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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2025

Ein großartiges Team!

Wenn Ende gut, dann alles
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Tommi arbeitet an seinem ersten Bestseller, lebt in einem Wohnmobil und hat eine ukrainische Putzfrau. Schon hier musste ich grinsen. Aber Svetlana ist so genial, dass ich kaum genug von ihr bekomme! Die ...

Tommi arbeitet an seinem ersten Bestseller, lebt in einem Wohnmobil und hat eine ukrainische Putzfrau. Schon hier musste ich grinsen. Aber Svetlana ist so genial, dass ich kaum genug von ihr bekomme! Die beiden sind gerade im Wohnmobil unterwegs, als Svetlana am Waldrand ein Mädchen entdeckt. Ganz allein! Tommi hält widerwillig an, nichtsahnend, dass dieses kleine Kind ihr Leben verändern wird. Da die Polizei die Mutter des Kindes nicht findet, nehmen Tommi und Svetlana den Fall in die Hand.

Tommi ist eine echte Marke und Svetlana hat das größte Herz der Welt. Die beiden sind ein unübertreffliches Gespann und damit auch Team. Ganz ohne Frage bieten sie Potenzial für endlos viele weitere Fälle! Doch erst einmal geht es um diesen und trotz allem Humor schwingen ganz viele schwere Themen mit. Da mit Humor alles besser geht und Klüpfel die Kombination sehr gut gelungen ist und er enorm feinfühlig damit umgeht, hängt man geradezu an seinen bzw. Lachers Lippen.

Mir hat sehr gefallen, wie Svetlana nicht locker ließ, bis Tommi endlich mit ihr zusammen ermittelt, woher das Mädchen kommt, warum es da so alleingelassen wurde, wo die Mutter steckt. Ihre Einfälle und Lebensweisheiten sind köstlich, aber auch genial. Tommi steht das eine oder andere Mal kräftig auf dem Schlauch, hat aber ebenfalls das Herz auf dem rechten Fleck.

Die Überlegungen zu den Friseur-Geschäfts-Bezeichnungen haben mir sehr gut gefallen, denn auch ich finde diese vermeintlich gelungenen Wortspiele nervig, obwohl ich ansonsten Wortspiele liebe. Solche Stellen ziehen sich durch die ganze Story. Auch die Anspielung auf Schriftsteller und ihre Eitelkeiten kommen bei mir klasse an. Genauso gefallen mir die nachdenklicheren Stellen. Gerade die Flüchtlingsproblematik und die Unsinnigkeit von Kriegen werden sehr schön dargestellt. Dass nicht gerade wenige Klischees abgearbeitet werden, finde ich besonders witzig. Ernst nehmen darf man die Story sowieso nicht, da darf auch mit Klischees gespielt werden. Es ist einfach grandiose Unterhaltung! Aber man findet zwischen den Zeilen auch jede Menge aktueller Sozialkritik und das finde ich besonders wichtig und gut.

Die Art, wie Shenja Lacher dieses Hörbuch eingelesen hat, ist umwerfend. Er gibt allen Figuren so liebevoll und treffend eine Stimme und zeichnet damit ein unfassbar stimmiges Bild. Endlich mal ein Mann, der Frauen toll darstellen kann und sie nicht irgendwie lächerlich wirken lässt. Ganz dickes Lob dafür!

Kurz und knapp – ich wurde großartig unterhalten und gleichzeitig auch zum Nachdenken angeregt. Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Beeindruckend

Death in Brachstedt
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Eine Woche vor Ostern verschwindet Leos Vater. Das ist selbst für ihn etwas schräg, denn diesmal hat er nicht mit Leo darüber gesprochen. Als sich seine Tante Lisa meldet und sagt, dass er, zwar etwas ...

Eine Woche vor Ostern verschwindet Leos Vater. Das ist selbst für ihn etwas schräg, denn diesmal hat er nicht mit Leo darüber gesprochen. Als sich seine Tante Lisa meldet und sagt, dass er, zwar etwas derangiert, aber putzmunter, bei ihr aufgetaucht ist, beschließt Leo, mit seinem besten Freund Henri einen Film zu drehen. Dafür nutzen sie das heruntergekommene Hotel von Henris Onkel. Eine Kette von absurden Geschehnissen beginnt und steuert auf ein unausweichliches Ende zu.

Es macht trotz aller immer wieder auftauchenden tragischer Momente Spaß, Leo und Henri diese Woche zu begleiten. Auch wenn ich längst kein Teenager mehr bin, erinnere ich mich sehr gut an die Zeit, als ich selbst 15 war. Man ist kein Kind mehr, aber auch nicht erwachsen und alles ist überdeutlich, immens intensiv und genauso überwältigend schön, wie auch erschreckend. Mit der beginnenden Demenz des Vaters konfrontiert zu sein, ist eindeutig zu viel für dieses Alter, zumal Leos Mutter bereits gestorben ist. Daher hat mich vieles sehr bewegt und ich wollte so gern für Leo da sein.

Ich bin mir nicht sicher, wie die Zielgruppe mit diesem Thema umgehen kann, zumal diese Krankheit hier nicht wirklich erklärt wird. Meiner Meinung nach besteht deshalb Redebedarf. Trotzdem ist das Buch wunderbar gelungen. Andererseits habe ich in diesem Alter ähnlich schwere Themen am liebsten gelesen und kam damit klar. Insofern möchte ich nicht überbehütend sein.

Schön ist, wie Leo auch zu Gefühlen wie Angst und Liebe steht. Sehr schön ist, wie der Autor zeigt, was Freundschaft bedeutet. Dass die Jungs sich mit dem Filmprojekt und der Party ablenken, kommt sehr gut rüber, ohne dass es besonders betont werden muss. Wichtig finde ich auch, dass Leo die Hoffnung und den Lebensmut nicht verliert. Daher kann ich das Buch vollumfänglich sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Recht, Gerechtigkeit, Moral, Ethik

Dunkle Momente
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Eva Herbergen, Strafverteidigerin aus Überzeugung, erzählt von neun ihrer Fälle, die so eindeutig scheinen, aber doch gar nicht sind. Sie erzählt von den Schaltern, die umgelegt werden müssen, damit ein ...

Eva Herbergen, Strafverteidigerin aus Überzeugung, erzählt von neun ihrer Fälle, die so eindeutig scheinen, aber doch gar nicht sind. Sie erzählt von den Schaltern, die umgelegt werden müssen, damit ein Mensch so handelt, wie man es ihm gar nicht zutraut. Und sie erzählt davon, dass Recht und Gerechtigkeit manchmal unterschiedliche Dinge sind.

Ist es ein Zufall, dass die Autorin dieselben Initialen hat, Professorin für Strafrecht und Richterin am Sächsischen Verfassungsgericht ist? Zumindest merkt man, dass sie weiß, wovon sie erzählt und sich mit dem Recht und den Vorgängen extrem gut auskennt.

Es geht mir sehr unter die Haut, wie still und ruhig sie ganz sachlich alles schildert und damit doch dafür sorgt, dass man Dinge, über die man zuvor eine feste Meinung hatte, plötzlich ganz anders sieht. Man möchte nicht hinsehen, kann aber nicht wegsehen und man weiß, dass man nie wieder ein Verbrechen vorschnell einordnen und den Täter innerlich verurteilen wird. Man wird von nun an immer die Hintergründe, die äußeren Umstände und die Faktoren, die zur Tat führten, genau kennen. Und weil Elisa Hoven gründlich ist, setzt sie beim einen oder anderen Fall einen weiteren Twist ein, der das gerade Gelernte wieder ins Wanken bringt.

Das Buch hat eine unbeschreibliche Wirkung auf mich. Das hatte ich noch nie zuvor auch nur ansatzweise in dieser Intensität. Das liegt nicht zuletzt an den Überlegungen, die Elisa Hovens Protagonistin, aber auch ihre Nebenfiguren anstellen. So viele Sätze, auf die ich mit heftigem Nicken und auch immer wieder auch in Worte gefasste Zustimmung reagiert habe! Das mag sich seltsam anhören, aber das reißt alte Wunden erst auf und hilft dann, sie sauber verheilen zu lassen.

Obwohl die Autorin vom Fach ist, wirft sie nicht mit Fachchinesisch um sich, sondern spricht eine klare, deutliche Sprache, die auch versteht, wer nichts mit der Justiz zu tun hat. Das rechne ich ihr besonders hoch an. Sie muss nicht mit ihrem Wissen und Können prahlen, sonders begibt sich auf Augenhöhe mit dem Leser und im Grunde auch mit allen Tätern, über die sie erzählt. Sosehr sie für das genaue Hinsehen plädiert, so wenig verlangt sie, Verbrechen zu verharmlosen. Und sie gibt zu, selbst nicht perfekt zu sein und immer wieder Fehler zu machen. Ich bewundere ihre Stärke sehr. Das Ende stimmt ein klein wenig versöhnlich, krönt die vorherigen Fälle aber auch. Sehr gut gelungen! Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Zwischen Platte und Glamour

Achtzehnter Stock
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Wanda lebt mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie zur Miete in eine Platte im achtzehnten Stock. Die Wohnung gehört ihrem Onkel Pawel, der in Krakau jedem von seinem Zweitwohnsitz mit Blick auf den Fernsehturm ...

Wanda lebt mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie zur Miete in eine Platte im achtzehnten Stock. Die Wohnung gehört ihrem Onkel Pawel, der in Krakau jedem von seinem Zweitwohnsitz mit Blick auf den Fernsehturm erzählt. Sie ist Schauspielerin, aber seit einem Werbespot ohne Engagement. Ausgerechnet, als sie bei einem Casting Glück hat, wird Karlie krank.

Erzählt wird hier die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die zu stolz ist, Hilfe anzunehmen. Sie will um jeden Preis alleine für sich und die Tochter sorgen können. Dabei übersieht sie die Grenze des Möglichen und bringt sich und das Kind mehr als einmal in große Gefahr. Es ist nicht leicht, immer alles richtig zu machen, doch Wanda macht einige Fehler, die nicht sein müssten. Dazu kommen Fehler, die andere machen, deren Folgen sie aber ausbaden muss. Obwohl sie mitten in einem sozialen Brennpunkt lebt, verhält sie sich, als sei sie besser als der Rest der Bewohner. Das geht soweit, dass sie die Nachbarin, die ihr immer und immer wieder hilft, nur als Aylins Mutter bezeichnet und ihren Namen nicht kennt.

Trotz allem mag man Wanda und möchte, dass sie glücklich wird, es schafft, alle Probleme meistert. Doch die Platte ist mächtig und es liegt nur an ihr, diese Macht schlau zu nutzen. Die kleine Karlie ist für mich die stärkste und schlauste Figur im Buch. Sie ist einfach nur bewundernswert und in vielen Dingen ihrer Mama weit voraus. Ich hab sie emotional an der Hand genommen. Um mich oder sie zu stützen, ist nicht ganz klar. Ja, dieser Roman ist wirklich hart und rau und schön, er geht tief und hallt lange nach. So sehr, dass ich die kleine Hand von Karlie noch immer nicht loslassen möchte! Fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 17.02.2025

Ein ganz besonderer Geburtstag

Das Fest
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Jakob war mal ein gefeierter Filmregisseur, doch es ist sehr still um ihn geworden. Sein 50. Geburtstag steht vor der Tür und er meint, nichts zu feiern zu haben. Schließlich ist er grau geworden, beziehungsunfähig, ...

Jakob war mal ein gefeierter Filmregisseur, doch es ist sehr still um ihn geworden. Sein 50. Geburtstag steht vor der Tür und er meint, nichts zu feiern zu haben. Schließlich ist er grau geworden, beziehungsunfähig, ideenlos, erfolglos. Doch seine beste Freundin Ellen zerrt ihn mit ins Schwimmbad, in dem er früher so gern war. Hier beginnt eine Kette erstaunlicher Zufälle, die ihn durch sein Leben und zu Menschen führt, die er liebte, aber durch den Lauf des Lebens verloren glaubte.

Der Roman ist tief melancholisch, aber auch urkomisch. Es ist umwerfend, wie viele wunderbare Sätze fallen, die nahezu schon philosophisch sind, aber den Nagel immer voll auf den Kopf treffen. In zig Momenten kommt man nicht umhin, mindestens innerlich heftig mit dem Kopf zu nicken und sogar über sich selbst zu schmunzeln. Ja, man erkennt, wenn man rund um Jakobs Alter ist, sehr vieles aus dem eigenen Leben. Das ist herrlich schräg, aber auch wunderbar tröstlich. Es ist einfach erstaunlich, wie viel Lucy Fricke mit diesem kurzen Roman erzählt und aufzeigt. Sie beweist, dass vieles, das ungesagt ist, enorm vielsagend sein kann.

Auch wenn ich sehr früh eine Ahnung hatte, wie die Reise enden wird, hatte ich enorm viel Spaß auf dem Weg dahin. Die Autorin bedient sich einer eleganten, aber unverschnörkelten Sprache. Sie bringt die Dinge auf den Punkt, ohne dabei plump zu werden. Und genau damit öffnet sie auch Augen und Herzen. Man lernt auf der Reise durch Jakobs Leben ihn und seine Vergangenheit kennen und findet ihn von Mal zu Mal sympathischer. Aber auch die Menschen, denen er begegnet, schließt man ins Herz. Sie selbst haben ebenfalls ihre Geschichten, die sie Jakob erzählen. Vielleicht hat er exakt das gebraucht, um endlich mal weniger mit sich selbst beschäftigt zu sein und im Selbstmitleid zu versinken. Es passt sehr schön dazu, dass ihm bei jeder Begegnung ein Missgeschick widerfährt, das recht schmerzhaft ist. Nein, lustig ist es nicht, wenn sich jemand verletzt, das Gesamtbild und der Symbolwert hier aber sind so stimmig und schön, dass man da auch mal etwas schmunzeln darf.

Vielleicht muss man im ähnlichen Alter wie die Figuren sein, um das Buch so zu lieben, wie ich es mache. Auf alle Fälle bin ich super happy, dass der kleine Roman in mein Leben gefunden hat. Er ist großartig. Ganz klare fünf Sterne!

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