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Veröffentlicht am 25.12.2024

Das Forum

The Atlas Paradox
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Das zweite Jahr in der Alexandrinischen Gesellschaft beginnt für die sechs Magier, nein, fünf, denn Libby Rhodes ist nicht wieder aufgetaucht. Vielleicht musste gerade deshalb niemand sterben bis jetzt. ...

Das zweite Jahr in der Alexandrinischen Gesellschaft beginnt für die sechs Magier, nein, fünf, denn Libby Rhodes ist nicht wieder aufgetaucht. Vielleicht musste gerade deshalb niemand sterben bis jetzt. Gespannt warten sie auf den Initiationsritus, nur um dann etwas enttäuscht zu sein. Sollte sie das weiterführen? Zumindest müssen sie ein Forschungsthema auswählen. Doch die Forschungen oder auch nur das Finden eines Themas gestalten sich schwieriger als gedacht. Und was ist mit der Suche nach Libby? Auch die schreitet nicht richtig voran. Die verbliebenen Fünf haben eher den Eindruck, als ob die ganze Situation sie auseinander treibt anstatt sie kooperieren zu lassen.

In diesem zweiten Band der Trilogie um die Alexandrinische Gesellschaft gehen die Studien mehr schlecht als recht voran. Das Ziel ist allerdings nicht bekannt. Allerdings scheint es ein Ziel zu geben. Wobei die Mitglieder des Forums wohl so eine Art Gegenpol zu der Gesellschaft bilden. Sie wollen das Wissen der Gesellschaft an die Öffentlichkeit bringen, zumindest geben sie das vor. Hinzu kommt noch das Rätsel um die verschwundene Libby Rhodes. Besteht überhaupt eine Chance sie zu finden? Immerhin schafft Nicos Freund Gideon, eine vage Spur von Libby zu finden. Jedoch verrät sie nicht sobald, wo sie sich aufhält.

Und wieder hat die Bibliothek einem die Entscheidung abgenommen, in dem einem der zweite Band gerade vor Weihnachten und damit in der Urlaubszeit entgegen lachte. Ein wenig verwirrend geht die Geschichte der sechs Magier weiter. Zwar gibt es ein paar Andeutungen über das übergeordnete Ziel, doch so vage, dass man irgendwie nicht weiterkommt. Zumindest aber die Suche nach Libby, die so eigentlich garnicht stattfindet, ist spannend und überraschend. Allerdings wäre zu wünschen gewesen, dass das Ganze weniger mystisch oder magisch, sondern mehr kriminalistisch angegangen worden wäre. So geht etwas an Spannung verloren, weil man ein wenig die Gradlinigkeit und Klarheit vermisst. Dennoch möchte man das letzte Rätsel gelöst wissen und wird sich sogleich an die Lektüre des dritten Bandes machen, der freundlicherweise von der Bibliothek zu entleihen war. Überhaupt kommt einem der Gedanke, es könnte vielleicht besser sein, bei einer Trilogie das Erscheinen aller Bände abzuwarten, um sie dann am Stück zu lesen. Dann hat man die Vorgängerbände besser im Gedächtnis.

Veröffentlicht am 20.12.2024

Edgeworth

Ein Haus und seine Hüter
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Im Jahr 1885 bestimmt der Hausherr Duncan wie die Familie Weihnachten zu verbringen hat. Seine Frau Ellen und seine Kinder werden rumkommandiert. Andere Menschen vor den Kopf zu stoßen fällt Duncan leicht ...

Im Jahr 1885 bestimmt der Hausherr Duncan wie die Familie Weihnachten zu verbringen hat. Seine Frau Ellen und seine Kinder werden rumkommandiert. Andere Menschen vor den Kopf zu stoßen fällt Duncan leicht und er merkt noch nicht mal etwas davon. Als seine Frau Ellen erkrankt und nur wenig später stirbt, ist Duncan zunächst wie der reuige Sünder. Doch nur wenig später bringt er eine neue Frau heim, ohne auch nur die geringste Rücksicht auch seine Kinder zu nehmen, die kaum jünger sind als ihre neue Stiefmutter. Die Neue versucht sich mit allen Familienmitgliedern gut zu stellen. Und die Höflichkeit gebietet, so zu tun als ob.

Im viktorianischen England tickten die Uhren noch anders. Der Herr hatte im Haus das Sagen und egal wie verletzend er auftrat, recht hatte er trotzdem. Ob seine Frau so darunter litt, dass sie es nicht mal wagte, von ihrer angegriffenen Gesundheit zu berichten. Hätte sie noch länger leben können, wenn sie früher in Behandlung gewesen wäre? Wahrscheinlich ist das etwas, das die Kinder sich fragen. Oder der wegen des nicht vorhandenen Stammhalters designierte Erbe, der einfach abserviert wird als die um Freundlichkeit bemühte junge Frau einen echten Erben zur Welt bringt.

Bei diesem Hörbuch bringt der Vortragende Sebastian Walch mit den stimmlichen Nuancen, die er anwendet, den aus heutiger Sicht niedrigen Charakter Duncans, seine Blasiertheit, seine Bornierheit ausgesprochen gut zur Geltung. Mit dieser viktorianischen Zeit möchte man nicht tauschen. Das Getuschel im Dorf, die falschen Schmeicheleien. Meist wird im Roman geredet, was dem Hörbuch und seinem einfühlsamen Sprecher natürlich sehr entgegenkommt. Bereits im Jahr 1935 ist dieser Roman erstmals erschienen. Und doch empfindet man die Lektüre nicht als altertümlich oder altmodisch. Schon manche Geschichten von Goethe könnten durchaus als aktuell angesehen werden und so ist es auch hier. Die Erzählung über die Familienbande zwischen den Edgeworths und über die Beziehungen zu ihren Verwandten und Nachbarn könnte auch in der Gegenwart angesiedelt sein. Gewisse Charakterstudien scheinen zeitlos zu sein. Die Menschen werden halt nicht besser.

Die Farben des Covers sind sehr schön gestaltet. Wie in eine Kristallkugel scheint man ins Leben der Edgeworths zu blicken.

Veröffentlicht am 10.12.2024

Das Ultimatum

Ohne Wenn und Aber
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Kati Blum ist nicht in einer guten Phase. Vor einigen Monaten ist ihr Mann plötzlich verstorben. Darüber ist sie noch nicht hinweg. Sie ist erstmal in der ehelichen Wohnung geblieben, obwohl sie ihre Schwiegermutter ...

Kati Blum ist nicht in einer guten Phase. Vor einigen Monaten ist ihr Mann plötzlich verstorben. Darüber ist sie noch nicht hinweg. Sie ist erstmal in der ehelichen Wohnung geblieben, obwohl sie ihre Schwiegermutter Anke ertragen muss. Ihre Freundin Nina ist eine große Unterstützung. Als die alljährliche Weihnachtsfeier auf dem Anwesen ihrer Schwiegereltern stattfindet, verschwindet der Butler Richard und seltsame Gestalten wollen etwas von Kati zurückhaben, von dem sie nicht mal weiß, dass sie es hat. Der Sache muss Kati auf den Grund gehen, die Typen bedrohen sie schließlich. Und so macht sie sich auf den Weg nach Bad Bentheim.

Mit diesem Band beginnt die Reihe um Kati Blum und ihre Nachforschungen. Eigentlich arbeitet sie als Journalistin bei einer Bayreuther Lokalzeitung. Doch ihre Schwiegermutter ist manchmal etwas fordernd und so hilft sie eben auf der Weihnachtsveranstaltung aus. Ihr erstes Weihnachten ohne ihren Mann hätte sie sich etwas anders vorgestellt. Richtig überrascht und auch erschrocken ist sie, als sie von zwei Gestalten bedroht wird. Sie soll irgendwas herausrücken. Eigentlich kann nur ihr Mann damit zu tun gehabt haben, aber den kann sie ja nicht mehr fragen. Eine vage Spur führt nach Bad Bentheim und zu einem seltsamen Anhalter.

Dieser Cozy-Crime Roman stellt Kati Blum vor. Die junge Frau ist manchmal etwas impulsiv und ihr Mund funktioniert anders als ihre Gedanken. Trotz der durchaus bedrohlichen Lage versucht sie selbst herauszufinden, was ihr Mann verschwiegen hat. Die eigentlich ernste Lage führt manchmal zu lustigen oder auch kuriosen Situationen. Besonders als der Anhalter ins Spiel kommt, der etwas in Kati anspricht, was sie verschüttet glaubte. Manchmal erscheint sie ein wenig konfus oder naiv und begibt sich gedankenlos in Gefahr. Gewitzt ist sie allerdings schon. Und so weiß man nicht recht wie man sie einschätzen soll. Zum Ende hin geschieht alles etwas schnell und einige Hintergründe werden nicht geklärt. Dennoch wirken Kati und ihre Mitstreiter im Großen und Ganzen sympathisch. Dieser erste Band hat vielleicht noch nicht das ganze Potential ausgeschöpft, der Ansatz wirkt aber durchaus vielversprechend.

Veröffentlicht am 07.12.2024

Geheimnisse

Season Sisters – Frühlingsgeheimnisse
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Sie sind vier Schwestern, die Season Schwestern, und in alle Winde zerstreut. Spring hat ihr Elternhaus schon mit sechzehn verlassen. In London war aber auch nicht alles Gold und nach Drogenmissbrauch ...

Sie sind vier Schwestern, die Season Schwestern, und in alle Winde zerstreut. Spring hat ihr Elternhaus schon mit sechzehn verlassen. In London war aber auch nicht alles Gold und nach Drogenmissbrauch muss Spring Sozialstunden ableisten. So lernt die inzwischen Vierundzwanzigjährige Sophia kennen, die ihre Großmutter sein könnte. Die alte Dame wohnt zwar recht feudal, aber irgendwie heruntergekommen. Das Geld schient knapp zu sein. Nur widerwillig nimmt Spring die Arbeit auf. Zur ihrer Überraschung versteht sie sich bald gut mit Sophia und erfährt so, dass die alte Dame ganz aus der Nähe ihres eigenen Heimatortes stammt.

Die ist die erste Geschichte der vier Season Schwestern. Spring, die Frühlingsschwester erzählt, wie sich ihr Leben, das aus den Fugen geraten war, eine Wendung erfährt. Durch ihre Bekanntschaft mit Sophia beginnt sie darüber nachzudenken, ob sie mit ihrem Leben nicht noch etwas anderes anfangen will als sich nur treiben zu lassen. Doch zunächst schlägt sie Sophia vor, nach Wales zurückzukehren, damit jede der Beiden sich ihrer Vergangenheit stellen kann. Denn Sophia war einmal die Hausherrin von Daffodil Castle. Sie wurde vor Jahren in die Londoner Wohnung abgeschoben und der Kontakt zu ihren Enkeln wurde ihr verwehrt.

Die Frühlingsgeheimnisse bestehen zum einen aus Sophias Geschichte, die glaubt, ein düsteres Familiengeheimnis bewahren zu müssen, und zum anderen aus Springs Reflexion über ihr bisheriges Leben und wie sie es ändern kann und möchte. Zwei ungleiche Frauen, die sich doch gut verstehen und sich gegenseitig beflügeln. Das Spring ihre Jugendliebe Ethan wieder trifft gibt der Story noch eine zusätzliche Würze. Der Ansatz der Erzählung liest sich wirklich sehr angenehm spannend und interessant. Eine gute Mischung zwischen Erzählung und Gefühl. Allerdings gleitet die Handlung im letzten Drittel ins doch ein wenig Unglaubwürdige ab, um sich zum Glück gegen Ende wieder zu fangen. Und so bietet dieses von Marion Dreiseitel sehr schön vorgetragene Hörbuch gute Unterhaltung.

Veröffentlicht am 27.11.2024

Arbeitsloser

QualityLand
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In einem wunderbaren Land voller Level der Qualität lebt Peter Arbeitsloser. Mit dem Namen ist es nicht leicht, einen tollen Job zu finden. Als seine Freundin einen Schritt auf der Karriereleiter macht, ...

In einem wunderbaren Land voller Level der Qualität lebt Peter Arbeitsloser. Mit dem Namen ist es nicht leicht, einen tollen Job zu finden. Als seine Freundin einen Schritt auf der Karriereleiter macht, serviert sie Peter auch gleich ab. Der Algorithmus schlägt es vor, also wird es wohl so richtig sein. Peter verliert ein Level und Menschen mit einem Level unter zehn werden als Nutzlose bezeichnet. Einige Annehmlichkeiten sind dadurch weg. Doch seine Beschäftigung als Bediener einer Schrottpresse wird davon nicht beeinflusst. Die keine Firma hat er von seinem Großvater übernommen. Eigentlich wollte Peter Therapeut für technisches Gerät werden, aber kaputte Roboter sind nicht erlaubt und müssen verschrottet werden.

Im Quality Land wird viel von Algorithmen bestimmt. Die scheinen besser zu wissen, was man will als man selbst. Peter Arbeitsloser bekommt aber langsam den Eindruck, dass er mit den Bestimmungen des Algorithmus nicht einverstanden ist. Wo kann er denn mal nein sagen, ohne negative Konsequenzen zu spüren zu bekommen? Wieso gibt es im System nur die Antwort OK? Auf seine Art hält sich Peter nicht an alle Vorgaben. Ein System kann nicht perfekt sein, wenn es Menschen abstuft, sie zu Besseren, Schlechteren oder im Extremfall sogar zu Nutzlosen erklärt. Auch ist alles auf Konsum abgestimmt, was nicht unbedingt zur Lebenszufriedenheit führt, wenn einem nur die eigene kleine Welt dargestellt wird.

Was für eine Welt, die die Bekannte leider einigermaßen ähnlich ist, in der man irgendwie nicht leben möchte, mit der man sich doch irgendwie befassen muss. Die Allgegenwärtigkeit des Systems, das nur zu Zwecken seiner Inhaber oder Anteilseigner programmiert ist, wirkt erdrückend, beinahe schon bedrohlich. Wie wenige Menschen schaffen es, sich der Berieselung und der Kontrolle zu entziehen. Zu Beginn ist Peter Arbeitsloser gewiss keiner von ihnen. Erst nach und nach bekommt man den Eindruck, dass er anfängt, die vermeintlich in seinem Sinne getroffenen Entscheidungen des Systems zu hinterfragen. Man glaubt es kaum, Peter leistet seinen kleinen Widerstand. Eigentlich eine spannende Geschichte, die mit Sarkasmus und Ironie auf die Wirklichkeit blickt. Nur die ist einfach nicht schön. Diese Welt mag man nicht. Dennoch gönnt man Peter Arbeitsloser jeden kleinen Hoffnungsschimmer.