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Veröffentlicht am 03.02.2025

Stimmungsvoller Weihnachtskrimi im historischen Bayern

Der echte Krampus
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MEINE MEINUNG
"Der echte Krampus" von Uta Seeburg ist bereits der vierte Band der historischen Krimireihe um Major Wilhelm Freiherr von Gryszinski, kriminalistischer Sonderermittler der Königlich Bayerischen ...

MEINE MEINUNG
"Der echte Krampus" von Uta Seeburg ist bereits der vierte Band der historischen Krimireihe um Major Wilhelm Freiherr von Gryszinski, kriminalistischer Sonderermittler der Königlich Bayerischen Polizeidirektion in München. In der gelungenen Fortsetzung wird Gryszinski während seines Weihnachtsurlaubs in einen mysteriösen Mordfall verwickelt.
Die deutsche Autorin entführt uns in das verschneite bayerische Bergdorf Berghall im Jahr 1897, wo Major Gryszinski mit seiner Familie, einschließlich der geschätzten Köchin Frau Brunner und dem Kindermädchen Anneliese, im frisch erworbenen Bauernhaus ihrer wohlhabenden, exzentrischen Bekannten Franziska Gräfin von Wurmbrand ein besinnliches Weihnachtsfest verbringen möchte. Als es während des traditionellen Krampuslaufs zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen jungen Burschen kommt und kurz darauf das Opfer ausgerechnet in der Räucherkammer auf ihrem Hof tot aufgefunden wird, wird der beschaulichen Stimmung ein jähes Ende gesetzt. Gryszinski sieht sich gezwungen, in dem herausfordernden Mordfall zu ermitteln. Doch wie soll er unter zwanzig jungen Männern, die alle als Krampus verkleidet waren und allesamt Zeugen und Tatverdächtige sind, den Täter finden. Nur gut, dass er auf die Hilfe der rasch aus München herbeigerufenen Kollegen zählen kann. Nach und nach befragen sie die wenig auskunftsfreudige Dorfgemeinschaft und kommen allmählich einigen dunklen Geheimnissen auf die Spur.
Seeburgs ansprechender Schreibstil passt mit seiner leicht antiquierten Note perfekt zur dargestellten Epoche. Die Autorin versteht es, das historische Setting facettenreich und detailgetreu darzustellen und gewährt uns einen faszinierenden Einblick in die damalige Zeit.
Ihr gelingt es mit ihren lebendigen, anschaulichen Schilderungen zudem hervorragend, die stimmungsvolle vorweihnachtliche Atmosphäre des winterlichen Dorflebens einzufangen und uns in das idyllische Setting der verschneiten Berglandschaft zu entführen. Ein besonderer Reiz des Romans liegt zudem in der geschickten Einbindung des vielfältigen traditionellen Brauchtums zur Advents-und Weihnachtszeit so wie einiger mythisch-angehauchter Elemente aus lokalen Berggeschichten in den packenden Kriminalfall.
Wie in den vorherigen Bänden der Reihe zeichnet sich auch "Der echte Krampus" durch vielschichtig ausgearbeitete Figuren aus. Der überaus sympathische Protagonist Gryszinski ist erneut brillant gezeichnet und muss sich auch in seinem Urlaub wieder besonderen Herausforderungen stellen. Besonders interessant sind ebenfalls die Einblicke in sein Privatleben mit seiner unkonventionellen Ehefrau Sophie und seinem kleinen Sohn Fritz. Die Nebenfiguren sind ebenfalls mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und tragen zur Lebendigkeit und Vielfalt der Geschichte bei.
und sorgt für humorvolle Szenen.
Trotz des ruhigen Verlaufs der Ermittlungen gelingt es Seeburg, die Spannung kontinuierlich aufzubauen und mit unerwarteten Wendungen zu überraschen. Geschickt eingeflochtene, humorvolle Episoden sorgen zudem für Abwechslung. Das sehr fesselnde Finale des Romans bietet schließlich eine schlüssige Auflösung des Mordfalls.
Ein knappes Nachwort, betitelt als "Historische Notiz", rundet das Werk ab und gibt Aufschluss über literarische Freiheiten, die sich die Autorin bei ihrer Geschichte genommen hat.
Man darf mit Spannung auf weitere Fälle von Major Wilhelm Freiherr von Gryszinski warten.
FAZIT
Eine sehr stimmungsvolle und Fortsetzung der historischen Krimi-Reihe, die durch die gelungene Verbindung von spannender Kriminalhandlung, historischem Kontext und weihnachtlicher Stimmung besticht.
Gerade für die Winterzeit ein unterhaltsames Leseerlebnis für Krimi-Fans und Liebhaber historischer Romane !

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2025

Ein faszinierender historischer Krimi

Gefährliche Betrachtungen
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MEINE MEINUNG
In seinem faszinierenden historischen Kriminalroman »Gefährliche Betrachtungen« entführt uns der deutsch-schweizerische Verleger und Autor Tilo Eckardt in den Sommer 1930 nach Nidden, ein ...

MEINE MEINUNG
In seinem faszinierenden historischen Kriminalroman »Gefährliche Betrachtungen« entführt uns der deutsch-schweizerische Verleger und Autor Tilo Eckardt in den Sommer 1930 nach Nidden, ein malerisches Fischerdorf auf der Kurischen Nehrung.
Mit der originellen Ausgangsidee für seine unterhaltsame Geschichte und einer reizvollen Mischung aus historischem Roman, Kriminalfall und humorvollen Episoden zudem gewürzt mit herrlich amüsanter Situationskomik begeistert er von der ersten Seite an.
Eckhardt hat mit dem berühmten Schriftsteller Thomas Mann eine historische Persönlichkeit als Hauptfigur auserkoren und lässt ihn gemeinsam mit einer fiktiven Figur, dem litauischen Übersetzer Zydrunas Miuleris in einem mysteriösen Kriminalfall ermitteln. Geschickt verwebt er sorgsam recherchierte historische Fakten mit fiktiven Elementen zu einer fesselnden, überzeugenden und sehr atmosphärischen Geschichte.
Dieser vielschichtige Roman ist jedoch weit mehr als ein spannender historischer Krimi, sondern auch eine wundervolle Hommage an Thomas Mann und sein umfassendes Werk sowie eine tiefgründige Erzählung über Freundschaft, Courage und Zuversicht in Zeiten heraufziehender Gefahren und bedrückender, politischer Umbrüche.
Im Mittelpunkt der zunächst sich bedächtig anlassenden Handlung steht der berühmte Schriftsteller und frisch gebackene Nobelpreisträger Thomas Mann, der mit seiner Familie das neu errichtete Sommerhaus bezieht, und dort im Geheimen an einer bedeutsamen Rede arbeitet, mit der der besorgte Dichter das deutsche Volk vor dem aufkommenden Nationalsozialismus und seinen Gefahren warnen möchte. Ein weiterer Protagonist ist der junge litauische Übersetzer Žydrūnas Miuleris, der ein großer Bewunderer Manns ist und seine Werke ins Litauische übersetzen möchte. Durch eine Verkettung von unglücklichen Verwicklungen verliert Miuleris versehentlich eine von ihm heimlich angefertigte Abschrift des höchst heiklen Redeentwurfs des Schriftstellers. In falschen Händen könnten diese den Dichter in große Schwierigkeiten bringen. So nehmen die Geschehnisse ihren Lauf und der verzweifelte Miuleris, von Mann der Einfachheit halber "Müller" genannt, beginnt gemeinsam mit Thomas Mann weiteren rätselhaften Ereignissen auf den Grund zu gehen.
Äußerst reizvoll und amüsant sind die eingeschobenen Kommentierungen des über 100-jährigen Ich-Erzählers Miuleris, der rückblickend die damaligen Geschehnisse einordnet und sich mit seinen launigen Anmerkungen direkt an uns Leser richtet.
Sehr gelungen ist der eindringliche, etwas antiquiert wirkende und humorvolle Schreibstil, der zwar etwas anspruchsvoll aber sehr ansprechend ist und uns sprachlich ins ausgehende 19. Jahrhundert zurückversetzt.
Eckardt gelingt es meisterhaft, die besondere Atmosphäre des Sommers 1930 in dem idyllischen ostpreußischen Fischerdorf Nidden einzufangen. Gekonnt werden sorgsam recherchierte Fakten zur Geschichte sowie Ereignisse aus Politik und Kunst ins Geschehen eingewoben. Auch die angespannte politische Stimmung der nach der Auflösung des Reichstags im Umbruch befindlichen Weimarer Republik vermittelt er sehr anschaulich und lässt die beginnende Zeit des Nationalsozialismus auf eindrucksvolle Weise lebendig werden. Der Autor zeichnet ein lebendiges, sehr stimmiges Bild der beliebten Sommerfrische und örtlichen Künstlerkolonie.
Hervorragend haben mir zudem die stimmungsvollen Beschreibungen der einzigartigen Landschaft der Kurischen Nehrung mit den Wanderdünen, dem ursprünglichen Wald, der Ostsee und dem vermeintlich friedlichen Haff gefallen.
Die Geschichte lebt vor allem von ihren vielschichtig angelegten und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeiteten Figuren. Hervorragend hat mir neben der sympathische Hauptfigur des jungen Übersetzers Miuleris die facettenreiche Darstellung des weltberühmten Schriftstellers Thomas Mann mit seiner komplexen Persönlichkeit und in seiner Rolle als unfreiwilliger Hobbydetektiv gefallen. Trotz seiner oftmals etwas „weltfremden“ Art offenbart er einen warmherzigen, offenen und humorvollen Charakter. Tief beunruhigt zeigt sich über die politische Lage in Deutschland und die Auswirkungen des aufkommenden Nationalsozialismus auf die Region, die schließlich seine politische Positionierung erfordern.
Die Nebenfiguren sind mit großer Sorgfalt gezeichnet und tragen wesentlich zur Authentizität der Erzählung bei. Von exzentrischen Künstlern, neugierigen Kurgästen, begeisterten Nazisympathisanten über die ortsansässigen Fischern und bis zu den historischen Persönlichkeiten wie die Maler Ernst Mollenhauer und Max Pechstein oder den Fotografen Paul Isenfels – jede Figur fügt der Geschichte eine zusätzliche Nuance hinzu und sorgt für überraschende, oft humorvolle Momente.
Abgerundet wird der Roman durch ein kurzes, aber aufschlussreiches Nachwort, in dem Eckardt die Grenzen zwischen Wahrheit, Fiktion und dichterischer Freiheit erläutert, interessante Hintergrundinformationen zu seinem Roman ausführt sowie gewisse Parallelen zur aktuellen politischen Lage aufzeigt. Zudem schließt sich ein Quellen- und Literaturverzeichnis an.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Faszinierende Reise zwischen den Welten

Nach uns der Himmel
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MEINE MEINUNG
In ihrem neuesten Roman „Nach uns der Himmel“ nimmt uns die deutsche Autorin und mehrfache Deutsche Krimipreis-Gewinnerin Simone Buchholz mit auf eine ungewöhnliche, aber sehr faszinierende ...

MEINE MEINUNG
In ihrem neuesten Roman „Nach uns der Himmel“ nimmt uns die deutsche Autorin und mehrfache Deutsche Krimipreis-Gewinnerin Simone Buchholz mit auf eine ungewöhnliche, aber sehr faszinierende literarische Reise jenseits der üblichen Genre-Muster.
Die Autorin beweist einmal mehr ihr außergewöhnliches Talent, komplexe, tiefgründige Themen zu beleuchten, menschliche Erfahrungen in Grenzsituationen zu ergründen und eine sehr geheimnisvolle und fesselnde Handlung zu schaffen, die nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregt.
Buchholz erzählt eine atmosphärisch dichte, vielschichtige Geschichte über das Leben und den Tod mit interessanten Elementen des Magischen Realismus, die existenzielle Fragen aufwirft, zwischen den Zeilen gelesen werden will und viel Raum für persönliche Interpretationen lässt.
Der ungewöhnliche und unverwechselbare Schreibstil der Autorin trägt zum besonderen Flair des Romans bei. Er ist prägnant, lebendig, ironisch und poetisch und zeichnet sich zudem durch Witz und Esprit sowie wundervolle Sprachbildern aus.
Der dramatische Einstieg in die tiefgründige Geschichte, bei dem acht Passagiere nach heftigen Turbulenzen während eines Fluges schließlich auf ihrer Ferieninsel landen, ist äußerst faszinierend und eindringlich beschrieben und hat mich zusammen mit der beklemmenden, mysteriösen Atmosphäre auf Anhieb in den Bann gezogen.
Gefesselt verfolgt man die rätselhaften, surrealen Entwicklungen auf der paradiesischen Mittelmeerinsel, die eine ganz eigene Dynamik entfalten.
Durch ihre atmosphärisch dichten Beschreibungen gelingt es Buchholz hervorragend, unser Kopfkino anspringen zu lassen. So tauchen wir an der Seite der Protagonisten allmählich in die surreale Umgebung auf der Urlaubsinsel ein und sehen auch die alltäglichen Geschehnisse in einem mystisch-unwirklichen Licht. Rasch wird klar, dass die Charaktere sich in einer Art Jenseits befinden - gefangen in einer faszinierenden Zwischenwelt zwischen Leben und Tod. Befreit von den Zwängen ihres bisherigen Lebens vergessen sie ihre Alltagssorgen, beginnen sie auf eine ganz neue, unerwartete Weise miteinander zu interagieren, sich konträr zu ihren gewohnten Verhaltensmustern zu verhalten und entdecken schließlich ganz neue Seiten an sich.
Hautnah erleben wir mit, wie zunehmend die Grenzen zwischen Realität, Unwirklichem und Illusion, Leben und Tod, Existenz und Nicht-Sein auf unerklärliche Weise verwischen.
Gekonnt führt die Autorin eine zusätzliche Handlungsebene mit zwei weiteren Charakteren ein, die in Los Angeles spielt und auf die man sich zunächst keinen Reim machen kann.
Die nachdenklich stimmende Geschichte entfaltet sich zu einer tiefgründigen Erkundung der menschlichen Existenz und regt zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Tod, dem Leben danach, der Sterblichkeit und Vergänglichkeit sowie den fließenden Grauzonen dazwischen an. Zudem beleuchtet Buchholz Themen wie die Suche nach Authentizität, Selbstverwirklichung und Freiheit, der Grenzbereich von Wirklichkeit, individueller Wahrnehmung und der eigenen Wahrheit sowie die Befreiung von gesellschaftlichen und persönlichen Zwängen.
Auch bei der lebendigen und sehr facettenreichen Zeichnung ihrer ungewöhnlichen Charaktere bleibt sich Buchholz durchaus treu. So begegnen wir einem bunt gemischten, skurrilen Figuren-Ensemble mit ihren eigenen Hintergrundgeschichten und verborgenen Geheimnissen. Ob nun der unglückliche Geschäftsmann Claudius mit seiner Frau Elisabeth, das Ehepaar mit einem todkranken Teenager-Sohn Vincent oder die quirlige, lebensfrohe Heidi, die sich mit diesem anfreundet - sie alle sind gebrochene, verletzliche Seelen, die mit mit den alltäglichen Herausforderungen des Lebens, ihren Problemen und inneren Dämonen zu kämpfen haben und sich verloren zu haben scheinen sowie den obligatorischen, kettenrauchenden Charakteren mit derbem Charme. Durch wechselnde Perspektiven erhalten wir zwar Einblicke in ihre Vergangenheit, die Gefühlswelten und Motivationen der verschiedenen Charaktere und erleben ihre oft überraschenden, persönlichen Entwicklungen mit, doch wirklich nahe bin ich ihnen nicht gekommen.
Besonders beeindruckend ist Bucholz` Fähigkeit, komplexe emotionale Momente und zwischenmenschliche Dynamiken sehr lebendig und mit wenigen, aber präzisen Worten zu skizzieren.
In diesem Roman gibt es eine Vielzahl an geschickt gestreuten Hinweisen, vagen Andeutungen und Ungewissheiten zu ergründen und einzuordnen, was für mitreißende Spannung sorgt. Bis zum packenden Ende bietet dieser vielschichtige Roman zwischen den Zeilen unendlich viel Raum zum Nachdenken und Reflektieren
Bewusst lässt Buchholz vieles unausgesprochen und im Dunkeln, so dass es uns überlassen ist, die Lücken zu füllen und eigene Schlüsse zu ziehen.
Auch wenn nicht alle offenen Fragen und Rätsel in diesem anspruchsvollen Leseabenteuer aufgelöst wurden, konnten mich die surreale Atmosphäre und die ständigen Wendungen in Atem halten.
FAZIT
Ein faszinierendes Leseerlebnis jenseits des Gewohnten, das zum Nachdenken und und zum Hinterfragen unserer Vorstellungen vom Leben anregt!

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Veröffentlicht am 08.01.2025

Ein fesselnder viktorianischer Krimi

Der tote Antiquar von Limehouse
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MEINE MEINUNG

"Der tote Antiquar von Limehouse" von Ann Granger ist bereits der neunte Band der fesselnden historischer Krimireihe um Inspector Benjamin Ross von Scotland Yard und seine Frau Lizzie, die ...

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"Der tote Antiquar von Limehouse" von Ann Granger ist bereits der neunte Band der fesselnden historischer Krimireihe um Inspector Benjamin Ross von Scotland Yard und seine Frau Lizzie, die im viktorianischen England angesiedelt ist. Die Krimis können problemlos unabhängig voneinander gelesen werden, da jeder Fall in sich abgeschlossen ist.

Der aktuelle Kriminalfall für Inspector Ross entführt uns ins pulsierende London des Jahres 1871 und bietet faszinierende Einblicke in die viktorianische Ära.

Kurz nachdem Ross den schlitzohrigen Antiquar und gelegentlichen Polizeiinformanten Jacob Jacobus im zwielichtigen Viertel Limehouse zu sich häufenden Juwelendiebstählen befragt hat, wird dieser mit durchgeschnittener Kehle in seinem Haus aufgefunden. Als Ben auch noch beauftragt wird, den dreisten Diebstahl eines wertvollen Familienerbstücks aus dem Anwesen der einflussreichen Familie Roxby während eines abendlichen Diners zu untersuchen, kommt schon bald der Verdacht auf, dass zwischen beiden Fällen eine Verbindung bestehen könnte.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Lizzie und Benjamin, was einen umfassenden Bilck auf die Ermittlungen ermöglicht. So folgen wir einerseits Bens akribischen Ermittlungen und haben zudem Anteil an den interessanten Erkenntnissen, die Lizzy bei ihren diversen Gesprächen und dezenten Nachforschungen erhält. Durch ihren regelmäßigen Austausch bleiben wir kontinuierlich über den aktuellen Ermittlungsstand informiert und können selbst hervorragend miträtseln.

Grangers Stärke liegt weniger in spektakulären Kriminalfällen als in der authentischen Darstellung des historischen Kontexts und der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Mit ihrem atmosphärischen Schreibstil fängt die Autorin gekonnt die facettenreiche Stimmung jener Zeit ein und zeichnet ein lebendiges Bild Londons mit viel Lokalkolorit. Durch gut recherchierte Details und anschauliche Schilderungen des Londoner Straßenbilds, des Alltags und damaliger technischer Neuerungen können wir mühelos in die Vergangenheit eintauchen. Besonders eindrucksvoll präsentiert sie uns einen faszinierenden Mikrokosmos sozialer Missstände und Klassenunterschiede und beleuchtet dabei auch geschickt die komplexen Familiendynamiken und die Rolle der Frau in der englischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ein. Von den rigiden gesellschaftlichen Normen der Oberschicht bis zu den rauen Realitäten des Arbeiterlebens - jede Facette des viktorianischen Londons wird lebendig und greifbar dargestellt. Anschaulich führt Granger uns den Alltag in den wohlhabenden Vierteln der privilegierten Klasse sowie in den ärmeren Stadtteilen wie Limehouse vor Augen, wo die Bewohner sich den alltäglichen Härten und Herausforderungen im Kampf ums Überleben zu stellen haben. Zudem erhalten wir interessante und informative Einblicke in die Polizeiarbeit, die damals noch in den Anfängen steckte.

Granger hat ihre lebendigen Charaktere bis hin zu den verschiedenen Nebenfiguren äußerst vielschichtig und glaubwürdig angelegt. Von der dominanten, arroganten Witwe Mrs. Roxby über die patente Schankkellnerin Daisy bis hin zu Jacobus hysterischer Tochter - jeder Charakter trägt als potenzielle Verdächtige oder wichtige Hinweisgeber zur Lebendigkeit der Geschichte bei. Ein besonderes Highlight sind natürlich die sympathischen Protagonisten Ben und Elizabeth Ross, die wir mit ihren interessanten Persönlichkeiten und Hintergrundgeschichten im Laufe der Reihe immer besser kennenlernen. Spannend ist es, ihre liebevolle, von gegenseitigem Respekt und Unterstützung geprägte Beziehung mitzuerleben. Lizzies Neugier und Scharfsinn sowie ihr Hintergrundwissen als Tochter eines Polizeiarztes erweisen sich als wertvolle Ergänzung für Bens offizielle Polizeiermittlungen.

Auch wenn die parallelen Ermittlungen in beiden Fällen zunächst eher gemächlich voranschreiten, gewinnt die gut durchdachte Handlung durch einige unerwartete Wendungen immer mehr an Fahrt. Spannend ist es, gemeinsam mit den Protagonisten die enthüllten Puzzleteile nach und nach zusammenzusetzen und der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Die Handlung gipfelt schließlich in einem überraschenden Finale mit einer stimmigen Aufklärung der Hintergründe des Mordfalls und des gestohlenen Smaragd-Colliers und einem glaubhaften Ausgang.

FAZIT

Ein gelungener historischer Krimi mit einem authentischen und fesselnden Einblick in das viktorianische London.
Nicht nur Fans der Reihe lesenswert!

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Abgründe der Macht

Finsteres Herz
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MEINE MEINUNG
„Finsteres Herz" von Holger Karsten Schmidt ist der mit Spannung erwartete 2. Band der Krimi-Reihe rund um das außergewöhnliche Ermittlerduo Lona Mendt und Frank Elling von der Rostocker ...

MEINE MEINUNG
„Finsteres Herz" von Holger Karsten Schmidt ist der mit Spannung erwartete 2. Band der Krimi-Reihe rund um das außergewöhnliche Ermittlerduo Lona Mendt und Frank Elling von der Rostocker Kripo. Nach dem vielversprechenden Auftakt „Die Toten von Marnow“ spielt die fesselnde Fortsetzung erneut vor der malerischen Kulisse Mecklenburg-Vorpommerns und ist zum Ausklang des Jahres 2006 angesiedelt.
Der Krimi überzeugt nicht nur durch seinen packenden Fall, der brisante Themen wie Amtsmissbrauch, Korruption innerhalb der Polizeibehörde und Menschenhandel aufgreift. Insbesondere die temporeiche und sehr gelungene filmreife Umsetzung der vielschichtigen Handlung hält uns in Atem. Kein Wunder, zählt doch der mehrfache Grimme-Preisträger Schmidt zu den erfolgreichsten Drehbuchautoren Deutschlands, was er unter anderem bei der Verfilmung von "Die Toten von Marnow" als vierteilige Fernsehserie für NDR/ARD Degeto eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.
Schmidt gelingt es von Beginn an, mit seinem hochdramatischen Einstieg eine unheilvolle, beinahe greifbare Atmosphäre zu erzeugen und uns in die Geschichte zu ziehen. Sein lebendiger und bildhafter Schreibstil lässt die Schauplätze und Charaktere rasch Gestalt annehmen und erzeugt ein faszinierendes Kopfkino.
Geschickt hat der Autor einen cleveren Plot mit zwei parallelen, zeitversetzt laufenden Handlungssträngen geschaffen. So folgen wir einerseits den Ermittlungen von den Kommissaren Lona Mendt und Frank Elling zu einem grausamen Fund von vier Leichen in einem Waldstück und andererseits begleiten wir die zwei Wochen später anlaufenden Nachforschungen der Sonderermittler Maja Kaminski und Hagen Dudek. Sie sollen die Hintergründe eines schief gelaufenen Zeugenschutzeinsatz aufklären, in den ihre beiden Kollegen verwickelt waren. Im Mittelpunkt der dramatischen Geschehnisse steht das 12-jährige bulgarische Waisenmädchen Sarah, das nach dem Massaker im Safe House am Silvesterabend spurlos verschwindet. Gekonnt verwebt Schmidt die Handlungsstränge zu einem komplexen, sehr stimmigen Plot.
Die wendungsreiche Geschichte entwickelt sich zu einem faszinierenden Katz-und Maus-Spiel, bei dem die Suche nach der Wahrheit durch gelöschte Akten, einen mysteriösen Maulwurf in den eigenen Reihen und mächtige, skrupellose Gegner aus der organisierten Kriminalität erschwert wird. Der Autor versteht es hervorragend, mit unseren Erwartungen zu spielen und die Spannung durch unerwartete Wendungen bis zum fulminanten Showdown kontinuierlich zu steigern.
Die Charakterisierung der vielschichtigen Figuren ist tiefgründig und überzeugend. Besonders die vier Hauptermittler werden mit ihren persönlichen Hintergründen, Konflikten und verborgene Agenden äußerst stimmig dargestellt, wodurch sie sehr menschlich und nahbar wirken. Im Laufe ihrer Ermittlungsarbeit stoßen sie immer wieder an ihre moralischen Grenzen und verstricken sich in fragwürdige Handlungen. Diese Makel und Fehlentscheidungen machen sie authentisch und erlauben es uns, sich in ihr Innenleben hineinzuversetzen.
Der Roman bietet mit seiner komplexen, gut durchdachten Handlung nicht nur spannende Unterhaltung, sondern regt mit den angeschnittenen brisanten Themen auch zum Nachdenken über moralische Fragen sowie gesellschaftliche Missstände und Abgründe an.
FAZIT
Ein rundum überzeugender, fesselnder Krimi, der geschickt hochspannende Ermittlungsarbeit mit moralischen und gesellschaftlichen Fragestellungen verbindet. Ein lesenswerter Krimi, der unter die Haut geht und noch lange nachwirkt – ein Muss für alle Fans anspruchsvoller Krimis!

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