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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2025

Einfühlsam und intensiv

Halbinsel
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Anna, Ende 40 lebt seit dem Zusammenbruch ihrer Tochter Linn, Mitte 20
wieder zusammen in ihrem Haus nahe der Nordsee.
Die beiden müssen sich neu ausrichten. Ihr Leben überdenken. Das ist nicht
so leicht. ...

Anna, Ende 40 lebt seit dem Zusammenbruch ihrer Tochter Linn, Mitte 20
wieder zusammen in ihrem Haus nahe der Nordsee.
Die beiden müssen sich neu ausrichten. Ihr Leben überdenken. Das ist nicht
so leicht. Aus einer Woche werden zwei, drei und dann Monate.
Die Charaktere sind sehr lebensecht und liebevoll gezeichnet.
Kristine Bilkau hat eine wunderbare Art zu schreiben.
Jeder Satz sitzt, ist ein Erlebnis mit einer sagenhaften Präsenz.
Sie zeigt, dass die Literatur auf wunderbare Art und Weise die Erfahrungen
des wirklichen Lebens widerspiegeln kann.
Das Zwischenmenschliche, die Zerbrechlichkeit und gleichzeitige Stärke beider
Generationen werden wunderbar dargestellt.
Die Autorin stellt uns die Frage, welche Faktoren beeinflussen
unsere Wahrnehmung?
Wie weit ist die Wahrnehmung von unserer Gefühlswelt abhängig?
Ein Roman, der nachdenklich macht, der aber auch die Stärken aufzeigt, die jeder
in sich trägt und die man nur freilassen muss.
Jeder ist für sein Leben und sein Glück selbst verantwortlich.
Ein wunderbarer Roman, einfühlsam und intensiv, aber auch voller Energie.
Jeder kann hier ein kleines Stück Hoffnung in sein eigenes Leben mitnehmen.
Nicht nur deshalb ist dieses Buch einfach schön.

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Eindrucksvoll

Ginsterburg
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Ginsterburg in den Jahren 1935, 1940 und 1945.
Die Geschichte einer ganz normalen Kleinstadt, mit ganz normalen Bürgern.

Aus den unterschiedlichsten Blinkwinkeln agieren die Charaktere,
zeigen, wie sie ...

Ginsterburg in den Jahren 1935, 1940 und 1945.
Die Geschichte einer ganz normalen Kleinstadt, mit ganz normalen Bürgern.

Aus den unterschiedlichsten Blinkwinkeln agieren die Charaktere,
zeigen, wie sie leben und sich langsam in die Verbrechen der Nazizeit verstricken.
Jeder versucht, sich irgendwie einzurichten.
Bis sie dann am Ende die Zerstörung ihrer Heimat erleben.
Da gibt es die Niesnutzer, die Mitläufer und natürlich die Opfer.
Das Buch ist eine Herausforderung, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Die unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten werden aufgezeigt. Wie sich die
Bürger mit der Zeit arrangieren, sich Positionieren.
Die Veränderungen jedes Einzelnen ergibt das Ganze.
Zu Beginn veränderte sich das Leben der Zivilbevölkerung zunächst nicht grundlegend.
Die Alltagsnormalität wurde aufrechterhalten.
Nach und nach wird diese aber durch die Kriegshandlungen aufgeweicht.
Schicksalsschläge und der Tod kommen immer näher.
Die Schreibweise ist sehr ausdrucksstark und der Zeit angemessen.
Mal sind es kurze Sätze, mal sind es endlos Sätze. Aber jeden Satz sitzt.
Eine sehr gut umgesetzte Mischung zwischen den Romanfiguren und den realen Menschen.
Die Charaktere sind gut gezeichnet und sehr lebensnah.
Nicht immer unbedingt sympathisch, aber sehr realistisch.
Ergänzt wird alles durch Briefe, Erlasse, Auszügen aus Zeitungen realer Personen.

Ein mehr als gelungener Roman.
Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Sehr lesenswert

Menschen am Kaiserdamm
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Als waschechte Berlinerin, aufgewachsen im Westteil, liebe ich Bücher
die mir das vergangene Berlin sichtbar machen.
Mein Leben lang fahre ich den Kaiserdamm entlang und ich weiß so wenig
über ihn.
Endlich ...

Als waschechte Berlinerin, aufgewachsen im Westteil, liebe ich Bücher
die mir das vergangene Berlin sichtbar machen.
Mein Leben lang fahre ich den Kaiserdamm entlang und ich weiß so wenig
über ihn.
Endlich gibt es ein Buch, und was für eines!
Kaum aufgeschlagen, kann ich nicht aufhören, zu lesen.
Es gibt so viel zu berichten. Über die Anfänge, die Planung, die Häuser und
vor allem über die Menschen, die diesen kaiserlichen Damm so interessant machen.
Der Autor schreibt so wunderbar.
Er erzählt Geschichten, kleine Anekdoten, lässt immer wieder Privates einfließen.
Das macht er im Detail, mit sehr viel Humor.
Man verschlingt das Buch, es liest sich wie ein Roman.
So macht Geschichte Spaß.
Dieses Buch ist eine wunderbare Mischung zwischen historischem und der Neuzeit.

Sehr lesenswert für Charlottenburger, Berliner und alle, die Berlin lieben.

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Unbedingte Leseempfehlung

Die Schwestern von Krakau
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Édith ist sehr überrascht, als sie nach dem Tod ihres Vaters Simon erfährt, dass sie deutsch-polnische Wurzeln hat.
Der Vater von Simon war Jude und wurde 1942 in Paris Opfer einer großen Razzia.
Viele ...

Édith ist sehr überrascht, als sie nach dem Tod ihres Vaters Simon erfährt, dass sie deutsch-polnische Wurzeln hat.
Der Vater von Simon war Jude und wurde 1942 in Paris Opfer einer großen Razzia.
Viele Fragen tun sich auf. Wie genau ist Simon in die Familie gekommen und was ist mit seiner Mutter Helene passiert? Édith fängt an zu recherchieren und findet eine Großkusine. Tatjana wohnt in Stuttgart und ist genauso überrascht
wie Édith. Gemeinsam versuchen die beiden Frauen Antworten zu finden. Ein jahrzehntelanges Schweigen zu durchbrechen. Die Reise führt bis nach Krakau. Dort lebte Tatjanas Großmutter Lilo. Eine zentrale Rolle spielt auch eine Apotheke. Nicht nur für Lilo sondern auch für den jüdischen Widerstand.

Eine fiktive Geschichte und historische Fakten, geschickt und spannend verbunden.
Natürlich trägt auch der wunderbare Schreibstil dazu bei, bzw.
auch die gut herausgearbeiteten Charaktere sowie die Geschichte selbst.
Konsequent wird zwischen Vergangenheit und Gegenwart gewechselt.
Wir bekommen einen tieferen Einblick in Lilos Leben, als in Tatjanas und Édiths.
Die beiden bleiben etwas blass, aber ich finde es gut so. Denn Lilos Leben gibt Antworten.

Ein sehr schönes Buch, sehr gut recherchiert und sehr lesenswert.
Dank der lebendigen Schreibweise hat man das Gefühl, ein Teil zu sein.
Man erlebt alle Höhen und Tiefen hautnah mit. Das Leben und Leiden der Menschen wird
realistisch wiedergegeben. Die Geschehnisse sind sehr echt und packend beschrieben.
Reale historische Quellen werden in diesem Roman mit einbezogen.
Die Mischung zwischen Dichtung und Wahrheit ist wunderbar gelungen.
Eine unbedingte Leseempfehlung!

Am Ende des Buches gibt es ein Register der historischen Figuren und
wichtige historische Ereignisse im Zusammenhang mit der Romanhandlung 1939-1946

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Das Leben danach

Von hier aus weiter
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Marlene ist untröstlich, sogar wütend. Nach 30 Jahren Ehe ist ihr Ehemann gestorben.
Er war unheilbar krank. Sie kommt sich ziemlich verlassen vor in diesem großen
leeren Haus. Jegliche Hilfsangebote lehnt ...

Marlene ist untröstlich, sogar wütend. Nach 30 Jahren Ehe ist ihr Ehemann gestorben.
Er war unheilbar krank. Sie kommt sich ziemlich verlassen vor in diesem großen
leeren Haus. Jegliche Hilfsangebote lehnt sie ab. Denkt sogar über Suizid nach.
Bis eines Tages ein unerwarteter Besucher vor der Tür steht. Nicht nur er bringt ihre
Pläne durcheinander.

Der Schreibstil ist wunderbar schnörkellos und sehr eindringlich in seiner Klarheit.
Unprätentiös und lebensnah erzählt, so das es nie rührselig oder kitschig wird.
Marlenes Trauer, ihre Wut und überhaupt ihre ganzen Emotionen geben einen ganz tiefen
Blick in ihr bisheriges Leben.
Die Tatsache, dass dieses Leben von einem Moment zum anderen ein ganz anderes sein kann,
wird hier sehr deutlich dargestellt.
Durch den Tod von Rolf verändern sich auch die anderen Leben.
Die Charaktere sind sehr lebensecht, sodass man richtig in die Geschichte eintauchen kann.
Die ganze Palette der Trauergefühle (Trauer, Wut, Angst, Aggressivität,. Schuldgefühle,
in ihrem widersprüchlich chaotischen Charakter brechen hervor.

Es sind die Alltäglichkeiten, die dieses Buch so liebenswert machen.
In ruhigen Worten wird hier die Chance zum Weiterleben beschrieben.
Die Figuren sind wunderbar charakterisiert und ihre Handlungen sind voller
Tragik und Lebenserfahrung.
Ein sehr berührender Roman über das Trauern und Abschiednehmen.
Einfühlsam, intensiv, aber auch voller Energie.



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