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Veröffentlicht am 03.06.2025

Terrorismus zu Zeiten des Wahlkampfs

Echokammer
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Buchmeinung zu Ingar Johnsrud – »Echokammer«

»Echokammer« ist ein Kriminalroman von Ingar Johnsrud, der 2025 bei Droemer in der Übersetzung von Daniela Stilzebach erschienen ist. Der Titel der norwegischen ...

Buchmeinung zu Ingar Johnsrud – »Echokammer«

»Echokammer« ist ein Kriminalroman von Ingar Johnsrud, der 2025 bei Droemer in der Übersetzung von Daniela Stilzebach erschienen ist. Der Titel der norwegischen Originalausgabe lautet »Patrioter« und ist 2023 erschienen.

Zum Autor:
Ingar Johnsrud, geboren 1974, ist ein preisgekrönter norwegischer Spannungsautor. Mit seinem Thrillerdebüt Der Hirte (2017) gelang ihm ein internationaler Erfolg, den er mit den beiden Folgebänden Der Bote (2018) und Der Verräter (2019) fortschrieb. Echokammer ist der Auftakt einer neuen Thriller-Trilogie. Das Buch sorgte in Norwegen bereits für große Begeisterung bei Presse und Publikum und wurde mit dem »Sølvkniven«-Krimipreis ausgezeichnet.

Zum Inhalt:
In Norwegen stehen Parlamentswahlen an und die oppositionelle Arbeiterpartei kämpft verbissen um den Sieg. Die Sicherheitspolizei hat von Anschlagsplänen erfahren und die Anti-Terror-Ermittler Liselott Benjamin und Martin Tong versuchen fieberhaft, den Anschlag zu vereiteln.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich in vielerlei Hinsicht positiv überrascht. Liselott Benjamin untersucht einen Verkehrsunfall, bei dem ein Elch mit einem PKW zusammengestoßen ist. Bald übernimmt die Sicherheitspolizei den Fall und Liselott Benjamin arbeitet nun mit Martin Tong zusammen, der nach Alkoholproblemen ausgeschieden war. Zeitgleich wird Jens Meidell, Sohn einer Politiklegende, als Berater in das Wahlteam der Arbeiterpartei aufgenommen. Diese drei Figuren sind mit Ecken und Kanten gezeichnet, wirken kompetent und sympathisch. Neben der Suche nach den Terroristen werden politische Grabenkämpfe thematisiert und der zunehmende Einfluss der Social Media im Wahlkampf. Obwohl es meist relativ ruhig zugeht, empfand ich die Geschichte als sehr spannend. Es gibt etliche Nebenhandlungen und meine Vorurteile über die Mördergrube Politik und rechtsradikale Nationalisten wurden bedient. Überraschende Wendungen sorgen für zusätzliche Spannung und für einen Fortgang der Handlung, wenn ich glaubte das Ende erreicht zu haben.
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, meist aber aus der Sicht der beiden Ermittler oder des Beraters. Jens Meidell ist eine charismatische Figur, die überraschend viele dunkle Flecken beinhaltet. Benjamin und Tong harmonieren zunehmend besser und sind hartnäckig bis zum Ende. Der Abschluss der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, auch weil es kein klassisches Happy End gibt.

Fazit:
Dieser Titel hat mir sehr gut gefallen, weil Figuren und Handlung reichlich Raum für Überraschungen boten und die Spannung jederzeit gegeben war. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Spannende Ermittlungen im Archäologenumfeld

Die Brandung – Leichenfischer
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Buchmeinung zu Karen Kliewe – Die Brandung - Leichenfischer

»Die Brandung - Leichenfischer« ist ein Kriminalroman von Karen Kliewe, der 2025 bei dtv erschienen ist. Das ungekürzte Hörbuch ist 2025 bei ...

Buchmeinung zu Karen Kliewe – Die Brandung - Leichenfischer

»Die Brandung - Leichenfischer« ist ein Kriminalroman von Karen Kliewe, der 2025 bei dtv erschienen ist. Das ungekürzte Hörbuch ist 2025 bei Audible Studios erschienen und wird von Nora Jokhosha vorgetragen. Dies ist der zweite Band um den deutschen Kommissat Ohlsen Ohlsen und die dänische Archäologin Fria Svensson.

Zum Autor:
Karen Kliewe, Jahrgang 1970, hat als Fotografin, Illustratorin und Grafik-Designerin gearbeitet, bevor sie das Krimischreiben entdeckte. Sie lebt mit ihrer Familie im Westfälischen.

Sprecher:
Nora Jokhosha hat mich mit ihrem Vortrag überzeugt. Die einzelnen Figuren sind leicht erkennbar und der Text ist klar und deutlich verständlich.

Zum Inhalt:
Im deutsch-dänischen Grenzgebiet wird bei Ausgrabungsarbeiten die halb verweste Leiche einer jungen Frau gefunden. Deutsche und dänische Behörden beginnen zu ermitteln.

Meine Meinung:
Den ersten Band kenne ich nicht, aber das ist für das Verständnis auch nicht notwendig. Zuerst ermitteln Fria, als Berater der dänischen Polizei, und Ohlsen getrennt. Als eine zweite Leiche gefunden wird zieht auch Ohlsen einen externen Berater hinzu und die Teams tauschen sich miteinander aus. Spannung ist bon Angang an gegeben, aber im Laufe der Ermittlungen nimmt diese weiter zu. Ohlsen und Fria wirken sympathisch, möchten aber keinen zu engen Kontakt zulassen. Fria ist deutlich dynamischer und emotionaler angelegt, während Ohlsen mit mehr Überlegung und einem Hauch nordischer Kühle an den Fall herangeht. Meist wird die Geschichte aus der Sicht Frias oder Ohlsens erzählt. Eingeschoben sind Passagen aus Opfer- und aus Tätersicht, die für mehr Tempo sorgen. Die Figuren sind mit vielen Grautönen gezeichnet und bieten Spielraum für eigene Gedanken. Die Handlung ist komplex mit einigen Nebenhandlungen und mehrere überraschende Wendungen erhöhen die Spannung. Lange Zeit waren die Ermittler und auch ich auf einem Irrweg bei der Tätersuche. Dann bringt eine Spur den Durchbruch und mit einem soliden Showdown geht es dem Ende entgegen. Die Auflösung ist vollständig und nachvollziehbar. Der Titel hat mich sehr gut unterhalten.

Fazit:
Mich hat dieser Krimi mit seinem Setting, der Handlung, der Atmosphäre und der Figurenzeichnung überzeugt. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus. Auch das Hörbuch ist empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Der erste Fall hat Lust auf mehr gemacht

Dunkle Asche
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Buchmeinung zu Jona Thomsen – »Dunkle Asche«

»Dunkle Asche« ist ein Kriminalroman von Jona Thomsen, der 2025 bei HarperCollins erschienen ist.

Zum Autor:
Jona Thomsen ist das Pseudonym von Stefan Holtlötter, ...

Buchmeinung zu Jona Thomsen – »Dunkle Asche«

»Dunkle Asche« ist ein Kriminalroman von Jona Thomsen, der 2025 bei HarperCollins erschienen ist.

Zum Autor:
Jona Thomsen ist das Pseudonym von Stefan Holtlötter, der 1973 in Münster geboren wurde. Aufgewachsen auf einem Bauernhof lebt er seit vielen Jahren als freier Autor in Berlin. Unter verschiedenen Pseudonymen schreibt er Unterhaltungsromane, Romanbiografien, historische Romane und Kriminalromane.

Zum Inhalt:
Im Sommer 1992 wurde eine junge Frau im Badeort Kalifornien an der Ostsee ermordet. Dreißig Jahre später erhalten die Kommissarinnen Gudrun Möller und Judith Engster von der Cold Case Unit der Landeskriminalpolizei in Kiel neue Hinweise und beginnen zu ermitteln.

Meine Meinung:
Mich hat an diesem Buch zuerst das dunkle Cover mit der Landungsbrücke in unruhiger See angesprochen. Der Klappentext klang interessant und schon begann ich zu lesen. Gudrun Möller ist eine Einheimische und kannte das Opfer flüchtig. Sie war damals auch als Zeugin vernommen worden, hat aber nicht die volle Wahrheit ausgesagt. Ihre neue Kollegin Judith Engster hat sich nach Kiel beworben, hat aber noch Mann und Kinder in Rostock. Als Leser fragte ich mich, welche Geheimnisse dahinterstecken. Es gibt mehrere Erzählperspektiven, aber meist wird die Handlung aus der Sicht Gudrun Möllers erzählt. Einige Rückblenden ins Jahr 1992 und einige Passagen aus der Sicht des Täters sorgen vorerst für Verwirrung als für Aufklärung. Private Aktivitäten spielen auch eine Rolle und sorgen für eine Art Running Gag, wenn Gudrun ihr Date abbrechen muss. Die beiden Ermittlerinnen finden nur schwer zueinander, wirken aber trotzdem sympathisch und kompetent. Lange Zeit trübt eine gewisse Portion Misstrauen ob der Geheimnisse des jeweiligen Gegenübers das Vertrauensverhältnis. Stück für Stück werden alte Geheimnisse und Lügen aufgedeckt. Der Fall ist komplexer als gedacht und die Spannung steigt langsam an. Am Ende steht ein nachvollziehbar geklärter Fall und viele gelüftete Geheimnisse.
Der Erzählstil ist atmosphärisch, empathisch und leicht verständlich. Bis auf Die Hauptfigur ist die Figurenzeichnung eher flach, aber trotzdem bleiben die Verhaltensweisen der Beteiligten nachvollziehbar. Mich hat der Titel sehr gut unterhalten und Lust auf eine Fortsetzung gemacht.

Fazit:
Ein über lange Zeit ruhiger Kriminalroman, der mich mitnehmen konnte und sehr gut unterhalten hat. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Ein durchaus spannendes Zeitdokument

Campion. Tödliches Erbe
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Buchmeinung zu Margery Louise Allingham – »Campion. Tödliches Erbe«

»Campion. Tödliches Erbe« ist ein Kriminalroman von Margery Louise Allingham, der 2025 bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Edith ...

Buchmeinung zu Margery Louise Allingham – »Campion. Tödliches Erbe«

»Campion. Tödliches Erbe« ist ein Kriminalroman von Margery Louise Allingham, der 2025 bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Edith Walter erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet »Look To The Lady« und ist 1931 erschienen.

Zum Autor:
Margery Louise Allingham (1904-1966) war eine englische Schriftstellerin. Sie wird neben Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Ngaio Marsh zu den »Queens of Crime«, den wichtigsten vier Autorinnen von Detektivromanen des goldenen Zeitalters, gezählt.

Zum Inhalt:
Eine Verbrecherbande möchte den mystischen Kelch aus dem Besitz der Familie Gyrth rauben. Der Detektiv Albert Campion will dies verhindern und die Familie Gyrth schützen.

Meine Meinung:
Dieses Buch war meine erste Begegnung mit dem sympathischen Detektiv, der eher unauffällig auftritt. Er ist meist sehr gut informiert, verfügt über eine Reihe von Unterstützern mit ungewöhnlichen Fähigkeiten und versucht möglichst ohne Gewalt zu agieren. Er ist ein Denker, der aber auch physisch weit mehr zu bieten hat als auf den ersten Blick erkennbar. Die Figuren sind relativ einfach gezeichnet und weisen kaum Grautöne auf. Seine Gegner werden als sehr mächtig und skrupellos beschrieben. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, aber meist folgen wird dem Detektiv oder seinen Klienten. Der Schreibstil ist atmosphärisch und durchaus emotional. Der Kelch bringt eine mystische Komponente ins Spiel. Da es kaum Nebenhandlungen gibt, bleibt der Fokus auf dem Kriminalfall. Nach einem furiosen Auftakt geht es einige Zeit eher ruhig zu, bis die Geschichte wieder Fahrt aufnimmt. Mehrfach scheint Campion geschlagen zu sein, aber dann zaubert er wieder ein As aus dem Ärmel. Am Ende hat Albert Campion den Fall nachvollziehbar gelöst und Familie und Kelch geschützt. Man sollte sich halt nicht mit Albert Campion anlegen.

Fazit:
Ein atmosphärischer Krimi mit einem unauffälligen, aber bärenstarken Detektiv, der ein Meister im harmlos Wirken ist. Figurenzeichnung und Tempo passen zur Entstehungszeit und haben den Zeitgeist getroffen. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Der Wandel in den Köpfen

Ginsterburg
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Buchmeinung zu Arno Frank – »Ginsterburg«

»Ginsterburg« ist ein Roman von Arno Frank, der 2025 bei Klett-Cotta erschienen ist.

Zum Autor:
Arno Frank, geboren 1971, ist Publizist und arbeitet als freier ...

Buchmeinung zu Arno Frank – »Ginsterburg«

»Ginsterburg« ist ein Roman von Arno Frank, der 2025 bei Klett-Cotta erschienen ist.

Zum Autor:
Arno Frank, geboren 1971, ist Publizist und arbeitet als freier Journalist vor allem für den SPIEGEL, die taz und den Deutschlandfunk. Er lebt in Wiesbaden.

Zum Inhalt:
Nach der Machtergreifung ist in Ginsterburg ein neuer Alltag eingekehrt. Manche Einwohner der kleinen Stadt leiden, andere profitieren – und die meisten versuchen, sich mit der neuen Ordnung zu arrangieren. Allmählich aber öffnet sich unter dem Alltag der Abgrund.

Meine Meinung:
Die Geschichte der Einwohner des fiktiven Städtchens Ginsterburg kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme (1935), während seiner Blütezeit (1940) und während des Untergangs (1945) wird in ruhigen bildhaften Tönen erzählt. Es gibt viele kleine Episoden, die für sich eher unscheinbar wirken. Lothar Sieber wird vom jungen Außenseiter zum hochdekorierten Jagdflieger, der seine eigenen Ansichten beibehält. Seine Freundin Gesine kommt über den BDM zum dortigen Gedankengut. Beeindruckend die Szene, als sie als Schaffnerin jüdische Mitfahrer der Straßenbahn verweist und stolz darauf ist. Der Journalist Eugen und die Bibliothekarin Merle finden eine Nische zum Überleben. Komplex ist die Figur des Blumenhändlers, der als Bürgermeister und Gauleiter mehr und mehr an seine Grenzen gerät, aber gleichzeitig versucht, es allen recht zu machen. Es gibt zahlreiche Verbindungen zwischen diesen Figuren und irgendwie schafft man eine weitgehend friedliche Form des Zusammenlebens.
Die Geschichte ist nicht immer linear erzählt, und Alfie, der britische Bomberschütze, fällt von Beginn des Buches bis zum Ende von Himmel und lässt seinen Gedanken freien Raum. Die großen Verbrechen spielen kaum eine Rolle in dieser Geschichte. Der Leser spürt aber, wie sich die Ideologie einen Weg in die Köpfe der Menschen bahnt.
Eingebunden in das Buch sind einige Originaldokumente, die den Wandel sehr gut widerspiegeln.

Fazit:
Mich hat diese Geschichte nur teilweise überzeugt, weil zu viele Figuren nur nebenher laufen. So erhält man zwar viele Facetten und Informationen, aber es entsteht kaum Bindung zum Personal. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Trotzdem spreche ich eine Leseempfehlung aus.

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