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Veröffentlicht am 20.04.2017

Schwächer als der Vorgänger, aber immer noch klasse

Rache und Rosenblüte
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Nachdem ich den ersten Band letzte Woche verschlungen und geliebt habe musste bei dem doch recht offenen Ende sofort der zweite Band her (ärgerlicherweise kamen mri die Feiertage ind ie quere) Und auch ...

Nachdem ich den ersten Band letzte Woche verschlungen und geliebt habe musste bei dem doch recht offenen Ende sofort der zweite Band her (ärgerlicherweise kamen mri die Feiertage ind ie quere) Und auch wenn das hier meckern auf hohem Niveau ist, muss ich doch gestehen, dass mich der 2. Band nicht ganz so umgehauen hat,wie sein Vorgänger.

Aber von vorne: Nach 397 Seiten Zorn, Hass Sehnsucht und Liebe haben sich Chalid und Shahrzad endlich gefunden. Doch leider währt das Glück der beiden nicht lange, den der Fluch holt sie ein. Schweren Herzens beschließt Shahrzad Ray und damit Chalid zu verlassen. Doch Shahrzad wäre nicht Shahrzad wenn sie einfach kampflos aufgeben würde! Es muss eine Möglichkeit geben den Fluch zu brechen , doch was das Paar noch nicht weiß: An den Grenzen zu Chorasan braut sich eine weitere Bedrohung zusammen...

Hach, schon mit ihren ersten Sätzen hat mich die Autorin weder in die gnadenlose Hitze der Wüste und in eine berauschende orientalische Welt voller Farben und Gerüchen versetzt. Es brauchte nur ein paar Worte und ich stand wieder an der Seite von Shahrzad und Chalid, als wäre ich nie weg gewesen (gut in meinem Fall, war es ja wirklich keine lange Trennung)
Wie auch schon im ersten Band zeigt Renèe Ahdieh auch hier ihr Talent den Leser mit einer für Jugendbücher überraschend ausgefeilten Sprache sofort abzuholen und zu entführen. Weg vom Alltagsstress und rein in eine zauberhafte Welt.

Im Gegensatz zum Vorgänger bekommen wir in Rache und Rosenblüte mehr von Chorasan zu sehen (Das Land gabes früher übrigens wirklich mal und lag zwischen dem heutigen Iran und Afganistan) Allgemein fokussiert sich die Handlung nicht mehr ganz so stark auf Shahrzad und Chalid und bezieht stattdessen mehr Nebencharaktere und weitere Handlungsstränge ein.
Das hatte natürlich den Vorteil, dass man Charakter wie Irsa, Rahim oder Jahandar, die im Vorgänger noch eher nebensächlich waren besser kennen lernt und mehr über ihre jeweiligen Persönlichkeiten erfährt. Auch dass man nun die ein oder andere Perspektive mehr zu lesen hatte und die magischen Elemente verstärkt wurden, sowie die ein oder andereüberraschende Wendung bereicherten die Handlung.

Allerdings fehlte mir etwas die Raffinesse vom Vorgänger. In diesem Teil wird halt mehr getan, als geredet. Das dämpfte allerdings für mich den Faktor, den Zorn und Morgenröte so großartig gemacht hat. Shahrzad ist zwar noch so schlagfertig wie eh und je, hat aber kaum Gelegenheit die zu zeigen, da ihr Gesprächspartner entweder nicht darauf eingehen (Irsa) oder sie nur sinnlos bedroht (Salim) Ihr fehlen leider die verbal ebenbürtigen Gegner. Auch hätte ich mir ein paar mehr Szenen mit Shahrzad und Chalid allein gewünscht. Immerhin, an den Stellen, an denen sie mal zu zweit sind ist der Zauber ebenso da wie beim Vorgänger.

Fazit:

Der zweite und letzte Band dieser magischen Geschichte aus 1001 Nacht kann zwar seinem Vorgänger nicht ganz das Wasser reichen, schließt die Geschichte rund um Shahrzad und Chalid aber zufriedenstellend und immer noch auf hohem Niveau ab.

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Veröffentlicht am 06.01.2020

Ein zauberhaftes Märchen aus 1001 Nacht

Zorn und Morgenröte
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Ich schäme mich. Ich schäme mich, dass ich dieses wundervolle Buch ein ganzes Jahr auf meinem SUB hab liegen lassen, ohne es zu lesen. Auf der anderen Seite kann ich jetzt gleich den zweiten Band hinterher ...

Ich schäme mich. Ich schäme mich, dass ich dieses wundervolle Buch ein ganzes Jahr auf meinem SUB hab liegen lassen, ohne es zu lesen. Auf der anderen Seite kann ich jetzt gleich den zweiten Band hinterher lesen und musste nicht sehnsüchtig warten. ^^

Meine Meinung
Zorn und Morgenröte entführt uns die die mystische Welt von 1001 Nacht. Genau wie bei der klassischen orientalischen Märchensammlung wird das Kalifat von einem grausamen Herrscher regiert, der jede Nacht eine junge Frau heiratet, nur um sie bei Sonnenaufgang zu ermorden. Dieses Schicksal ereilt auch Shahrzads beste Freundin Shiva. Von Trauer und Hass getrieben beschließt Shahrzad den König mit allen Mittel zu bekämpfen, auch wenn sie dabei selbst ihr Leben riskieren muss. Doch bald muss sie feststellen, dass mehr hinter der grausamen Fassade steckt …

Hach mir fehlen einfahc die Worte, wie sehr ich dieses Buch liebe. Von der ersten Seite an konnte mich Renèe Agdieh's Schreibstil packen. Sie schaffte es einen wahrlich in die Orientalische Welt zu entführen. Die Welt ist voller Farben, Gewürzen und Gerüche. Ich sah den prächtigen Palast, fühlte des Damast auf meiner Haut und schmeckte die exotischen Gewürze.
Doch dies allein war nicht der Grund warum mich der Schreibstil so begeistern konnte. Was dieses Buch wirklich zum einem Lesegenuss macht sind die herrlichen Dialoge zwischen den Charakteren.

Shahrzad ist eine starke Persönlichkeit. Sie ist willensstark, intelligent, temperamentvoll und schlagfertig. Sie hat eine scharfe Zunge, doch verpackt sie es stets auf gekonnte Art und Weise. Hier liegt für mich die ganz große Stärke des Schreibstils. Die Autorin schafft es auf herrliche Art und Weise viel Ironie, Sarkasmus und versteckte Spitzen zwischen den Zeilen einzubauen. Es hat mich vom Stil her ein bisschen an Stolz und Vorurteil erinnert. Da steckt auch viel Ironie und Kritik zwischen den Zeilen.

Natürlich war es nicht nur der Schreibstil allein,d er mich begeistern konnte. Die ganze Geschichte rund um Shahrzad ließ mich von Anfang an nicht mehr los. Wer 1001 Nacht kennt, dem wird das ein oder andere bekannt vorkommen, aber die Märchensammlung kann her als Inspiration angesehen werden, da die Geschichte doch recht schnell ihren eigenen Weg einschlägt.
Shahrzad war für mich eine bemerkenswerte Protagonistin. Sie ist nicht ohne Fehler und ihr Gegenpart Chalid schon gar nicht, aber wer ist das auch schon, und wer würde es dann auch noch lesen wollen? Die Beziehung zwischen den beiden fand in einem angenehmen Tempo statt und was mir sehr gefallen hat: Sie hat ihre Höhen und Tiefen. Sie haben Widrigkeiten und Missverständnisse zu überwinden und es ist nicht gleich alles Happy lovely-dovey nur weil man festgestellt hat, dass man etwas empfindet.

Das Ende war dann etwas gemein, weil es mich sofort nach den zweiten Band schreien ließ. Glücklicherweise war die nächste Buchhandlung nicht weit ^^


Fazit
Zorn und Morgenröte konnte mich mit seinem orientalischen Zauber, einer schlagfertigen Protagonistin und eine ehrliche Liebesbeziehung restlos überzeugen. Von nun an gehört es zu den all time favourite ♥

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Veröffentlicht am 23.01.2025

7 gegen das Universum

Aurora erwacht
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Obwohl das Buch direkt nach Erscheinen auf meiner Wuli wanderte und mich die zahlreichen positiven Meinungen dazu nur darin bestärkt haben, es haben zu wollen, fristete das Buch eine ganze Weile auf der ...

Obwohl das Buch direkt nach Erscheinen auf meiner Wuli wanderte und mich die zahlreichen positiven Meinungen dazu nur darin bestärkt haben, es haben zu wollen, fristete das Buch eine ganze Weile auf der Liste und dann nochmal eine weitere längere Zeit auf dem SUB. Und nun ja hier sind wir nun. 2024 bin ich etwas late to the game, was den Hype angeht, aber egal, schauen wir mal trotzdem, was dran ist.

Squad 312
So ganz unbedarft bin ich in das Buch nicht gestartet. Jay Kristoff konnte mich schon mit seiner Nevernight Trilogie begeistern und von dem Duo habe ich schon die ersten beiden Bände der Illuminae Saga gelesen. Ich wusste also schon ein bisschen, was ich erwarten konnte und doch fühlte sich das Buch wie ein wilder Ritt durch die Galaxie an.
Das lag zum einen an der Handlung. Von der ersten Seite an wird ein rasantes Tempo vorgelegt, und es gibt kaum einen Moment, in dem die Spannung abflacht. Sobald Squad 312 mit ihrem Raumschiff abgehoben sind, geht es quer durch die Galaxie von einem Ort zum nächsten, von der einen Gefahr, zur anderen. Langweilig wird es definitiv nie.

Und selbst wenn Squad 312 gerade nicht die Party des reichsten Sammlers der Galaxie crasht oder Planeten erkundet, die es gar nicht geben sollte, bekommt man als LeserIn einiges geboten. Mit sieben Hauptcharakteren ist so einiges los. Das Gute: trotz dieser Menge an Agierenden bleibt kein Squad Mitglied unter dem Radar. Kaufmann und Kristoff nehmen sich, gerade in den Episoden zwischen zwei Reisezielen, viel Zeit, um in zahlreichen Dialogen die individuellen Persönlichkeiten der Crewmitglieder herauszukitzeln.
Was anfangs ein wild zusammengewürfelter Haufen von Misfits war, wächst schnell zu einem echten Team zusammen, klar war das erwartbar, macht es aber trotzdem nicht weniger schön mitzuerleben und die Gruppendynnamik im Squad 312 hat mir viel Spaß gemacht.

Holy Cake und Son of a biscuit
So packend die Geschichte und so liebenswert die Charaktere auch sind, die Dialoge mit ihrem teils übertriebenen Jugendslang und den sarkastischen Sprüchen wirken manchmal etwas zu konstruiert. Es ist offensichtlich, dass die AutorInnen die jugendliche Zielgruppe ansprechen wollen, doch oft fühlt es sich weniger natürlich an und mehr wie ein Versuch, krampfhaft „cool“ zu wirken. Besonders Auri mit ihren permanenten Holy Cake und Son of a biscuit ging mir tierisch auf den Keks, ja Wortspiel beabsichtigt. Vielleicht bin ich mittlerweile einfach zu alt für sowas, aber wenn es nach mir ginge, wäre hier weniger manchmal mehr gewesen, auch wenn der Humor an sich durchaus unterhaltsam ist.

Fazit:


Insgesamt ist Aurora erwacht ein packender Science-Fiction-Roman, der mit großartigen Charakteren, einer aufregenden Handlung und einer mitreißenden Gruppendynamik überzeugt. Trotz kleiner Schwächen bei den Dialogen ist es ein Buch, das Spaß macht und definitiv Lust auf die Fortsetzung weckt. Wer actionreiche Geschichten mit einer Prise Humor und einer starken Crew liebt, sollte diesen wilden Ritt nicht verpassen!

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Veröffentlicht am 22.01.2025

Es macht einfach Laune!

Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaijū-Monster
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Auf dieses Buch habe ich mich gefreut, seit ich es letzten Herbst im Cross Cult Programm entdeckt habe und hab es direkt vorbestellt. Ich mein, ein Forschungsteam, dass Godzillas Friends untersucht, das ...

Auf dieses Buch habe ich mich gefreut, seit ich es letzten Herbst im Cross Cult Programm entdeckt habe und hab es direkt vorbestellt. Ich mein, ein Forschungsteam, dass Godzillas Friends untersucht, das klingt das unterhaltsamer, kurzweiliger Lektüre, was kann da schon schiefgehen? Gut, das dachte ich beim Drachenzoo auch und ihr könnt ja lesen, wie es mir mit Der große Zoo von China ergangen ist. Ob die Kaijus dasselbe Schicksal erleiden mussten, wie die Drachen?

Der beste, schlimmste Job der Welt
Das Buch startet ohne viel Federlesen. Schon auf den ersten Seiten verliert Jamie seinen Job und schon ein paar Seiten weiter sitzt er am Flughafen auf dem Weg in fremde (Kaiju)Gefilde. Das macht den Einsteig in die Geschichte unkompliziert und leicht und schon nach kurzer Zeit steigt der Spannungsbogen, weil man zusammen mit Jamie staunend diese andere Welt und die fremdartigen Kreaturen entdeckt.
Was dann folgt ist erstmal Alltag in der Forschungsstation. Klingt vielleicht erstmal langweilig, aber wir reden hier ja von der Erforschung 30m hoher radioaktiver Riesenviecher in Begleitung von aggressiven Parasiten im Fressrausch. “Erforschen” heißt hier also durchaus mal sich mit Kaiju-Stinkepheromone einzureiben, um nicht gefressen zu werden, oder in einem wahnwitzigen Helikopterflug vor einem Kaiju im Paarungsrausch zu flüchten. An Action mangelt es also nicht, mir haben aber genauso auch die ruhigeren Szenen im Camp sehr gefallen. Der Zusammenhalt im Team ist toll und erinnerte mich an meine Ausgrabungen während des Studiums. Klar völlig anderes Themengebiet und “Gefahrenlevel”, aber dieses “gemeinsam im Feld leben und arbeiten” Gefühl ist dasselbe und hat sehr dazu beigetragen, dass ich mit dem Buch so viel Freude hatte. Ja insgeheim hätte ich sogar Lust dort zu arbeiten. Also “Hallo Gesellschaft zur Erhaltung der Kaijū-Monster, falls es euch doch gibt und ihr das hier lest: Ich kann prima Dinge tragen! Call me.”

Wie ihr sehr hatte ich wirklich meinen Spaß mit dem Buch, da kann ich dann auch locker drüber hinwegsehen, dass die Figuren nicht allzu vielschichtig sind. Es ist halt ein Action/Abenteuerroman, hier geht es um Unterhaltung, nicht um Tiefgründigkeit. Es soll einfach Laune machen, und das tut dieses Buch. Und manchmal ist das auch genau das, was man im stressigen Alltag braucht: Ein Buch zum Abschalten in dem riesenhafte Echsenmonster sich aus Versehen auf Raum-Zeit-Risse setzten, Upps.
Mein einziger Kritikpunkt am Buch ist, dass die Story doch sehr geradlinig ist. Wie gesagt, es braucht für mich hier gar nicht großartig irgendwelche tiefgreifende, den Sinn des Universum hinterfragende Gesellschaftskritik, aber den ein oder anderen Plottwist, der noch etwas mehr Schwung und Unvorhersehbarkeit ind ie Handlung gebracht hätte, hätte gerade dem finalen Showdown noch gutgetan.

Fazit:


Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaijū-Monster ist großartige Unterhaltung für Zwischendurch. Ein Buch, das einem nicht viel abverlangt, sondern einfach nur Spaß macht. Noch ein bisschen mehr Pepp, grade beim Finale und ich wäre restlos begeistert gewesen.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

In der Tiefe wartet das Grauen

From Below - Die Toten warten
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Dieses Buch hatte es recht spontan auf meine Must-have Liste im April geschafft, denn ich hatte es eher kurzfristig zum Et überhaupt entdeckt. Genauso spontan war dann der Kauf (sonst verbringen Bücher ...

Dieses Buch hatte es recht spontan auf meine Must-have Liste im April geschafft, denn ich hatte es eher kurzfristig zum Et überhaupt entdeckt. Genauso spontan war dann der Kauf (sonst verbringen Bücher bei mir meist erst einige zeit auf der Wuli), was zum einen vielleicht auch am super Ebookpreis lag, aber auch weil ich einfach so richtig Lust auf einen unterhaltsamen Horrorroman hatte und das Thema “Geisterschiff” immer ganz besonders spannend finde. Doch hat sich dieser Impulsivkauf gelohnt?

Titanic goes Horror
Das Motiv des Geisterschiffs ist so alt, wie das Horrorgenre selbst, eigentlich sogar älter, wenn man den zahlreichen, schon seit Jahrhunderten auf See kursierenden Seemannsgarn von allerhand gespendeter und Geister auf den sieben Weltmeeren berücksichtigt. In der Vergangenheit mögen es die langen, oftmals rauen tage auf See gewesen sein, die die Fantasie der Seeleute beflügelt hat, doch auch heute ist die Faszination von verfluchten Schiffen und mysteriösen unbemannt dahintreibenden Booten ungebrochen. Und dann ebenso unsere heutige Faszination für die Luxusliner aus dem Anfang des 20. Jh. mit ihrer krassen Ambivalenz zwischen strenger Klassenhierarchie und Dekadenz. Und immer natürlich das Unglück der Titanic im kollektiven Gedächtnis

So oder so, diese Kombination war von Anfang an also sehr vielversprechend. Da braucht es dann tatsächlich auch gar nicht so viel Innovation im grundlegenden Handlungsverlauf. Eine Gruppe von Abenteuern/Schatzsucher/Forscher, was auch immer entdeckt ein seit Jahren verschollenes Schiff und geht auf Erkundungstour. Darcy Coates weicht hier von diesem aus diversen Horrorfilmen/Literatur bekannten Schema wenig ab, aber das muss sie auch gar nicht. Gerade weil man hier als Leser/in eine Ahnung hat, wie die Handlung verlaufen wird, steigt man schon beim allerersten Tauchgang mit der Crew schon mit erhöhtem Nervenkitzel ein, zumindest war es bei mir so. Sind unsere Protagonisten noch zunächst arglos und voller Forscherdrang, ist man selbst beim Lesen schon recht angespannt und hinterfragt jeden geschilderten Schatten, jede falsche Bewegung im Wasser argwöhnisch.
Das machte für mich das Buch von Beginn an spannend, auch wenn auf den ersten Tauchgängen gar nicht so viel passiert.

Da bleibt einem die Luft weg…
Dass auch die erste Hälfte des Buches ohne allzu viele Jumpscares unterhaltsam und spannend ist, liegt für mich auch an der hervorragenden Umsetzung des tachsettings. Man merkt zum einen, dass die Autorin entweder selbst dem Tauchsport nachgeht oder aber sehr gut recherchiert hat, jedenfalls bot das Buch bei allem Grusel auch interessante Einblicke in Techniken, Ausrüstung und Verhaltensweisen beim Tauchen, ich kann sagen, dass ich einiges gelernt habe.
Zum anderen ist besagtes Setting eben auch einfach mega beklemmend und damit nervenaufreibend. 100 Meter Wasser über sich, eine tiefe, in der man (wie gelernt) ein spezielles Gasgemisch im Tank haben muss, weil a) der Sauerstoff durch den Wasserdruck eine toxische Wirkung entfaltet und b) der in normaler Luft enthaltener Stickstoff zum sogenannten Tiefenrausch, einem betrunken ähnelnden Zustand führen kann. Von der allgemein bekannteren Taucherkrankheit mal ganz zu schweigen.
Schon ohne die übernatürlichen Vorgänge auf der Arcadia wäre also eine Erkundung des Wracks gefährlich und “intensiv” gewesen doch mit dem Schrecken, der dort unten Lauert, entfaltet sich beim Lesen eine bedrückende, doch einnehmende Atmosphäre, die einen sprichwörtlichen Sog ausübt und mich völlig in ihren Bann gezogen hat.

Der unbekannte Schrecken in der Tiefe
Bis kurz vor Schluss hätte ich dem Buch die volle Punktzahl gegeben und es wäre ein klarer Anwärter auf ein Jahreshighlight geworden. Doch leider, leider, ließ mich mal wieder das Ende eines Horrorromans in der Luft hängen. Ich liebe übernatürlichen Horror, aber eine Sache ist mir immer sehr wichtig: Ich will”s genau wissen. Ich brauche Hintergründe und Erklärungen, will immer ganz genau wissen, warum es spukt, woher der Fluch oder das Monster kommt und warum was auch immer in dem jeweiligen Roman grade Thema ist, gerade in Erscheinung tritt. Diese verborgene Geschichten und Vergangenheiten eines Ortes, von Figuren oder Objekten etc. zu erfahren, ist für mich ein großer Reiz des Genres und unabdingbar, damit mir ein Horrorroman wirklich gefällt.

Und zunächst schien From Below hier auf einem guten Weg, denn die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen die Gegenwart in der das Dokuteam das Wrack erkundet und zum anderen die Vergangenheit auf der letzten Fahrt der Arcadia. Die Autorin hat es geschickt gemacht und setzt den Beginn des Vergangenheit-Handlungsstrangs einige Tage vor Untergang des Schiffes an, sodass auch diese Rückblenden zunächst dem/der Leser/in nicht zu viel verraten und Geheimnisse erst nach und nach aufgedeckt werden. Das funktioniert lange Zeit sehr gut, doch zum Ende hin, als die Ereignisse dramatischer werden, scheinen die Ursachen in den Hintergrund zu rücken und irgendwann hören die Erklärungen ganz auf, obwohl bei weitem nicht alle Fragen geklärt sind. So schilder uns Darcy Coates zwar prinzipiell, wer oder was für den Untergang der Arcadia verantwortlich ist, lässt aber wichtige Details aus, wie etwa was genau XXX ist, wie es überhaupt dahinkam und was seine Beweggründe sind. Einfach nur “es ist böse” fand ich schon immer schwach.
Diese offenen Fragen, die mich nach Beenden des Buches nicht ganz zufrieden zurückließen, sind der Grund, dass das Buch die volle Punktzahl knapp verfehlt hat. Eine Leseempfehlung verdient es aber allemal, denn der Unterhaltungsfaktor war für mich bis zum Ende trotzdem sehr hoch.

Fazit:


Knapp am Jahreshighlight vorbeigerauscht. Dank eines spannenden (und gut recherchierten) Settings und eine wunderbar beklemmenden Atmosphäre hat das Buch mich fast komplett fesseln können und ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen. Lediglich die lückenhaften Hintergründe zum Schrecken in der Tiefe konnten mich mit meinem Wissensdurst nicht ganz überzeugen. Aber lesenswert ist das Buch dennoch allemal.

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