Nordisch, düster, spannend
SchmerzEin Teenager verschwindet im Thingsvellir Nationalpark, einer Stätte, an der es Mitte des 16. Jahrhunderts zur grausamen Tötung von Verurteilten kam. Die Namen der Orte erinnern an die damaligen Ereignisse, ...
Ein Teenager verschwindet im Thingsvellir Nationalpark, einer Stätte, an der es Mitte des 16. Jahrhunderts zur grausamen Tötung von Verurteilten kam. Die Namen der Orte erinnern an die damaligen Ereignisse, wie Ertränkungsbecken, Schafottlandzunge, Geißelinsel und Feuerschlucht.
Mit den Ermittlungen wird ausgerechnet Dora beauftragt. Die Polizistin kämpft mit den Folgen einer Hirnverletzung aus einem Einsatz und soll eigentlich nur Schreibtischarbeit leisten. Dora ist keine Superheldin, sie wirkt nicht auf Anhieb sympathisch, hat viele seltsame Angewohnheiten und trotzdem mag ich sie. Ihre Stehauf-Mentalität, wie sie sich mit ihren Einschränkungen arrangiert und zu merkwürdigen Methoden greift, dafür zolle ich ihr Beifall und sie bringt mich zum Schmunzeln. Dora ist das Licht in der Düsternis.
Dora zur Seite steht Rado, der Sohn serbischer Einwanderer. Familiäre Verbindungen behindern sein Vorwärtskommen bei der Polizei, kann man ihm wirklich vertrauen oder wiegen die Familienbande schwerer als Gesetz und Ordnung? Eine spannende Thematik, der sich nicht nur Island stellen muss.
Ein wenig ungewohnt lesen sich die Namen der isländischen Örtlichkeiten, was daran liegt, dass es in der isländischen Sprache 32 Buchstaben gibt und uns deswegen einige sehr unbekannt vorkommen. Aber immerhin hat sich ganz Europa 2010 auch den Vulkan Eyjafjallajökull merken können, so dass ich im Laufe des Buches immer flüssiger die ortstypischen Begriffe lese. Diese tragen zudem dazu bei, das Geschehen authentischer darzustellen. Ich fühle das Dunkle, welches ganz besonders in den langen Wintermonaten Island beherrscht.
Dora und Rado sind die Underdogs bei der isländischen Polizei und das macht sie so sympathisch. Der Fall selbst wartet mit ungewohnten Wendungen auf und ich inhaliere die Seiten, will endlich die Zusammenhänge begreifen, fiebere auf die Auflösung des Falles hin.
Mir hat dieser literarische Ausflug nach Island sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf weitere Fälle für dieses ungleiche Ermittlerpaar.