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Veröffentlicht am 12.01.2025

Die letzte Front

Yellowface
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Der Roman erzählt die Geschichte zweier noch junge Autorinnen, June und Athena. Während June nach einem ersten kleinen Achtungserfolg keine weiteren Bücher mehr veröffentlichen konnte, ist Athena bereits ...

Der Roman erzählt die Geschichte zweier noch junge Autorinnen, June und Athena. Während June nach einem ersten kleinen Achtungserfolg keine weiteren Bücher mehr veröffentlichen konnte, ist Athena bereits eine gefeierte Schriftstellerin. Die chinesisch-amerikanisch stämmige junge Frau ist in den Social Medien dauerhaft präsent und hat bereits ihr nächstes Meisterwerk in der Schublade liegen. June ist extrem neidisch auf den großen Erfolg ihrer Freundin und möchte endlich selbst durchstarten. Gemeinsam feiern sie Athenas neuen Netflix Vertrag, doch im Verlauf dieses Abends stirbt Athena. Sie hinterlässt ihr neues Manuskript "Die letzte Front", welches noch niemand gesehen hat, denn Athena spricht mit ihren Agenten nie über ihre neue Idee, sondern schickt ihm erst das vollständige Manuskript zu, wenn sie es beendet hat.
June beschließt dieses Manuskript mitzunehmen, abzuändern und es als ihre eigene Geschichte zu verkaufen. Sie ändert ihren Namen in Juniper Song um, um authentischer zu wirken, denn in Athenas Roman geht es um chinesische Arbeiter im Ersten Weltkrieg und June ist eine weiße Amerikanerin. Der gewünschte Erfolg stellt sich sofort ein und der Roman geht durch die Decke. Doch so ganz lässt auch June ihr schlechtes Gewissen nicht los.....

Die Idee dieses Buches ist wirklich gelungen und zeigt uns die Verlagsbranche in einem etwas anderen Licht. Die erste Hälfte hat mir sehr gut gefallen. Man macht sich Gedanken, wie man selbst gehandelt hätte, wie schnell sich Erfolg ins Gegenteil wandeln kann und wie man mit kulturellem Eigentum umgehen soll. Die Charaktere sind allerdings alle nicht wirklich sympathisch und June sowieso nicht.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von June geschrieben. Manchmal spricht sie den Leser auch direkt an, was ich etwas seltsam finde. Während Athena fast zu perfekt rüberkommt, ist June alles andere als ein Sympathieträger. Sie hat geistiges Eigentum einer anderen Person an sich genommen und geht damit nicht offen und ehrlich um. Während sie zu Beginn den Erfolg genießt, blitzt doch hin und wieder das schlechte Gewissen durch, bis sie ihr Handeln selbst verleugnet. Dabei gerät Juniper in eine Spirale, die immer abgedrehter wird und sie immer mehr nach unten zieht. Ab diesen Zeitpunkt konnte ich mit der Story immer weniger anfangen.

Rebecca F. Kuang spielt mit allen möglichen Klischees aus der Welt des Verlagswesens. Ich frage mich allerdings, ob man die amerikanische Buchbranche mit der deutschen oder europäischen vergleichen kann?
Außerdem widmet sich die Autorin Themen wie Rassismus, Geschlechterstereotypen und kulturelles Eigentum. Sie hält der heutigen Gesellschaft einen Spiegel vor, die sich oftmals alleine durch die Medien ihre eigene Meinung bildet und nichts hinterfragt. Fake News und Hasskommentare sind leider keine Seltenheit, sondern findet man täglich auf allen Plattformen.

Gefallen hat mir der Blick hinter die Kulissen der Verlagswelt und wie entschieden wird, ob ein Buch zum Besteller wird. Der Druck auf Autoren und Lektoren, das ganze drumherum, wie die Präsenz in den Medien und Diskussionen um den Inhalt der Geschichte zerlegt wird, fand ich interessant. Die Frage, ob nur asiatisch stämmige Menschen über die asiatische Geschichte schreiben dürfen und ob alles andere kulturelle Aneignung ist, hat mich etwas nachdenklich zurückgelassen.
Ich muss aber gestehen, dass ich manchmal dieses Thema zu übertrieben finde, denn dann dürften sehr viele Autor:innen ihre Bücher nicht veröffentlichen. Vor allem auch im Krimi- und Thrillergenre frage ich mich, wie man das auslegen sollte/könnte... und seien wir ehrlich...was wäre die Buchwelt ohne Winnetou oder Kinder-Fantasy wie Peter Pan oder Momo? Wenn man es genau nimmt, könnte man ja auch im Fantasybereich nicht darüber schreiben, was nicht der "Wahrheit" entspricht. Bücher sind doch dazu da in andere Welten abzutauchen!

Das Ende fand ich etwas dünn und nichtssagend nach all den vielen Themen, die die Autorin aufgemacht hat. Außerdem haben wir es wieder mit einem (kleinen) offenen Ende zu tun, welches aber für mich in Ordnung ging.

Fazit:
Wirklich überzeugt hat mich der gehypte Roman leider nicht, aber ich bin trotzdem froh, dass ich ihn jetzt gelesen habe. Die Autorin bringt viele interessante Themen zur Sprache und lässt uns hinter den Vorhang der Verlagswelt schauen.

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Veröffentlicht am 17.12.2024

Geheimnis um Morgate House

Die vergessenen Kinder
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Von der Autorin habe ich bisher zwei Bücher gelesen und zwar "Das Geheimnis des Mädchens", welches von mir 5 Sterne und "Das Haus der Verlassenen", welches 4 Sterne bekommen hat.
Mit ihrem neuen Roman ...

Von der Autorin habe ich bisher zwei Bücher gelesen und zwar "Das Geheimnis des Mädchens", welches von mir 5 Sterne und "Das Haus der Verlassenen", welches 4 Sterne bekommen hat.
Mit ihrem neuen Roman hat sie mich nun nicht ganz so überzeugt, wie mit den bereits gelesenen Büchern. Für mich hatte es im Mittelteil einige Längen und Wiederholungen. Trotzdem war der Roman wieder spannend und interessant.

"Die vergessenen Kinder" wird auf drei Zeitebenen und aus vier Perspektiven erzählt. Lasst euch davon aber nicht abschrecken, denn wir begegnen diesen vier bzw. fünf Frauen während den ganzen 448 Seiten immer wieder. Vor allem Jo Hamilton, die sich 1975 frisch aus der Polizeischule auf dem Weg zu einer häuslichen Gewalttat begibt, die für sie weitreichende Folgen haben wird, begleiten wir bis zum Ende der Geschichte.
2015 steht sie kurz vor ihrer Pensionierung, als die Überreste einer Leiche gefunden werden, die der vor Jahrzehnten verschwunden Holly gehören könnten. Holly war eines der beiden Mädchen, die damals bei Jo's Polizeieinsatz ihre Familie durch einen Brand verloren hat. Noch immer fühlt sich Jo deswegen schuldig, die die beiden Kinder danach in das nahe Waisenhaus Morgate House bringen musste. Seit damals lässt sie diese Geschichte nicht mehr los und sie versucht in ihrer letzten Woche als Superintendent den Cold Case zu klären. Doch ihr Chef und ihr Nachfolger versuchen sie bereits aus ihrem Job zu drängen und lassen nichts unversucht....

Einige Zeit bevor Holly und Daisy nach Morgate House kamen, verschwand bereits die 15jährige Gemma spurlos. Einige Jahre später. Auch Daisy, die als Altenpflegerin arbeitet, möchte wissen, ob es sich bei der Toten um ihre Schwester Holly handelt. Noch immer gruselt es auch sie vor Morgate House, welches bald abgetragen werden soll, weil es zu nahe an den Saltdean Cliffs steht und ins Meer abzurutschen droht.

Die dritte Zeitebene spielt 1944. Jo's Mutter Olive möchte der Farm ihrer Eltern entfliehen und meldet sich als Motorradkurier nach Bletchley Park. Dort versuchten während des Zweiten Weltkrieges Hunderte von Männern und Frauen den geheimen Funkverkehr der Deutschen zu entschlüsseln. Ihre Aufgabe ist anstrengend und gefährlich.

Die zentrale Rolle spielt jedoch Jo und das düstere Waisenhaus Morgate House, während sich die einzelnen Erzählstränge im Laufe der Geschichte gekonnt darum herum verknüpfen.
Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse, die für dramatische und bewegende Momente sorgen.


Fazit:
"Die vergessenen Kinder" von Emily Gunnis ist eine Mischung aus einem packenden Familiendrama und einem spannenden Kriminalfall. Trotzdem empfand ich diesen Spannungsroman schwächer, als die beiden anderen, die ich bisher von der Autorin gelesen habe.

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Veröffentlicht am 16.11.2024

Schwacher zweiter Band um Maya Topelius

Still ist die Nacht (Ein Fall für Maya Topelius 2)
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Nachdem mich der Debütkrimi der deutschen Autorin Sandra Åslund, die seit 2020 mit ihrem Mann in Schweden lebt, sehr gut gefallen hat und mir noch lebendig im Gedächtnis geblieben ist, freute ich mich ...

Nachdem mich der Debütkrimi der deutschen Autorin Sandra Åslund, die seit 2020 mit ihrem Mann in Schweden lebt, sehr gut gefallen hat und mir noch lebendig im Gedächtnis geblieben ist, freute ich mich auf den zweiten Band der Trilogie.

"Still ist die Nacht" spielt zur Sommersonnenwende, eine Zeit, die in Schweden sehr ausgiebig gefeiert wird. Maya Topelius hat sich endlich auch eine kleine Auszeit gegönnt und möchte an einem Yoga-Retreat ihrer Freundin Emily teilnehmen, der auf Svartlöga, einer der abgelegenen Schäreninsel stattfindet. Auf der sonst eher unberührten Insel gibt es weder Strom, noch sonstige Annehmlichkeiten. Doch schon am ersten Abend kommt es beim Mittsommerfest zu einem Streit, den alle Teilnehmer des Kurses und die wenigen Einwohner der Insel mitbekommen. Am nächsten Tag wird einer der beiden Streithähne tot aufgefunden. Und schon ist es mit der Erholung für Maya vorbei. Die Insel wird abgeriegelt und Pär lässt Emily verdeckt ermitteln, denn eine offizielle Ermittlung darf sie nicht durchführen. Als ein weiterer Mord passiert, beginnt die Lage sich zuzuspitzen. Nachdem niemand die Insel verlassen darf und ein Sturmtief aufzieht, kippt die Stimmung.

Der zweite Band um Maya Topelius konnte mich nicht ganz so überzeugen, wie das Debüt. Die Insel als "geschlossenen Raum" fand ich hingegen spannend. Ich mag Krimis und Thriller, wo wir eine Art "Locked Room" haben - eine Ausgangssituation, wo die Verdächtigen den Tatort nicht verlassen können. Und so ist die Auswahl, wer der Mörder oder die Mörderin sein kann, eingegrenzt.
Leider gab es für mich doch einige Längen, die vor allem durch den privaten Konflikt zwischen den beiden Freundinnen Maya und Emily zu viel Raum einnehmen. Zusätzlich stand das Esoterik-Thema zu sehr im Vordergrund und lenkte ebenfalls von der eigentlichen Handlung um den Mord zu sehr ab. Der Kriminalfall rückt so immer wieder in den Hintergrund, bis wieder etwas passiert und Emily nicht wirklich unauffällig die Bewohner "verhört".
Gegen Ende nimmt der Krimi dann endlich richtig Fahrt auf und bringt noch die zuerst vermisste Spannung mit sich.

Während Sanna und Clara, die zum Freundinnen-Kleeblatt gehören, im ersten Band mehr Raum hatten, werden sie diesmal nur am Rande erwähnt. Mir ist klar, dass Maya als Ermittlerin natürlich die Hauptfigur ist, trotzdem weiß ich zum Beispiel von Clara gerade mal die Fakten um ihre Person. Vielleicht bekommt sie im nächsten Krimi mehr Raum, den diesmal Emily eingenommen hat.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich sehr gut lesen, ist flüssig und bildhaft. Die Figuren hatte ich tatsächlich vor Augen und die kurzen Kapitel laden zum Weiterlesen ein. Die landschaftlichen Beschreibungen fand ich äußerst bildhaft beschrieben. Da kommt meine Sehnsucht nach einen weiteren Schwedenurlaub wieder hoch...

Fazit:
Der zweite Band um Kommissarin Maya Topelius kommt leider nicht an den Vorgänger heran und hat einige Längen. Dabei steht auch der private Konflikt zwischen Maya und Emily zu sehr im Vordergrund. Erst zum Ende hin kommt mehr Spannung auf und überzeugt mich schlussendlich, dass ich auch den dritten band der Trilogie lesen werde.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Alles Theater

Falsche Masken
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Der Krimi startet mit einem rasanten Prolog. Die berühmte Schauspielerin Julia Didier gesteht live im TV, dass sie ihren Ehemann und Manager Erich ermordet hat. Kurz darauf passiert ein tragisches Unglück ...

Der Krimi startet mit einem rasanten Prolog. Die berühmte Schauspielerin Julia Didier gesteht live im TV, dass sie ihren Ehemann und Manager Erich ermordet hat. Kurz darauf passiert ein tragisches Unglück und Julia fällt ins Koma. Was ist dran an ihrem Schuldgeständnis?
Die Polizei beginnt zu ermitteln und legt sich relativ schnell fest. Für sie gilt das Geständnis von Julia Didier, die sie zur Täterin stempeln. In der Zwischenzeit nimmt Julias Vater Kontakt zu Privatdetektiv Edgar Brehm auf. Er bittet ihn herauszufinden, was wirklich passiert ist, denn er ist überzeugt, dass seine Tochter unschuldig ist.

Etwa zur selben Zeit werden Edgar und Toni vom angesehenen Psychologen Alfred Strömer, der besonders in der Wiener High-Society bekannt ist, zu einem Einbruchsdiebstahl gerufen. In seiner Praxis sind wichtige Patientenunterlagen gestohlen worden. Auch Julia Didier und ihr Ehemann Erich waren Patienten von Doktor Strömer, was diesen Einbruch sehr seltsam erscheinen lässt.....

"Falsche Masken" spielt in der Theater- und Filmbranche. Theresa Prammer weiß, wovon sie schreibt, denn sie schauspielerte selbst am Theater und hat somit Insiderwissen. Dadurch erfährt man als Leser vieles aus der Theaterwelt, was mir sehr gut gefallen hat. Chat-Protokolle lockern die Handlung auf und bringen noch mehr Spannung in den Fall. Zusätzlich gibt es noch jede Menge Wendungen und Verdächtige und man rätselt fleißig mit.
Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd. Die Figuren sind lebendig und man kann sich mit ihnen identifizieren. Jedoch fand ich das Privatleben - besonders von Edgar - etwas zu sehr im Vordergrund. Der Kriminalfall kam mir deshalb fast zu etwas kurz.
Zum Mitraten und spekulieren bietet sich "Falsche Masken" aber perfekt an. Ich habe bis zum Ende nicht den oder die Täter identifizieren können.

Fazit:
Ein spannender Krimi im Theater-Milieu, der mich miträtseln und spekulieren hat lassen. Nur das Privatleben des Ermittlers war mir etwas zu sehr im Vordergrund und hat den eigentlichen Kriminalfall zu sehr in den Hintergrund gedrängt.

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Veröffentlicht am 09.10.2024

Dauert etwas bis die Spannung beginnt...

Der Tandler und der Tod
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Mein erster Krimi, bei dem ein Altwarenhändler ermittelt. Sebastian "Sebo" Tandler (Nomen ist hier Omen) hat eine kleine Entrümpelungsfirma in der oberösterreichischen Hauptstadt Linz. Überraschend bekommt ...

Mein erster Krimi, bei dem ein Altwarenhändler ermittelt. Sebastian "Sebo" Tandler (Nomen ist hier Omen) hat eine kleine Entrümpelungsfirma in der oberösterreichischen Hauptstadt Linz. Überraschend bekommt er den Auftrag ein Linzer Privatschloss auszuräumen. Für die kleine zwei-Personen-Firma ein Großauftrag. Neben Sebastian, der die Hausratsauflösungen übernimmt, arbeitet noch Johanna Ramböck mit, die ihm beim Sortieren und Verkaufen der Ware behilflich ist.
Der unsympathische Schlossinhaber Mariano Zamberk-Tachov hat bereits an eine Immobilienfirma verkauft, die Hotelanlagen bauen möchte. Isis Bruckner, die Gesellschafterin der ehemaligen Schlossherrin Adriana Zamberk und nun Angestellte des Schlossherrn, soll ihm zeigen, was er ausräumen und verkaufen soll. Die zwielichtigen Männer, die sich rund um die vielen Oldtimer des Hausherren scharren, lassen ein ungutes Gefühl in ihm aufsteigen. Als er mysteriöse Briefe, versteckt in einer Couch findet, die auf ein Verbrechen hinweisen, wird er noch misstrauischer. Der Tandler ist ein sehr neugierieger Artgenosse und deshalb lassen ihn diese Briefe und auch eigenartige Vorfälle nicht in Ruhe. Als bei ihm und im Schloss bei Isis eingebrochen wird, beginnt er nachzuforschen und als Adriana Zamberk ermordert wird, schrillen alle Alarmglocken....

Der Krimi braucht lange bis er endlich Fahrt aufnimmt. Das ist sehr schade, denn die erste Hälfte des Buches enthält viele Hinweise, die man nicht unbedingt braucht; wie Erläuterungen zu Wohnungsauflösungen, detaillierte Beschreibungen von Innenräumen und Farbschemen, wie Tandler und Ramböck die Ware aufteilen. Auch die vielen Namen sind zu Beginn sehr verwirrend. Tandler hat neben Johanna Ramböck auch Freunde aus Griechenland und Albanien, die ihm beim Entrümpeln helfen. Die für uns fremd klingenden Namen merkt man sich nicht wirklich schnell und auch in der Familie des Schlossherrn gibt es jede Menge längere Namen, die nicht sofort hängen bleiben. Hilfreich ist das Personenregister gleich zu Beginn des Krimis.

Die Handlung spielt in Linz und Umgebung. Sebo wohnt in einer der sogenannten „Hitlerbauten“. Diese schnell hochgezogenen Wohnburgen wurden während der NS-Zeit gebaut. Die Wohnung hat er von seiner Tante Brigitte geerbt, in der er alleine lebt. Sprachlich gibt es viele österreichische Begriffe, die man im Glossar hinten erklärt bekommt, wenn man sie nicht versteht.

Die Figuren sind sehr lebendig und etwas skurril gezeichnet. Man hat jeden einzelnen vor Augen und auch die vielen Nebenfiguren sind größtenteils gut charaktisiert. Den multi-kulti Freundeskreis fand ich super erfrischend. Den Tandler selbst fand ich sehr sympathisch, Isis blieb mir zu Beginn noch etwas fremd. Im Laufe des Krimis ändert sich das jedoch. Sie hat auf jeden Fall einen sehr interessanten Background, der Grund zu Spekulationen liefert.

Die zweite Hälfte ist aber wirklich gelungen und sehr spannend erzählt. Es überschlagen sich die Ereignisse und die Autorin überrascht mit neuen Wendungen. Ab diesen Zeitpunkt konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Einer Fortsetzung der Reihe bin ich nicht abgeneigt, denn wir sind nun ja schon richtig gut in das Leben vom Tandler eingeführt worden ;)

Fazit:
Der Krimi braucht leider etwas zu lange bis er Fahrt aufnimmt, aber dann wird es richtig spannend! Die Ideen der Autorin sind großartig und endlich etwas anderes, als viele der uns bekannten Regionalkrimis enthalten. Das fängt mit dem eigenwilligen Ermittler an, geht weiter mit seinem Job, seinen Freundeskreis und Isis Hintergrund....richtig gute Ideen!

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