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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2025

Sehr lesenswert

Menschen am Kaiserdamm
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Als waschechte Berlinerin, aufgewachsen im Westteil, liebe ich Bücher
die mir das vergangene Berlin sichtbar machen.
Mein Leben lang fahre ich den Kaiserdamm entlang und ich weiß so wenig
über ihn.
Endlich ...

Als waschechte Berlinerin, aufgewachsen im Westteil, liebe ich Bücher
die mir das vergangene Berlin sichtbar machen.
Mein Leben lang fahre ich den Kaiserdamm entlang und ich weiß so wenig
über ihn.
Endlich gibt es ein Buch, und was für eines!
Kaum aufgeschlagen, kann ich nicht aufhören, zu lesen.
Es gibt so viel zu berichten. Über die Anfänge, die Planung, die Häuser und
vor allem über die Menschen, die diesen kaiserlichen Damm so interessant machen.
Der Autor schreibt so wunderbar.
Er erzählt Geschichten, kleine Anekdoten, lässt immer wieder Privates einfließen.
Das macht er im Detail, mit sehr viel Humor.
Man verschlingt das Buch, es liest sich wie ein Roman.
So macht Geschichte Spaß.
Dieses Buch ist eine wunderbare Mischung zwischen historischem und der Neuzeit.

Sehr lesenswert für Charlottenburger, Berliner und alle, die Berlin lieben.

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Unbedingte Leseempfehlung

Die Schwestern von Krakau
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Édith ist sehr überrascht, als sie nach dem Tod ihres Vaters Simon erfährt, dass sie deutsch-polnische Wurzeln hat.
Der Vater von Simon war Jude und wurde 1942 in Paris Opfer einer großen Razzia.
Viele ...

Édith ist sehr überrascht, als sie nach dem Tod ihres Vaters Simon erfährt, dass sie deutsch-polnische Wurzeln hat.
Der Vater von Simon war Jude und wurde 1942 in Paris Opfer einer großen Razzia.
Viele Fragen tun sich auf. Wie genau ist Simon in die Familie gekommen und was ist mit seiner Mutter Helene passiert? Édith fängt an zu recherchieren und findet eine Großkusine. Tatjana wohnt in Stuttgart und ist genauso überrascht
wie Édith. Gemeinsam versuchen die beiden Frauen Antworten zu finden. Ein jahrzehntelanges Schweigen zu durchbrechen. Die Reise führt bis nach Krakau. Dort lebte Tatjanas Großmutter Lilo. Eine zentrale Rolle spielt auch eine Apotheke. Nicht nur für Lilo sondern auch für den jüdischen Widerstand.

Eine fiktive Geschichte und historische Fakten, geschickt und spannend verbunden.
Natürlich trägt auch der wunderbare Schreibstil dazu bei, bzw.
auch die gut herausgearbeiteten Charaktere sowie die Geschichte selbst.
Konsequent wird zwischen Vergangenheit und Gegenwart gewechselt.
Wir bekommen einen tieferen Einblick in Lilos Leben, als in Tatjanas und Édiths.
Die beiden bleiben etwas blass, aber ich finde es gut so. Denn Lilos Leben gibt Antworten.

Ein sehr schönes Buch, sehr gut recherchiert und sehr lesenswert.
Dank der lebendigen Schreibweise hat man das Gefühl, ein Teil zu sein.
Man erlebt alle Höhen und Tiefen hautnah mit. Das Leben und Leiden der Menschen wird
realistisch wiedergegeben. Die Geschehnisse sind sehr echt und packend beschrieben.
Reale historische Quellen werden in diesem Roman mit einbezogen.
Die Mischung zwischen Dichtung und Wahrheit ist wunderbar gelungen.
Eine unbedingte Leseempfehlung!

Am Ende des Buches gibt es ein Register der historischen Figuren und
wichtige historische Ereignisse im Zusammenhang mit der Romanhandlung 1939-1946

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Das Leben danach

Von hier aus weiter
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Marlene ist untröstlich, sogar wütend. Nach 30 Jahren Ehe ist ihr Ehemann gestorben.
Er war unheilbar krank. Sie kommt sich ziemlich verlassen vor in diesem großen
leeren Haus. Jegliche Hilfsangebote lehnt ...

Marlene ist untröstlich, sogar wütend. Nach 30 Jahren Ehe ist ihr Ehemann gestorben.
Er war unheilbar krank. Sie kommt sich ziemlich verlassen vor in diesem großen
leeren Haus. Jegliche Hilfsangebote lehnt sie ab. Denkt sogar über Suizid nach.
Bis eines Tages ein unerwarteter Besucher vor der Tür steht. Nicht nur er bringt ihre
Pläne durcheinander.

Der Schreibstil ist wunderbar schnörkellos und sehr eindringlich in seiner Klarheit.
Unprätentiös und lebensnah erzählt, so das es nie rührselig oder kitschig wird.
Marlenes Trauer, ihre Wut und überhaupt ihre ganzen Emotionen geben einen ganz tiefen
Blick in ihr bisheriges Leben.
Die Tatsache, dass dieses Leben von einem Moment zum anderen ein ganz anderes sein kann,
wird hier sehr deutlich dargestellt.
Durch den Tod von Rolf verändern sich auch die anderen Leben.
Die Charaktere sind sehr lebensecht, sodass man richtig in die Geschichte eintauchen kann.
Die ganze Palette der Trauergefühle (Trauer, Wut, Angst, Aggressivität,. Schuldgefühle,
in ihrem widersprüchlich chaotischen Charakter brechen hervor.

Es sind die Alltäglichkeiten, die dieses Buch so liebenswert machen.
In ruhigen Worten wird hier die Chance zum Weiterleben beschrieben.
Die Figuren sind wunderbar charakterisiert und ihre Handlungen sind voller
Tragik und Lebenserfahrung.
Ein sehr berührender Roman über das Trauern und Abschiednehmen.
Einfühlsam, intensiv, aber auch voller Energie.



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Veröffentlicht am 28.01.2025

Ein wundervolles Buch

Fernwehland
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Seefahrt zu den Bedingungen der DDR. Das war die einzige Möglichkeit, das Land legal wenigstens Zeitweise zu verlassen.
Das weiß Henri ganz genau und deshalb möchte er unbedingt als Matrose auf der Völkerfreundschaft
anheuern. ...

Seefahrt zu den Bedingungen der DDR. Das war die einzige Möglichkeit, das Land legal wenigstens Zeitweise zu verlassen.
Das weiß Henri ganz genau und deshalb möchte er unbedingt als Matrose auf der Völkerfreundschaft
anheuern. Auch Simone zieht es auf die See. Sie hat Glück denn Frauen dürfen erst ab Mitte der
70iger Jahre an Bord.
Vor vielen Jahren trafen sie sich auf der Völkerfreundschaft und verliebten sich ineinander.
Heute treten sie diese Fahrt auf ihrem so geliebten Schiff noch einmal an.
Eine Reise in die Vergangenheit. Denn sie begegnen Frida, eine Schwedin, die damals bei der Schiffstaufe
dabei war. Ihre Geschichte ist auch ganz eng mit dem Schiff verbunden.

Kati Naumann hat einen Roman geschaffen der einen in den Bann nimmt.
Durch ihren authentischen und atmosphärisch mitreißenden Erzählstil sorgt die Autorin für ein originelles und nicht minder aufwühlendes Leseerlebnis.
Der Roman spielt in zwei Zeitebenen und springt immer wieder die Vergangenheit zurück.
Die Mischung zwischen der Realität und Fiktion vermischt sich zu einer spannenden Familiengeschichte.
Hier wird eine immer noch recht unbekannte Zeit beschrieben.
Die DDR gehörte seinerzeit zu den wichtigsten Seefahrernationen der Welt.
Das Seefahrtsamt war in der DDR ein Organ des Ministeriums für Verkehrswesen.
Das bedeutete das nur ausgewählte Bürger eine Stelle auf diesem Kreuzfahrschiff bekamen.
Man bekommt schnell einen interessanten Einblick in den Alltag der Menschen und ihrer Arbeit auf See.
Dazu die Beschreibung der Landschaft vermittelt einen das Gefühl direkt mit auf dem Schiff zu sein.
Die Charaktere und die Entwicklung dieser haben Tiefe und sind sehr authentisch und gefühlvoll beschrieben.
So macht Geschichte Spaß. Habe ich doch einiges erfahren, was ich bis heute nicht wusste.
Ein wundervolles Buch was ich nur empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 16.09.2024

Wunderbar

Nostalgia
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Der Autor nimmt uns mit in seine Jugend in den 1980er Jahren.
Wegen der Liebe ist seine Mutter Theo, eine junge Laotin, in die DDR gezogen. Im Studium in Moskau hat sie ihre große
Liebe gefunden und ist ...

Der Autor nimmt uns mit in seine Jugend in den 1980er Jahren.
Wegen der Liebe ist seine Mutter Theo, eine junge Laotin, in die DDR gezogen. Im Studium in Moskau hat sie ihre große
Liebe gefunden und ist ihr gefolgt.
Seine Familie lebt den Internationalismus und
eckt damit überall an.
Es ist nicht leicht, die befremdeten Blicke der anderen zu
ertragen, gar Schlitzauge genannt zu werden.
Der verborgene Rassismus der DDR trifft immer und überall
auf die Familie.
Eine sehr interessante Geschichte. Aus der Sicht des jungen André geschrieben. Seine Befindlichkeiten und Sorgen, seine Versuche
einfach als ihresgleichen anerkannt zu werden.
Das alles wird in einfachen und schönen Sätzen erzählt.
Man taucht ein in diese Jugend und erfährt viel über ein Leben
das doch anders verläuft. Trotz aller Widersprüche im Endeffekt eine schöne Jugend.
Mir gefällt die Schreibweise. Behutsam, aber nie langweilig erzählt.
Man taucht ein in eine fremde und auch interessante
Welt. Manchmal hat der biografische Roman einige Längen, aber das macht nichts, weil es einfach auch zu diesem Leben passt.
Die Verarbeitung von Enttäuschungen und Trauer ist nie einfach und werden meiner Meinung hier wunderbar wiedergegeben.

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