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Veröffentlicht am 17.03.2025

Greift wichtiges Thema auf

Dein Heimweg
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Welche Frau kennt es nicht? Wir waren auf einer Party, im Kino, bei einer Freundin. Es ist spät geworden und nun steht der Heimweg bevor. Allein, im Dunkeln. Der Gedanke löst bei vielen ein Angstgefühl ...

Welche Frau kennt es nicht? Wir waren auf einer Party, im Kino, bei einer Freundin. Es ist spät geworden und nun steht der Heimweg bevor. Allein, im Dunkeln. Der Gedanke löst bei vielen ein Angstgefühl aus. Wie dankbar war ich, als der Taxifahrer vor der Hofeinfahrt in Berlin einfach stehen geblieben ist und darauf gewartet hat, dass ich sicher die Tür hinter mir geschlossen habe. Dieses Glück hatten Alana und Sophie in Hanna Essings Thriller „Dein Heimweg“ nicht. Denn sie bezahlen diesen Weg mit ihrem Leben.

Als an Emmys erstem Tag ihre neue Kollegin Alana nach Feierabend auf dem Firmenparkplatz ermordet wird, ist sie geschockt, denkt aber eher an einen unglücklichen Zufall. Zwei Monate später wird eine weitere Kollegin Opfer eines tödlichen Überfalls, ebenfalls auf dem Heimweg. Als Emmys Chef Aaron daraufhin mit einer App den Markt flutet, die den Heimweg für Frauen sicherer machen soll, und er aus der Situation Profit zu schlagen scheint, beginnt Emmy zu zweifeln. Sie recherchiert auf eigene Faust und riskiert dabei bald ihr Leben.

Sprachlich konnte mich Essing leider nicht immer überzeugen. Ehrlicherweise hat mich der Prolog dahingehend sogar im ersten Moment eher abgeschreckt. Für meinen Geschmack schreibt sie hier etwas zu weich und blumig. Aber dieser Eindruck bestätigt sich beim Lesen dann nicht weiter, auch wenn es mich einige Zeit gekostet hat, so richtig ins Geschehen einzusteigen.

Auch mit der Ich-Erzähler-Perspektive kann ich leider eher weniger anfangen. Das ist aber eine rein persönliche Vorliebe und tut der Story keinen Abbruch, denn eigentlich spiegelt sich darin erst richtig, mit welcher Angst Emmy stellvertretend für viele Frauen kämpfen muss.

Wirklich eindrücklich und realistisch sind besonders die zwischen den Kapiteln eingeworfenen Kommentare von Social-Media-Nutzerinnen, die ihre Erfahrungen mit der App beziehungsweise Erlebnisse auf ihrem Heimweg teilen.

Alles in allem liefert Hannah Essing einen guten Thriller, der vor allem Frauen einen unangenehmen Schauer über den Rücken jagen wird. Ich für meinen Teil habe Emmys Angst das ein oder andere Mal gefühlt!

Die Autorin schafft es, schnell eine Spannung aufzubauen, die sie dann auch auf hohem Maß hält und in einem gelungenen Twist zum Schluss noch einmal auf die Spitze treibt. Bis zuletzt war mir nicht klar, wer die Morde begangen hat und warum.

Fazit: „Mein Heimweg“ ist ein gelungener Thriller, den man (mit einigen Startschwierigkeiten) gut wegsuchten kann. Vor allem aber greift Essing ein wichtiges Thema auf. Vielen ist wahrscheinlich nicht bewusst, wie unwohl sich Frauen oft allein im Dunkeln fühlen. Dabei ist es ein Leichtes, beispielsweise die Straßenseite zu wechseln. Von mir gibt es alles in allem eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Brisant, aktuell, stimmt nachdenklich

Die Liste
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Seid ihr schon mal Opfer von Online Mobbing geworden? Ich stelle mir das wirklich übel vor und war genau deshalb so fasziniert vom Klappentext dieses Buches. Von einer Sekunde auf die andere kann man das ...

Seid ihr schon mal Opfer von Online Mobbing geworden? Ich stelle mir das wirklich übel vor und war genau deshalb so fasziniert vom Klappentext dieses Buches. Von einer Sekunde auf die andere kann man das Leben eines Menschen vollständig zerstören. Mit nur einem Klick! Das ist wirklich unvorstellbar, und mir macht allein dieser Gedanke Angst. Ich finde, Yomi Adegoke hat dieses sensible Thema in diesem Buch hervorragend aufgegriffen und regt damit definitiv zum Nachdenken an.

Die Autorin geht mit viel Fingerspitzengefühl an die Story heran und zeigt schnell auf, dass allein die Bedrohung, der Missbrauchsopfer ausgesetzt sind, wenn sie nur darüber sprechen, immens ist. Sie schildert die Sichtweise der Mobbingopfer und der damit verbundenen Angst um ihr Leben. Es hat mir dabei sehr gut gefallen, dass die Autorin der männlichen Sichtweise viel Raum gibt. Männer gehen ja generell gerne entspannter mit Themen um, die Frauen direkt anstößig finden. Aber hier steht ein Mann im Fokus, dem droht, seine Beziehung, seine Arbeit, seine Freunde und letztendlich sogar seinen Ruf zu verlieren.

Zitat, S. 27:
"Da war er, Nummer zweiundvierzig, eingekeilt zwischen einem Fernsehproduzenten, der der Vergewaltigung beschuldigt wurde, und einem Journalisten, der sich offenbar an junge Mädchen heranmachte."

Der Schreibstil ist angenehm und leicht verständlich. Ich mochte die Entwicklung der Charaktere und war gefesselt von den erschütternden Geschehnissen. Besonders erschreckend fand ich, wie realistisch die Autorin dem Leser vor Augen führt, wie leicht das eigene Leben durch das, was jemand anderes ins Internet setzt, auf den Kopf gestellt werden kann. Niemand ist davor sicher, und allein diese Tatsache hat mich die Geschichte nochmal aus einem ganz anderen Blickwinkel erleben lassen – nämlich, dass durchaus ich selbst der Protagonist hier sein könnte.

Das Buch nimmt eine unerwartete Wendung und endet mit einem offenen Schluss. Kann man machen, muss man nicht. Es bleibt nun dem Leser überlassen, wie es mit den Charakteren weitergeht. Ich persönlich glaube, dass Adegoke dieses offene Ende bewusst gewählt hat, weil ein typisches Happy End hier einfach unpassend gewesen wäre.

Fazit: Ein Roman, der zum Nachdenken anregt, weil er einfach unglaublich nah an der Realität ist. Wir alle sind vor Online Mobbing nicht geschützt und können nur hoffen, dass wir diese Torturen auch niemals selbst erleben müssen.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Interessantes Setting, coole Plotideen

Outback – Niemand hört dich schreien
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Barbara Guerra ist Polizistin in Berlin. Als sie einen Anruf erhält, dass ihre kleine Schwester Rita im australischen Outback vermisst wird, reist sie direkt dorthin um sich vor Ort selbst ein Bild von ...

Barbara Guerra ist Polizistin in Berlin. Als sie einen Anruf erhält, dass ihre kleine Schwester Rita im australischen Outback vermisst wird, reist sie direkt dorthin um sich vor Ort selbst ein Bild von den Ermittlungen zu machen. Zusammen mit DS Lucas Walker stößt sie dabei auf mehrere Vermisstenfälle und befürchtet Schlimmes ...

Die Autorin zeigt die harte Realität eines Lebens im Outback, wo sie selbst einige Zeit gelebt hat. Die Aussichtschancen für Barbara, ihre Schwester lebend zu finden, sind ziemlich gering - und die Zeit wird immer knapper. Denn bei 40 Grad brennender Sonne und endlosem Busch, ist die Chance praktisch gleich null.

Zitat S. 176:
"Australien ist anders, als ich es mir vorgestellt habe", sagt sie ein paar Minuten später.
"Ach ja? Was hatten Sie denn erwartet?"
"Ich weiß nicht genau, aber nicht diese Leere. Alles ist so trocken und tot."

Der Start war aufgrund dieser dramatischen Bedingungen bereits spannend. Auch die Einwohner, die man als etwas frauenfeindlich und eigenbrödlerisch kennenlernt, machen nicht gerade Lust auf einen Urlaub an diesem Ort.
DS Walker schießt sich auf Drogenhandel ein und versucht verzweifelt, eine Verbindung zu Rita und ihrem Freund herzustellen. Erst spät merkt er, dass Barbaras Verdacht auf einen Serienmörder viel naheliegender ist.

Es gibt einige Perspektivwechsel, dennoch war mir dieser Mittelteil zu zäh, da auch recht schnell klar war, wer der Täter ist. Es fehlte also nur noch ein entscheidender Hinweis auf diesen, damit die Auflösung authentisch wird. Erst als noch jemand verschwindet, gelangt auch DS Walker auf die richtige Spur und es kommt ordentlich Tempo auf.

Das Ende war mir fast ein wenig zu positiv unter diesen dramatischen Umständen und hinterließ einige offene Fragen. Da dieser Titel jedoch scheinbar ein Reihenauftakt ist, werden meine Fragen sicher im nächsten Teil geklärt. Ich freue mich darauf!

Fazit: Ein solider Reihenauftakt mit einem interessanten Setting und einigen guten Plotideen. Trotz kleiner Längen im Mittelteil freue ich mich auf Band 2.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Lädt zum Miträtseln und Ermitteln ein

Mörderfinder – Das Muster des Bösen
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"Mörderfinder - Das Muster des Bösen" ist bereits der fünfte Teil der Reihe um den ehemaligen Kriminaloberkommissar Max Bischoff, der nun mit seinem neuen Partner, dem Psychologen und Handschriftexperten ...

"Mörderfinder - Das Muster des Bösen" ist bereits der fünfte Teil der Reihe um den ehemaligen Kriminaloberkommissar Max Bischoff, der nun mit seinem neuen Partner, dem Psychologen und Handschriftexperten Dr. Marvin Wagner, eine Detektei eröffnet. Doch schon vor der Eröffnung haben sie es mit ihrem ersten Fall zu tun.

Ich persönlich finde ja immer schwierig, ab einer gewissen Anzahl von Bänden die Geschichten der Protagonisten glaubwürdig und interessant weiterzustricken. Mit der Eröffnung der Detektei hat Arno Strobel jedoch eine gute Begründung gefunden, weshalb Max Bischoff außer Dienst weiterhin Ermittlungen anstellen kann. Das war ein ziemlich cleverer Schachzug des Autors. Auch die Kombi des Teams mit Marvin ist hier gut gewählt und verspricht spannende Analysen.

Zitat S. 104:
"Düsseldorfer Ex-Spitzenpolizist ermittelt im Mordfall Holzheimer."
Max klickte auf den Link und wurde zum Artikel geleitet, der mit einer weiteren Überschrift begann.
"Ehemaliger Kriminaloberkommissar Max Bischoff: Der Fallanalytiker kehrt zurück!"

Max bekommt zwar viele helfende Hände, steht aber vor einem Rätsel. Der Fall beginnt direkt spannend, und Strobel bringt Max und den Leser immer wieder auf falsche Fährten. Es wird brisant und für den ein oder anderen Protagonisten sogar gefährlich. Erst zum Ende klärt sich auf, wer der wahre Täter ist. Auch wenn ich an einigen Wendungen Zweifel hatte, hatte ich mit dieser Auflösung nicht gerechnet, die mir dann allerdings ein wenig zu schnell abgehandelt wurde. Im Großen und Ganzen konnte mich der neue Teil gut unterhalten - und ich freue mich auf weitere.

Fazit: Eine spannende Reihenfortsetzung, die zum Miträtseln einlädt, aufgrund der (gelungenen) Charakterentwicklung jedoch in Reihenfolge gelesen werden sollte.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Düster, gefährlich, böse!

Follow you | Mit wunderschönem Farbschnitt
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Vorweg: Was! für! ein! Buch! Ich weiß immer noch nicht, wo ich meine Gedanken und Gefühle hinpacken und wie ich alles verarbeiten soll. Die Story hat mich von Anfang bis Ende einfach mitgerissen.

Doch ...

Vorweg: Was! für! ein! Buch! Ich weiß immer noch nicht, wo ich meine Gedanken und Gefühle hinpacken und wie ich alles verarbeiten soll. Die Story hat mich von Anfang bis Ende einfach mitgerissen.

Doch von vorn ...

Wir lernen Ruby kennen, die sich mit ihrer lockeren, teilweise naiven, aber sympathischen Art sofort in mein Herz gewühlt hat. Man wünscht ihr einfach nur das Beste und möchte, dass sie glücklich ist. Doch dann tritt ER in ihr Leben, und die Dinge in Rubys Leben geraten völlig durcheinander. Und ich war mittendrin! Habe mitgelitten, mitgefiebert, war wütend, enttäuscht, dann wieder hoffnungsvoll und in Flammen stehend. Wow! So ein Wechselbad der Gefühle hatte ich lange nicht mehr.

Das Anwesen Ceffyl-dŵr Hall als Schauplatz war eine willkommene (und gelungene) Abwechslung. Ich habe diese verruchte, düstere Atmosphäre förmlich aufgesogen und genossen. Auch das Zusammenspiel beider Figuren hielt mich regelrecht in Schach. Einerseits gab es Momente, wo ich fassungslos den Kopf geschüttelt habe. Andererseits jene Momente, die mir ein Lächeln entlockt haben. Zwar konnte und wollte ich nicht jede Handlung von Ruby gutheißen und nachvollziehen, mir war jedoch klar, warum sie sich zu ihnen entschlossen hat. Lag vor allem an ihren Wesenszügen, ihrem Charakter, ihrer Vergangenheit, die sie nicht nur geprägt, sondern auch gezeichnet hat. Das macht die Taten von IHM nicht unbedingt besser, doch muss man das große Ganze mehr hinterfragen.

"Die Welt braucht dich nicht. Und deshalb kannst du gehen."

Bei dem kleinen Zitat bekomme ich direkt Gänsehaut. ER lässt sich partout nicht in die Karten gucken und bleibt somit eine zwielichtige, aber dadurch auch interessante Person. Wobei ich nicht sagen kann, ob ich ihn mag oder nicht. Er hat Dinge getan, für die er garantiert nicht in den Himmel kommt. "Arme Ruby" habe ich oft gedacht. Und dann festgestellt, dass sie so arm gar nicht ist.

Die Ich-Perspektive mag ich nicht besonders, aber hier fand ich sie angenehm und authentisch. Ich konnte Ruby so besser greifen, mich in ihre Lage hineinversetzen, nachempfinden, was sie bewegt. Der mitreißende und bildhafte Schreibstil tat dabei sein Übriges. Insbesondere SEINE Sicht hat mich enorm gefesselt und fasziniert. Man bekommt dadurch manchmal einen anderen Blick auf (dieselben) Situationen. Schnell wird einem klar, dass ER seine Opfer nicht als gleichwertige Menschen sieht, sondern als seine Beute. Das sollte mich eigentlich abschrecken, hat es aber nicht. Vielleicht ist das die Faszination des Bösen, die mich angetrieben hat, weiterzulesen.

Wer offen gegenüber Dark Romance ist, gespickt mit einigen Thriller-Elementen, kommt hier voll auf seine Kosten.

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