick nicht stand.

Ein britischer Krimi bei dem es neben einem Todesfall auch um die Jagd nach Kunstgegenständen oder Antiquitäten geht - ein spannender Ansatz. Allerdings erweist sich der Beginn des Romans doch als etwas schwergängig. Erst nach einer Weile baut sich Spannung auf, wenn sich langsam herausstellt, dass jeder der Teilnehmer an der Gesellschaft auf dem Landsitz etwas zu verbergen hat. Dann wird man neugierig auf die Zusammenhänge und hofft, dass Freya das Rätsel um Arthurs Vermächtnis löst. Wenn es nebenbei ein paar Worte zu den Kunstgegenständen zu lesen gibt, ist das sehr interessant. Bilder der Vögel sind im Internet zu finden. Insgesamt ein schöner Kriminalroman mit sympathischen Ermittlerinnen, der noch etwas Luft nach oben hat.

Veröffentlicht am 11.01.2025

Tristesse

Als wir Schwäne waren
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Die Eltern sind aus dem Iran ausgereist und irgendwie sind sie in Deutschland gelandet. Es hätte auch irgendein anderes Land sein können. Die Mutter war Soziologin und der Vater Schriftsteller. Ihre Abschlüsse ...

Die Eltern sind aus dem Iran ausgereist und irgendwie sind sie in Deutschland gelandet. Es hätte auch irgendein anderes Land sein können. Die Mutter war Soziologin und der Vater Schriftsteller. Ihre Abschlüsse werden in Deutschland nicht anerkannt, das Abitur wenigstens schon. Etwas eigenartig finden sie, dass fremde Kinder an der Tür für eine Mark nach etwas zu essen fragen. Der Junge sorgt dafür, dass das nicht mehr vorkommt. Es ist das erste Mal, dass er einen anderen verprügelt. Wie es mit Kindern manchmal so ist, gründen sie eine Art Bande, die sich aber schnell wieder auflöst.

Wahrscheinlich haben die Eltern es sich nicht leicht gemacht mit ihrem Entschluss, die Heimat zu verlassen. Doch was hatten sie in der Fremde erwartet? Möglicherweise nicht, dass der Vater Taxi fahren muss, damit die Mutter wieder ein Studium aufnehmen kann. Ob sie es abschließt? Sie werden nicht richtig heimisch. Und der Junge bleibt ein Fremder unter Fremden. Immerhin ist geht er aufs Gymnasium. Allerdings ist er auch mit denen aus der Siedlung der Ruhrgebietsstadt in Kontakt, die auf die schiefe Bahn geraten. Auch er gerät in Gefahr, nur etwas Glück und eine Bewährungsstrafe verhindern den gänzlichen Absturz.

Angetan von den guten Rezensionen begibt man sich an das Buch, vielleicht um ein Verständnis dafür zu bekommen, wieso andere sich hier nicht willkommen fühlen. Möglicherweise ist es unausweichlich, dass man da enttäuscht wird. Man erfährt weder von den Erwartungen, noch zum Beispiel, ob etwas getan wurde, um anzukommen. Man erfährt nicht, ob der Junge die Schule abschließt. Man erfährt, dass er als Erwachsener in irgendeiner Art zu sich selbst findet. Er hat mehrfach den Mut zu gehen, aber irgendwie nicht den Mut anzukommen. Doch das ist sein Ziel, zu gehen und anzukommen. Man hofft, dass er es schafft. Man ist selbst aber genauso schlau wie vorher. Immerhin ist der Roman in geschliffener Sprache geschrieben und spannend zu lesen.

Veröffentlicht am 30.12.2024

Das Puppenhaus

Die Magie der kleinen Dinge
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In Amsterdam heiratet der Kaufmann Johannes Brandt die junge Petronella. Die frischgebackenen Eheleute kennen sich kaum. Die Zweckehe ist eher eine Chance für Nella in die Stadt zu kommen. Dennoch ist ...

In Amsterdam heiratet der Kaufmann Johannes Brandt die junge Petronella. Die frischgebackenen Eheleute kennen sich kaum. Die Zweckehe ist eher eine Chance für Nella in die Stadt zu kommen. Dennoch ist Nella etwas enttäuscht. Außer einem Puppenhaus, dass Johannes ihr zur Hochzeit schenkt, bekommt sie von ihrer neuen Familie nicht viel. Johannes’ Schwester behandelt sie eher abweisend. Freunde hat sie nicht, da sie ja fremd in Amsterdam ist. Dann werden Gegenstände für das Puppenhaus geliefert, die eine eigenartige Ausstrahlung haben. Nella möchte den Handwerker kennenlernen und sie möchte wissen, wer die Miniaturen bestellt hat, die so lebensecht wirken.

Im 17. Jahrhundert ist es für Frauen nicht so einfach ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die alleinstehende und trotzdem anerkannte Maren Brandt scheint da eine Ausnahmeerscheinung zu sein. Nella, die um einiges jünger ist als ihr Mann, hat da weniger gute Aussichten. Und auch ihre Ehe läuft nicht so, wie sie nach den Erzählungen ihrer Mutter erwartet hat. Nun, wenigstens bekommt sie die Miniaturen und sie beginnt, das Puppenhaus einzurichten mit den unheimlich genauen Nachbildungen der Gegenstände in ihrem Stadthaus. Langsam werden Nella die Miniaturen etwas unheimlich, machen sie gleichzeitig aber auch neugierig. Nella will mehr über den Handwerkskünstler erfahren.

Ein historischer Roman mit phantastischen Einsprengseln. Der Ansatz ist sehr interessant. Wie Nella will man mehr über den Hersteller der Miniaturen wissen. Gleichzeitig rätselt man, wieso Johannes diese Zweckehe eingegangen ist. Letzteres ahnt man jedoch bald. Dennoch fesselt die Geschichte, weil man den Zusammenhang erkennen möchte zwischen den Miniaturen, den Ereignissen, dem Handwerker und Nella. Auch die Geheimnisse in der Familie Brandt wollen entschlüsselt werden. Leider lässt einen die Autorin da teilweise etwas im Stich. Einige Wendungen hätte man sich anders gewünscht. Was allerdings sehr gut dargestellt wird, ist die in der Zeit untergeordnete Stellung der Frau in der damaligen Zeit und Nellas aus der Not geborenen Versuche, sich dagegen zu stellen. Ein durchaus lesenswerter Roman in dem eine tolle Idee die Handlung bestimmt. Das Hörbuch wird sehr gut vorgetragen von Jana Marie Backhaus Tors.

Veröffentlicht am 25.12.2024

Das Forum

The Atlas Paradox
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Das zweite Jahr in der Alexandrinischen Gesellschaft beginnt für die sechs Magier, nein, fünf, denn Libby Rhodes ist nicht wieder aufgetaucht. Vielleicht musste gerade deshalb niemand sterben bis jetzt. ...

Das zweite Jahr in der Alexandrinischen Gesellschaft beginnt für die sechs Magier, nein, fünf, denn Libby Rhodes ist nicht wieder aufgetaucht. Vielleicht musste gerade deshalb niemand sterben bis jetzt. Gespannt warten sie auf den Initiationsritus, nur um dann etwas enttäuscht zu sein. Sollte sie das weiterführen? Zumindest müssen sie ein Forschungsthema auswählen. Doch die Forschungen oder auch nur das Finden eines Themas gestalten sich schwieriger als gedacht. Und was ist mit der Suche nach Libby? Auch die schreitet nicht richtig voran. Die verbliebenen Fünf haben eher den Eindruck, als ob die ganze Situation sie auseinander treibt anstatt sie kooperieren zu lassen.

In diesem zweiten Band der Trilogie um die Alexandrinische Gesellschaft gehen die Studien mehr schlecht als recht voran. Das Ziel ist allerdings nicht bekannt. Allerdings scheint es ein Ziel zu geben. Wobei die Mitglieder des Forums wohl so eine Art Gegenpol zu der Gesellschaft bilden. Sie wollen das Wissen der Gesellschaft an die Öffentlichkeit bringen, zumindest geben sie das vor. Hinzu kommt noch das Rätsel um die verschwundene Libby Rhodes. Besteht überhaupt eine Chance sie zu finden? Immerhin schafft Nicos Freund Gideon, eine vage Spur von Libby zu finden. Jedoch verrät sie nicht sobald, wo sie sich aufhält.

Und wieder hat die Bibliothek einem die Entscheidung abgenommen, in dem einem der zweite Band gerade vor Weihnachten und damit in der Urlaubszeit entgegen lachte. Ein wenig verwirrend geht die Geschichte der sechs Magier weiter. Zwar gibt es ein paar Andeutungen über das übergeordnete Ziel, doch so vage, dass man irgendwie nicht weiterkommt. Zumindest aber die Suche nach Libby, die so eigentlich garnicht stattfindet, ist spannend und überraschend. Allerdings wäre zu wünschen gewesen, dass das Ganze weniger mystisch oder magisch, sondern mehr kriminalistisch angegangen worden wäre. So geht etwas an Spannung verloren, weil man ein wenig die Gradlinigkeit und Klarheit vermisst. Dennoch möchte man das letzte Rätsel gelöst wissen und wird sich sogleich an die Lektüre des dritten Bandes machen, der freundlicherweise von der Bibliothek zu entleihen war. Überhaupt kommt einem der Gedanke, es könnte vielleicht besser sein, bei einer Trilogie das Erscheinen aller Bände abzuwarten, um sie dann am Stück zu lesen. Dann hat man die Vorgängerbände besser im Gedächtnis.

Veröffentlicht am 20.12.2024

Edgeworth

Ein Haus und seine Hüter
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Im Jahr 1885 bestimmt der Hausherr Duncan wie die Familie Weihnachten zu verbringen hat. Seine Frau Ellen und seine Kinder werden rumkommandiert. Andere Menschen vor den Kopf zu stoßen fällt Duncan leicht ...

Im Jahr 1885 bestimmt der Hausherr Duncan wie die Familie Weihnachten zu verbringen hat. Seine Frau Ellen und seine Kinder werden rumkommandiert. Andere Menschen vor den Kopf zu stoßen fällt Duncan leicht und er merkt noch nicht mal etwas davon. Als seine Frau Ellen erkrankt und nur wenig später stirbt, ist Duncan zunächst wie der reuige Sünder. Doch nur wenig später bringt er eine neue Frau heim, ohne auch nur die geringste Rücksicht auch seine Kinder zu nehmen, die kaum jünger sind als ihre neue Stiefmutter. Die Neue versucht sich mit allen Familienmitgliedern gut zu stellen. Und die Höflichkeit gebietet, so zu tun als ob.

Im viktorianischen England tickten die Uhren noch anders. Der Herr hatte im Haus das Sagen und egal wie verletzend er auftrat, recht hatte er trotzdem. Ob seine Frau so darunter litt, dass sie es nicht mal wagte, von ihrer angegriffenen Gesundheit zu berichten. Hätte sie noch länger leben können, wenn sie früher in Behandlung gewesen wäre? Wahrscheinlich ist das etwas, das die Kinder sich fragen. Oder der wegen des nicht vorhandenen Stammhalters designierte Erbe, der einfach abserviert wird als die um Freundlichkeit bemühte junge Frau einen echten Erben zur Welt bringt.

Bei diesem Hörbuch bringt der Vortragende Sebastian Walch mit den stimmlichen Nuancen, die er anwendet, den aus heutiger Sicht niedrigen Charakter Duncans, seine Blasiertheit, seine Bornierheit ausgesprochen gut zur Geltung. Mit dieser viktorianischen Zeit möchte man nicht tauschen. Das Getuschel im Dorf, die falschen Schmeicheleien. Meist wird im Roman geredet, was dem Hörbuch und seinem einfühlsamen Sprecher natürlich sehr entgegenkommt. Bereits im Jahr 1935 ist dieser Roman erstmals erschienen. Und doch empfindet man die Lektüre nicht als altertümlich oder altmodisch. Schon manche Geschichten von Goethe könnten durchaus als aktuell angesehen werden und so ist es auch hier. Die Erzählung über die Familienbande zwischen den Edgeworths und über die Beziehungen zu ihren Verwandten und Nachbarn könnte auch in der Gegenwart angesiedelt sein. Gewisse Charakterstudien scheinen zeitlos zu sein. Die Menschen werden halt nicht besser.

Die Farben des Covers sind sehr schön gestaltet. Wie in eine Kristallkugel scheint man ins Leben der Edgeworths zu blicken.