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Veröffentlicht am 28.02.2025

Interessantes Setting, coole Plotideen

Outback – Niemand hört dich schreien
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Barbara Guerra ist Polizistin in Berlin. Als sie einen Anruf erhält, dass ihre kleine Schwester Rita im australischen Outback vermisst wird, reist sie direkt dorthin um sich vor Ort selbst ein Bild von ...

Barbara Guerra ist Polizistin in Berlin. Als sie einen Anruf erhält, dass ihre kleine Schwester Rita im australischen Outback vermisst wird, reist sie direkt dorthin um sich vor Ort selbst ein Bild von den Ermittlungen zu machen. Zusammen mit DS Lucas Walker stößt sie dabei auf mehrere Vermisstenfälle und befürchtet Schlimmes ...

Die Autorin zeigt die harte Realität eines Lebens im Outback, wo sie selbst einige Zeit gelebt hat. Die Aussichtschancen für Barbara, ihre Schwester lebend zu finden, sind ziemlich gering - und die Zeit wird immer knapper. Denn bei 40 Grad brennender Sonne und endlosem Busch, ist die Chance praktisch gleich null.

Zitat S. 176:
"Australien ist anders, als ich es mir vorgestellt habe", sagt sie ein paar Minuten später.
"Ach ja? Was hatten Sie denn erwartet?"
"Ich weiß nicht genau, aber nicht diese Leere. Alles ist so trocken und tot."

Der Start war aufgrund dieser dramatischen Bedingungen bereits spannend. Auch die Einwohner, die man als etwas frauenfeindlich und eigenbrödlerisch kennenlernt, machen nicht gerade Lust auf einen Urlaub an diesem Ort.
DS Walker schießt sich auf Drogenhandel ein und versucht verzweifelt, eine Verbindung zu Rita und ihrem Freund herzustellen. Erst spät merkt er, dass Barbaras Verdacht auf einen Serienmörder viel naheliegender ist.

Es gibt einige Perspektivwechsel, dennoch war mir dieser Mittelteil zu zäh, da auch recht schnell klar war, wer der Täter ist. Es fehlte also nur noch ein entscheidender Hinweis auf diesen, damit die Auflösung authentisch wird. Erst als noch jemand verschwindet, gelangt auch DS Walker auf die richtige Spur und es kommt ordentlich Tempo auf.

Das Ende war mir fast ein wenig zu positiv unter diesen dramatischen Umständen und hinterließ einige offene Fragen. Da dieser Titel jedoch scheinbar ein Reihenauftakt ist, werden meine Fragen sicher im nächsten Teil geklärt. Ich freue mich darauf!

Fazit: Ein solider Reihenauftakt mit einem interessanten Setting und einigen guten Plotideen. Trotz kleiner Längen im Mittelteil freue ich mich auf Band 2.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Lädt zum Miträtseln und Ermitteln ein

Mörderfinder – Das Muster des Bösen
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"Mörderfinder - Das Muster des Bösen" ist bereits der fünfte Teil der Reihe um den ehemaligen Kriminaloberkommissar Max Bischoff, der nun mit seinem neuen Partner, dem Psychologen und Handschriftexperten ...

"Mörderfinder - Das Muster des Bösen" ist bereits der fünfte Teil der Reihe um den ehemaligen Kriminaloberkommissar Max Bischoff, der nun mit seinem neuen Partner, dem Psychologen und Handschriftexperten Dr. Marvin Wagner, eine Detektei eröffnet. Doch schon vor der Eröffnung haben sie es mit ihrem ersten Fall zu tun.

Ich persönlich finde ja immer schwierig, ab einer gewissen Anzahl von Bänden die Geschichten der Protagonisten glaubwürdig und interessant weiterzustricken. Mit der Eröffnung der Detektei hat Arno Strobel jedoch eine gute Begründung gefunden, weshalb Max Bischoff außer Dienst weiterhin Ermittlungen anstellen kann. Das war ein ziemlich cleverer Schachzug des Autors. Auch die Kombi des Teams mit Marvin ist hier gut gewählt und verspricht spannende Analysen.

Zitat S. 104:
"Düsseldorfer Ex-Spitzenpolizist ermittelt im Mordfall Holzheimer."
Max klickte auf den Link und wurde zum Artikel geleitet, der mit einer weiteren Überschrift begann.
"Ehemaliger Kriminaloberkommissar Max Bischoff: Der Fallanalytiker kehrt zurück!"

Max bekommt zwar viele helfende Hände, steht aber vor einem Rätsel. Der Fall beginnt direkt spannend, und Strobel bringt Max und den Leser immer wieder auf falsche Fährten. Es wird brisant und für den ein oder anderen Protagonisten sogar gefährlich. Erst zum Ende klärt sich auf, wer der wahre Täter ist. Auch wenn ich an einigen Wendungen Zweifel hatte, hatte ich mit dieser Auflösung nicht gerechnet, die mir dann allerdings ein wenig zu schnell abgehandelt wurde. Im Großen und Ganzen konnte mich der neue Teil gut unterhalten - und ich freue mich auf weitere.

Fazit: Eine spannende Reihenfortsetzung, die zum Miträtseln einlädt, aufgrund der (gelungenen) Charakterentwicklung jedoch in Reihenfolge gelesen werden sollte.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Düster, gefährlich, böse!

Follow you | Mit wunderschönem Farbschnitt
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Vorweg: Was! für! ein! Buch! Ich weiß immer noch nicht, wo ich meine Gedanken und Gefühle hinpacken und wie ich alles verarbeiten soll. Die Story hat mich von Anfang bis Ende einfach mitgerissen.

Doch ...

Vorweg: Was! für! ein! Buch! Ich weiß immer noch nicht, wo ich meine Gedanken und Gefühle hinpacken und wie ich alles verarbeiten soll. Die Story hat mich von Anfang bis Ende einfach mitgerissen.

Doch von vorn ...

Wir lernen Ruby kennen, die sich mit ihrer lockeren, teilweise naiven, aber sympathischen Art sofort in mein Herz gewühlt hat. Man wünscht ihr einfach nur das Beste und möchte, dass sie glücklich ist. Doch dann tritt ER in ihr Leben, und die Dinge in Rubys Leben geraten völlig durcheinander. Und ich war mittendrin! Habe mitgelitten, mitgefiebert, war wütend, enttäuscht, dann wieder hoffnungsvoll und in Flammen stehend. Wow! So ein Wechselbad der Gefühle hatte ich lange nicht mehr.

Das Anwesen Ceffyl-dŵr Hall als Schauplatz war eine willkommene (und gelungene) Abwechslung. Ich habe diese verruchte, düstere Atmosphäre förmlich aufgesogen und genossen. Auch das Zusammenspiel beider Figuren hielt mich regelrecht in Schach. Einerseits gab es Momente, wo ich fassungslos den Kopf geschüttelt habe. Andererseits jene Momente, die mir ein Lächeln entlockt haben. Zwar konnte und wollte ich nicht jede Handlung von Ruby gutheißen und nachvollziehen, mir war jedoch klar, warum sie sich zu ihnen entschlossen hat. Lag vor allem an ihren Wesenszügen, ihrem Charakter, ihrer Vergangenheit, die sie nicht nur geprägt, sondern auch gezeichnet hat. Das macht die Taten von IHM nicht unbedingt besser, doch muss man das große Ganze mehr hinterfragen.

"Die Welt braucht dich nicht. Und deshalb kannst du gehen."

Bei dem kleinen Zitat bekomme ich direkt Gänsehaut. ER lässt sich partout nicht in die Karten gucken und bleibt somit eine zwielichtige, aber dadurch auch interessante Person. Wobei ich nicht sagen kann, ob ich ihn mag oder nicht. Er hat Dinge getan, für die er garantiert nicht in den Himmel kommt. "Arme Ruby" habe ich oft gedacht. Und dann festgestellt, dass sie so arm gar nicht ist.

Die Ich-Perspektive mag ich nicht besonders, aber hier fand ich sie angenehm und authentisch. Ich konnte Ruby so besser greifen, mich in ihre Lage hineinversetzen, nachempfinden, was sie bewegt. Der mitreißende und bildhafte Schreibstil tat dabei sein Übriges. Insbesondere SEINE Sicht hat mich enorm gefesselt und fasziniert. Man bekommt dadurch manchmal einen anderen Blick auf (dieselben) Situationen. Schnell wird einem klar, dass ER seine Opfer nicht als gleichwertige Menschen sieht, sondern als seine Beute. Das sollte mich eigentlich abschrecken, hat es aber nicht. Vielleicht ist das die Faszination des Bösen, die mich angetrieben hat, weiterzulesen.

Wer offen gegenüber Dark Romance ist, gespickt mit einigen Thriller-Elementen, kommt hier voll auf seine Kosten.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Schonungslos, verstörend, spannungsgeladen

Niemand hört dich
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Als die Ostsee eines Tages die Leiche der jungen Dänin Caroline Hvidtfeldts an den Strand der Flensburger Förde spült, wird Mads Lindstrøm nach Kiel geschickt, um ebenjene zu identifizieren. Schnell wird ...

Als die Ostsee eines Tages die Leiche der jungen Dänin Caroline Hvidtfeldts an den Strand der Flensburger Förde spült, wird Mads Lindstrøm nach Kiel geschickt, um ebenjene zu identifizieren. Schnell wird klar, dass das seit Tagen vermisste Mädchen nicht einfach ertrunken ist. Caroline musste vor ihrem Tod unsagbare Qualen ertragen. Und es scheint so, als sei ein Serienmörder am Werk.

Karen Inge Nielsen erzählt schonungslos! Gleich zu Beginn beschreibt sie detailliert, welches abartige Spiel der Mörder mit seinem Opfer spielt. Gesagt werden sollte an dieser Stelle unbedingt, dass es sich wirklich um Kinder handelt - Caroline ist zum Zeitpunkt ihres Todes 11 Jahre alt -, wenn im Klappentext von Mädchen gesprochen wird. Tatsächlich war ich darauf nicht vorbereitet, als ich in die Handlung eingestiegen bin, und musste erst einmal ordentlich schlucken. Wer also zu Nielsens Thriller greift, sollte sich im Klaren darüber sein, dass im Verlauf der Story mehrfach explizite Gewalt an Kindern verübt beziehungsweise diese beschrieben wird.

Unabhängig davon liefert Nielsen einen gelungenen Auftakt-Thriller, der sprichwörtlich bis zur letzten Minute die Spannung auf einem hohen Maß halten kann. Die Einteilung der Handlungsabschnitte in tagesaktuelle Szenen unterstreicht die rasante Suche nach dem Mörder. Ihre klare und unverblümte Sprache tut ihr Übriges, um dem Ganzen den nötigen kühlen skandinavischen Anstrich zu verleihen.

Auffällig ist jedoch, dass Mads Lindstrøm schon die Oberhand in der Ermittlungsarbeit gewinnt. Der deutsche Kommissar Beckmann, so empfand ich es jedenfalls, spielte irgendwie eher eine Nebenrolle. Da Mads aber ein grandios gezeichneter Charakter mit ordentlichen Kanten ist, der meine Sympathie sofort gewonnen hat, tat das für mich erst mal nichts zur Sache. Und vielleicht ändert sich dieses Verhältnis auch etwas in Band 2.

Auch Mark Bremer hat mich als Sprecher vollkommen abgeholt. Mit seiner sonoren Stimme und der ruhigen Art zu sprechen, unterstreicht er die schnörkellose Erzählart Nielsens. Einzig wenn er versucht, Caroline Hvidtfeldts Mutter eine Stimme zu geben, konnte mich das nicht ganz überzeugen. Auch wenn so die Figuren sprachlich noch deutlicher voneinander abgegrenzt wurden, hätte es nicht Not getan und wirkte auf mich leider eher überdreht.

Alles in allem hat mich „Niemand hört dich“ aber begeistert. Sehr gut gefallen hat mir persönlich, dass Nielsen die Jagd nach dem Mörder bis zum Schluss ausreizt. Für mich seit langem mal wieder eine gut erzählte Story. Ich freue mich sehr auf Band 2!

Fazit: Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven! Wer jedoch brutale skandinavische Thriller mag, wird den Auftakt zu Karen Inge Nielsens Grenzland-Trilogie sicherlich mögen. Für mich definitiv ein spannungsgeladener Start und daher empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Eine dunkle, durchtriebene und actionreiche Geschichte

Jackdaw
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Auf den Autor Daniel Cole bin ich schon vor einer ganzen Weile aufmerksam geworden. Damals ist gerade RAGDOLL erschienen, und der Klappentext hatte mich direkt angefixt. Dem Buch folgten alle weiteren ...

Auf den Autor Daniel Cole bin ich schon vor einer ganzen Weile aufmerksam geworden. Damals ist gerade RAGDOLL erschienen, und der Klappentext hatte mich direkt angefixt. Dem Buch folgten alle weiteren und so war es klar, dass ich auch dieses hier lesen/hören musste.

Erwartet habe ich: Grausames, Rasantes, Überraschendes. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Detective Scarlett Delaney ist neu bei der Polizei und auf der Spur eines brutalen Killers, den sie „Jackdaw“ nennen – ein Serienmörder, der unmögliche Verbrechen zu begehen scheint und dann mit einem glitzernden Andenken verschwindet. Als Nachkomme eines Serienmörders hat Delaney etwas, was viele nicht haben: ein Auge für das Verbrechen und eine Verbindung zu jemandem, der ihr einige Erkenntnisse bieten könnte. Delaney ist eine Einzelgängerin und gerät in eine heikle Situation mit dem charmanten Harry Devlin, der selbst ein tödlicher Krimineller ist. Die beiden schließen sich kurzerhand zusammen, um Jackdaw aufzuspüren, aber es ist eine gefährliche und unbeständige Verbindung, die sie in Gefahr bringt.

Mir hat gefallen, wie die komplexen Morde inszeniert wurden, und es schien beinahe so, als würde der Killer die Polizei ständig herausfordern. Mit jedem Mord kommen unzählige Fragen auf. Was verbindet die Opfer außer ihrem Mörder - und wer könnte ihren Tod wollen? Man rätselt und fiebert dadurch ganz automatisch mit und wird an die Seiten gefesselt.

Scarlet Delaney ist eine interessante Protagonistin. Ja, sie ist vielleicht nicht die erfolgreichste Polizistin, zumindest in den Augen ihrer Kollegen. Ja, sie hat einige Dinge getan, die wahrscheinlich in keinem Verhaltenskodex der Polizei stehen. Und Aspekte ihres Privatlebens haben ihr Urteilsvermögen wahrscheinlich in bestimmten Teilen des Buches in Frage gestellt. Aber sie ist viel klüger und selbstbewusster, als man ihr zunächst zutrauen würde. Letzten Endes ist sie eine sympathische und humorvolle Person, mit der man gern Zeit verbringt und der man nur das Beste wünscht.

Daniel Cole hat seiner Story die richtige Dosis Tempo, Humor und Spannung verpasst, sodass sich die Seiten wie von selbst weglesen. Ich hätte mir zwar mehr Fokus auf die Verbrechensaufklärung gewünscht, bin aber völlig zufrieden mit dem Showdown und bekam einige erhoffte Twists. Manchmal wechselt die Erzählperspektive mehrmals im selben Kapitel oder sogar auf derselben Seite, das kann ein wenig störend sein.

Viola Müllerin als Sprecherin war eine ausgezeichnete Wahl. Ich mag ihre Stimmfarbe und die Art, wie sie Betonungen und Pausen gesetzt hat. Sie hat es geschafft, die Atmosphäre des Buches, die Spannung, das Gefährliche und Dramatische in ihre Stimme zu packen und mich förmlich mitzureißen.

Fazit: Wer Lust auf eine dunkle, durchtriebene und actionreiche Geschichte hat, sollte unbedingt zu JACKDAW greifen. Lesens- und hörenswert! Ich bin gespannt, was noch kommt und wie Daniel Cole den Leser erneut in seinen Bann ziehen wird.

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