Tristesse
Als wir Schwäne warenDie Eltern sind aus dem Iran ausgereist und irgendwie sind sie in Deutschland gelandet. Es hätte auch irgendein anderes Land sein können. Die Mutter war Soziologin und der Vater Schriftsteller. Ihre Abschlüsse ...
Die Eltern sind aus dem Iran ausgereist und irgendwie sind sie in Deutschland gelandet. Es hätte auch irgendein anderes Land sein können. Die Mutter war Soziologin und der Vater Schriftsteller. Ihre Abschlüsse werden in Deutschland nicht anerkannt, das Abitur wenigstens schon. Etwas eigenartig finden sie, dass fremde Kinder an der Tür für eine Mark nach etwas zu essen fragen. Der Junge sorgt dafür, dass das nicht mehr vorkommt. Es ist das erste Mal, dass er einen anderen verprügelt. Wie es mit Kindern manchmal so ist, gründen sie eine Art Bande, die sich aber schnell wieder auflöst.
Wahrscheinlich haben die Eltern es sich nicht leicht gemacht mit ihrem Entschluss, die Heimat zu verlassen. Doch was hatten sie in der Fremde erwartet? Möglicherweise nicht, dass der Vater Taxi fahren muss, damit die Mutter wieder ein Studium aufnehmen kann. Ob sie es abschließt? Sie werden nicht richtig heimisch. Und der Junge bleibt ein Fremder unter Fremden. Immerhin ist geht er aufs Gymnasium. Allerdings ist er auch mit denen aus der Siedlung der Ruhrgebietsstadt in Kontakt, die auf die schiefe Bahn geraten. Auch er gerät in Gefahr, nur etwas Glück und eine Bewährungsstrafe verhindern den gänzlichen Absturz.
Angetan von den guten Rezensionen begibt man sich an das Buch, vielleicht um ein Verständnis dafür zu bekommen, wieso andere sich hier nicht willkommen fühlen. Möglicherweise ist es unausweichlich, dass man da enttäuscht wird. Man erfährt weder von den Erwartungen, noch zum Beispiel, ob etwas getan wurde, um anzukommen. Man erfährt nicht, ob der Junge die Schule abschließt. Man erfährt, dass er als Erwachsener in irgendeiner Art zu sich selbst findet. Er hat mehrfach den Mut zu gehen, aber irgendwie nicht den Mut anzukommen. Doch das ist sein Ziel, zu gehen und anzukommen. Man hofft, dass er es schafft. Man ist selbst aber genauso schlau wie vorher. Immerhin ist der Roman in geschliffener Sprache geschrieben und spannend zu lesen.