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Veröffentlicht am 27.01.2025

Marmor und Vendetta

Ein Schimmern am Berg
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Es ist Sommer in Südtirol und Commissario Grauner würde sich eigentlich am liebsten seinem Hof und seinen geliebten Kühen widmen. Doch sei Plan, sich in den vorgezogenen Ruhestand zurückzuziehen, ist nach ...

Es ist Sommer in Südtirol und Commissario Grauner würde sich eigentlich am liebsten seinem Hof und seinen geliebten Kühen widmen. Doch sei Plan, sich in den vorgezogenen Ruhestand zurückzuziehen, ist nach einem Missverständnis mit dem Staatsanwalt gründlich danebengegangen. Vielleicht auch ganz gut - denn seine Ehefrau, die er sogar noch mehr liebt als seine Kühe, ist offenbar missgestimmt. Was ist schiefgegangen nach so vielen Jahren glücklicher Ehe?

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt dem Commissario nicht in Lenz Koppelstätters "Das Schimmern am Berg", dem nunmehr zehnten Buch um Grauner und sein Team in der Bergwelt Südtirols. In einem Marmorsteinbruch wurde die zerstümmelte Leiche einer Künstlerin gefunden. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden - aber ist er auch der Täter? Daran kommen Grauner zunehmend Zweifel. Mehr denn je fehlt ihm sein gewohntes Ermittlerteam, denn der neapolitanische Import Saltapepe und die gletscheräugige Silvia Tappeiner, auch privat ein Team, sind zu einem Urlaub in die USA aufgebrochen.

Grauner muss sich alleine mit dem Mord und nebenher den Kontroversen zwischen dem Chef des Marmor-Steinbruchs und dem Marillenkönig, einem Großbauern befassen. Welche Abgründe außerhalb des Bergs reißt die Gier nach dem weißen Stein auf? Und wie passt das Mordopfer in die Gleichung?

In den USA wiederum haben Saltapepe und Tappeiner ganz andere Probleme. Denn es kommt zu dramatischen Ereignissen, die auch mit Saltapepes Vergangenheit als Angehöriger einer Antimafia-Sondereinheit zu tun haben könnten.

Zwischen grantelndem Commissario und Dramatik zwischen Little Italy und Brighton Beach wird es auch im zehnten Grauner Band nicht langweilig. Bleibt die Frage - gibt es einen Grauner Nummer elf, oder verabschiedet sich der Commissario endgültig in den Kuhstall?

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Doppelmörderin oder Justizopfer?

Schuld
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Eigentlich ist Harinder Singh von der norwegischen Polizei noch krankgeschrieben, um eine Schussverletzung auszukurieren. Und er hat auch gar keine Lust, wieder einmal bei seinem Vorgesetzten anzuecken, ...

Eigentlich ist Harinder Singh von der norwegischen Polizei noch krankgeschrieben, um eine Schussverletzung auszukurieren. Und er hat auch gar keine Lust, wieder einmal bei seinem Vorgesetzten anzuecken, indem er sich einen 20 Jahre alten Fall vornimmt, in dem dieser einst ermittelt hat. Der Mann ist schließlich für seine Gründlichkeit bekannt, und die Strafverteidigerin, die Singh bittet, sich die alten Akten noch einmal anzusehen, steht schließlich auf der "anderen Seite". Doch ganz kann Singh in "Schuld" von Sven Peter Naess seine Neugier dann doch nicht bezähmen - und stößt prompt auf eine Auffälligkeit, die ihn an der Schuld der wegen Doppelmordes verurteilten Helene zweifeln lässt.

Helene hat ihr halbes Leben im Gefängnis verbracht, ist nun vorzeitig entlassen worden und in ihren alten Heimatort zurückgekehrt, in dem auch Singh aufgewachsen ist. Beide gingen sogar auf dieselbe Schule, hatten aber nicht viel miteinander zu tun. Helene war schon als Teenager schwierig, hatte Probleme mit Alkohol und Drogen. Als Sängerin einer Metal Band träumte sie von Ruhm, doch auf dem Rückweg von einem Konzert soll sie Mutter und Stiefvater ermordet haben.

Helene wird nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen. Sie erhält anonyme Drohungen, der Bruder des Stiefvaters reagiert empört auf die Bemühungen um eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Und dann wird auch noch Helenes Vater tot aufgefunden, kurz nachdem sie öffentlich erklärt hatte, er verdiene den Tod. Auch bei der Polizei ist so mancher überzeugt, man müsse gar nicht nach weiteren Verdächtigen Ausschau halten. Singh allerdings erweist sich einmal mehr als hartnäckig und gründlich, und auch seine Kollegin, die offiziell die Ermittlungen leitet, will zum Verdruss einiger Ermittler sich nicht auf eine Verdächtige festlegen, sondern in alle Richtungen ermitteln.

Parallel zu dieser Haupthandlung erfahren die Leser, dass ein Unbekannter die Schritte Singhs und der Anwältin verfolgt, ihre Wohnungen verwanzt und Mobilgeräte manipuliert. Was es damit auf sich hat und wer hinter der Überwachung steckt, wird erst sehr spät im Buch geklärt und heizt die Spannung noch an - zumal die Leser*innen so über weite Strecken mehr wissen als die Polizei.

Auch wenn es am Ende ziemlich dramatisch wird, erzählt Naess vor allem ruhig und zurückgenommen. Wie in seinem vorangegangenen Buch "Furcht" ist Singh ein gründlicher, aufmerksamer Polizist, dessen Privatleben ebenfalls eine Rolle in dem Roman spielt. Dabei streut er zwischendurch immer wieder Hinweise, die eigentlich schon frühzeitig den Ausgang zumindest teilweise ahnen lassen. Eine Überraschung hält Naess dennoch parat.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Tödlicher Schnitt

Wehe, du irrst dich
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Mit "Wehe, du irrst dich" hat Susanne Mischke ihren 14. Hannover Krimi geschrieben. Ich kannte die Reihe um den Kommissar Bodo Völxen und sein Team bisher nicht und fragte mich daher, ob ich denn in eine ...

Mit "Wehe, du irrst dich" hat Susanne Mischke ihren 14. Hannover Krimi geschrieben. Ich kannte die Reihe um den Kommissar Bodo Völxen und sein Team bisher nicht und fragte mich daher, ob ich denn in eine so weit fortgeschrittene Reihe einsteigen kann. Aber jeder Band ist offenbar in sich abgeschlossen und in das Zusammenspiel der Protagonisten kommt man schnell rein.

Für eine wie mich, die die Schulzeit in Hannover verbracht hat, war es ein bißchen Deja vu - zum einen kannte ich die Orte der Handlung, zum anderen - schon der Name Bodo Völxen ist so ur-niedersächsisch und auch der ganze Typ mit seinen festgefügten Ansichten, dem Unbehagen vor zu viel Nähe, als der junge ostfriesische Kollege sein Tiny house ausgerechnet beim Grundstücksnachbarn aufschlägt. Sturmfest und erdverwachsen, wie es im Niedersachsenlied heißt.

Der spröde Charme des Nordens, an den man sich als Zugereister insbesondere weiter aus dem Süden erst mal gewöhnen muss, schlägt beim Lesen aus den Buchseiten entgegen. Wobei das Setting des eigentlichen Falls in einem Barbershop zwischen Altstadt, Landtag und Rotlicht auch im Frankfurter Bahnhofsviertel nicht fremd wirken würde. Nur dass dann eben Bankentürme statt Landtag in der unmittelbaren Nachbarschaft zu finden sind....

Völxen und sein Team müssen den Fall der ermordeten Barbiers Moussa aufklären, dem mit dem eigenen Rasiermesser die Halsschlagader durchtrennt wurde. Völxens Mitarbeiter Erwin Raukel fühlt sich persönlichg betroffen, er war nämlich Stammgast in dem Barbershop.

Je mehr die Ermittler sich das private und berufliche Leben des Mordopfers ansehen, desto mehr Anhaltspunkte in viele Richtungen finden sie: Die Witwe wirkt irgendwie nicht allzu traurig, ihre Eltern konnten den Schwiegersohn aus Neukölln nie besonders leiden, dessen Angehörige wiederum nahmen ihm den Umzug nach Hannover übel. Im Hinterzimmer treibt eine zwielichtige afrikanische Hellseherin merkwürdige Machenschaften, die zudem Verbindungen zu Zwangsprostitution westafrikanischer Frauen zu haben scheint.

Mit niedersächsisch-trockenem Humor und ironischer Distanz führt Mischke ihre Ermittler durch den Fall, in dem auch einiges aufgeklärt wird, was mit dem eigentlichen Mordfall gar nicht zu tun hat. Auch einige Vorurteile und Stereotypen werden gegen den Strich gerubbelt. Wer Hannover kennt, wird viele vertraute Orte finden. Für mich ist nach dem Lesen dieses soliden Polizeikrimis mit lebensnahen Figuren jedenfalls klar, dass ich mich nun nach den Vorgängerbänden umsehen will.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Ufo Gunnar und das Geheimnis ewigen Lebens

Eisiges Glas
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Es ist gewissermaßen ein nahtloser Übergang, den Anders de la Motte in seinem Polizeithriller "Eisiges Glas" vollzieht. Der Prolog ist zugleich der Abschluss des Vorgängerromans "Stille Falle" um die ...

Es ist gewissermaßen ein nahtloser Übergang, den Anders de la Motte in seinem Polizeithriller "Eisiges Glas" vollzieht. Der Prolog ist zugleich der Abschluss des Vorgängerromans "Stille Falle" um die bei einem Prepper aufgewachsene Polizistin Leonore Asker und ihren nerdigen Jugendfreund und urban Explorer Martin Hill. Der vorangegangene Fall um einen Serienmörder hat beide an Grenzen geführt - und in "Eisiges Eis" haben die ungleichen Freunde keine Zeit, wirklich zu entspannen.

Dabei dachte Martin, der Auftrag, eine Biographie des Unternehmers Gunnar zu schreiben, sei ein harmloser Zeitvertreib, während er seine Schussverletzung vom vorangegangenen Fall auskuriert. Denn "UFO-Gunnar" ist eine schillernde Figur - vor Jahren berichtete er über seine Erfindungen im medizintechnischen Bereich, sie seien ihm von Außerirdischen mitgeteilt worden. Zudem gehört zu dem Anwesen des Unternehmers eine Insel mit einem verlassenen Observatorium, das Martin nur allzu gern erkunden möchte.

Leo Asker dagegen ahnte, dass es Stress gibt, als sie nach fast 20 Jahren Funkstille einen Anruf ihres Vaters erhält. Prepper Per, der sie als Kind einem militärischen Drill unterwarf und versuchte, sie zu töten, als sie als 16-jährige ein selbstbestimmtes Leben führen wollte. Nun braucht er sie - denn in der Nähe seiner Farm ist eine Leiche gefunden worden. Per ist klar, dass er unter Mordverdacht geraten dürfte - und Leo weiß, das ein Versuch, ihren Vater auf seinem untertunnelten Grundstück voller Waffen und Sprengstoff festzunehmen, in einem Blutbad enden dürfte.

Der Ermittlungsleiter in dem Mordfall gibt Leo klar zu verstehen, dass sie sich raushalten soll. Klar, dass die eigensinnige Polizistin gar nicht daran denkt. Doch diesmal muss sie nicht im Alleingang vorgehen - als Leiterin der Abteilung für besondere Vorfälle und verlorene Seelen hat sie ein Team von Exzentrikern, die sie zwar zunächst für Versager gehalten hat, die aber durchaus Qualitäten haben.

"Eisiges Glas" ist nicht der übliche Krimi, sondern spielt mit Horrorelementen und dem düsteren Setting eines Lost Place, mit disfunktionalen Familien, Wissenschaftlern ohne Gewissen und Geheinnissen, die um jeden Preis gewahrt werden sollen. Erneut gibt es verschiedene Erzählperspektiven - Leo, Martin und den geheimnisvollen "gläsernen Mann", der ähnlich wie der Troll im ersten Band zum Mörder wurde und eine versteckte Existenz führt. Zusammengeführt werden diese Erzählfäden erst am Schluss. Bis dabei auch die letzten Geheimnisse gelüftet werden, herrschen Spannung und Paranoia. Die Fortsetzung hält, was der erste Band versprochen hat.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Wenn Love Island zu Survivor wird

One Perfect Couple
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Lyla ist nicht gerade die typische Kandidatin für eine Reality-TV-Serie, hat sie doch nicht einmal die Zeit, sich so etwas anzuschauen: Als junge Wissenschaftlerin ist sie viel zu sehr mit Zellreihen und ...

Lyla ist nicht gerade die typische Kandidatin für eine Reality-TV-Serie, hat sie doch nicht einmal die Zeit, sich so etwas anzuschauen: Als junge Wissenschaftlerin ist sie viel zu sehr mit Zellreihen und Versuchsanordnungen beschäftigt, forscht zu tropischen Krankheiten und sorgt sich wie viele Nachwuchsforscher um die Finanzierung ihres nächsten, stets befristeten Vertrages. Da gibt es einfach andere Prioritäten.

Dass Lyla aber tatsächlich zu einem Insel-Resort im Indischen Ozean unterwegs ist, um an einem neuen TV-Projekt "One perfect couple" teilzunehmen, ist daher lediglich Unterstützung ihres Freundes Nico, eines jungen Schauspielers, dessen Karriere gerade stockt. Eine möglichst erfolgreiche Serienteilnahme könnte da hilfreich sein - Mehrere Paare, die sich beweisen müssen und durchaus in neue Partnerkonstellationen gebracht werden sollen. Lyla ist wenig begeistert, aber entschlossen, sich innerhalb ihrer zwei Wochen Urlaub rauswählen zu lassen. Das dürfte doch nicht so schwer sein für eine introvertierte Akademikerin unter Influencern und B-Promis?

Natürlich kommt es in Ruth Wares Thriller "One perfect couple" ganz anders. Nico scheidet gleich am ersten Abend aus und muss die Rückreise antreten. Lyla hat unerwartet Bestwerte kassiert. So hat sie sich ihren Serieneinstand nicht vorgestellt. Doch es kommt noch schlimmer: Ein nächtlicher Sturm trifft die Insel, auf der die Kandidaten unter sich sind - die Filmcrew ist auf der Yacht, die gerade mit Ex-Kandidat Nico die nächste Insel mit Flugplatz ansteuert. Ein nächtlicher Sturm zerstört einen Teil der Hütten, sorgt für Tote und Verletzte, der Strom ist weg, Handys haben die Kandidaten sowieso nicht mehr. Nur ein Funkgerät mit schwächelnder Batterie funktioniert - noch. Was als eine Art Love Island geplant war, wird zum Kampf ums Überleben.

Die lineare Handlung wird ergänzt durch Funksprüche und Tagebucheintragungen, die den Leser im Ungewissen zappeln lassen: Wer ist tot? Warum widersprechen sich Tagebuchtexte und die geschilderte Handlung so sehr? In der Schicksalsgemeinschaft brechen Konflikte auf: Solidarität und Unterstützung hier - Kontrollsucht und Egoismus dort. Es hat ein bißchen was vom "Herr der Fliegen", wenn die knappen Wasservorräte Erpressung und Druck dienen. Doch Lyla findet unter ihren Mit-Kandidatinnen auch Verbündete. Denn toxische Männlichkeit und Alphaspielchen bedrohen das Überleben auf der Insel mindestens ebenso sehr wie die widrigen Umstände.

Spannend, rasant und in tropischer Kulisse ist "One perfect Couple" auch ein Buch über Frauensolidarität und Überlebenswillen. Lyla ist eine glaubwürdige Antiheldin, die über ihre Grenzen hinauswächst.

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