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Veröffentlicht am 23.03.2025

Das Böse geht um im Kloster Notre- Dame de Senanque

Tödliches Gebet
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Der Krimi beginnt eher ungewöhnlich mit einem Rückblick in die Vergangenheit. Nicht etwa ein altes Verbrechen, sondern ein wichtiges Puzzleteil aus Campanards Vergangenheit . Damals lernt er den Mönch ...

Der Krimi beginnt eher ungewöhnlich mit einem Rückblick in die Vergangenheit. Nicht etwa ein altes Verbrechen, sondern ein wichtiges Puzzleteil aus Campanards Vergangenheit . Damals lernt er den Mönch Bernard kennen, der ihm durch eine Lebenskrise hilft und der heute seinerseits Campanards Hilfe benötigt. Seltsame Dinge gehen im Kloster vor und ein Mönch ist spurlos verschwunden, der zudem ein guter Freund von Bernard war. Nun fürchtet Camanard um das Leben seines Freundes. Zusammen mit seinen Kollegen Linda und Pierre, dem Team obscure fährt er nach Gordes und trifft auf eine Mauer des Schweigens. Auch die Beamtin vor Ort, Dubac, ist keine Hilfe. Sie sieht ihre berufliche Kompetenz in Frage gestellt. Während Campanard im Kloster ermittelt, fährt Linda zum Mutterkloster und Pierre soll die Stellung vor Ort halten. Alle drei ahnen nicht, dass sie so ihrem Gegner in die Hände spielen. Linda sowie Pierre geraten in dessen Fänge. Nichts ahnend geht Campanard weiter seinen Ermittlungen im Kloster nach und sieht sich mit einer niederschmetternden Wahrheit konfrontiert.

Dies ist mein 2. Fall mit dem Ermittlertrio obscure und erneut hatte ich einen Riesenspaß gepaart mit viel Spannung und überraschenden Wendungen. Jeder der Drei hat seine schmerzvolle Vergangenheit und daraus resultierende Macken. Im Zentrum steht Campanard mit all seinen Eigenheiten und einem dunklen Fleck in der Vergangenheit, der auch zum Leidwesen meiner Neugierde in diesem Band dunkel bleibt. Der Mönch Bernard war mir sehr sympathisch . Er ruht in sich und ist sehr empathisch. Ich konnte gut nachvollziehen, warum er Campanard am Herzen lag. Spannend waren die Einblicke in das Klosterleben. Hinzu kam noch das Gefühl ständiger Bedrohung. Wenn ich eine Hassfigur benennen sollte, dann wäre es Kommissarin Dubac. Diese Meinung teile ich mit Linda.

Ein weiterer Pluspunkt des Krimis neben der fesselnden Handlung ist der Erzählstil. Der Autor malt mit Worten. So konnte ich mir die Landschaft immer gut vorstellen, konnte die Blumen riechen und den Gesang der Vögel hören. Gut gefallen hat mir auch, dass ich liebeswerte Bekannte aus dem 1. Band wieder getroffen habe. Für mich war der Krimi rundum gelungen und ich hoffe deshalb auf eine baldige Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Geschichte spannend und unterhaltsam vermittelt

Das Erbe der Karolinger
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Ich finde Geschichte, egal welche Epoche, ausgesprochen spannend. Natürlich habe ich von Karl, dem Großen gelesen, aber dann war es das auch. Der Roman bringt mir seinen Sohn, Ludwig, den Frommen, näher ...

Ich finde Geschichte, egal welche Epoche, ausgesprochen spannend. Natürlich habe ich von Karl, dem Großen gelesen, aber dann war es das auch. Der Roman bringt mir seinen Sohn, Ludwig, den Frommen, näher und seine Auseinandersetzungen mit seinen Söhnen. Seinen ältesten Sohn Lothar macht er früh zu seinem Nachfolger und Mitkaiser. Im nachhinein muss ich feststellen, dass es in meinen Augen ein Fehler war. Es ist der Beginn eines Konflikts , der ein unrühmliches Ende nimmt.

Vater und Sohn könnten nicht unterschiedlicher sein. Ludwig will Frieden für sein Reich und bemüht sich um Ausgleich. Verhandeln und Kompromisse sind die Mittel seiner Wahl. Lothar sieht sich als wahren Nachfolger seines Großvaters Karls, des Großen. Er hält Krieg und hartes Durchgreifen für den besseren Weg. Seinen Vater hält er für schwach und unfähig. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen . Der endgültige Bruch erfolgt, als Ludwig zum zweiten Mal heiratet. Seine Wahl fällt auf die bedeutend jüngere Judith, die Lothar gerne für dich gehabt hätte. Als Judith Ludwig einen eigenen Sohn schenkt, entsteht daraus auch ein Konflikt mit den beiden jüngeren Söhnen Ludwigs, die ihr Erbe bedroht sehen. Zweimal versucht Lothar seinen Vater abzusetzen und jedes Mal versuchen die beiden Kontrahenten die anderen Söhne auf ihre Seite zu ziehen. Über den Tod seines Vaters hinaus bleibt Lothar unversöhnlich und rachsüchtig. Ich bin froh, dass ich ihn nicht kennengelernt habe. Er ist für mich das personifizierte Böse , machtgierig, egoistisch, brutal und wortbrüchig. Ludwigs Herrschaftsweise entspricht eher unserer Sicht auf die Dinge. Dennoch werfe ich Ludwig vor, dass er die Augen vor der Realität verschlossen hat. Die Welt war nicht reif für seine Sichtweise der Dinge.

Wenn ich ehrlich bin , waren meine Lichtgestalten die Frauen , allen voran Judith. . In der offiziellen Geschichtsschreibung kommt sie nicht gut weg , doch der Autor zeichnet ein völlig andres Bild. Judith ist schön und vor allem klug. Obwohl es eine arrangierte Ehe ist, liebt sie Ludwig , ist ihm eine Stütze und gute Ratgeberin. Besonders imponiert hat mich ihre Weitsicht, Stolz und Würde. Auch ihre jüngere Schwester Emma, die zeitlebens in ihrem Schatten stand, konnte mich für sich einnehmen. Sie war mit Ludwigs jüngsten Sohn , dem kleinen Ludwig, König von Bayern, verheiratet. Auch sie stand ihrem Mann treu zur Seite . Beide waren mit ihrem Anteil an der Macht zufrieden, so scheint es zumindest.

Der Roman liest sich stellenweise wie ein Krimi mit all den Ränkespielen und Machtkämpfen. Zeitweise musste ich mir bewusst machen, dass vieles davon tatsächlich passiert ist und noch heute die Aufteilung Europas mitbestimmt. Mein Eindruck von der Kaiserfamilie war, dass sie sich - wenn man von den damaligen gesellschaftlichen Gegebenheiten absieht, nicht von heutigen Familienclans unterscheidet. Immer geht es letzendlich um Macht, Ansehen und Einfluss. Beim Lesen wurde ich auf jeden Fall auf das beste unterhalten und konnte ganz nebenbei einige Leerstellen in meinen Geschichtskenntnissen füllen.

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Geschichtenteppich rund um den Bau des Panamakanals

Der große Riss
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Ich finde es immer spannend, mehr über die Geschichte eines bekannten Bauwerks zu erfahren. Der Panamakanal war für mich bisher ein geografischer Name , mehr nicht. Und so war meine Neugierde geweckt.
Der ...

Ich finde es immer spannend, mehr über die Geschichte eines bekannten Bauwerks zu erfahren. Der Panamakanal war für mich bisher ein geografischer Name , mehr nicht. Und so war meine Neugierde geweckt.
Der Roman begleitet verschiedene Personen ein Stück ihres Weges . Das Bindeglied ist der Bau des Panamakanals, der Arbeit verspricht und große Umwälzungen mit sich bringt.
Meine beiden Lieblingsfiguren waren die 15jährige Ada aus Barbados und Marian aus Tennessee. Adas Schwester ist schwer krank und muss operiert werden. Aber es fehlt das Geld. Adas Mutter , Tochter ehemaliger Sklaven, verdient ihr Geld mit Näharbeiten und das reicht gerade so für den Lebensunterhalt. Arbeit sei in Panama leicht zu bekommen und so macht sich Ada auf den Weg. Ich habe das unglaublich mutig gefunden. Ada ist intelligent und selbstbewusst, aber sie hat die falsche Hautfarbe, auch in Panama, wo die US-Amerikaner das Sagen haben. Durch Zufall lernt sie Marians Ehemann John kennen, der ihr eine Stelle als Betreuerin seiner Frau gibt. Marian hat John eher aus Zufall geheiratet und die beiden leben neben einander her. Marian hat studiert, hat einen wachen Geist, doch die gesellschaftlichen Verhältnisse zwingen sie zu einem abgeschiedenen Leben im Haus. Ada und Marian sind für mich Schwestern im Geiste. Auch Adas Familiengeschichte wird erzählt und die berichtet von sozialer Ungerechtigkeit und Mut.
Unmittelbar einen Einblick in die Kanalarbeiten bekomme ich durch den einheimischen Omar. Omar lebt in einer Welt der Trauer und des Schweigens mit seinem Vater, der nie über den Verlust seiner Ehefrau hinweg gekommen ist. Omar fühlt sich trotz der schweren Arbeit unter den anderen Arbeiter wohl. Hier redet man mit ihm und es wird gelacht. Omar Blick auf den Kanal verändert sich durch einen tragischen Zwischenfall. Ich selbst habe die Arbeitsbedingen als unmenschlich empfunden.
Omars neue Sichtweise führt mich zu Valentina, die mit dem Fischhändler Joaquin verheiratet ist. Ihr Heimatdorf soll wegen dem Kanal umgesiedelt werden. Valentina und andere wollen das nicht hinnehmen und organisieren Widerstand.
Was mir bereits nach wenigen Seiten aufgefallen ist, die Autorin ist eine begnadete Erzählerin. Sie lässt die Figuren lebendig werden und die Umgebung Realität. Jedes Schicksal war spannend und auf eigene Weise berührend und stellt einen anderen Aspekt des Bauprojekts in den Vordergrund. So wie das Schicksal die Einzelnen zusammengeführt hat, trennen sich ihre Wege auch wieder. Manche Hoffungen haben sich erfüllt, manche nicht. Obwohl ich mir einiges anders gewünscht hätte, war es gut so. Das Schicksal frägt nicht nach Wünschen. Mich hat der Roman gefangen und auf die Reise in die Vergangenheit genommen und mir dadurch ein Stück Geschichte und die Menschen dahinter unterhaltsam näher gebracht.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

das erste Mordopfer war der Mops !

Crime im Heim
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Ich war gespannt, ob dieser Cosy crime mich gut unterhalten würde oder ich genervt wäre wegen all zu platter Stereotypen über Senioren. Vorneweg, ich habe mich königlich amüsiert, konnte rätseln, wer wohl ...

Ich war gespannt, ob dieser Cosy crime mich gut unterhalten würde oder ich genervt wäre wegen all zu platter Stereotypen über Senioren. Vorneweg, ich habe mich königlich amüsiert, konnte rätseln, wer wohl der infame Täter sein könnte und wurde dabei bestens unterhalten. Auch die Spannung war vorhanden.

Ich fand die Atmosphäre im Altenheim wurde gut und wirklichkeitsnah eingefangen, wo Senioren gerne wie unmündige Kinder behandelt werden. Basteln und etwas angestaubtes Liedgut sollen zur Unterhaltung beitragen. Im Buch dürfen die Bewohner für Halloween kreativ werden und ich hatte Bilder vor Augen, die mich zum lachen brachten. Alt bedeutet nicht, dass man weniger unternehmungslustig ist und keine eigene Vorstellungen von seiner Freizeitbeschäftigung hat.

Friedhelm Kemp liebt das Theater und hier besonders Shakespeare und plant deshalb eine Aufführung des Hamlets. Er will damit Abwechslung ins Heimleben bringen. Und das gelingt in einem unerwarteten Maße. Schon die Vorbesprechung mit den Darstellern steht unter keinem guten Stern. Irma hat ihren Mops tot im Garten gefunden und fordert Aufklärung. Die ehemalige Yogalehrerin Katia ist alarmiert, denn sie vermisst ihren feinfühligen Freund Hans bei der Probe. Zumal der neue Mitbewohner Uwe, ein Anarchist, behauptet, Hans habe Kontakte zur RAF gehabt. Hat Hans den Mops gemeuchelt ? Ganz im Sinne Hamlets beschließt die Theatergruppe, den Mord am Mops namens Ophelia aufzuklären und stolpert prompt im Garten über eine männliche Leiche. Nun nimmt das Schicksal seinen Lauf und löst heftige Geschäftigkeit aus, die bei mir heftige Heiterkeitsausbrüche auslöst. Während Friedhelm weiterhin bemüht ist, seinen Hamlet auf die Bühne zu bringen, will Katia das Rätsel um den Toten lösen. Sie befürchtet, der wieder aufgetauchte Hans könnte etwas damit zu tun haben. Und wer ist der Erpresser, der neuerdings versucht, die Senioren um ihr Geld zu bringen. Man einigt sich darauf, eine kleine Szene aus dem Hamlet zu geben, um den Täter aus der Reserve zu locken.

ich war aber bereits vor dem gelungenen Einfall ein Fan der Gruppe. Ich war fasziniert, wie Friedhelm stets ein passendes Shakespeare-Zitat zur Hand hatte und wirklich nichts unversucht ließ, das Stück aufzuführen. Meine Heldin war Katia , die detektivische Talente besitzt und den Überblick nicht verliert. Nicht zu vergessen die Gräfin, die immer Haltung und Etikette bewahrt und nachgewiesen vortrefflich schießen kann. Aber auch alle anderen waren mit ihren Marotten und Wehwehchen liebenswert.

Ich wusste bis zum Ende nicht, wer der Täter war, war aber dann hellauf begeistert. Die Person war mir zwar von Beginn an unsympathisch, aber ich hatte nicht mit so viel krimineller Energie gerechnet. Mir hat die Lektüre des Buches sehr viel Spaß gemacht und ich fand , der Ton war nie respektlos .

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Ein Cold Case wird zum Albtraum

Der Seher
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Vor 17 Jahren wurde Doris Köpke ermordet. Ihr kleiner Sohn Jan ist seitdem verschwunden. Als bei Bauarbeiten im Zwinger ein Arbeiter schwer verletzt wird, sieht es zuerst nach einem aus dem Ruder gelaufenen ...

Vor 17 Jahren wurde Doris Köpke ermordet. Ihr kleiner Sohn Jan ist seitdem verschwunden. Als bei Bauarbeiten im Zwinger ein Arbeiter schwer verletzt wird, sieht es zuerst nach einem aus dem Ruder gelaufenen Streit aus, bis einer der Beteiligten eine Zeitkapsel mit eingeprägten Chiffren übergibt. Darin befinden sich die sterblichen Überreste von Jan Köpke. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Ein Baby wird entführt. Weitere Todesfälle hängen möglicherweise mit den Entführungsfällen zusammen. Auch der alte Fall muss neu aufgerollt werden, da damals erheblichen Schlampereien passiert sind. Und wäre das nicht genug, bekommt der leitende Beamte und Kryptologe Stiller , eine Praktikantin zur Seite gestellt, um die er sich kümmern soll. Und der Seher von der Elbe meldet sich auch noch zu Wort und bietet seine unerwünschte Hilfe an. Stiller verfolgt mehrere Spuren, die nicht wirklich weiter helfen. Das dringendste Rätsel, das es zu lösen gilt, bleiben die Chiffren auf der Zeitkapsel und einer weitere verschlüsselte Botschaft des Täters. Die Zeit arbeitet gegen die Ermittler, denn das Leben des Kindes steht auf dem Spiel.

Das ist meine erste Mordermittlung mit Arne Stiller und ich habe einige Seiten gebraucht, um mich für ihn zu erwärmen. Als Kettenraucher scheint er etwas aus der Zeit gefallen und sein Verhalten gegenüber der Praktikantin Sandy hat mich geärgert. Nur gut, dass sich die beiden zusammenraufen und dann ein gutes Team bilden. Stillers Widerspruchsgeist, akribische Arbeitsweise und Empathie haben mich letzten Endes für ihn eingenommen. Ich habe bei den Ermittlungen mit gefiebert und war enttäuscht, wenn sie ins Leere liefen. Einig war ich mit Stiller in der Einschätzung des Sehers : nervig, selbstverliebt und irgendwie verdächtig.

Gelungen fand ich die Kapitel, in denen der Täter zu Wort kam. Man erfuhr einiges über seine Beweggründe und Vergangenheit ohne konkrete Hinweise auf Person oder Geschlecht. Das hat meine Phantasie zusätzlich befeuert. Die Lösung war für mich stimmig und der Täter nur bedingt eine Überraschung. Obwohl ich sein Schicksal tragisch fand, konnte ich kein Mitleid empfinden. Mein Entsetzen über die Taten überwogen. Ich fand den Krimi fesselnd mit einem eher ungewöhnlichen Ansatz sowohl was den Seher anbetraf als auch die Hintergründe der Tat. Manches war für mich zu konstruiert, tat aber in meinen Augen der Spannung und dem Unterhaltungswert keinen Abbruch.

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