Über große Bücherliebe und Trauerbewältigung
Die Bibliothek der zweiten ChancenCharlotte liebt Bücher seit sie denken kann und arbeitet in ihrem Traumjob in der Kölner Bibliothek. Vor fünf Jahren hat sie ihren Mann Cedric verloren, den sie zum ersten Mal in Paris am Friedhof Père ...
Charlotte liebt Bücher seit sie denken kann und arbeitet in ihrem Traumjob in der Kölner Bibliothek. Vor fünf Jahren hat sie ihren Mann Cedric verloren, den sie zum ersten Mal in Paris am Friedhof Père Lachaise gesehen hat. Doch richtig kennengelernt haben sie sich tatsächlich in der Kölner Bibliothek. Diese soll nun renoviert werden und die ungewisse berufliche Zukunft macht Charlotte schwer zu schaffen. Der fast gleichzeitige Auszug ihrer beiden Töchter Yvonne und Nicola sind dann noch das Tüpfelchen auf dem i. Nach dem Tod von Cedric hat sie ihr Leben ganz nach ihren Töchtern ausgerichtet. Charlotte fühlt sich deshalb nun auf dem Abstellgleis angekommen.
Frank, ein netter Kunde und Witwer, der sie umwirbt, hat keine Chance, denn Charlotte sucht nicht nach einer neuen Liebe. Schwägerin Nadine, die sich ziemlich übergriffig benimmt, macht ihr zusätzlich das Leben schwer. Charlotte denkt sehnsüchtig an ihren langgehegten Traum ein eigenes Buch zu schreiben. Die einsamen Abende könnte sie doch damit ausfüllen...
Die zufällige Begegnung mit der jungen Verlegerin Lisa scheint ihr den Weg genau in diese Richtung zu weisen. Doch Lisa kämpft ebenfalls an allen Fronten. Der eigene Verlag läuft noch nicht wirklich und schreibt rote Zahlen. In wenigen Wochen steht auch noch ihre Hochzeit mit ihrem Verlobten Marten an, der in letzter Zeit immer weniger Verständnis für sie und ihren Job aufbringt.
Als Charlotte alte Briefe von Cedric findet, der ihr nach seinem Tod Aufgaben stellt, ist eine davon eine Reise nach Paris, wo sie damals ihre Flitterwochen verbracht haben. Sie tritt diese Reise an und trifft in der Stadt der Liebe wieder auf Lisa, die mit ihrem Verlobten ein Wochenende verbringt. Die beiden Frauen freunden sich trotz des Altersunterschiedes an und unterstützen sich auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland gegenseitig.
Marie Adams hat einen leichten und einnehmenden Schreibstil, der sich gut lesen lässt. Die Figuren - bis hin zu den Nebencharakteren - sind sehr lebendig dargestellt. Alle haben ihre Stärken und Schwächen und einige davon sind mir beim Lesen ans Herz gewachsen. Allerdings hätte ich sowohl Lisa, als auch Charlotte, oftmals am liebsten geschüttelt, wenn sie sich wieder von denselben Menschen manipulieren lassen. Bis sich beide auf die eigenen Füße stellen und erkennen, wann es genug ist, dauert es eine Weile.
Der Blick hinter das Verlagwesen hat mir sehr gut gefallen und der Städtetrip nach Paris hat meine Sehnsucht nach dem französischen Laissez-faire wieder erweckt.
Manche Handlungen sind hingegen etwas vorhersehbar, manchmal gibt es aber auch überraschende Wendungen, die den beiden Frauen ein neues (Lebens-)Kapitel eröffnet. Neben dem Thema Bücher geht es größtenteils um Trauerbewältigung und den Mut zur Veränderung, um Freundschaft und das Wiederfinden der Lebensfreude.
Fazit:
Die kurzweilige und warmherzige Geschichte regt zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln ein. "Alles hat seine Zeit" - Trauer und Verlust, genauso wie Hoffnung und neue Träume. Dies vermittelt Marie Adams sehr anschaulich. "Es ist nie zu spät für einen Neubeginn" ist das Credo der Autorin, die uns Leserinnen Mut macht.