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Veröffentlicht am 03.03.2025

Der Wandel in den Köpfen

Ginsterburg
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Buchmeinung zu Arno Frank – »Ginsterburg«

»Ginsterburg« ist ein Roman von Arno Frank, der 2025 bei Klett-Cotta erschienen ist.

Zum Autor:
Arno Frank, geboren 1971, ist Publizist und arbeitet als freier ...

Buchmeinung zu Arno Frank – »Ginsterburg«

»Ginsterburg« ist ein Roman von Arno Frank, der 2025 bei Klett-Cotta erschienen ist.

Zum Autor:
Arno Frank, geboren 1971, ist Publizist und arbeitet als freier Journalist vor allem für den SPIEGEL, die taz und den Deutschlandfunk. Er lebt in Wiesbaden.

Zum Inhalt:
Nach der Machtergreifung ist in Ginsterburg ein neuer Alltag eingekehrt. Manche Einwohner der kleinen Stadt leiden, andere profitieren – und die meisten versuchen, sich mit der neuen Ordnung zu arrangieren. Allmählich aber öffnet sich unter dem Alltag der Abgrund.

Meine Meinung:
Die Geschichte der Einwohner des fiktiven Städtchens Ginsterburg kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme (1935), während seiner Blütezeit (1940) und während des Untergangs (1945) wird in ruhigen bildhaften Tönen erzählt. Es gibt viele kleine Episoden, die für sich eher unscheinbar wirken. Lothar Sieber wird vom jungen Außenseiter zum hochdekorierten Jagdflieger, der seine eigenen Ansichten beibehält. Seine Freundin Gesine kommt über den BDM zum dortigen Gedankengut. Beeindruckend die Szene, als sie als Schaffnerin jüdische Mitfahrer der Straßenbahn verweist und stolz darauf ist. Der Journalist Eugen und die Bibliothekarin Merle finden eine Nische zum Überleben. Komplex ist die Figur des Blumenhändlers, der als Bürgermeister und Gauleiter mehr und mehr an seine Grenzen gerät, aber gleichzeitig versucht, es allen recht zu machen. Es gibt zahlreiche Verbindungen zwischen diesen Figuren und irgendwie schafft man eine weitgehend friedliche Form des Zusammenlebens.
Die Geschichte ist nicht immer linear erzählt, und Alfie, der britische Bomberschütze, fällt von Beginn des Buches bis zum Ende von Himmel und lässt seinen Gedanken freien Raum. Die großen Verbrechen spielen kaum eine Rolle in dieser Geschichte. Der Leser spürt aber, wie sich die Ideologie einen Weg in die Köpfe der Menschen bahnt.
Eingebunden in das Buch sind einige Originaldokumente, die den Wandel sehr gut widerspiegeln.

Fazit:
Mich hat diese Geschichte nur teilweise überzeugt, weil zu viele Figuren nur nebenher laufen. So erhält man zwar viele Facetten und Informationen, aber es entsteht kaum Bindung zum Personal. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Trotzdem spreche ich eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Tod im Umfeld edlen Süßweins

Wilder Wein
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Buchmeinung zu Alexander Oetker – »Wilder Wein«

»Wilder Wein« ist ein Kriminalroman von Alexander Oetker, der 2024 bei Hoffmann & Campe erschienen ist. Dies ist der achte Fall für Commissaire Luc Verlain, ...

Buchmeinung zu Alexander Oetker – »Wilder Wein«

»Wilder Wein« ist ein Kriminalroman von Alexander Oetker, der 2024 bei Hoffmann & Campe erschienen ist. Dies ist der achte Fall für Commissaire Luc Verlain, der seine Fälle in der Aquitaine löst.

Zum Autor:
Alexander Oetker, geboren 1982, ist Bestsellerautor und TV-Journalist, als Frankreich-Experte von RTL und n-tv berichtet er seit 15 Jahren über Politik und Gesellschaft der Grande Nation. Er ist zudem Kolumnist und Restaurantkritiker der Gourmetzeitschrift Der Feinschmecker. Er lebt mit der Familie zwischen Brandenburg, Berlin und der französischen Atlantikküste.

Zum Inhalt:
Eine junge Bio-Winzerin ist in ihrer Gärhalle unter verdächtigen Umständen zu Tode gekommen. Luc Verlain und sein Kollege Yacine nehmen die Ermittlungen auf, stoßen aber auf eine Mauer des Schweigens.

Meine Meinung:
Bei den Kriminalromanen von Alexander Oetker freue ich mich immer auf die Informationen um den Fall herum. Diesmal geht es in das Zentrum des Süßweinanbaus nach Sauternes im Tal der Garonne. Die zu Tode gekommene Bio-Winzerin hat das ganze Dorf gegen sich aufgebracht mit ihrem Kampf gegen die traditionellen Anbaumethoden und womöglich gar Panscherei. Im Fokus stehen die Probleme der Weinbauern und Händler, die unaufdringlich in die Handlung eingebunden sind. Manches Fehlverhalten wird so verständlich, aber nicht tolerierbar. Die Figuren sind mit etlichen Grautönen gezeichnet und bieten Raum für Überraschungen. Die Ermittlungen kommen nur schleppend voran und so stehen atmosphärische Landschaftsbeschreibungen und leckere Mahlzeiten an. Das eiserne Schweigen der Dorfbewohner scheint undurchdringlich, bis anonyme Nachrichten den Fall voranbringen. Tempo und Spannung nehmen zu und es kommt zu einem Showdown mit allen Beteiligten in der Gärhalle, in der die Winzerin zu Tode gekommen ist.
Die Auflösung ist überraschend, vollständig und nachvollziehbar, hat mich aber nur bedingt überzeugt. Mich hat der Titel sehr gut unterhalten und wie eigentlich immer Lust auf einen Urlaub in der Region gemacht.

Fazit:
Mich hat auch dieses Buch des Autor sehr gut unterhalten und die Zusatzinformationen um den Fall herum sind ein deutlicher Mehrwert. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Empfehlen kann ich das Werk als atmosphärischen Urlaubskrimi.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Atmosphärisch dichte Fortsetzung für Rom< Beccare und ihr Team

Dünenmord
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Buchmeinung zu Katharina Peters – »Dünenmord«

»Dünenmord« ist ein Kriminalroman von Katharina Peters, der 2013 bei Aufbau Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der zweite Band um das Team von Romy Beccare, ...

Buchmeinung zu Katharina Peters – »Dünenmord«

»Dünenmord« ist ein Kriminalroman von Katharina Peters, der 2013 bei Aufbau Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der zweite Band um das Team von Romy Beccare, die auf Rügen ermittelt.

Zum Autor:
Manuela Kuck (geboren 8. Juni 1960 in Wolfsburg) ist eine deutsche Schriftstellerin, die unter ihrem eigenen Namen und unter dem Pseudonym Katharina Peters veröffentlicht.
Nach dem Abitur zog sie nach Berlin und studierte Germanistik und Kunstgeschichte. Sie lebt heute als freie Autorin im südlichen Berliner Umland und veröffentlicht Regionalkrimis, Romane, Frauenliteratur und Kurzgeschichten.

Zum Inhalt:
Am Strand von Göhren wird die Kindergartenleiterin Monika Sänger ermordet aufgefunden. Das Ermittlerteam um Kommissarin Romy Beccare ist wieder gefordert.

Meine Meinung:
Auch der zweite Band hat mich von Anfang an gefangen genommen. Die Kommissare Romy Beccare und Kasper Schneider sind wohltuend normal und wirken sympathisch. Fine Rohlbart ist die gute Seele im Präsidium und gibt den Ermittlern den nötigen Freiraum und Maximilian Breder ist der Datenspezialist des Teams. Sie ergänzen sich gut mit ihren Fähigkeiten und bilden bald ein eingespieltes Team. Die temperamentvolle und impulsive Romy Beccare muss manchmal durch den ruhigen Kasper Schneider eingefangen werden. Die Geschichte entwickelt sich langsam und der Leser lernt wieder Land und Leute kennen. Bald weisen Spuren in die DDR-Vergangenheit und Kasper kann alte Kontakte nutzen. Wie schon im ersten Band zeigen sich beim Mordopfer bei näherer Betrachtung dunkle Flecken, aber diesmal auch erfahrenes Leid. Die Ermittler bleiben hartnäckig und Romys Bauchgefühl weist in Richtung einer Tragödie. Es bleibt spannend und überraschende Wendungen fordern einen neuen Ansatz. Am Ende steht eine nachvollziehbar gelöster Fall, dessen Auflösung mir einige unterhaltsame Stunden beschert hat. Der Schreibstil ist atmosphärisch und eingänglich. Die Figuren wirken glaubhaft. Ich freue mich schon auf gen nächsten Band.

Fazit:
Ein atmosphärisch dichter Krimi mit erfreulich normalen Ermittlern und einer spannenden Handlung, der mich sehr gut unterhalten hat. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde ruhiger und atmosphärischer Geschichten.

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Veröffentlicht am 01.01.2025

In weiten Teilen gelungenes Debut

Kein Land in Sicht
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Buchmeinung zu Christina Pertl – »Kein Land in Sicht«

»Kein Land in Sicht« ist ein Kriminalroman von Christina Pertl, der 2024 bei Hoffmann und Campe erschienen ist.

Zum Autor:
Christina Pertl hat Publizistik ...

Buchmeinung zu Christina Pertl – »Kein Land in Sicht«

»Kein Land in Sicht« ist ein Kriminalroman von Christina Pertl, der 2024 bei Hoffmann und Campe erschienen ist.

Zum Autor:
Christina Pertl hat Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert, war als Journalistin tätig und arbeitet derzeit als freie Autorin an Romanen und Drehbüchern. Sie wurde 1982 in Graz (Österreich) geboren und lebt derzeit mit ihrer Familie in Bayern.

Zum Inhalt:
Eine junge Frau erwacht ohne Erinnerung auf einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer. Langsam kommt ihre Erinnerung zurück. Sie ist Kommissarin und auf einer Undercover-Mission, aber was ist passiert und wem kann sie trauen?

Meine Meinung:
Dieses Buch behandelt das überaus heikle Thema Menschen- und Organhandel, mit dem viel Geld verdient werden kann. Verdeckt arbeitende Ermittler sind verraten worden und kämpfen verzweifelt um ihr Überleben. Gerade die Szenen um den männlichen Kommissar, der mit einem Kind gefangen gehalten wird, sind harter Stoff und haben mich ob ihrer Grausamkeit geschockt. In einem zweiten Erzählstrang kämpft Kommissarin Sarah Peters um die Rückgewinnung ihrer Erinnerung. Sie weiß, dass sie verraten wurde, ist aber ratlos wem sie trauen kann. Trotzdem ermittelt sie unerschrocken weiter. Wiederholt muss sie sich die Frage stellen, wem sie überhaupt trauen kann. Neue Erkenntnisse lassen sie an ihrer Beurteilung zweifeln und ihre Unsicherheit wächst. Dann nähert sich der Zielhafen und das Tempo und die Spannung steigen deutlich. Am Ende ist der Fall gelöst, aber schmerzliche Verluste bestimmen das dunkle Bild.
Mir hat die Idee, sich diesem Thema von zwei Seiten zu nähern, sehr gefallen. Die Opferseite ist schwer auszuhalten, auch wenn fast komplett auf blutige Details verzichtet wird. Sarahs Kampf um ihre Erinnerung und die permanenten Zweifel an ihren Einschätzungen machen auf eine andere Art betroffen. Ich habe mit beiden Ermittlern mitgelitten und auf ein positives Ende gehofft. Beide Ermittler wirken sympathisch, während bei den übrigen Figuren die von der Autorin gesäten Zweifel wirken. Der Erzählstil ist eindringlich und voller Emotionen. Die Handlung konnte mich in weiten Teilen fesseln. Wie oft bei Thrillern habe ich mir die Frage gestellt, warum die skrupellosen Verbrecher die Ermittler nicht frühzeitig aus dem Weg geräumt haben.

Fazit:
Ein harter Thriller, der fast ohne blutige Details auskommt, mich aber dennoch fesseln konnte. Das Potential der Autorin ist spürbar, wird aber nicht voll genutzt. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und gebe eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 27.12.2024

Humorvoller Krimi im Journalistenmilieu

Hinterm Horizont geht's weiter
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Buchmeinung zu Lars Haider – »Hinterm Horizont geht's weiter«

»Hinterm Horizont geht's weiter« ist ein Kriminalroman von Lars Haider, der 2024 bei HOFFMANN UND CAMPE VERLAG erschienen ist. Dies ist der ...

Buchmeinung zu Lars Haider – »Hinterm Horizont geht's weiter«

»Hinterm Horizont geht's weiter« ist ein Kriminalroman von Lars Haider, der 2024 bei HOFFMANN UND CAMPE VERLAG erschienen ist. Dies ist der dritte Band um den Journalisten Lukas Hammerstein.

Zum Autor:
Lars Haider, geboren 1969 in Hamburg, ist seit 2011 Chefredakteur des Hamburger Abendblatts. Zuvor arbeitete er für verschiedene Zeitungen. Haider ist zusammen mit zwei Freunden Gastgeber des Wein-Podcasts Vier Flaschen, der alle zwei Wochen erscheint, und pflegt eine WhatsApp-Freundschaft mit Udo Lindenberg. Er ist ein fanatischer Krimileser und großer Fan von Agatha Christie.

Zum Inhalt:
Ein neuer Chefredakteur und eine Häufung von Unglücksfällen unter wohlhabenden älteren Hamburger Bürgern sorgen für Unruhe Journalist Lukas Hammerstein und Polizeireporterin Kaja Woitek haben einen neuen Fall.

Meine Meinung:
Auch diesmal haben mich die Ermittlungen im Journalistenmilieu von Anfang an mitgenommen. Jederzeit ist das Hamburger Flair spürbar. Neben der sympathischen Hauptfigur Lukas Hammerstein spielt die allzeit gendernde Kriminalreporterin Kara eine wesentliche Rolle. Seine drei Freunde aus dem Weinclub spielen diesmal eine noch kleinere Rolle. Udo Lindenberg hat etwas mehr Raum bekommen und diese Passagen haben etwas. Dackeldame Finchen ist ein wiederkehrender Träger humoristischer Einlagen. Der Schreibstil ist entspannt und mit Humor durchsetzt. Das Tempo ist meist gemächlich und trotzdem ist es spannend. Einige ältere Hamburger Prominente verunfallen tödlich und Lukas, der eine Portraitserie in diesem Umfeld schreiben soll, bekommt Zweifel, ob es wirklich Unfälle waren oder vielleicht doch Mordanschläge. Kaja und Lukas ermitteln eifrig, kommen aber nicht voran. Dann ist es ein ungeliebter Kollege, der eine neue Spur aufzeigt. Die Lösung ist nachvollziehbar, hat aber einen faden Beigeschmack und konnte mich nicht voll überzeugen. Am Ende sind alle Probleme gelöst und es herrscht eitel Sonnenschein.
Probleme der Medienbranche werden thematisiert und auch Eifersüchteleien zwischen den Journalisten spielen eine Rolle. Die Figuren sind zumeist liebevoll mit wenigen Ecken und Kanten gezeichnet. Einige überraschende Wendungen sorgen für Tempo und Spannung.
Die Geschichte wirkt stimmig und lange Zeit hatte ich keine Ahnung, wie die Dinge ein Ganzes ergeben. Auch diesmal gibt es einen passenden Showdown. Auch wenn dies der schwächste Band der Reihe gewesen ist, so habe ich mich immer noch gut unterhalten und mit Lukas und Kaja mitgefiebert.

Fazit:
Leider kann der dritte Band das Niveau seiner Vorgängers nicht halten, trotzdem ist es immer noch ein interessanter Titel. Folglich bewerte ich den Titel mit knappen vier von fünf Sternen (75 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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