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Veröffentlicht am 24.03.2025

Ein inspirierender Ratgeber für die moderne Fermentationsküche

52 wilde Fermente
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MEINE MEINUNG
Das neue Sachbuch "52 wilde Fermente" von Alexis Goertz und Jonas Grube, erschienen im Kosmos Verlag, ist ein inspirierender und innovativer Ratgeber für alle, die sich für die faszinierende ...

MEINE MEINUNG
Das neue Sachbuch "52 wilde Fermente" von Alexis Goertz und Jonas Grube, erschienen im Kosmos Verlag, ist ein inspirierender und innovativer Ratgeber für alle, die sich für die faszinierende Welt der Fermentation begeistern und diese in den eigenen Alltag integrieren möchten.
Die Autoren, beide erfahrene Fermentations-Experten und Wildpflanzen-Enthusiasten, verbinden geschickt die jahrtausendealte Praxis der Fermentation mit aktuellen kulinarischen Trends und ökologischen Aspekten.
Das Buch gibt eine umfassende Einführung in die Historie und Kunst des Fermentierens, stellt wichtiges mikrobiologisches Wissen vor und präsentiert insgesamt 52 kreative Rezepte für selbstgemachte, fermentierte Lebensmittel.
Ob nun klassisches Fermentiertes, innovative Getränke oder ausgefallene Desserts – die vorgestellte Vielfalt der Rezepte sollte sowohl Neulinge als auch erfahrene Fermentationsenthusiasten ansprechen.
Gegliedert ist das Buch in einen ausführlichen, theoretischen Einführungsteil mit den beiden Abschnitten PHILOSOPIE und TECHNIKEN sowie in den Hauptteil JAHRESZEITEN mit den eigentlichen Rezepten.
Im einleitenden Teil werden zum einen die Bedeutung des Mikrobioms und ökologische Aspekte der Fermentation vermittelt und zum anderen werden natürlich auch die wesentlichen Grundlagen zu Haltbarmachung und Fermentation, dem notwendigen Basiszubehör und die Grundprinzipien der Hygieneregeln vorgestellt. Neben einigen hilfreichen Tipps zum Sammeln von Wildpflanzen erfahren wir jede Menge interessantes Hintergrundwissen zur weiten Welt der kultivierten Fermentation und den zugrundeliegenden biochemischen Prozessen bei Laktofermentation, Essigsäuregärung oder Hefestoffwechsel. Hierbei werden die methodischen Vorgehensweisen und die bedeutsame Rolle der jeweiligen Mikroorganismen sehr verständlich und anschaulich erläutert. Besonders hervorzuheben sind die anschaulichen Erläuterungen und interessante Kurz-Vorstellungen zu Kombucha, Sauerteig Kefir oder auch Wasserkefir und deren vielseitige Einsatzmöglichkeiten als Mikrobenkulturen.
So kann man sich gut gerüstet und bestens informiert ans Ernten und Experimentieren machen.

Im Hauptteil werden 52 abwechslungsreiche, nach Jahreszeiten geordnete Wochenrezepte vorgestellt. Jedes Rezept stellt jeweils eine Wildpflanze im Mittelpunkt. Die Bandbreite an originellen wie leckeren Verwertungsvorschlägen für die wilden Pflanzen vor unserer Haustüre reicht von klassischem Kimchi über fermentierten Giersch oder Holunderblütensirup bis hin zu ausgefallenen Kreationen wie Salicin-Tonikum aus Weidenzweigen oder Schlehenwein.
Da fällt es gar nicht so leicht, sich zu entscheiden, welche Fermentationsidee man als erstes ausprobieren möchte.
Durch die übersichtliche Anordnung und ansprechende Gestaltung der Rezepte findet man sich schnell zurecht. Zu jedem Rezept gibt es einen informativen Einleitungstext mit einem kurzen Pflanzenportrait und Hinweisen zur Ernte. Zudem finden sich detaillierte Angaben zu Zubehör, Zutaten und Zubereitungs- bzw. Gärzeiten. Besonders gelungen sind die verständlich beschriebenen Zubereitungsschritte. Die Zubereitung ist in der Regel nicht allzu aufwändig und lässt sich problemlos in den Alltag integrieren. Einige anspruchsvollere Projekte erfordern jedoch bei der praktischen Umsetzung mehr Vorwissen und Erfahrung.
Die klare, übersichtliche Gestaltung des Buchs ist sehr ansprechend und sorgt dafür, dass man es immer wieder gerne zur Hand nimmt und sich inspirieren lässt. Ein besonderes Highlight sind die hochwertigen, naturnahen Fotografien mit stimmungsvollen Aufnahmen der Wildpflanzen und fermentierten Kreationen. Sie illustrieren den Inhalt sehr anschaulich und passen hervorragend zum rundum gelungenen Konzept.
Abgerundet wird das Buch durch ein übersichtliches alphabetisches Register, das das Auffinden von Fachbegriffen und Rezepte erleichtert.
Zu bemängeln ist allerdings die recht oberflächliche Behandlung von Sicherheitsaspekten, insbesondere Hinweise auf die Unterscheidung zwischen risikoarmen und potenziell gefährlichen Fermentationsprozessen sollten ausführlicher ausgearbeitet werden. Zwar werden grundlegende Regeln zur Vermeidung krankheitserregender Keime angesprochen, jedoch bleiben spezifische Risiken bei Wildfermenten unerwähnt.
Die nur sehr schematischen Abbildungen der Wildpflanzen, die im Anhang als botanischer Überblick zu finden sind, sind nicht ausreichend. Einsteiger ohne botanische Vorkenntnisse sollten beim Sammeln sicherheitshalber Fachleute zu Rate ziehen, um Verwechslungen auszuschließen.

FAZIT
Ein gelungener, informativer Ratgeber, der einen guten Einstieg in Theorie und Praxis der der modernen Fermentationsküche und der Fermentation mit wilden Pflanzen bietet.
Mit einer überzeugenden Kombination aus fundiertem Wissen, hilfreichen praktischen Anleitungen und kreativen Fermentationsrezepten eignet er sich nicht nur für Neulinge, die ihre Ernährung um gesunde, probiotische Lebensmittel bereichern möchten, sondern auch für erfahrene Fermentierer, die nach neuen Inspirationen suchen.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Ein fesselnder Spannungsroman über Kunst und Obsession

Die blaue Stunde
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MEINE MEINUNG
"Die blaue Stunde" von der britischen Autorin Paula Hawkins ist ein fesselnder psychologischer Spannungsroman, der uns auf eine abgelegene schottische Gezeiteninsel entführt.
In ihrer sehr ...

MEINE MEINUNG
"Die blaue Stunde" von der britischen Autorin Paula Hawkins ist ein fesselnder psychologischer Spannungsroman, der uns auf eine abgelegene schottische Gezeiteninsel entführt.
In ihrer sehr atmosphärischen Geschichte erzählt sie über künstlerisches Vermächtnis, Vereinsamung und unheilvolle Geheimnisse und beleuchtet zudem gekonnt die Komplexität menschlicher Beziehungen sowie die labilen Grenzen zwischen Realität, Wahrnehmung und Obsession.
Hawkins' ansprechende Erzählweise und ihr Talent, komplexe Charaktere zu erschaffen, sorgen nicht nur für ein spannendes Leseerlebnis, sondern regen mit der gelungenen tiefgründigen Erforschung der Abgründe der menschlichen Psyche auch zum Nachdenken an.
Die Geschichte kreist um die verstorbene, enigmatische Künstlerin Vanessa Chapman, deren Werke nach ihrem Tod zu großem Ruhm gelangt sind. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der promovierte Kunsthistoriker und Kurator der Fairburn-Stiftung James Becker, der die bemerkenswerte Kunstsammlung mit den Werken von Vanessa Chapman betreut. Chapman war nicht nur für ihr außergewöhnliches Talent und ihre glamouröse Persönlichkeit bekannt, sondern auch für ihr geheimnisumwobenes Leben auf der abgelegenen schottischen Gezeiteninsel Eris.
Als bei einer Ausstellung in einer von Chapmans berühmten Skulpturen ein mutmaßlich menschlicher Knochen entdeckt wird, gilt es einen möglichen Skandal abzuwenden. Dieser Fund droht nicht nur Chapmans Vermächtnis zu beschädigen, sondern könnte auch die Reputation der Stiftung in Misskredit bringen und sogar Beckers Karriere beenden. Um den Hintergründen auf die Spur zu kommen und Licht ins Dunkel zu bringen, reist Becker kurzentschlossen nach Eris Island, wo Chapmans ehemalige Freundin und Pflegerin Grace Haswell noch lebt und eine Hüterin der letzten Geheimnisse der Künstlerin zu sein scheint. Noch ahnt Becker nicht, auf welche heikle Spurensuche er sich begeben hat und welche fatale Ereigniskaskade er in Gang gesetzt hat.
Gekonnt erschafft Hawkins eine dichte, geheimnisvolle Atmosphäre und lässt uns immer tiefer in eine unheilvolle Welt voller Geheimnisse und dunkler Wahrheiten eintauchen.
Geschickt hat sie die komplexe Handlung auf verschiedenen Zeitebenen angelegt und sorgt dafür, dass wir immer tiefer in den Sog der Ereignisse hineingezogen werden. Hawkins versteht es, Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander zu verweben und erzählt die vielschichtige Geschichte rund um Vanessa Chapman aus wechselnden Perspektiven. Dies ermöglicht es uns, nicht nur die Geschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, sondern auch immer tiefer in Vanessas Kunst und ihr Lebensumfeld einzutauchen. Nach und nach enthüllen wir die dunklen Geheimnisse um ihre Person und ergründen ein komplexes Geflecht aus Intrigen und Emotionen, das die Geschichte zunehmend in eine düstere Stimmung taucht.
Hawkins' besondere Stärke sind ihre vielschichtigen, tiefgründigen Charaktere. Insbesondere die pensionierte Ärztin Grace Haswell ist sehr faszinierend gezeichnet. Sie entwickelt sich im Laufe des Romans von einer einsamen, bemitleidenswerten Figur zu einer Frau mit überraschenden Facetten. Langsam wird ihre komplexe Persönlichkeit enthüllt, die neben großem Mitgefühl auch erschreckend dunkle Seiten ihrer Seele erkennen lässt. Vanessa Chapman, wir nur durch rückblickende Erinnerungen und Tagebucheinträge kennen lernen, ist eine facettenreiche Figur, deren schillernde Persönlichkeit in ihrem künstlerischen Schaffen, ihren Affären und eigenen Geheimnissen spürbar wird. Ebenfalls ein interessanter Charakter ist James Becker, der zunächst ein glühender Verehrer der Künstlerin im Laufe seiner Nachforschungen zunehmend seine Bewunderung verliert und ihrer geheimnisvollen Persönlichkeit schließlich ernüchtert gegenübersteht.

In ihrem Roman erforscht die Autorin Obsession in ihren vielfältigen Formen und hinterfragt die Natur der Kunst, den Preis des Ruhms und die Grenzen, die Menschen zum Schutz ihres Vermächtnisses zu überschreiten bereit sind.
Hervorragend gelungen sind die lebendigen, eindrucksvollen Beschreibungen von Vanessas Kunstwerken, so dass man sich wünscht, diese fiktiven Stücke mit eigenen Augen zu sehen. Die Autorin fängt die Essenz kreativer Leidenschaft sehr anschaulich ein und lässt uns sehr unmittelbar an der Begeisterung, Frustration und Besessenheit als künstlerischer Antriebsfeder teilhaben.
Hawkins schafft es, uns im lange Zeit Ungewissen zu lassen, bis man schließlich ahnt, worauf alles hinausläuft. Durch einige unvorhersehbare Wendungen bleibt der Spannungsbogen bis zum packenden Finale hoch.
Trotz gelegentlicher Längen im Mittelteil und einiger etwas blasser Nebenfiguren ist der Roman ein beeindruckendes und fesselndes Werk, das zum Nachdenken anregt.
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Veröffentlicht am 19.02.2025

Gelungene Geschichtsvermittlung im Krimigewand

Nacht der Ruinen
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MEINE MEINUNG
"Nacht der Ruinen" ist ein fesselnder historischer Kriminalroman von Cay Rademacher, der uns in die apokalyptische Welt des zerbombten Kölns in den letzten Kriegstagen des März 1945 entführt.
Rademacher ...

MEINE MEINUNG
"Nacht der Ruinen" ist ein fesselnder historischer Kriminalroman von Cay Rademacher, der uns in die apokalyptische Welt des zerbombten Kölns in den letzten Kriegstagen des März 1945 entführt.
Rademacher verwebt geschickt seinen spannenden Kriminalfall mit dem beeindruckenden Porträt einer völlig zerstörten Stadt, in der eine gezeichnete und demoralisierte Bevölkerung in Trümmern haust und auf bessere Zeiten hofft.
Es entfaltet sich eine eindrucksvolle Geschichte mit Einblicken in eine durch die Nazi-Diktatur und den Krieg gezeichnete Metropole und einer Gesellschaft am Abgrund.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der junge US-amerikanische Soldat Joe Salmon, der in seine Geburtsstadt Köln zurückkehrt, aus der er 1938 aufgrund seiner jüdischen Wurzeln fliehen musste. Sein offizieller Auftrag, den Mord an einem über der Stadt abgeschossenen amerikanischen Piloten aufzuklären, bildet den Ausgangspunkt für seine Ermittlungen. Gleichzeitig versucht Joe heimlich, das Schicksal seiner einstigen Jugendfreunde - seiner heimlichen Liebe Hilda und seinem jüdischen Freundes Jabuk – zu ergründen, die er bei seiner Flucht aus Deutschland zurückgelassen hatte.
Mit seinem bildhaften, lebendigen Schreibstil gelingt es Rademacher hervorragend, ein stimmiges, authentisches Bild der zerstörten Schauplätze und erschütternden damaligen Zustände zu vermitteln. Eindrucksvoll führt er uns nicht nur die Schrecken des Krieges vor Augen, sondern auch den Zusammenbruch einer ganzen Gesellschaft. Sehr anschaulich portraitiert er die Stadt in Trümmern, geprägt von Hunger, unfassbarem Leid, unmenschliche Lebensbedingungen, florierende Schwarzmarktgeschäfte und Willkürakten. Geschickt fängt er die ambivalente Stimmungslage der verzweifelten Menschen im Überlebenskampf ein – während die einen trotz gemischter Gefühle einem Neubeginn hoffnungsvoll entgegensehen, begegnen wir anderen, die den alten Werten und NS-Gedankengut immer noch nachhängen und den Krieg längst nicht verloren sehen.
Rademachers Figuren sind sehr vielschichtig und lebensnah ausgearbeitet. Entsprechend ihrer Rollen verkörpern sie sehr glaubwürdig die verschiedenen Facetten der damaligen Nachkriegsgesellschaft -von Widerstandskämpfern und Zwangsarbeitern über Mitläufer bis hin zu überzeugten Nazis. Jeder Charakter trägt dazu bei, ein vielschichtiges Bild der menschlichen Verhaltensweisen in jener bewegten Zeit zu zeichnen. Sehr gelungen sind die Darstellungen der inneren Konflikte und ambivalenten Beweggründe der Charaktere, die zwischen Überlebenswillen, Verdrängung, Schuld, Verantwortung und ihrer Sehnsucht nach Normalität hin- und hergerissen sind. Besonders überzeugend ist auch der facettenreich ausgearbeitete Charakter von Joe, der als Ermittler zwischen militärischer Pflicht und privater Vergangenheitsbewältigung zuweilen moralisch fragwürdige Entscheidungen trifft.
Ein besonderes Highlight ist die Einbettung realer, historischer Persönlichkeiten wie der Kriegsreporter George Orwell, die Schriftstellerin Irmgard Keun sowie der berühmte Politiker Konrad Adenauer, die der eine zusätzliche authentische Note verleihen.
Gekonnt beleuchtet Rademacher in seinem Krimi existenzielle Themen und ergründet die Abgründe menschlicher Moral, die Vielschichtigkeit von Verrat und die Last der Schuld. Einfühlsam thematisiert er zudem die Herausforderungen der Vergangenheitsbewältigung, Aufarbeitung begangenen Unrechts sowie Vergebung und Wiedergutmachung in einer in ihren Grundfesten erschütterten Welt.
Joes vielschichtige Ermittlungen bleiben lange Zeit rätselhaft und undurchsichtig, was die Spannung neben geschickt platzierten Twists und unerwarteten Verwicklungen zusätzlich erhöht. Die Krimihandlung, die gekonnt in den historischen Kontext eingebettet ist, tritt zwar gelegentlich hinter den eindringlichen Schilderungen des Nachkriegsalltags zurück, doch gelingt es dem Autor hervorragend, mit der fesselnden historischen Atmosphäre und kriminalistischer Spannung bis zur letzten Seite zu fesseln. Am Ende fügen sich in der Auflösung alle Puzzleteilchen zu einem schlüssigen und überzeugenden Gesamtbild zusammen.
FAZIT
Ein gelungener historischer Kriminalroman – mit spannender Mordermittlung, authentischem Portrait des zerstörten Kölns und tiefen Einblicken in menschliche Abgründe.
Ein packendes Leseerlebnis, das Geschichte lebendig werden lässt und zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Stimmungsvoller Weihnachtskrimi im historischen Bayern

Der echte Krampus
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MEINE MEINUNG
"Der echte Krampus" von Uta Seeburg ist bereits der vierte Band der historischen Krimireihe um Major Wilhelm Freiherr von Gryszinski, kriminalistischer Sonderermittler der Königlich Bayerischen ...

MEINE MEINUNG
"Der echte Krampus" von Uta Seeburg ist bereits der vierte Band der historischen Krimireihe um Major Wilhelm Freiherr von Gryszinski, kriminalistischer Sonderermittler der Königlich Bayerischen Polizeidirektion in München. In der gelungenen Fortsetzung wird Gryszinski während seines Weihnachtsurlaubs in einen mysteriösen Mordfall verwickelt.
Die deutsche Autorin entführt uns in das verschneite bayerische Bergdorf Berghall im Jahr 1897, wo Major Gryszinski mit seiner Familie, einschließlich der geschätzten Köchin Frau Brunner und dem Kindermädchen Anneliese, im frisch erworbenen Bauernhaus ihrer wohlhabenden, exzentrischen Bekannten Franziska Gräfin von Wurmbrand ein besinnliches Weihnachtsfest verbringen möchte. Als es während des traditionellen Krampuslaufs zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen jungen Burschen kommt und kurz darauf das Opfer ausgerechnet in der Räucherkammer auf ihrem Hof tot aufgefunden wird, wird der beschaulichen Stimmung ein jähes Ende gesetzt. Gryszinski sieht sich gezwungen, in dem herausfordernden Mordfall zu ermitteln. Doch wie soll er unter zwanzig jungen Männern, die alle als Krampus verkleidet waren und allesamt Zeugen und Tatverdächtige sind, den Täter finden. Nur gut, dass er auf die Hilfe der rasch aus München herbeigerufenen Kollegen zählen kann. Nach und nach befragen sie die wenig auskunftsfreudige Dorfgemeinschaft und kommen allmählich einigen dunklen Geheimnissen auf die Spur.
Seeburgs ansprechender Schreibstil passt mit seiner leicht antiquierten Note perfekt zur dargestellten Epoche. Die Autorin versteht es, das historische Setting facettenreich und detailgetreu darzustellen und gewährt uns einen faszinierenden Einblick in die damalige Zeit.
Ihr gelingt es mit ihren lebendigen, anschaulichen Schilderungen zudem hervorragend, die stimmungsvolle vorweihnachtliche Atmosphäre des winterlichen Dorflebens einzufangen und uns in das idyllische Setting der verschneiten Berglandschaft zu entführen. Ein besonderer Reiz des Romans liegt zudem in der geschickten Einbindung des vielfältigen traditionellen Brauchtums zur Advents-und Weihnachtszeit so wie einiger mythisch-angehauchter Elemente aus lokalen Berggeschichten in den packenden Kriminalfall.
Wie in den vorherigen Bänden der Reihe zeichnet sich auch "Der echte Krampus" durch vielschichtig ausgearbeitete Figuren aus. Der überaus sympathische Protagonist Gryszinski ist erneut brillant gezeichnet und muss sich auch in seinem Urlaub wieder besonderen Herausforderungen stellen. Besonders interessant sind ebenfalls die Einblicke in sein Privatleben mit seiner unkonventionellen Ehefrau Sophie und seinem kleinen Sohn Fritz. Die Nebenfiguren sind ebenfalls mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und tragen zur Lebendigkeit und Vielfalt der Geschichte bei.
und sorgt für humorvolle Szenen.
Trotz des ruhigen Verlaufs der Ermittlungen gelingt es Seeburg, die Spannung kontinuierlich aufzubauen und mit unerwarteten Wendungen zu überraschen. Geschickt eingeflochtene, humorvolle Episoden sorgen zudem für Abwechslung. Das sehr fesselnde Finale des Romans bietet schließlich eine schlüssige Auflösung des Mordfalls.
Ein knappes Nachwort, betitelt als "Historische Notiz", rundet das Werk ab und gibt Aufschluss über literarische Freiheiten, die sich die Autorin bei ihrer Geschichte genommen hat.
Man darf mit Spannung auf weitere Fälle von Major Wilhelm Freiherr von Gryszinski warten.
FAZIT
Eine sehr stimmungsvolle und Fortsetzung der historischen Krimi-Reihe, die durch die gelungene Verbindung von spannender Kriminalhandlung, historischem Kontext und weihnachtlicher Stimmung besticht.
Gerade für die Winterzeit ein unterhaltsames Leseerlebnis für Krimi-Fans und Liebhaber historischer Romane !

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Ein faszinierender historischer Krimi

Gefährliche Betrachtungen
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MEINE MEINUNG
In seinem faszinierenden historischen Kriminalroman »Gefährliche Betrachtungen« entführt uns der deutsch-schweizerische Verleger und Autor Tilo Eckardt in den Sommer 1930 nach Nidden, ein ...

MEINE MEINUNG
In seinem faszinierenden historischen Kriminalroman »Gefährliche Betrachtungen« entführt uns der deutsch-schweizerische Verleger und Autor Tilo Eckardt in den Sommer 1930 nach Nidden, ein malerisches Fischerdorf auf der Kurischen Nehrung.
Mit der originellen Ausgangsidee für seine unterhaltsame Geschichte und einer reizvollen Mischung aus historischem Roman, Kriminalfall und humorvollen Episoden zudem gewürzt mit herrlich amüsanter Situationskomik begeistert er von der ersten Seite an.
Eckhardt hat mit dem berühmten Schriftsteller Thomas Mann eine historische Persönlichkeit als Hauptfigur auserkoren und lässt ihn gemeinsam mit einer fiktiven Figur, dem litauischen Übersetzer Zydrunas Miuleris in einem mysteriösen Kriminalfall ermitteln. Geschickt verwebt er sorgsam recherchierte historische Fakten mit fiktiven Elementen zu einer fesselnden, überzeugenden und sehr atmosphärischen Geschichte.
Dieser vielschichtige Roman ist jedoch weit mehr als ein spannender historischer Krimi, sondern auch eine wundervolle Hommage an Thomas Mann und sein umfassendes Werk sowie eine tiefgründige Erzählung über Freundschaft, Courage und Zuversicht in Zeiten heraufziehender Gefahren und bedrückender, politischer Umbrüche.
Im Mittelpunkt der zunächst sich bedächtig anlassenden Handlung steht der berühmte Schriftsteller und frisch gebackene Nobelpreisträger Thomas Mann, der mit seiner Familie das neu errichtete Sommerhaus bezieht, und dort im Geheimen an einer bedeutsamen Rede arbeitet, mit der der besorgte Dichter das deutsche Volk vor dem aufkommenden Nationalsozialismus und seinen Gefahren warnen möchte. Ein weiterer Protagonist ist der junge litauische Übersetzer Žydrūnas Miuleris, der ein großer Bewunderer Manns ist und seine Werke ins Litauische übersetzen möchte. Durch eine Verkettung von unglücklichen Verwicklungen verliert Miuleris versehentlich eine von ihm heimlich angefertigte Abschrift des höchst heiklen Redeentwurfs des Schriftstellers. In falschen Händen könnten diese den Dichter in große Schwierigkeiten bringen. So nehmen die Geschehnisse ihren Lauf und der verzweifelte Miuleris, von Mann der Einfachheit halber "Müller" genannt, beginnt gemeinsam mit Thomas Mann weiteren rätselhaften Ereignissen auf den Grund zu gehen.
Äußerst reizvoll und amüsant sind die eingeschobenen Kommentierungen des über 100-jährigen Ich-Erzählers Miuleris, der rückblickend die damaligen Geschehnisse einordnet und sich mit seinen launigen Anmerkungen direkt an uns Leser richtet.
Sehr gelungen ist der eindringliche, etwas antiquiert wirkende und humorvolle Schreibstil, der zwar etwas anspruchsvoll aber sehr ansprechend ist und uns sprachlich ins ausgehende 19. Jahrhundert zurückversetzt.
Eckardt gelingt es meisterhaft, die besondere Atmosphäre des Sommers 1930 in dem idyllischen ostpreußischen Fischerdorf Nidden einzufangen. Gekonnt werden sorgsam recherchierte Fakten zur Geschichte sowie Ereignisse aus Politik und Kunst ins Geschehen eingewoben. Auch die angespannte politische Stimmung der nach der Auflösung des Reichstags im Umbruch befindlichen Weimarer Republik vermittelt er sehr anschaulich und lässt die beginnende Zeit des Nationalsozialismus auf eindrucksvolle Weise lebendig werden. Der Autor zeichnet ein lebendiges, sehr stimmiges Bild der beliebten Sommerfrische und örtlichen Künstlerkolonie.
Hervorragend haben mir zudem die stimmungsvollen Beschreibungen der einzigartigen Landschaft der Kurischen Nehrung mit den Wanderdünen, dem ursprünglichen Wald, der Ostsee und dem vermeintlich friedlichen Haff gefallen.
Die Geschichte lebt vor allem von ihren vielschichtig angelegten und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeiteten Figuren. Hervorragend hat mir neben der sympathische Hauptfigur des jungen Übersetzers Miuleris die facettenreiche Darstellung des weltberühmten Schriftstellers Thomas Mann mit seiner komplexen Persönlichkeit und in seiner Rolle als unfreiwilliger Hobbydetektiv gefallen. Trotz seiner oftmals etwas „weltfremden“ Art offenbart er einen warmherzigen, offenen und humorvollen Charakter. Tief beunruhigt zeigt sich über die politische Lage in Deutschland und die Auswirkungen des aufkommenden Nationalsozialismus auf die Region, die schließlich seine politische Positionierung erfordern.
Die Nebenfiguren sind mit großer Sorgfalt gezeichnet und tragen wesentlich zur Authentizität der Erzählung bei. Von exzentrischen Künstlern, neugierigen Kurgästen, begeisterten Nazisympathisanten über die ortsansässigen Fischern und bis zu den historischen Persönlichkeiten wie die Maler Ernst Mollenhauer und Max Pechstein oder den Fotografen Paul Isenfels – jede Figur fügt der Geschichte eine zusätzliche Nuance hinzu und sorgt für überraschende, oft humorvolle Momente.
Abgerundet wird der Roman durch ein kurzes, aber aufschlussreiches Nachwort, in dem Eckardt die Grenzen zwischen Wahrheit, Fiktion und dichterischer Freiheit erläutert, interessante Hintergrundinformationen zu seinem Roman ausführt sowie gewisse Parallelen zur aktuellen politischen Lage aufzeigt. Zudem schließt sich ein Quellen- und Literaturverzeichnis an.

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