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Veröffentlicht am 22.04.2020

Charmanter Tirol-Krimi

Die Toten vom Lärchensee
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Johannes Beck, genannt Joe, hat seine berufliche Chance genutzt und bietet Unternehmen an, bei der Lösung komplizierter Situationen behilflich zu sein und wird von "der Organisation" für einen Auftrag ...

Johannes Beck, genannt Joe, hat seine berufliche Chance genutzt und bietet Unternehmen an, bei der Lösung komplizierter Situationen behilflich zu sein und wird von "der Organisation" für einen Auftrag gebucht. Diese arbeitet überwiegend im Geheimen und mischt sich in die Weltpolitik ein. Dazu benötigt sie Geld, viel Geld, was eigentlich kaum auf legalem Weg zu verdienen ist - und so kommt eine Börsenmanipulation ins Spiel. Und damit auch Jana, Joes Freundin. Und dann gibt es auch noch den korrupten Polizisten Daniel Rodriges, der nun ebenfalls zwischen alle Fronten gerät....

Die diesem Techno-Thriller zu Grunde liegende Idee der Börsenmanipulation und die damit zusammenhängenden Aktionen gefallen mir sehr gut und sind eine gute Voraussetzung für einen spannenden Thriller.

Hier nutzt Nicki Borell in seinem vier Teile umfassenden Buch einen äußerst ungewöhnlichen Sprach- bzw. Schreibstil. Auffallend sind die sehr knappen, direkten Sätze, die teilweise sogar auf einzelne Satzbestandteile verzichten, und die extrem kurzen Kapitel. Immer wieder fügt der Autor auch Aufstellungen in den Text ein, wie beispielsweise sieben Punkte von a bis f, was einen Psychopathen ausmacht. Bei nicht einmal 300 nicht sehr eng bedruckten Seiten wird deutlich, dass dieser Thriller nicht besonders umfangreich ist. Ich bevorzuge allerdings deutlich einen anderen Stil.

Die Ausdrucksweise ist äußerst direkt, was mir gerade auch bei den zahlreichen Sexszenen missfallen hat. Möglicherweise ist dieses ein Gender-Problem und Männer mögen diese Art von Schilderungen; ich brauche diese nicht in einem Thriller.

Die Figuren fand ich durchaus interessant, insbesondere Joe scheint ein spannende, mehrdimensionale Persönlichkeit zu sein. Allerdings leidet die Vorstellung doch sehr unter der kurzen Schreibweise, die bei Andeutungen bleibt.

Die komplizierten, technischen Schilderungen, die der Börsenmanipulation zugrunde liegt, ließen eine hohe Kompetenz des Autors vermuten und waren auch für einen Laien wie mich durchaus verständlich.

In der ersten Hälfte des Buches werden erst einmal die wichtigen Figuren und die Organisation vorgestellt, was natürlich einem besonderen Interesse unterliegt. Wie gesagt, ist gerade Joes Tätigkeit faszinierend. Der eigentliche Thriller und damit auch die Spannungskurve beginnt erst im zweiten Teil und leidet für mich ebenfalls unter der Knappheit.

Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich trotz der interessanten Figuren, Beziehungen und der Themen aufgrund des Stils meine Probleme mit dem Buch hattee - aber das ist ganz sicher Geschmackssache! Wer zu diesem Buch greift, sollte sich im Klaren darüber sein, auf was er sich einlässt, um wirklich viel Freude daran zu haben, darum kann ich es nur eingeschränkt weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 15.12.2017

Vergnügliche Lektüre

Taste of Love - Mit Sehnsucht verfeinert
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Poppy J. Anderson - die anders als der Name vermuten lässt, eine deutsche Autorin ist - legt mit ihrem Roman "Mit Sehnsucht verfeinert" bereits den vierten (und letzten) Teil ihrer "Taste-of-Love - die ...

Poppy J. Anderson - die anders als der Name vermuten lässt, eine deutsche Autorin ist - legt mit ihrem Roman "Mit Sehnsucht verfeinert" bereits den vierten (und letzten) Teil ihrer "Taste-of-Love - die Köche von Boston"-Reihe vor.

Im Mittelpunkt des Romans steht das vermeintliche Traumpaar Hayley und Scott. Doch kurz vor der geplanten Hochzeit macht Hayley als über Kopf Schluss mit Scott und nimmt, ohne jegliche Erklärung, eine Stelle im weit entfernten Kalifornien an. Als die Köchin Hayley nach drei Jahren ein sehr gutes Angebot erhält, kehrt sie in ihre Heimat zurück. Natürlich trifft sie dort wieder auf den charmanten Scott, der inzwischen Karriere gemacht hat und ein begehrter Junggeselle ist, und entgegen aller Planungen knistert es sofort wieder zwischen den Beiden. Doch was steht zwischen ihnen Beiden?!

Das Cover des Buches ist wunderschön gezeichnet und macht sofort Lust, das Buch in die Hand zu nehmen und erzeugt Sehnsucht nach einer romantischen Liebesgeschichte.

Die Handlung des Romans ist eigentlich schnell zusammengefasst, dennoch nicht plump oder gekünstelt.
Durch die Erzählung der Liebesgeschichte aus den verschiedenen Perspektiven der Betroffenen und dem Einfügen von Rückblenden lassen sich die Verhaltensweisen gut nachvollziehen, die Handlung ist spannend aufgebaut und macht tatsächlich auch Sinn.
Die Autorin schreibt klar und flüssig und sehr angenehm; der Leser wird in die Geschichte hineingesogen. Die Sprache ist lebendig und die witzigen Dialoge der Protagonisten zaubern dem Leser so manches Schmunzeln ins Gesicht. Sehr gut gefallen hat mir, dass es Poppy J. Anderson gelingt, die Balance zwischen Drama, Liebe, Kitsch und Spannung perfekt im Gleichgewicht zu halten.

Die Charaktere sind überaus sympathisch und lebendig dargestellt und man möchte sie gerne zum Freund haben: Die temperamentvolle Hayley, die so manches Mal übers Ziel hinaus schießt, aber trotz ihres reichen Vaters bodenständig, fleißig und hilfsbereit und immer für ihre Freunde da ist und der charmante, ehrgeizige Scott, der schon fast zu perfekt in seinen Eigenschaften ist.

Obwohl ich sonst eher weniger eine Freundin dieses Genres bin, hat das Buch mir großen Spaß gemacht und ich habe Lust auf weitere Bücher von Poppy J. Anderson bekommen.
Ich kann die Lektüre nur empfehlen für großes Lesevergnügen!

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Intensiv und feministisch

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Felix, erfolgreich, wohlhabend und selbstbewusst und mit einer jungen, schönen und fruchtbaren Frau namens Eva liiert sowie zwei Kindern, lädt seinen besten Freund Matze, wenig erfolgreich und finanziell ...

Felix, erfolgreich, wohlhabend und selbstbewusst und mit einer jungen, schönen und fruchtbaren Frau namens Eva liiert sowie zwei Kindern, lädt seinen besten Freund Matze, wenig erfolgreich und finanziell sehr viel weniger gut gestellt und dessen Frau Linn, älter, nicht so schön und vor allem ungewollt kinderlos, in einen Luxusurlaub nach Südfrankreich ein. Während sich die Männer – klischeehaft männlich – alle Unterschiede ignorierend mit Crémant betrinken und angeln gehen, beobachten die Frauen sich und ihre Haltungen distanziert. Derweil Eva scheinbar in ihrer Mutterrolle aufgeht, ist Linn zerrissen zwischen dem Wunsch, mit einer weiteren künstlichen Befruchtung endlich Mutter zu werden und der Frage, ob sie überhaupt eine „gute“ Mutter sein kann…..

Die Autorin Dita Zipfel hat neben Romanen auch Drehbücher und Theaterstücke geschrieben, und „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ wirkt wie ein Kammerspiel mit seinen vier (oder genauer gesagt fünf) Darsteller*Innen in einer französischen Luxusvilla, ohne Statisterie und ohne Dekorationsaufwand; ausgenommen der gelbe Kanarienvogel, der die Titelseite ziert und auch als Symbol im Roman wirkt.

Die Kapitel sind kurz, genau wie die knappen Sätze und die manchmal fast sperrig wirkende Sprache. Dazu kommen viele Perspektivwechsel, die nicht gekennzeichnet sind und teilweise sehr abrupt wirken. Dennoch zeichnet Dita Zipfel ein klares Bild von ihren Figuren, ihren Gedanken und Wünschen; vieles entwickelt sich zwischen den Zeilen und lässt Raum für Interpretationen, dazu kommt eine starke Symbolik, mit der sich weiter befasst werden kann.
Obgleich die Themen um Kinderwunsch und die Frage einer „guten“ Mutter nicht (mehr) mein Thema sind, konnte mich dieser Roman absolut in seinen Bann ziehen mit seiner Intensität.

Während die Männer in ihren vertrauten Mustern bleiben und ihre zugewiesenen Rollen annehmen, stehen die Frauen im Mittelpunkt: sie beobachten, hadern mit sich und anderen, setzen sich mit dem Erfahrenen auseinander und planen schließlich ihre Zukunft. Aus Neid und Missgunst entwickeln sich im Laufe der Zeit Verständnis, Respekt und Solidarität bei Eva und Linn; schließlich werden sie sogar zu Verbündeten. Insbesondere die Frauen bestechen durch die einfühlsam beschriebenen Gedanken und Handlungen, ihre authentische Mehrdimensionalität und ihre Zerrissenheit sowie ihre mehr oder weniger offen gezeigte Wut. Und auch, wenn mir Linn vornehmlich unsympathisch blieb mit ihrer offen gelebten Female Rage und irritierenden Handlungen, war ihre Rolle durchaus nachvollziehbar und regte zum Nachdenken an.

Es ist beachtlich, wie viele Themen Dita Zipfel auf gerade einmal gut 200 Seiten abhandelt: Rollenbilder, patriarchale Strukturen, Weibliche Selbstbestimmung, Muttersein und ungewollte Schwangerschaften, die Belastungen künstlicher Befruchtungen, psychische Erkrankungen, weibliche Wut und gesellschaftliche Regeln. Gut beobachtet von der Autorin und mit feinen Zwischentönen kraftvoll erzählt. Für mich passte auch das einigermaßen überraschende Ende und viele offene Fragen absolut zu diesem Roman, der dahin reicht, wo es wehtut.

Ein Buch, das mich bewegt hat und noch lange nachhallt, aber das sicherlich polarisiert.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Personenschützerin im Blutrausch

Kälter
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Wir schreiben das Jahr 1989 und Luzy Morgenroth, die als biedere Provinzpolizistin auf Amrum ihren Dienst schiebt, scheint eine mysteriöse Vergangenheit zu haben, die sie vor ihren neuen Freunden verbirgt. ...

Wir schreiben das Jahr 1989 und Luzy Morgenroth, die als biedere Provinzpolizistin auf Amrum ihren Dienst schiebt, scheint eine mysteriöse Vergangenheit zu haben, die sie vor ihren neuen Freunden verbirgt. Als ein Mitarbeiter des Fährbetriebes spurlos verschwindet und ihr Freund und Kollege ermordet wird, kehrt Luzy in ihren ehemaligen Job zurück: als knallharte Personenschützerin in höchsten politischen Kreisen hat sie einen Feind kennengelernt, auf dessen Spur sie nun wieder Jagd macht ....

Andreas Pflüger ist ein deutscher Autor und Drehbuchschreiber, der sich neben seiner Arbeit für zahlreiche Tatort-Folgen bereits als Thriller-Autor auszeichnen konnte und der es definitv mit den amerikanischen Größen seines Genre aufnehmen kann. MIt "Kälter" legt er nun sein neuestes Werk vor, das wieder einen wichtigen Platz in der deutschen Szene einnehmen wird.

Während "Kälter" ruhig und fast wie einer der momentan so beliebten Nordsee-Krimis beginnt (was mich ehrlich gesagt schon sehr verwunderte), regiert Luzy Morgenroth völlig unangemessen auf einen Vermissten- und Todesfall. Doch nach und nach erfahren wir in häufigen Orts- und Zeitwechseln zunächst von Luzys Vergangenheit und nehmen mit ihr die Suche nach einem der raffiniertesten und grausamsten Verbrecher der Gegenwart auf. Dabei schreibt Pflüger mit einer deutlichen Distanz zu Figuren und Handlung, bildgewaltig und recht brutal, was ich teilweise ein wenig unglaubwürdig fand; genauso wie Luzys Wandlung von einer übergewichtigen Mittfünfzigerin zu einer tödlichen Kampfmaschine.

Die Entwicklung der Figuren steht zurück hinter einer rasanten Story. Hier haben mich besonders die Einblicke nach Israel einschließlich des Israelischen Geheimdienstes und die Vorkommnisse rund um den Fall der Berliner Mauer beeindruckt, die ergreifend und monumental geschildert wurden.

Insgesamt ist "Kälter" ein durchaus spannender Thriller, der durch seine zahlreichen Figuren sowie Sprünge in Ort und ZEit höchste Aufmerksamket erfordert. Obwohl ich mich gut unterhalten fühlte, war mir allerdings manches ein wenig "too much", so dass ich 3,5 Sterne vergebe.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Wichtige Themen, schonungslos erzählt

Blutrote Grazien
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Im Darknet foltert ein Unbekannter junge Mädchen auf brutalste Weise und verkauft die Rechte an den Bildern seinen "Jüngern", die den Täter, der jedes seiner Opfer mit einem Gedicht verbindet, frenetisch ...

Im Darknet foltert ein Unbekannter junge Mädchen auf brutalste Weise und verkauft die Rechte an den Bildern seinen "Jüngern", die den Täter, der jedes seiner Opfer mit einem Gedicht verbindet, frenetisch feiern. Aron Fischer vom Kommissariat Meran ermittelt mit seiner jungen, attraktiven Kollegin Marie, die offensichtlich auch Kontakte zur Halbwelt hat. Als weitere Opfer entdeckt werden und der Druck der Öffentlichkeit wächst, werden den Aron und Marie weitere Ermittler zur Seite gestellt - und dann verschwindet auch Aron....

Benno Pamer, hauptberuflich CEO eines international tätigen Unternehmens, schreibt in seiner Freizeit spannende Thriller; "Blutrote Grazien" ist bereits sein viertes Werk, in dem er die Abgründe des Darknets thematisiert - und den Kindesbrauch (an Schutzbefohlenen). Schon aufgrund dieser hochaktuellen und wichtigen Themen lohnt sich die Lektüre!

Im Mittelpunkt des fesselnden Thrillers steht das Kommisaariat Meran, und Pamers Liebe zu seiner Heimat Südtirol ist deutlich zu erkennen. Mir hat dieses Setting sehr gefallen.

"Blutrote Grazien" ist ein Thriller, der die Leser*Innen gleich zu Beginn packt und bis zur letzten Seite nicht mehr los lässt; überraschende Wendungen und ein Finale mit einer logischen Aufklärung halten in Atem. Leider hat mir gerade dieses Ende überhaupt nicht gefallen, die Gründe kann ich bedauerlicher Weise hier nicht darlegen ohne zu spoilern; für mich ist die Täterschaft in Verbindung mit der vorausgegangenen Ermittlungsarbeit unrund. Dies ist jedoch mein eigener Geschmack und führt daher zu keinem Punktabzug.

Der bildhafte und detailreiche Erzählstil führt dazu, dass gerade die ausführlich geschilderten, brutalen Folterszenen nicht leicht zu ertragen und sicher nicht für jeden geeignet sind zu lesen. Meiner Meinung nach sind diese blutigen Gewaltszenen jedoch wichtig für den Fortgang der Story und keinesfalls übertrieben.
Dadurch, dass im Wechsel von den Ermittlungen und dem Vorgehen und den Gedanken des Täters geschrieben wird, entsteht ein umfassendes Bild und es erklärt die Motive, die dennoch unentschuldbar bleiben.

Mit den Figuren hingegen bin ich nicht wirklich warm geworden, lediglich der Hacker Juri konnte mich begeistern.
Insbesondere das Frauenbild lässt mich hadern: Gerade Marie, die eigentlich eine starke Frau sein sollte, die - auch in ihrer Freizeit - gegen das Böse kämpft, wird stets als aufreizend gekleidet beschrieben, flirtet alle Männer an und geht recht wahllos mit jedem ins Bett. und Arons Ehefrau ist die ewig nörgelnde Hausfrau. Überhaupt gibt es viel Sex und Alkoholexzesse im Buch.
Aron als HAupt-Ermittler ist mir zutiefst unsympathisch und ich haderte mit seinem Vorgehen.

Manchmal hätte ich doch lieber noch etwas mehr über die eigentliche Ermittlungsarbeit gelesen und das Miteinander der Ermittler, die ein wenig im leeren Raum stehen bleibt.

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