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Veröffentlicht am 28.04.2025

Landlust und Landfrust

Hier draußen
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Das Hamburger Ehepaar Ingo und Lara hat das Leben in der Stadt satt. Als sie in dem kleinen Dorf Fehrdorf eine Stunde außerhalb von Hamburg einen leerstehenden Bauernhof finden, scheint das Leben perfekt. ...

Das Hamburger Ehepaar Ingo und Lara hat das Leben in der Stadt satt. Als sie in dem kleinen Dorf Fehrdorf eine Stunde außerhalb von Hamburg einen leerstehenden Bauernhof finden, scheint das Leben perfekt. Die Kinder Erik und Erin sollen in der Natur, eingebettet in eine Dorfgemeinschaft, aufwachsen. Doch nach einer aufwändigen Renovierung stellt sich die Idylle nicht wie erwartet ein. Das tägliche Pendeln in die Stadt wird für Ingo immer mehr zur Belastung, Lara ist viel allein und kann ihren Job als Illustratorin nicht so ausüben, wie sie sich vorgestellt hatte.
Eines Abends fährt Ingo kurz vor Fehrdorf eine weiße Hirschkuh an. Der hinzugerufene Jäger Uwe besteht darauf, das Tier gemeinsam mit Ingo zu erschießen, da im Dorf erzählt wird, wer eine weiße Hirschkuh erschießt, habe nur noch ein Jahr zu leben. Diesen Fluch will Uwe nicht alleine tragen. Obwohl Ingo und Lara sich über den Aberglauben lustig machen, bleibt ein ungutes Gefühl zurück.
Ich hatte Probleme damit, in das Buch reinzukommen, nach etwa 100 Seiten war ich aber ganz in der Geschichte gefangen und es hat mir Spaß gemacht, die Bewohner von Fehrdorf kennenzulernen. Das Dorfleben ist alles andere als eine Idylle und geprägt von harter Arbeit, sei es im Schweinemastbetrieb oder auf der Hühnerfarm, die nur unter strengsten hygienischen Sicherheitsbedingungen betreten werden kann. Über Laras Anfrage, ob die Kinder sich nicht mal die süßen Küken anschauen können, können die Betreiber nur lachen, viel zu groß ist die Gefahr, Keime einzuschleppen. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Dorf werden beleuchtet. Tove ist zum Beispiel mit dem alten Griesgram Enno verheiratet, der sie praktisch als seinen Besitz ansieht. Das Geld, das sie bei ihrem Putzjob verdient, muss sie bei ihm abliefern, dass sie außerdem Tag und Nacht auf dem Hof schuftet, ist für Enno selbstverständlich. Doch Tove erkennt immer mehr, dass sie so nicht den Rest ihres Lebens verbringen will. „Hier Draußen“ ist ein äußerst interessanter Dorfroman ohne den romantisierenden Kitsch diverser Hochglanzmagazine, ein Buch, das ich nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr gerne gelesen habe und gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Und wenn es doch stimmt?

Vorsehung
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Auf einem australischen Inlandflug steht eine ältere Frau auf und beginnt damit, den Fluggästen ihr Todesjahr und die jeweilige Todesursache vorherzusagen. Manche tun sie sofort als Spinnerin ab, andere ...

Auf einem australischen Inlandflug steht eine ältere Frau auf und beginnt damit, den Fluggästen ihr Todesjahr und die jeweilige Todesursache vorherzusagen. Manche tun sie sofort als Spinnerin ab, andere sind geschockt, vor allem, da bei manchen der vorhergesagte Todeszeitpunkt schon kurz bevorsteht. Als dann eine junge Frau tatsächlich zum angegebenen Zeitpunkt stirbt, verbreitet sich die Geschichte rasend schnell im Netz. Die Leute sind verunsichert, was, wenn die „Todesdame“ keine Verrückte war, sondern eine tatsächliche Hellseherin?
Große Teile von „Vorsehung“ konnte ich kaum aus der Hand legen. Die Geschichte ist wirklich spannend, zumal die Wahrsagung großen Einfluss auf das weitere Leben der Flugpassagiere nimmt. Einer, dem für das nächste Jahr ein tödlicher Arbeitsunfall prognostiziert wurde, überlegt zum Beispiel seinen Job zu kündigen. Eine Frau, deren Kleinkind angeblich im Alter von sieben Jahren ertrinkt, belegt zwanghaft jeden Schwimmkurs mit dem Kleinen, den sie finden kann.
Jedes Kapitel beschäftigt sich mit einem anderen Fluggast und dessen Umgang mit der Prophezeiung. Abwechselnd dazu lernen wir die „Todesdame“ kennen, die in Wirklichkeit Cherry Hetherington heißt und deren Mutter tatsächlich ihren Lebensunterhalt mit Wahrsagen verdient hat. Diese Kapitel über Cherry und ihr Leben waren mir zum Teil etwas zu ausführlich. Das ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt an einem fesselnden Buch, das mir sehr viel Lesevergnügen bereitet hat!

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Gute Ideen

Wieso? Weshalb? Warum? Meine Vorlesegeschichten. Was passiert in Wald und Wiese?
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Wenn man „Was passiert in Wald und Wiese?“ aus der Reihe Wieso/Weshalb/Warum aufschlägt, findet man zuerst eine Auflistung der Familien, um die es in diesem Buch geht. Dabei fällt auf, dass die Autoren ...

Wenn man „Was passiert in Wald und Wiese?“ aus der Reihe Wieso/Weshalb/Warum aufschlägt, findet man zuerst eine Auflistung der Familien, um die es in diesem Buch geht. Dabei fällt auf, dass die Autoren Wert darauf gelegt haben, viele verschiedene Arten von Familien zu berücksichtigen. Da ist die klassische Mutter-Vater-Kind-Familie, aber auch der alleinerziehende Vater, die Patchworkfamilie und die Großeltern, die sich um den Enkel kümmern, solange die Eltern im Ausland arbeiten. Auf diese Art werden sich die meisten Kinder in diesem Buch wiederfinden. Die Familien haben verschiedene ethnische Hintergründe, auch das finde ich eine sehr gute Idee, denn selbst hier auf dem Dorf kommen die Kinder, die mit unserem Enkel den Kindergarten besuchen, bzw. deren Eltern und Großeltern, aus aller Herren Länder. Ebenfalls lobenswert ist es, dass die Großmutter des siebenjährigen Luca im Rollstuhl sitzt und als äußerst aktiv dargestellt wird. Leute mit Handicap kommen meiner Erfahrung nach doch eher selten in Kinderbüchern vor.
Wir begleiten in diesem Buch die Kinder Mara, Nesrin, Emil, Sofia und Luca auf ihren Abenteuern, bei denen sie allein oder mit ihren Familien die Natur erkunden. Dabei wird spielerisch Wissen vermittelt, beispielsweise dass Krähen in der Lage sind, Werkzeuge zu benutzen oder warum Tiere Winterschlaf halten. Das Buch hält auch praktische Tipps bereit. So habe ich zum Beispiel meine Rose von Jericho aus der Schublade geholt und gemeinsam mit meinem Enkel wieder zum Leben erweckt. Mit Sicherheit werden wir auch, sobald das Wetter es wieder zulässt, mal im Garten Stockbrot machen und im Sommer Wassereis mit Himbeeren, wie im Buch vorgeschlagen.
Die Illustrationen sind ebenfalls nett gemacht, wenn man von den Glubschaugen der Personen absieht. Alles in allem ist „Was passiert in Wald und Wiese?“ ein schönes Vorlesebuch mit guten Anregungen.

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Veröffentlicht am 04.10.2024

Der Sommer, der alles verändert

Bei Licht ist alles zerbrechlich
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Wir schreiben das Jahr 1942. Das kleine süditalienische Dorf Tora e Piccilli liegt weitab von großen Städten, vom Weltgeschehen und dem Krieg bekommt man hier nicht viel mit, bis eines Tages Juden aus ...

Wir schreiben das Jahr 1942. Das kleine süditalienische Dorf Tora e Piccilli liegt weitab von großen Städten, vom Weltgeschehen und dem Krieg bekommt man hier nicht viel mit, bis eines Tages Juden aus Neapel in ihren Ort zwangsumgesiedelt werden. Einer dieser Juden ist der junge Nicolas, der den Bauernjungen Davide durch sein Aussehen und seine Ausstrahlung sofort in seinen Bann zieht.
Davide, der wie die meisten Dorfbewohner Analphabet ist, sucht Nicolas‘ Nähe und mit der Zeit entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Darüber hinaus lernt Davide von Nicolas und dessen Vater Lesen und Schreiben, was Davides Vater, einen bösartigen Rohling, dermaßen in Rage bringt, dass er sich grausam an Davide rächt. Davides Jugendfreundin Teresa findet ebenfalls Gefallen an Nicolas, woraufhin Davide sich verletzt zurückzieht.
Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit verlässt er das Dorf und lebt von da an in Neapel. Dort schlägt er sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch, doch durch Zufall entdeckt er die Welt des Theaters für sich. Er wird zum gefeierten Schauspieler und Autor, doch findet er nie wieder Freundschaften wie mit Teresa und Nicolas. Nach einigen Jahren beschließt er, die beiden ausfindig zu machen.
„Bei Licht ist alles zerbrechlich“ ist ein Roman, der sehr eindrücklich die Entwicklung des körperlich eingeschränkten Sohns eines Schweinezüchters zum gefeierten Bühnenschauspieler, aber auch dessen bildungsfernes Aufwachsen in einem lieblosen Elternhaus und seine spätere Einsamkeit in der Großstadt beschreibt. Mich hat dieses Buch sehr berührt.

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Veröffentlicht am 11.07.2024

Das Ende einer Kindheit

Solito
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Im Alter von neun Jahren wird Javier, der in El Salvador bei seinen Großeltern aufgewachsen ist, auf die gefährliche Reise zu seinen Eltern in die USA geschickt. Die Eltern sind vor Jahren vor dem brutalen ...

Im Alter von neun Jahren wird Javier, der in El Salvador bei seinen Großeltern aufgewachsen ist, auf die gefährliche Reise zu seinen Eltern in die USA geschickt. Die Eltern sind vor Jahren vor dem brutalen Bürgerkrieg in ihrem Land geflüchtet und leben als illegale Einwanderer in Kalifornien. Auf der ersten Etappe der Strecke, die per Bus zurückgelegt wird, begleitet der Großvater den Jungen noch, dann übergibt er ihn an einen Fremden, der lediglich aus dem gleichen Ort wie Javier und sein Großvater stammt. Er bekommt dafür Geld, kümmert sich jedoch absolut nicht um Javier, der zum Glück von Patricia unter ihre Fittiche genommen wird, die mit ihrer zwölfjährigen Tochter unterwegs ist.
Die Flucht ist sehr beschwerlich und hart und beinhaltet beispielsweise eine Bootsfahrt auf dem offenen Meer, bei der die Flüchtlinge zusammengequetscht wie Sardinen nachts mit Dieselgeruch und Schlimmerem in der Nase stundenlang durch die Nacht gefahren werden. Angedacht war ein Zeitraum von zwei Wochen, bis Javier die USA erreicht, doch es dauert sehr viel länger. Die stundenlangen Wanderungen durch die mexikanische Wüste, in der es nachts sehr kalt wird, bei der die Flüchtlinge immer Gefahr laufen, entdeckt zu werden, ständige Angst und die Aufenthalte in menschenunwürdigen Behausungen, dazu die Einsamkeit und das Heimweh nach seiner Familie sind mehr als ein Neunjähriger jemals erleben sollte.
Als Leser weiß man zwar von Anfang an, dass die Flucht geglückt ist, denn Javier lebt heute in den USA, doch ist es sehr aufwühlend und herzzerreißend mitzuerleben, welche Strapazen und Ängste er als Kind erleben musste.
Was zunächst sehr irritierend ist, sind die vielen spanischen Ausdrücke, mit denen das Buch gespickt ist. Es hemmt den Lesefluss, immer im Glossar nachschlagen zu müssen und viele Begriffe dann doch nicht zu finden. Ich empfand dies zunächst als Ärgernis, habe dann allerdings in einem Interview mit dem Autor gelesen, dass er dieses Stilmittel ganz bewusst eingesetzt hat. Zamora möchte die Leser in dieselbe Lage versetzen, die Flüchtlinge erleben, die mit einer anderen Sprache, deren sie nicht mächtig sind, konfrontiert sind.
Javier bezeichnet seine Flucht als Ende seiner Kindheit und musste sich jahrelang einer Therapie unterziehen, um die erlebten Traumata zu verarbeiten.
Mich hat dieses Buch sehr bewegt, da es eindrücklich vor Augen führt, was das Wort Flucht eigentlich beinhaltet. Ein Roman, über den ich sicher noch längere Zeit nachdenken werde.

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