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Veröffentlicht am 20.04.2025

Wenn Liebe Grenzen überschreitet

Lila Eule
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Cordt Schnibbens aktueller Ostwest-LSD-Beatclub-Roman "Lila Eule" kommt bereits vom äußeren Erscheinungsbild bunt und vor allem laut daher.

Mich machte ehrlich gesagt die Szenerie rund um die Wendezeit ...

Cordt Schnibbens aktueller Ostwest-LSD-Beatclub-Roman "Lila Eule" kommt bereits vom äußeren Erscheinungsbild bunt und vor allem laut daher.

Mich machte ehrlich gesagt die Szenerie rund um die Wendezeit anno 1989 mit dem Fall des antifaschistischen Schutzwalls sehr neugierig.

Angeteasert wird Schnibbens Werk als deutsch-deutsche Liebesgeschichte und skurriler Agententhriller. Am ehesten trifft es vielleicht, dass dieser Roman auch ein autobiographisches Werk sein könnte, wenn man die Vita vom Autor selbst berücksichtigt.

Meine persönlichen Erwartungen an den Roman waren insbesondere diese, dass man die damaligen Vibes spüren kann und auch mit den unterschiedlichen Handelnden klar kommt.

Der Spagat zwischen der im Buch abgehandelten grenzübergeifenden Liebesgeschichte und dem Agententhriller ist für mich deutlich zu groß gewählt. Schnibben konnte mich persönlich weder bei der Liebesgeschichte richtig abholen noch hatte ich intensive Agententhriller-Vibes gespürt.

Trotz, dass man vom Hauptcharakter Carl ziemlich viele Facetten erfährt bleibt er für mich allerdings bis ganz Schluss ein Buch mit sieben Siegeln. Wenig greif- und auch überwiegend leider wenig nachvollziehbar. Mir war sein Wirken irgendwie auch über große Teile der Story leider schlichtweg egal.

Ein wirklich mitreißender Roman steht und fällt für mich dann eben mit diesen starken Charakteren, mit denen man sich identifizieren kann. Dies fehlte mir hier leider komplett.

Auch die andauernden Zeitsprünge im Plot zwischen den 70er Jahren und der Wendezeit wurden mir dann auch mit der zunehmenden Länge der Story einfach zu viel. Die Vibes des Umbruchs anno 1989 habe ich leider überhaupt nicht richtig gespürt und genau darauf hatte ich eigentlich gewartet.

Hier wäre dann vielleicht eher weniger auch wirklich mehr gewesen. Der Roman kommt eher unkonventionell und manchmal auch sehr rotzig rüber. Eben wie das kunterbunte Cover bereits vermuten lässt. Mitunter wähnte ich mich beim Lesen auf einem LSD-Trip, bei dem man sich fragt wohin die Reise überhaupt geht. Eine rote bzw. lila Linie habe ich persönlich leider nie so richtig ausmachen können.

Schnibben präsentiert hier zwar echt ein buntes Potpourri an Eindrücken der damaligen Zeit, die sich für mich allerdings nie zu einem homogenen Bild zusammensetzen ließen.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Verloren im rätselhaften unterirdischen Bücherlabyrinth

Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen
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Das aktuelle Kinderbuchdebüt "Tinte, Staub und Schatten - Das Buch der Verlorenen" von Alina Metz klang für mich alleine vom Teasertext und der Leseprobe her sehr spannend.

Metz große Stärke ist es, die ...

Das aktuelle Kinderbuchdebüt "Tinte, Staub und Schatten - Das Buch der Verlorenen" von Alina Metz klang für mich alleine vom Teasertext und der Leseprobe her sehr spannend.

Metz große Stärke ist es, die Lesenden direkt in das beschriebene Szenario hineinzuziehen. Ohne großes Vorgeplänkel wähnt man sich direkt an der Seite der sechzehnjährigen Minna, die "notgedrungen" in die Fußstapfen ihrer verschollenen und totgeglaubten Mutter tritt und beim kauzigen Antiquar Raban Krull eine Ausbildung zur Büchersucherin antritt.

Die verschiedenen Charakteren in der Story sind gut greifbar, auch wenn ich mir persönlich hier noch mehr Tiefe gewünscht hätte.

Die Story selbst ist vielleicht passend zum eher unübersichtlichen unterirdischen Bücherlabyrinth meiner Meinung nach eher ausbaufähig. Hier hätte ich mir persönlich zur Büchersucher-Ausbildung selbst mehr Informationen erwartet. Dazu gibt es quasi leider nahezu nichts zu lesen.

Phasenweise war für mich die Erzählung auch etwas langatmig, ohne dass man relevante Details erfahren hat. Zum Ende hin überschlagen sich dann einige Dinge und es bleiben für mich persönlich viel zu viele Fragen offen, als diejenigen, welche beantwortet werden. Dies ist vielleicht dann allerdings auch dem Tatbestand geschuldet, dass der abschließende zweite Band im Herbst 2025 erscheint.

Die verschiedenen Charakteren lassen leider eine gewisse Tiefe und auch Nähe vermissen und so bleibt immer eine gewisse Distanz zu den entsprechend Handelnden.

Für mich wirkt der erste Band der neuen Jugend-Fantasystory leider nicht ganz so ausgeklügelt wie von mir zunächst erwartet.

So ist es zwar noch ein solider Auftakt, der allerdings auch sehr klar seine Höhen und Tiefen zeigt. Ich persönlich weiß leider aktuell noch nicht, ob ich dann ein weiteres Mal mit Minna und ihren Gefährten in die Katakomben zum Bücherlabyrinth absteigen werde.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Vom Aufstieg und Fall des "Tausendjährigen Reichs" - Uns allen zur Mahnung

Ginsterburg
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Arno Franks aktueller Roman "Ginsterburg" greift ein hochaktuelles Thema unserer dunkelsten Stunde in unserer jüngeren Geschichte auf.

Franks Roman kommt meiner Meinung nach genau zur richtigen Zeit. ...

Arno Franks aktueller Roman "Ginsterburg" greift ein hochaktuelles Thema unserer dunkelsten Stunde in unserer jüngeren Geschichte auf.

Franks Roman kommt meiner Meinung nach genau zur richtigen Zeit. Aktuell erhält nationalistisches, faschistisches und rassistisches Gedankengut wieder immensen Auftrieb in unserem schönen Deutschland. Gesellschaftsgruppen werden gegeneinander ausgespielt und vorschnell sind jeweils die (vermeintlich) Schuldigen ausgemacht.

Mit Frank reisen wir zurück ins letzte Jahrhundert und betrachten dabei das fiktive Örtchen Ginsterburg ins all seinen Facetten. Das NS-Regime hat längst die Zügel in der Hand und Frank nimmt uns mit zu den Anfängen des aufblühenden NS-Regimes anno 1935. Im weiteren Zeitstrahl begleiten wir dann die Protagonisten während der Blütezeit anno 1940 und während des Niedergangs im Jahr 1945.

Gerade solche Bücher sind es wert, unsere jüngere unheilvolle Geschichte weiterhin präsent zu halten, damit solche Zeiten nie mehr geschehen mögen.

Gleich zu Beginn holte mich Franks Erzählung komplett ab, als er mich direkt in die Szenerie eines Absturzes eines britischen Lancaster-Bombers hineingeworfen hatte. Diese Szenerie rund um den Briten Alfie, einer aus der Bomber-Crew, taucht dann immer wieder bruchstückhaft während der weiteren Erzählung auf.

Ich hätte damit gerechnet, dass Arno Franks Erzählung komplett fiktiv erzählt wird, allerdings verwebt Frank dann doch real existierende Personen (Lothar Sieber und Erich Bachem) von damals mit dem fiktiven Ort Ginsterburg, ohne dass der Autor darauf speziell in einem dafür geeigneten Nachwort näher darauf eingeht. Genau diese Aufklärung hätte ich persönlich dann doch vorausgesetzt und auch erwartet.

Die Stilistik von Franks Roman ist durchweg geprägt von sehr bildhaften Beschreibungen und eher sanften leisen Tönen. Er arbeitet dabei auch sehr viel mit Metaphern und lässt die damalig menschenverachtende und grausame Zeit auf ganz eigene Art und Weise wiederauferstehen, als ich es mir persönlich vorher ausmalte.

Die Bindung zu den Hauptcharakteren hätte meiner Meinung nach sehr viel enger sein dürfen. Mitunter kam es mir persönlich so vor, dass man auch bei den Haupthandelnden Lothar und Merle dann nicht wirklich die zeitliche Entwicklung gut nachvollziehen konnte. Der Halbwaise Lothar, zunächst abgeneigt von der Hitlerjugend, wird dann über ein Jugendlager zum wahren Fliegerass und Helden des NS-Regimes. Genau diese Entwicklung hätte ich persönlich sehr viel ausführlicher lesen wollen. Gerade seine Mutter Merle war eigentlich alles andere als eine Befürworterin des NS-Regimes und dessen braunen Gedankenguts.

Durch die eher leisen Töne und die sprunghafte Erzählung, ohne die Entwicklung der Charakteren gut nachvollziehen zu können flacht der Roman nach meiner Meinung leider viel zu schnell ab und kann dies auch bis zum dramatischen Finale hin auch nicht mehr aufholen.

Das Thema selbst, wie eine zivilisierte Gesellschaft für die Ideen der damaligen Rattenfänger eigenommen werden konnte und wer welche Rollen darin übernahm, ist unheimlich wichtig, um zu erkennen, dass wirklich jeder ein kleines Zahnrad im damaligen Regime darstellte. Leider und spreche hier wirklich von leider spricht mich persönlich die stilistische Umsetzung von Arno Frank viel zu wenig an.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Die Erweiterung des Wohnzimmers im eigenen Garten

Terrassen-Traum
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Katharina Linthes aktuelles Ratgeberbuch "Terrassen-Traum - Wie ein Wohnzimmer im Grünen entsteht" macht auf alle Fälle Lust auf mehr.

Alleine die Bildsprache lassen das Herz höher schlagen und man möchte ...

Katharina Linthes aktuelles Ratgeberbuch "Terrassen-Traum - Wie ein Wohnzimmer im Grünen entsteht" macht auf alle Fälle Lust auf mehr.

Alleine die Bildsprache lassen das Herz höher schlagen und man möchte quasi fast just in diesem Moment mit der Planung der eigenen Terrasse beginnen.

Inhaltlich spricht mich der Ratgeber allerdings nur zum Teil an. Hier hätte ich mir persönlich einen etwas anderen Schwerpunkt gewünscht. Insbesondere, wenn man vielleicht die Terrasse wirklich selbst bauen und erstellen möchte erhält man hier leider überhaupt keine Unterstützung. Lediglich im Kapitel der Planung geht die Autorin dann sehr kurz auf beispielsweise verschiedene Formen, den Standort sowie unterschiedliche Materialien ein.

Das Buch lebt dann eher davon, wie die Autorin ihre dann bereits erbaute Terasse beispielsweise durch eine passende Möblierung, Sonnen-/Sichtschutz oder entsprechende Pflanzen aufhübscht bzw. verschönert. Darauf liegt dann ganz klar der Fokus des Buches. Die präsentierten Ideen fügen sich meiner Meinung nach unglaublich gut ins Buch ein, allerdings hätte ich mit einer etwas anderen Gewichtung der Themen gerechnet.

Wer nach Ideen zur Ausgestaltung einer bestehenden Terrasse bzw. zur Verschönerung ist hier gut beraten. Wer eher Unterstützung für den eigentlichen Bau sucht wird hier leider nicht so richtig glücklich werden.

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Veröffentlicht am 18.01.2025

Wer ist hier eigentlich der Wolf im Schafspelz?

Von Schafen und Wölfen
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Der aktuelle Thriller "Von Schafen und Wölfen" von Achim Zons klang für mich bereits vom Teasertext her sehr spannend, brisant und hochaktuell und genau deshalb hatte das Werk mein Leseinteresse geweckt. ...

Der aktuelle Thriller "Von Schafen und Wölfen" von Achim Zons klang für mich bereits vom Teasertext her sehr spannend, brisant und hochaktuell und genau deshalb hatte das Werk mein Leseinteresse geweckt. Vor allem der Passus "Hochaktuell, rasant und voll beißendem Witz" hatte mir den Mund wässrig gemacht.

Sehr klug ist wohl der offizielle Erscheinungstermin des Thrillers gewählt, nur neun Tage nach der Vereidigung des neuen 47. Präsidenten der USA am 20. Januar 2025.

Thriller leben für mich persönlich vor allem durch die Thrill-Momente, die unfassbare Spannung und von Charakteren, mit denen man quasi mitfiebern kann.

Meine ganz persönlichen Erwartungen traf das vorliegende Werk dann leider nicht gänzlich sondern blieb überwiegend große Teile weit davon zurück.

Gleich zu Beginn im Plot hat man es mit einer ganz undurchsichtigen Gemengelage zu tun, bei der ich mir persönlich schwer tat einen roten Faden zu finden und auch die unterschiedlichen Protagonisten auseinanderzuhalten. Man wird quasi unverhohlen in die Szenerie geworfen und weiß ehrlich gesagt nicht so recht wo links und wo rechts ist.

Die Undurchsichtigkeit ist jetzt für mich normalerweise kein generelles K.O.-Kriterium, aber hier im vorliegenden Fall nicht perfekt zum Einstieg in die Story gewählt. Wenn es allerdings das Anliegen vom Autor war, den Leser komplett zu verwirren, so ist dies grandios gelungen.

Die unterschiedlichen Charakteren wirkten auf mich in großen Teilen auch zu wenig nahbar und vor allem in Teilen auch nur mäßig nachvollziehbar. Gerade auch bei den "Bad Boys" im Plot hege ich persönlich meine berechtigten Zweifel, wieso dann zum Teil in der Art und Weise gehandelt wurde, wenn es sich denn, wie im Roman beschrieben, um extra ausgewählte Spezialisten handeln soll.

Die Aktualität und die Brisanz des Themas sind seitens des Autors sehr clever gewählt. Schlussendlich verwebt er seine fiktive Story mit dem tatsächlichen Sturm auf das Capitol von der letzten präsidialen Amtsübergabe. Auch bei den Kontrahenten selbst muss man doch immer wieder bei der Namensgebung schmunzeln und erkennt hier sofort Parallelen zu unserer Welt.

Die Erzählung selbst teilt sich in sehr kleine Puzzlestücke auf, die dann peu à peu zum großen Ganzen zusammengesetzt werden müssen. Bei diesen mitunter kleinen Blitzsequenzen darf man nur nicht falsch kombinieren oder abbiegen, sonst entsteht zum Schluss das falsche "Kunstwerk". Diese bruchstückhafte Darlegung hat seine Vor- und auch Nachteile, wobei für mich in diesem Fall die Nachteile wegen dem fehlenden roten Faden dann leider überwiegen. Auch waren mir ziemlich schnell die Bad Boys im Plot klar und so war für mich dann doch die Spannung und damit auch die Luft sehr schnell raus.

Ich persönlich hätte eine Story ähnlich dem Hollywood-Blockbuster "Shooter" mit ähnlichen Thrill-Momenten erwartet. Da lag ich dann leider falsch und musste mich eher mit einer in Teilen eher nüchternen Erzählung vorlieb nehmen.

Alles in allem ein solider Thriller für zwischendurch, der allerdings sein vorhandenes Potenzial leider nie voll ausspielt und weit hinter meinen persönlichen Erwartungen blieb. Vielleicht findet ja der baldige 47. US-Präsident mehr Gefallen daran.

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