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Veröffentlicht am 07.02.2025

Leckere Klassiker

Lieblingssüßigkeiten vegan
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Ich sag's, wie es ist: Ich bin ein Süßmaul. Allerdings darf es dann auch wiederum nicht zu süß sein, deshalb gehen mir viele gekaufte Süßigkeiten echt auf die Nerven, weil einfach immer so viel Zucker ...

Ich sag's, wie es ist: Ich bin ein Süßmaul. Allerdings darf es dann auch wiederum nicht zu süß sein, deshalb gehen mir viele gekaufte Süßigkeiten echt auf die Nerven, weil einfach immer so viel Zucker dran ist. Dazu kommt, dass ich auch mehr für die Umwelt tun möchte und da ist das Umstellen auf vegan einfach mal der nächste, logische Schritt.

So weit, so gut. Das war mein Vorwort zu der Motivation, es mit diesem Buch zu probieren. Es gibt auch eine Erklärung der Autorin zu ihrer Motivation, und dann geht es schon los. Sie unterteilt die leckeren Klassiker in Cremes, Kekse, Gebackenes, Snacks und Aufstriche und erklärt ausführlich die Herstellung der Süßigkeiten. Für mich war es halt wichtig, dass nicht für jedes Rezept mega viele fancy Zutaten gebraucht werden und das hat sie wirklich gut hingekriegt. Abgesehen von wenigen Leckereien braucht man nichts, was es nicht in jedem gut sortierten Supermarkt gibt. Die Anweisungen sind klar und die Sachen, die ich ausprobiert habe, haben funktioniert und vor allem: geschmeckt.

Ja, gut. Sie sahen vielleicht nicht so perfekt aus wie auf den Bildern (da läuft einem schon das Wasser im Mund zusammen), aber trotzdem schmeckt das, was herauskommt. Für mich ist das das Wichtigste, zumal im Prinzip wirklich alle bekannten Marken oder Lieblingssüßigkeiten nachgebaut werden, ohne dass Tiere drunter leiden müssen. Win/win, würde ich sagen - wobei wir das, was die Waage sagt, vielleicht ignorieren sollten.

Veröffentlicht am 24.01.2025

Am Hofe des Elfenkönigs

The Courting of Bristol Keats
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Bristol Keats lebt mit ihren Schwestern seit dem Tod ihrer Eltern in einem kleinen Ort und sie haben Mühe, sich über Wasser zu halten. Als sich jemand als eine entfernte Verwandte ihres Vaters ausgibt, ...

Bristol Keats lebt mit ihren Schwestern seit dem Tod ihrer Eltern in einem kleinen Ort und sie haben Mühe, sich über Wasser zu halten. Als sich jemand als eine entfernte Verwandte ihres Vaters ausgibt, erfährt Bristol Unglaubliches: Nicht nur, dass es Elfen und Feenwesen gibt, sondern dass ihr Vater im Reich der Elfen gelebt hat. Die Elfen brauchen ihre Hilfe: Sie suchen nach Menschen, die die Fähigkeit haben, Portale zu öffnen und zu schließen. Um ihren Schwestern ein gutes Leben zu ermöglichen, geht Bristol mit ihnen. Doch im Elfenreich droht ein Krieg, die magische Ausbildung ist hart, das Leben hier seltsam - und dann ist da auch noch der junge Elfenkönig Tyghan, der nicht so ein Hohlkopf ist, wie es am Anfang schien.

Gleich vorneweg: Wer keine Geduld hat, sollte nicht zu diesem Buch greifen. Zwar ist der Schreibstil sehr locker, wunderschön und besser als 90 Prozent aller anderen Fantasybücher, aber die Autorin nimmt sich Zeit. Zeit, ihre wichtigsten Charaktere einzuführen, aber auch für ihr Worldbuilding. Und das ist im wahrsten Sinne des Wortes zauberhaft. Es gibt so viele originelle Details zu erkunden, die zu dieser Welt gehören, genauso wie verschiedene Wesen, die hier existieren. Mir gefällt auch die Annäherung zwischen Bristol und Tyghan, zumal Tyghan ihr zwar aus taktischen Gründen wichtige Dinge verschweigt, aber als Mann ist er eine absolute green flag. Vermutlich werden viele schon deshalb das Buch runterstufen - ich meine, wo gibt''s denn so was, ein Loveinterest, das die Frau nicht wie den letzten Dreck behandelt? Nein, nein. So was wollen wir doch nicht, oder? Nun, ich will das und mir gefällt es.

Was mir an diesem Buch auch gefällt, ist, dass es wirklich schwer ist, hier zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Tyghan hat einen Erzfeind, der einst sein bester Freund war, aber ihn verraten hat. Wenn man allerdings erfährt, warum dieser Erzfeind tat, was er tat - dann sieht das Ganze vielleicht schon wieder anders aus. Genauso mit der großen Bedrohung, die der Schurkenelfenkönig gegen die anderen Reiche einsetzt. Wenn man erfährt, was es mit dieser "Bestie" auf sich hat, ist man hin und hergerissen. Ich habe keine Ahnung, wie das im nächsten Teil weitergeht oder allgemein aufgelöst wird, aber mich hat dieses Buch absolut gecatcht und ich habe gleich zu Beginn des Jahres ein Highlight gefunden.

Veröffentlicht am 19.01.2025

Say Their Names!

The Five
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saytheirnames Polly, Annie, Elizabeth, Catherine und Mary-Jane.

Diese fünf Frauen werden als die kanonischen Fünf bezeichnet und damit als die "wahren" Opfer von Jack the Ripper. Und das war's. Während ...

saytheirnames Polly, Annie, Elizabeth, Catherine und Mary-Jane.

Diese fünf Frauen werden als die kanonischen Fünf bezeichnet und damit als die "wahren" Opfer von Jack the Ripper. Und das war's. Während über diesen kranken Mörder unendliche Bücher, Filme, Graphic Novels, Lieder, Spiele - wasauchimmer - existieren, kennt fast niemand ihre Opfer. Und da sie bereits im "Herbst des Schreckens" 1888 von den Zeitungen als Prostituierte gebrandmarkt wurden, ist diese Meinung über mehr als einhundertdreißig Jahre einfach übernommen worden, ohne auch nur einmal an dieser Aussage zu zweifeln. Ich nehme mich da nicht aus.

Hallie Rubenhold jedoch hinterfragt. Wer einen reißerischen Bericht über den Ripper selbst, seine Taten oder grelle Beschreibungen der Verstümmelungen erwartet, wird von diesem Buch enttäuscht werden. Wen jedoch wirklich die Opfer interessieren, bekommt hier einen ausführlichen Einblick. Und wenn wir ehrlich sind, ist die Zusammenfassung der Leben oder überhaupt DES Lebens im viktorianischen Zeitalter abseits aller Hollywoodrosawölkchen beinahe härter beim Lesen zu ertragen als alles, was der Ripper diesen Frauen antun konnte. Ich habe für das Buch Wochen gebraucht, weil ich es immer wieder weglegen musste. Wie Frauen aus den ärmsten Schichten damals gelebt haben, war so furchtbar, dass - und hier kommt das Perfide bei der Lektüre - ich schon fast immer aufatmete, wenn der Tag des Mordes kam. Diese Frauen hatten bis dahin alles erlebt, was Männer ihnen antun konnten. Oder was männlich geprägte Gesetze und Moralvorstellungen ihnen aufzwangen. Wenn man das liest und ganz besonders in der heutigen Zeit, wo so vieles darauf hindeutet, dass wir uns eher wieder in diese Richtung bewegen, kann man es nur mit der Angst zu tun bekommen.

Lasst uns am besten den Täter vergessen und stattdessen der Opfer gedenken:

saytheirnames Polly, Annie, Elizabeth, Catherine und Mary-Jane.

Veröffentlicht am 25.11.2024

Rettet den Krötor!

Akademie Splitterstern 1: Akademie Splitterstern
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Wenn der Zauberadept Ribisel nervös ist, ploppen Frösche rings um ihn herum auf. Und leider ist Ribisel ein unsicherer Junge, der sehr oft nervös ist. Und noch leiderer wird er zusammen mit den Akademieschülern ...

Wenn der Zauberadept Ribisel nervös ist, ploppen Frösche rings um ihn herum auf. Und leider ist Ribisel ein unsicherer Junge, der sehr oft nervös ist. Und noch leiderer wird er zusammen mit den Akademieschülern Erika (Barbarin), Garek (Wächter) und Fenja (Schurkin) zum Rektor von Splitterstern zitiert. Wenn das kein Grund zum Nervössein ist, dann ... ups. Plopp. Aus dem Rektor wird ein Krötor. Und es gibt nur eine Chance, ihn wieder von seinem krötigen Dasein zurückzuverwandeln, wenn die vier eine Quest unternehmen. Zusammen mit dem knochigen Schädel Denny, dem feigen Federbären Zuckerschnabel und dem verfressenen Pigasus müssen sie sich ins Knochenmoor wagen und die Schlangenkrone finden. Ein Kinderspiel, wenn es dort nicht vor lauter Fallen und tödlichen Gefahren wimmeln würde ...

Kann es etwas Cooleres geben als einen Kinderbuchautor, der auch noch illustrieren kann? Kann es. Nämlich einen Kinderbuchautoren, der eine richtig schöne Geschichte erzählen kann über Freundschaft, Zusammenhalt, Ausgrenzung, Verrat und Vertrauen, über Abenteuer, über witzige Tierwesen, über das Hinauswachsen angesichts von Gefahren - und das Ganze mit wunderbaren Illustrationen versieht. Mein Vorlesekind und ich haben jede Seite genossen, weil man immer wieder innehalten und die Bilder betrachten, sich Gedanken übers Aufleveln der Adepten und über die Motive gewisser Personen grübeln kann. Akademie Splitterstern mag nur die zweitbeste HeldInnenschule der Splitterlande sein (und unter uns, bei einigen ihrer fragwürdigen pädagogischen Methoden haben sie es nicht anders verdient, als hinter irgendeiner anderen Schule zu stehen), aber eines ist sie gewiss: erstklassige Unterhaltung für groß und klein.

Veröffentlicht am 24.10.2024

Angharad

A Study in Drowning (A Study in Drowning, Band 1)
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In einer Welt, der unseren absolut nicht unähnlich, lebt die junge Effy Sayre. Sie studiert Architektur, denn das, was sie eigentlich studieren möchte - Literatur - ist für Frauen verboten. Dennoch kennt ...

In einer Welt, der unseren absolut nicht unähnlich, lebt die junge Effy Sayre. Sie studiert Architektur, denn das, was sie eigentlich studieren möchte - Literatur - ist für Frauen verboten. Dennoch kennt sie das Nationalepos - Angharad - fast auswendig. Die Geschichte einer jungen Frau, die vom Elfenkönig entführt, gefangen und zu seiner Braut genommen wurde, die sich jahrzehntelang gegen ihn behauptet und ihn am Ende besiegt, ist manchmal das Einzige, was Effy aufrecht erhält. Sie nimmt Tabletten, weil sie angeblich unter Wahnvorstellungen leidet: Sie kann den Elfenkönig sehen mit Knochenkrone und Skelettfingern und sie fürchtet sich vor ihm. Als Effy eine Ausschreibung zur Neugestaltung des Hauses von Myrddin gewinnt, dem Verfasser von Angharad, gerät sie in einen Strudel unvorstellbarer Ereignisse.

Wow, was für ein Buch. Es hat mich fast von Anfang an völlig reingezogen. Der Schreibstil ist intensiv und jeder sensible Mensch erkennt schnell, dass Effy nicht nur unter Angstzuständen leidet, sondern auch sexuell missbraucht wurde. Und das von einer Person, die sie beschützen sollte, ein Professor der Universität. Dazu gibt man ihr auch noch die Schuld daran. In diesem Buch werden so viele Dinge angesprochen, die Frauen von Männern erdulden müssen, so vieles, das noch immer als "normal" gilt, solange es ein Mann tut, dass man manchmal schreien möchte. Gleichzeitig ist es ein Buch, das Mut macht, denn die Frauen, die hier so vieles aushalten müssen, sind stark, sie entwickeln sich, sie kämpfen, sie stehen für sich auf und ein. Und es gibt sogar ein oder zwei Männer, die auf ihrer Seite stehen. Das ist kein Buch, in dem der Held die Heldin wie Dreck behandelt und das okay ist, weil er hot oder reich ist. Hier struggeln normale Menschen mit dem, was richtig und falsch ist und "normale" Männer tun, was noch immer viel zu oft als "normal" angesehen wird. Sie stehlen Frauen ihre Werte, ihre Leistungen, ihre Identität, sie kassieren die Anerkennung für das, was Frauen getan haben, sie schmücken sich mit fremden Federn. Das Ganze ist wunderbar düster und atmosphärisch in eine fesselnde fantastische Geschichte verpackt, die ich nur aus vollstem Herzen empfehlen möchte.