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Veröffentlicht am 30.01.2025

Historischer Jugendroman mit Fantasyelementen

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
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Im Jahr 1884 lebt Inez Olivera bei ihrer Tante und ihren Cousinen Elvira und Amarantha in Buenos Aires. Ihre Eltern, die als Forscher arbeiten, verbringen den Großteil des Jahres in Ägypten. Inez sehnt ...

Im Jahr 1884 lebt Inez Olivera bei ihrer Tante und ihren Cousinen Elvira und Amarantha in Buenos Aires. Ihre Eltern, die als Forscher arbeiten, verbringen den Großteil des Jahres in Ägypten. Inez sehnt sich nach Abenteuern und träumt davon, eines Tages ihre Eltern begleiten zu dürfen. Doch dann erreicht sie die schockierende Nachricht vom Tod ihrer Eltern, und Inez macht sich heimlich auf den Weg nach Kairo zu ihrem Onkel, um mehr über die Umstände des Todes ihrer Eltern zu erfahren.

"What the River Knows. Geheimnisse des Nils" ist eher ein historisches Abenteuer- und Liebesdrama mit wenigen Fantasy-Elementen, was ihn auch für Einsteiger in dieses Genre geeignet macht. Das Magiesystem erschien mir jedoch nicht immer ganz nachvollziehbar, ich hätte mir etwas mehr Hintergrundinformationen gewünscht.

Besonders gut gefallen haben mir die Themen Kolonialismus, die Problematik gestohlener ägyptischer Kulturgüter und der Verlust des kulturellen Erbes für die Einheimischen. Ende des 19. Jahrhunderts waren Artefakte aus Ägypten sehr begehrt, Grabstätten wurden geplündert, und die Funde wurden nach Europa verschifft. Das passt hervorragend in die heutige Debatte über die Rückgabe dieser Schätze. Im Buch werden diese Plünderungen und Betrügereien eindrucksvoll dargestellt. Zudem fand ich die detailgetreue Beschreibung des Landes sehr gelungen. Der Vibe Ägyptens wurde gut eingefangen, und ich konnte mich wunderbar in die Szenerie versetzen.

Die Geschichte entwickelt sich anfangs sehr langsam, was mir stellenweise etwas zäh vorkam, und manchmal fehlte mir der rote Faden. Gegen Ende nimmt das Tempo jedoch kräftig an Fahrt auf, und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Inez ist eine starke Protagonistin, die für ihre Zeit sehr fortschrittlich ist, und ihre Entwicklung ist gut dargestellt. Allerdings wirkte sie auf mich manchmal zu naiv und unbedarft. Die Liebesgeschichte mit Whit konnte mich ebenfalls nicht wirklich berühren.

Trotzdem werde ich den zweiten Teil auf jeden Fall lesen, da mich das Ende neugierig gemacht hat und ich die Thematik rund um den Artefakthandel äußerst spannend finde. Insgesamt vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 22.01.2025

Zwiegespalten

Für immer
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"Und ich werde die Zeit anhalten, diesen Augenblick, in dieser Nacht, ich halte sie für euch an, genau diese Zeit." (S.313)

Von allen unbemerkt bleibt am 6. Juni die Zeit stehen, dann fällt auf, es kommen ...

"Und ich werde die Zeit anhalten, diesen Augenblick, in dieser Nacht, ich halte sie für euch an, genau diese Zeit." (S.313)

Von allen unbemerkt bleibt am 6. Juni die Zeit stehen, dann fällt auf, es kommen keine Babys mehr zur Welt und niemand stirbt. Die Natur wächst weiter, nur die Menschen stagnieren, die Haare hören auf zu wachsen, der Körper steht still.

In "Für immer" erleben wir diese Situation aus vielen verschiedenen PoV´s, es gibt zum Beispiel eine Kriegsfotografin, die einen Hirntumor hat, einen Vater, der sich auf sein Baby freut oder eine Angestellte in einem Bestattungsunternehmen, die ein Adrenalinjunkie ist und Extremsport betreibt.

Diese vielen Sichtweisen haben mir den Einstieg ins Buch etwas erschwert, ich habe recht lange gebraucht, bis ich in der Handlung angekommen war. Dann fand ich es sehr interessant, wie die einzelnen Menschen mit dieser unwirklichen Situation umgehen, inwieweit sie ihr Leben beeinflusst und was sich gesellschaftlich verändert.

Leider fand ich die Gedanken wie es zu diesem Zeitstillstand kommt und die Lösung dazu irgendwie unausgereift und unbefriedigend. Hätte die Autorin das ganz weglassen und den Zeitstillstand als Tatsache dargestellt, wäre es wahrscheinlich besser gewesen.

Fazit: Interessante Prämisse mit Schwächen in der Umsetzung. 3,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 23.09.2024

Konnte mich nur teilweise überzeugen

Spellshop
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Ich hatte mich im Vorfeld sehr auf dieses Buch gefreut, leider konnte es mich am Ende nur teilweise überzeugen.
Die introvertierte Kiela ist Bibliothekarin und muss aus Alyssium flüchten, da es Unruhen ...

Ich hatte mich im Vorfeld sehr auf dieses Buch gefreut, leider konnte es mich am Ende nur teilweise überzeugen.
Die introvertierte Kiela ist Bibliothekarin und muss aus Alyssium flüchten, da es Unruhen in der Stadt gibt und ihre geliebte Bibliothek in Flammen steht. Zum Glück kann sie zusammen mit ihrem Freund Caz, einer lebendigen Pflanze, ein paar Bücher retten. Sie flüchtet auf die kleine Insel Caltrey, auf der das alte Cottage ihrer Eltern steht. Sie beginnt ein neues Leben und eröffnet einen kleinen Laden, in dem sie unter anderem Marmelade anbietet. Schnell merkt sie, dass die Insel einige Probleme hat, bei denen sie vielleicht helfen könnte.
Gut gefallen haben mir der eindrückliche und detailverliebte Schreibstil, die magische Welt mit den vielen magischen Geschöpfen, gerade die sprechenden Pflanzen haben es mir sehr angetan, und die herzliche Gemeinschaft der Inselbewohner. Eigentlich alles, was man für einen cosy Fantasyroman braucht.
Allerdings ist das Worldbuilding nur oberflächlich ausgearbeitet, einige Punkte werden angedeutet, dann aber nicht näher erklärt. Stattdessen passieren ständig irgendwelche Dinge. Gerade ab dem Plottwist war ich nur noch genervt, weil es sich für mich nach unnötigem Drama angefühlt hat. Die Autorin wollte hier wahrscheinlich mehr Tempo einbauen, was ihr meiner Meinung nach aber nicht gelungen ist. Eigentlich besteht das Buch ab einem gewissen Punkt nur noch aus den inneren Konflikten der Protagonistin und dem nächsten Drama.
3,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Geheimnisse über drei Generationen

Real Americans
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Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, wie ich dieses Buch bewerten soll. Real Americans ist keine schlechte Geschichte, aber sie konnte mich leider nicht wirklich überzeugen.

Der Roman mischt ...

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, wie ich dieses Buch bewerten soll. Real Americans ist keine schlechte Geschichte, aber sie konnte mich leider nicht wirklich überzeugen.

Der Roman mischt viele Genres: Coming-of-Age, Generationenroman, Familiengeschichte, dazu ein guter Schuss Wissenschaft und eine kleine Prise Magie. Es gibt ein großes Geheimnis, dem man im Laufe der Geschichte Stück für Stück näherkommt. Das ist grundsätzlich interessant, hat mich aber kaum mitgerissen und ist recht langatmig erzählt.

Im Mittelpunkt stehen drei Generationen: Lily, ihr Sohn Nick und Lilys Mutter May. May ist während der Kulturrevolution aus China geflohen. Lily lebt nach einer Beziehung, die scheitert, als alleinerziehende Mutter. Ihr Sohn Nick macht sich auf die Suche nach seinem Vater und stößt dabei auf Wahrheiten, die lange verborgen waren.

Das Buch greift viele wichtige Themen auf, wie beispielweise Herkunft, Identität, Fremdheit und Wissenschaftsethik. So gerne ich diese Themen sonst lese, konnte es mich hier nicht mitreißen. Am stärksten fand ich den letzten Teils des Buches, in dem die Oma ihre Geschichte erzählt, aber dieses wiegt den Rest für mich nicht auf.

Veröffentlicht am 20.05.2025

Fast vergessenes Trauma

Am Meer ist es schön
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„Wir haben unsere Narben davongetragen, und die bleiben uns bis ans Ende unseres Lebens. Ich will Gerechtigkeit. Ich will, dass man davon weiß.“ (S.309/310)

In „Am Meer ist es schön“ begleiten wir Susanne, ...


„Wir haben unsere Narben davongetragen, und die bleiben uns bis ans Ende unseres Lebens. Ich will Gerechtigkeit. Ich will, dass man davon weiß.“ (S.309/310)

In „Am Meer ist es schön“ begleiten wir Susanne, deren Mutter im Sterben liegt. Dieses Ereignis reißt alte Wunden auf. Als Kind wurde Susanne aufgrund ihres geringen Gewichts ohne ihre Eltern in ein Kurheim geschickt. Was sie dort erleben musste, verfolgt sie bis heute und auch ihre Mutter trägt die Schuld noch in sich.

Die Geschichte springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was grundsätzlich gut funktioniert, aber teilweise den Lesefluss hemmt, vor allem die Gegenwartskapitel wirken mitunter etwas zäh, die Rückblicke sind teils eindringlich, teils auch etwas schleppend. Dadurch hat auch die emotionale Tiefe gelitten. Trotz der dramatischen Erfahrungen hat mich das Buch nicht so berührt, wie es dieses wichtige Thema eigentlich sollte.

Besonders erschütternd ist die Schilderung der Zustände in den sogenannten "Verschickungsheimen", ein Thema, das fast vergessen scheint und das das Buch trotz mancher Schwächen lesenswert macht. Der Stil ist typisch Leciejewski: etwas kitschig, aber noch im Rahmen. Insgesamt liest sich der Roman zügig, die Umsetzung bleibt jedoch hinter dem wichtigen Thema zurück.

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