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Veröffentlicht am 20.02.2025

Packende Mischung aus Drama und Justizthriller um den feinen Unterschied von Recht und Gerechtigkeit mit nicht ganz schlüssiger Auflösung

Die Schlafwandlerin
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Wenige Tage vor Beginn des von der Presse lang ersehnten Prozesses wird Neve Harper mit der Verteidigung von Wade Darling beauftragt. Der unter Depressionen leidende Waffennarr soll seine Frau und seine ...

Wenige Tage vor Beginn des von der Presse lang ersehnten Prozesses wird Neve Harper mit der Verteidigung von Wade Darling beauftragt. Der unter Depressionen leidende Waffennarr soll seine Frau und seine beiden Kinder erschossen und das gemeinsame Haus in Brand gesetzt haben.
Auch wenn alle Indizien gegen Wade sprechen, sieht sich Neve in ihrem Ehrgeiz gepackt und findet eine Möglichkeit, Zweifel an der Schuld des Angeklagten zu sähen. Da tritt ein Bote auf sie zu und zwingt sie, den Fall zu verlieren, andernfalls würde ihre Stieftochter getötet. Neve kann sich nicht wehren, da er die Wahrheit über das Verschwinden ihres Ehemanns kennt, das sie zutiefst belastet.

"Die Schlafwandlerin" handelt von einem ähnlichen Szenario wie schon "Die Herzchirurgin", in dem eine Ärztin erpresst wird, einen ihrer Patienten sterben zu lassen. In beiden Fällen steht das Leben eines Kindes auf dem Spiel.

Der Roman wird aus der Ich-Perspektive von Rechtsanwältin Neve geschildert, die ein dunkles Geheimnis hat, das sie nachts um den Schlaf bringt. Damit werden Zweifel an der Integrität der Hauptfigur geschürt, die bisher als erfolgreiche Strafverteidigerin bekannt ist.

Der Thriller ist durchgehend spannend und abwechslungsreich und dreht sich nicht ausschließlich darum, wie Neves moralisches Dilemma zu lösen ist. Fraglich ist zudem, wie der Prozess gegen Wade ausgeht und ob die Schuldfrage zweifelsfrei geklärt werden kann und ob Neves schmutziges Geheimnis gewahrt werden kann und sie unbescholten davon kommen wird.

Der Schlagabtausch zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung und deren kluger Argumentationskampf vor Gericht fesseln auch durch die Einbeziehung neuer Beweise und die Verhöre der Zeugen.
Daneben leistet Neve schier Unglaubliches, um ihr Geheimnis zu vertuschen. Die Nacht- und Nebelaktionen sowie die zahlreichen Hürden, mit denen sie konfrontiert wird, sind in Summe allerdings recht abenteuerlich. Ihre Gegner sind ihr stets einen Schritt voraus und man muss fassungslos dabei zusehen, wie sich Neve immer tiefer in ihren Schlamassel hineingräbt und dabei mentale und körperliche Höchstleistungen erbringt. In Erwartung einer Wende, die eine schlüssige Erklärung zur Entlastung der Heldin liefern könnte, wird man an die Seiten gefesselt.

"Die Schlafwandlerin" ist eine packende Mischung aus Drama und Justizthriller, die zeigt, dass Recht nicht zwangsläufig mit Gerechtigkeit gleichzusetzen ist. Unbefriedigender ist jedoch die mangelnde Aufklärung der Tat und des Krankheitsbildes der Hauptfigur sowie das unerklärliche Selbstbewusstsein, das sie am Schluss begleitet.

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Kein nervenaufreibender Thriller, aber ein fesselndes Drama über Verlust, Schuldgefühle, mangelnde Abgrenzung und Mutterschaft.

Mutterlüge
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Ruth Hartland ist Psychologin und leitet die Trauma-Abteilung in einer Klinik in London. Sie ist Mutter von erwachsenen Zwillingen, wobei ihr Sohn seit anderthalb Jahren verschwunden ist. Ihr Ehe ist daran ...

Ruth Hartland ist Psychologin und leitet die Trauma-Abteilung in einer Klinik in London. Sie ist Mutter von erwachsenen Zwillingen, wobei ihr Sohn seit anderthalb Jahren verschwunden ist. Ihr Ehe ist daran zerbrochen und das Verhältnis zu ihrer Tochter angespannt. Im beruflichen Umfeld verschweigt Ruth ihre privaten Sorgen.
Ihr neuer Patient Dan erinnert sie an ihren Sohn Tom. Er verunsichert sie in den Therapiesitzungen und Ruth schafft es immer weniger, die professionelle Distanz zu wahren - mit fatalen Folgen.

Der Roman wird aus Ruths Ich-Perspektive geschildert, so dass man der Hauptfigur sehr nahe kommt. Sie ist einerseits eine erfahrene Psychotherapeutin, die mit Leidenschaft ihrem Beruf nachgeht und andererseits eine Mutter, die einen Verlust erlitten hat und sich in Frage stellt. Die Darstellung ist emotional und realitätsnah und erscheint aufgrund der Tatsache, dass die Autorin selbst jahrelang als klinische Psychologin tätig war, besonders authentisch.

Es gibt Einblicke in ihren Berufsalltag, die Therapiesitzungen mit ihren Patienten und die Supervisionen. Dazwischen erfolgen Erinnerungen an Tom und Rückblenden in das Familienleben. Geprägt von einer Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter wollte Ruth in ihrer Mutterrolle stets alles richtig machen. Die Unterschiede ihrer Kinder machten es ihr jedoch schwer. Während sie ihrer Tochter, die von Geburt an stärker wirkte, weniger Aufmerksamkeit schenkt, rückt die Fürsorge für ihren sensiblen Sohn in den Mittelpunkt.
Als Therapeutin möchte sie ihren Patienten helfen, gleichzeitig ist es ihr ein Bedürfnis, sie zu knacken und erfolgreich zu sein. Ihr neuer Patient Dan macht ihr jedoch Probleme. Die Grenzen zwischen Dan und Tom, zwischen ihrer Aufgabe als Therapeutin und ihrer Eigenschaft als Mutter verschwimmen.

"Mutterlüge" ist kein nervenaufreibender Thriller, aber ein fesselndes Drama über Verlust, Schuldgefühle, mangelnde Abgrenzung und Mutterschaft.
Gebannt wohnt man den Therapiesitzungen bei und hat das Gefühl, dass Dan genau weiß, was Ruth durchmacht und dass er sie bewusst provoziert und manipuliert. Geblendet von ihrer Trauer um den Sohn und ihren Versagensängsten fehlt Ruth der neutrale Blick auf Dan. Es ist jederzeit zu spüren, dass die Sitzung in eine Katastrophe führen wird, wobei das Ausmaß der Tragödie am Ende dennoch überrascht.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Spannender Kriminalfall vor dem Hintergrund dramatischer persönlicher Schicksale mit winterlich düsterer Stimmung

Die Schanze
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Nach einer gescheiterten Beziehung kehrt Dr. Ellen Roth Hamburg den Rücken und zieht zurück in ihre Heimat in Bayern, wo sie die Arztpraxis im Dorf übernimmt. Am ersten Abend ihrer Rückkehr ereignet sich ...

Nach einer gescheiterten Beziehung kehrt Dr. Ellen Roth Hamburg den Rücken und zieht zurück in ihre Heimat in Bayern, wo sie die Arztpraxis im Dorf übernimmt. Am ersten Abend ihrer Rückkehr ereignet sich ein Mord. Der Sohn des Bürgermeisters wird erhängt an der Skisprungschanze aufgefunden. Ellen ist mit Johannes Gruber zur Schule gegangen und sie kennt ihn näher, als ihr lieb ist. Sie dachte eigentlich, sie hätte die Vergangenheit längst hinter sich gelassen, aber sie wird immer noch von quälenden Erinnerungen heimgesucht und jetzt sie sich auch noch fragen, ob der Mord an Johannes mit ihrer Rückkehr in einem Zusammenhang stehen könnte.

"Die Schanze" beginnt mit einem Mord in einem verschneiten Dorf, in dem jeder jeden kennt und so manches Geheimnis nicht im Verborgenen geblieben ist. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven geschildert, wobei die Ärztin Ellen im Vordergrund steht. An ihrer Seite ist ein lokaler Journalist, der die Story seines Lebens wittert. Überhaupt steht das Dorfgefüge im Fokus, denn über die Ermittlungen der Polizei erfährt man, wenn überhaupt, nur indirekt etwas durch den pensionierten Polizisten Karl Haußer.

Jede Figur hat mit eigenen psychischen oder physischen Problemen zu kämpfen. Krankheit, Einsamkeit und Bindungsschwierigkeiten oder Existenzängste sind gegenwärtig. Kein Bewohner des Ortes ist leicht zu durchschauen und könnte Mordgedanken hegen.

Die Geschichte ist aufgrund der persönlichen Hintergründe dramatisch und von Beginn an spannend. Die Spannung wird weiter angeheizt, als ein zweiter Mord passiert und unklar ist, ob Ellen in Gefahr ist.

Durch die kurzen Kapitel und wechselnden Perspektiven wird die Neugier zum Weiterlesen geweckt. Der Thriller ist mit der winterlichen und düsteren Stimmung perfekt für die Jahreszeit und ein stimmiges Debüt, auch wenn man die Handlungen von Ellen und Merab, die sich mit dem Wissen, über das sie verfügen, nicht an die Polizei wenden, in Frage stellen muss und auch das Motiv des Täters am Ende nicht ganz überzeugt.

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Veröffentlicht am 21.01.2025

Vielschichtige und empathisch geschilderte Geschichte über Freundschaft, das Erwachsenwerden und die Selbstfindung junger Frauen

Aller Anfang
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Celia, Sally, Bree und April lernen sich am Smith-College in Northampton kennen, an dem ausschließlich weibliche Studierende zugelassen sind. Sie stammen aus unterschiedlichen familiären Verhältnissen ...

Celia, Sally, Bree und April lernen sich am Smith-College in Northampton kennen, an dem ausschließlich weibliche Studierende zugelassen sind. Sie stammen aus unterschiedlichen familiären Verhältnissen und sind auch charakterlich verschieden. Während die schöne Bree bereits verlobt ist, ist April nach dem Vorbild ihrer Mutter eine feministische Aktivisten. Sally leidet unter dem Verlust ihrer kürzlich verstorbenen Mutter, während Celia aus einer intakten katholischen Familie stammt, an der sie sehr hängt.
Auch wenn sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Träume und Vorstellungen vom Leben Konflikte austragen müssen und es durch Brees neue Beziehung zu Lara, Sallys Heiratspläne und Aprils Aktivismus Reibungspunkte gibt, halten sie, wenn es darauf ankommt, fest zusammen.

"Aller Anfang" wird abwechselnd aus der Perspektive einer der vier Frauen erzählt, wobei die ersten Kapitel, die am College handeln, zur jeweiligen Vorstellung des Charakters sehr lang sind. Man erhält damit auch einen bildhaften Einblick in den Campus und das sehr besondere College, auf dem die Frauen mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen experimentieren.
Die vier Frauen machen unterschiedliche Erfahrungen in Sachen Liebe - von festen Beziehungen, Verlobungen und Trennungen über eine Affären zu einem älteren Mann - bis die gemeinsamen vier Jahre am College vorbei sind und es sie wieder in unterschiedliche Richtungen verschlägt.
Eine Wiedervereinigung zur Hochzeit von Sally endet im Streit und bedeutet einen Riss der Freundschaft, der erst wieder gekittet werden kann, als sie die anderen brauchen und eine von ihnen in ernsthafte Gefahr geraten ist.

Der Roman erzählt von den Höhen und Tiefen einer Freundschaft, wie Frauen einander Halt geben können, aber auch wie sie sich gegenseitig verletzen können. Empathisch wird die Entwicklung der jungen Frauen beschrieben, die zu Beginn noch etwas orientierungslos sind und erst noch ihren Platz finden müssen.

Die Geschichte ist vielschichtig und handelt neben Freundschaft und dem Erwachsenwerden von sexueller Orientierung, Feminismus, Gewalt gegen Frauen, von Selbstfindung, Toleranz und Loyalität.
Jede der Hauptfiguren ist individuell gezeichnet und selbst wenn man keine Identifikationsfigur finden sollte, ist es interessant ihre Entwicklung durch die Hürden des Lebens - gemeinsam und getrennt von einander - zu verfolgen. Der Fokus liegt dabei klar auf Frauen, denn trotz der beschriebenen Liebesbeziehungen spielen Männer nur eine untergeordnete oder negativ besetzte Rolle.

Die Bedeutung von Freundschaft und die unterschiedlichen Lebensentwürfe, die sich aufgrund der vielen verschiedenen Wahlmöglichkeiten für Frauen zu Beginn des 21. Jahrhunderts ergeben, sind facettenreich und empathisch geschildert.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Roman über die Überfahrt der historischen Victorious (1946) - eine berührende Geschichte über mutige Frauen und ihre Hoffnungen auf ihrem abenteuerlichen Weg zu einem Neuanfang.

Über uns der Himmel, unter uns das Meer
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Im Jahr 1946 werden 600 Kriegsbräute mit einem Flugzeugträger der britischen Marine nach England gebracht, um mit ihren Ehemännern wieder vereint zu werden. Es ist ein mutiger Weg in die Fremde und Ungewissheit ...

Im Jahr 1946 werden 600 Kriegsbräute mit einem Flugzeugträger der britischen Marine nach England gebracht, um mit ihren Ehemännern wieder vereint zu werden. Es ist ein mutiger Weg in die Fremde und Ungewissheit fernab von Zuhause. Die Ehen wurden oftmals kurzfristig geschlossen, weshalb die Frauen ihre Männer kaum kennen und seit Monaten oder sogar Jahren nicht mehr gesehen haben.
An Bord ist Krankenschwester Frances, die verschlossen ist und ihre Gefühle zurückhält, Avice, die hochnäsige Tochter aus gutem Hause, die auf eine Überfahrt auf einem Flugzeugträger nicht vorbereitet war, Margaret, die schwangere Bauerstochter, die noch nicht bereit ist, Mutter zu sein und die 16-jährige Jean, die froh ist, ihrem lieblosen Elternhaus zu entkommen.
Die vier unterschiedlichen Frauen bergen ihre Geheimnisse und teilen sich eine Kabine, die von einem Marinesoldat bewacht wird, den keine Wiedervereinigung mit seiner Frau erwartet. Kapitän Highfield, der seine wohl schwierigste Fracht nach Plymouth bringen muss, hadert damit, dass die Überfahrt seine letzte sein wird.

Inspiriert von der Lebensgeschichte ihrer Großmutter, beschreibt Jojo Moyes anhand fiktiver Schicksale die historische Überfahrt der Victorious.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, wobei es zu Beginn etwas unübersichtlich ist, sich zurechtzufinden. Nicht jede Figur gibt gleichviel von sich preis, so dass Platz für Spekulationen bleibt und die Geschichte nicht ohne Spannung erzählt ist.

Lebendig wird der Schiffsalltag der zähen, sechswöchigen Überfahrt mit all seinen Problemen, Sorgen und allzu menschlichen Befindlichkeiten beschrieben, wenn Hunderte Fremde auf engstem Raum aufeinandertreffen. Sowohl Passagiere als auch Teile der Besatzung haben mit ihren ganz eigenen Herausforderungen zu kämpfen.

Die Geschichte wirkt real, auch wenn die persönlichen Schicksale fiktiv sind. Eingeleitet werden die Kapitel hingegen durch Zitate aus historischen Überlieferungen, die der Geschichte noch mehr Authentizität verleihen.
"Über uns der Himmel, unter uns das Meer" beruht auf wahren Begebenheiten und ist eine berührende Geschichte über mutige Frauen und ihre Hoffnungen auf ihrem abenteuerlichen Weg zu einem Neuanfang.

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