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Veröffentlicht am 04.03.2025

Tödlicher Filmdreh

Mord im Chateau
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Das hätte sich Filmhistoriker Richard Ainsworth nicht träumen können, seit er seine akademische Karriere gegen den Betrieb einer kleinen Frühstückspension in Frankreich eingetauscht hat: Ein Filmteam ...

Das hätte sich Filmhistoriker Richard Ainsworth nicht träumen können, seit er seine akademische Karriere gegen den Betrieb einer kleinen Frühstückspension in Frankreich eingetauscht hat: Ein Filmteam ist angerückt, um einen historischen Film in der Region zu drehen. Cineast Richard ist begeistert, doch auch zusammen mit seiner Detektiv-Partnerin Valérie hat er mit den Filmleuten zu tun. Am Set gab es nämlich einige merkwürdige Vorfälle, eine junge Schauspielerin, die zudem eine Art Patentochter Valéries ist, wird bedroht. Das ungleiche Team soll sich um den Schutz auf dem Filmset kümmern. Als Security-Chef hat Richard schon bald viel Arbeit. Erst stirbt ein Komparse, dann kommt ein Schauspieler ums Leben. An eine natürliche Todesursache will Richard nicht glauben, so sehr der Produzent um eines reibungslosen Filmdrehs willen auf reinen Zufall pocht.

Zwischen exzentrischen Darstellern, die sich teilweise als echte Ekelpakete herausstellen, einer plötzlichen Funktion als Pressesprecher und angesichts neuer Drohungen und Intrigen sehnt sich Richard schon bald nach ein bißchen Qualtiy Time mit seinen geliebten Legehennen. Doch der Hühnerstall muss ein Sehnsuchtsort bleiben, solange im historischen Chateau vermutlich ein Mörder herumschleicht.

Ian Moores "Mord im Chateau" lebt wie schon die Vorgängerbände von dem Gegensatz zwischen dem eher weltfremden Cineasten Richard und der mondän-mysteriösen Valérie. Das ungleiche aber erfolgreiche Gespann wird einmal mehr ergänzt durch mittlerweile vertraute Nebenfiguren wie die resolute Putzfrau, die Betreiber einer Swingerclub-Pension und Richards Noch-Ehefrau. Und auch die britisch-französischen Kontraste in Temperament wie Lebensphilosophie geben dem rasanten Cozy-Krimi einmal mehr eine besondere Würze. Das augenzwinkernde Spiel mit Klischees macht einfach Spaß. Da hoffe ich doch mal auf ein Encore.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Ein ungewöhnliches Ermittlerpaar

Schmerz
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Mit dem Titel "Schmerz" hat Jon Atli Jonasson schon einiges vorweggenommen, denn sein ungewöhnliches Ermittlerpaar bei der Polizei Reykjavik muss sich mit reichlich seelischem und körperlichen Schmerz ...

Mit dem Titel "Schmerz" hat Jon Atli Jonasson schon einiges vorweggenommen, denn sein ungewöhnliches Ermittlerpaar bei der Polizei Reykjavik muss sich mit reichlich seelischem und körperlichen Schmerz auseinandersetzen. Als Team sind sie eine Art Schicksalsgemeinschaft - zusammengekommen, weil andere Probleme haben, mit ihnen zu arbeiten. Zwei Menschen, die einander zunächst sehr fremd sind und erst mit ihren ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten zueinander finden müssen.

Da ist Dora: Ein Routineeinsatz endete tragisch, seitdem hat sie die Reste einer Kugel im Kopf und ist nicht mehr die, die sie einmal war. Eigentlich ein Fall für Frühpensionierung, doch ihr ehemaliger Partner, der inzwischen Karriere gemacht hat, hält sie im Polizeidienst - ohne Außeneinsätze, sie soll alte Fälle überprüfen, denn ihr fallen Dinge auf, die andere übersehen.

Rado ist ganz anders: Sohn von Einwanderern aus Ex-Jugoslawien, dessen Familie während des Bürgerkriegs nach Island flüchten konnte. Er war in einer Spezialeinheit, doch plötzlich ist er außen vor: Ein Einsatz richtet sich ausgerechnet gegen seine polnische Schwiegerfamilie, die in Drogengeschäfte verwickelt ist. Plötzlich scheinen die Kollegen Rado nicht mehr zu trauen. Plötzlich darf er sich nicht mehr als Isländer fühlen.

Ein Vermisstenfall bringt die beiden zusammen, eigentlich vor allem, weil niemand anders Zeit für den Fall hat. Plötzlich ist Dora wieder im Außendienst. Ein vermisster non-binärer Teenager, den alle anderen längst aufgegeben haben, lässt das ungleiche Team nicht ruhen. Vielleicht lebt Morgan ja doch, allen Statistiken zum Trotz. Bei ihren Ermittlungen stoßen Dora und Rado auf Fragen, die sie zu weiteren Untersuchungen jenseits des Vermisstenfalls führen - und merken zu spät, dass sie in ein Wespennest gestochen haben.

Der Plot soll hier nicht vorweggenommen werden. Doch Jonasson zeichnet sehr sensibel und empathisch zwei Protagonisten, die teils gesellschaftlichen Erwartungen nicht entsprechen, teils plötzlich auf ihre Herkunft reduziert werden und sich mit solchen Zuschreibungen nicht abfinden wollen. Es ist auch ein Buch über den Kampf um Würde, um Solidarität und eine Freundschaft, die aus Bewährungsproben erwächst.

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Veröffentlicht am 17.02.2025

Lasst und mal miteinander reden

Den Bach rauf
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Den Eindruck eines abgebrühten Polit-Profis, an dem alles abprallt, macht Robert Habeck auch nach zwei Jahrzehnten in der Politik eigentlich nicht. Und als Angehöriger einer Generation, die noch Erinnerungen ...

Den Eindruck eines abgebrühten Polit-Profis, an dem alles abprallt, macht Robert Habeck auch nach zwei Jahrzehnten in der Politik eigentlich nicht. Und als Angehöriger einer Generation, die noch Erinnerungen an die Grünen auch in ihrer frühen Phase haben dürfte, dürfte ihm das Bedürfnis, alles auszudiskutieren, nicht ganz fremd sein. In seinem Wahlkampf setzte er auch auf "Gespräche am Küchentisch" als Format, mit Menschen ins Gespräch über ihren Alltag und ihre Probleme zu kommen. Sein Buch "Den Bach rauf" ist auch so zu verstehen - ein Monolog zwar, aber einer, der auch ein bißchen Erklärungs- und Rechtfertigungsbericht eines Vielgescholtenen ist. Nach dem Motto: Lasst uns doch mal miteinander reden.

Es geht, natürlich, um die Koalition und ihre Streitigkeiten, die Herausforderungen, gerade auch für die Wirtschaft, Ukraine-Krieg und Energiepreise, die Projekte, die Habeck viel Ärger einbrachten, gerade auch durch Indiskretionen des Koalitionspartners. Da sind dann auch durchaus Verletzungen spürbar über Anfeindungen, auch persönlicher Art, über Hass im Netz, der auch ans Persönliche geht. Ein bißchen scheint es, als werbe der Autor: Leute, habt mich doch auch ein bißchen lieb.

Habecks Buch ist auch ein Appell, nach Gemeinsamkeiten und Verbindendem zu suchen, in einer Zeit, in der in daueraufgeregten Sprechblasen vor allem der Streit im Vordergrund steht. Eine Diskussion über einen Wertekompass, auch in der Politik, um die Frage: In was für einem Land wollen wir leben? Gerade vor dieser Wahl, angesichts der Debatten der letzten Wochen, ist das eine Frage, auf die die Leserinnen und insbesondere die Wählerinnen sehr schnell eine Antwort finden müssen. Ist Habecks Buch dabei eine Entscheidungshilfe? AfD-Wähler werden es vermutlich nicht im Bücherschrank haben. Als einstiger Kinderbuch-Autor dürfte Habeck um die Wichtigkeit von Mutmach-Büchern wissen, die Kinder stärken. Dieses Buch ist gewissermaßen ein Mutmach-Buch für Erwachsene, ohne sie dabei zu bevormunden.

Veröffentlicht am 28.01.2025

John Cardinal persönlichster Fall

Kanadische Nächte
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Es ist Herbst in Algonquin Bay, die vermutlich schönste Jahreszeit im kanadischen Osten mit der spektakulären Laubfärbung der Wälder. Doch John Cardinal, Polizist in der Kleinstadt am See, hat keinen Blick ...

Es ist Herbst in Algonquin Bay, die vermutlich schönste Jahreszeit im kanadischen Osten mit der spektakulären Laubfärbung der Wälder. Doch John Cardinal, Polizist in der Kleinstadt am See, hat keinen Blick für die Schönheiten der Natur. Er muss in "Kanadische Nächte" von Giles Blunt einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten. Seine manisch-depressive Frau, schön, talentiert und unglücklich, hat jahrelang gegen ihre Dämonen gekämpft. Nun ist sie tot - und Cardinal fällt es schwer, an Selbstmord zu glauben. Doch die Beweislage ist klar, einschließlich eines Abschiedsbriefes. Und in einer so persönlichen Angelegenheit darf Cardinal ohnehin nicht offiziell ermitteln - dass ihm die nötige professionelle Distanz fehlt, ist unstrittig.

Doch hält sich Cardinal an diese Regeln? In seinem persönlichsten Fall braucht er die Wahrheit mehr denn je. Er riskiert im Zweifelsfall lieber seine Karriere, als die Suche einzustellen.

Viel darf hier nicht verraten werden, um nicht zu spoilern, doch ausgehend von psychischen Erkrankungen, Therapie, der besonderen Beziehung zwischen Patient und Therapeut, von Vertrauen und Manipulation hat Blunt einen faszinierenden Plot konstruiert. Als Leser*in bekommt man schon deutlich früher als der Ermittler eine Ahnung über die Zusammenhänge, was der Auflösung des Falls aber in keiner Weise schadet.

Einmal mehr ist mit Carpenter einmal mehr ein glaubwürdiger Ermittler in Aktion, der auf die Unterstützung von Kollegen setzen kann, denen im Zweifelsfall Loyalität zu einem Kollegen in einer Lebenskrise über dienstliche Anweisungen geht.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Marmor und Vendetta

Ein Schimmern am Berg
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Es ist Sommer in Südtirol und Commissario Grauner würde sich eigentlich am liebsten seinem Hof und seinen geliebten Kühen widmen. Doch sei Plan, sich in den vorgezogenen Ruhestand zurückzuziehen, ist nach ...

Es ist Sommer in Südtirol und Commissario Grauner würde sich eigentlich am liebsten seinem Hof und seinen geliebten Kühen widmen. Doch sei Plan, sich in den vorgezogenen Ruhestand zurückzuziehen, ist nach einem Missverständnis mit dem Staatsanwalt gründlich danebengegangen. Vielleicht auch ganz gut - denn seine Ehefrau, die er sogar noch mehr liebt als seine Kühe, ist offenbar missgestimmt. Was ist schiefgegangen nach so vielen Jahren glücklicher Ehe?

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt dem Commissario nicht in Lenz Koppelstätters "Das Schimmern am Berg", dem nunmehr zehnten Buch um Grauner und sein Team in der Bergwelt Südtirols. In einem Marmorsteinbruch wurde die zerstümmelte Leiche einer Künstlerin gefunden. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden - aber ist er auch der Täter? Daran kommen Grauner zunehmend Zweifel. Mehr denn je fehlt ihm sein gewohntes Ermittlerteam, denn der neapolitanische Import Saltapepe und die gletscheräugige Silvia Tappeiner, auch privat ein Team, sind zu einem Urlaub in die USA aufgebrochen.

Grauner muss sich alleine mit dem Mord und nebenher den Kontroversen zwischen dem Chef des Marmor-Steinbruchs und dem Marillenkönig, einem Großbauern befassen. Welche Abgründe außerhalb des Bergs reißt die Gier nach dem weißen Stein auf? Und wie passt das Mordopfer in die Gleichung?

In den USA wiederum haben Saltapepe und Tappeiner ganz andere Probleme. Denn es kommt zu dramatischen Ereignissen, die auch mit Saltapepes Vergangenheit als Angehöriger einer Antimafia-Sondereinheit zu tun haben könnten.

Zwischen grantelndem Commissario und Dramatik zwischen Little Italy und Brighton Beach wird es auch im zehnten Grauner Band nicht langweilig. Bleibt die Frage - gibt es einen Grauner Nummer elf, oder verabschiedet sich der Commissario endgültig in den Kuhstall?

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