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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2025

Ein kluges Buch

Digitale Diagnosen
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Mich hat dieses Buch sehr interessiert, da ich immer öfter bemerke, wie psychische Erkrankungen inflationär auftauchen und in Büchern und in den sozialen Medien wie eine Normalität behandelt werden. Die ...

Mich hat dieses Buch sehr interessiert, da ich immer öfter bemerke, wie psychische Erkrankungen inflationär auftauchen und in Büchern und in den sozialen Medien wie eine Normalität behandelt werden. Die Soziologin Laura Wiesböck analysiert diesen Trend so treffend und das mit einer klaren Sprache. Wobei ich mich wirklich an der Gendersprache störe. Sie hemmt schlicht und ergreifend den Lesefluss. Wenn vier Wörter in Folge mit dem Doppelpunkt agieren, dann nervt es nur noch. Aber zurück zum Inhalt: die Autorin beleuchtet unter anderem die laxe Verwendung von Begriffen wie ‚toxisch‘, ‚Trauma‘ und ‚triggern‘. Sie werden aus dem therapeutischen und psychiatrischen Kontext in die Alltagssprache gebracht und verlieren dort ihre eigentliche Bedeutung. Hier findet eine Verwässerung statt. Psychische Krankheiten werden vermarktet, „normale“ psychische Verletzungen werden zu selbst getroffenen Diagnosen hochstilisiert. All dies schadet den wirklich psychisch Erkrankten. Die Autorin nimmt auch das Gesundheitssystem unter die Lupe, das immer mehr Eigenverantwortung auf das Individuum schiebt, denn man ist selbst für die Heilung und Gesundung zuständig. Ich bin der Meinung, dass die Autorin hier ein wirklich wichtiges Thema durchleuchtet hat und ihr Buch zum Nachdenken anregt. Dabei ist sie politisch fast schon überkorrekt unterwegs…mir war es an diesen Stellen zu viel. Dennoch ein empfehlenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Berlins unterschiedliche Gesichter

Skin City
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Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Johannes Groschupf eröffnet in ‚Skin City‘ mehrere Handlungsstränge, die sich im Laufe der Geschichte miteinander verbinden. Einmal haben wir den aus Tiflis ...

Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Johannes Groschupf eröffnet in ‚Skin City‘ mehrere Handlungsstränge, die sich im Laufe der Geschichte miteinander verbinden. Einmal haben wir den aus Tiflis stammenden Koba, der mit seinen Helfern Häuser in den Randgebieten von Berlin ausraubt. Sein Traum ist es allerdings nach Kanada zu gehen, wo er auf ein besseres Leben hofft. Dann begleiten wir Jacques Lippold, der eben erst aus dem Gefängnis entlassen wurde und nun das ganz große Geld machen will. Er schafft es schnell sich unter die Reichen in der Kunstszene zu mischen. Zuletzt ist da noch Romina Winter, eine Polizistin, die mit der Aufklärung der Einbrüche beauftragt wird und zugleich ihre verschwundene Schwester sucht. Mir gefällt der Schreibstil, der sowohl das Berlin der Underdogs als auch das Berlin der Schönen und Reichen einfängt und diese beiden Eindrücke nebeneinander stellt. Koba und Jacques sind gut gezeichnet und ich habe ihre Parts gerne gelesen. Allerdings konnte ich mit Romina weniger anfangen. Ist sie nun so tough wie am Anfang des Buches beschrieben oder doch eher unprofessionell wie im Laufe der Geschichte? Gerade bei ihr ist mir die Geschichte zu Klischee beladen und darunter leidet auch der Schluss des Romans. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch gerne gelesen und fand es interessant.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Ein melancholischer Roman

Rückkehr nach Budapest
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Marta stammt aus Ungarn. Sie beschließt ihre Cousine Theresa in Ostberlin zu besuchen, da sie es zu Hause nicht mehr aushält. Die Mutter hat die Familie verlassen und der Vater kämpft mit einem Alkoholproblem. ...

Marta stammt aus Ungarn. Sie beschließt ihre Cousine Theresa in Ostberlin zu besuchen, da sie es zu Hause nicht mehr aushält. Die Mutter hat die Familie verlassen und der Vater kämpft mit einem Alkoholproblem. Sie lernt in Berlin unter anderem Konstantin kennen. Er ist Schriftsteller und bewegt sich in regimekritischen Kreisen. Er selbst ist schwer zu durchschauen. Marta fühlt sich von Anfang an zu ihm hingezogen. Es scheint eine Verbindung zwischen ihr und Konstantin zu geben, dennoch ist er mehr an der extrovertierten Theresa interessiert.
Wir begleiten Marta in ihren jungen Jahren und auch in ihrer aktuellen Lebenssituation. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart hat mir gut gefallen. Der historische Hintergrund ist interessant. Mir war bisher nicht bewusst wie unterschiedlich der Kommunismus in Ungarn und in der DDR gelebt wurde. Die Atmosphäre in den verrauchten Kneipen, bei konspirativen Treffen und in heruntergekommenen Wohnungen wird von Nikoletta Kiss sehr gut eingefangen. Das Buch liest sich leicht und flüssig. Allerdings konnte mich die Geschichte dieser schwierigen Freundschaft und einer Dreiecksbeziehung nicht so richtig fesseln beziehungsweise berühren. Das Geschehen fühlte sich stets distanziert an und damit wird mir das Buch wahrscheinlich auch nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben. Dennoch ist es lesenswert, vor allem wenn man sich für die Vorwendezeit interessiert und auch der Literatur zugetan ist.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Ein feinfühliger und melancholischer Roman

Die Tage nach dem Pflaumenregen
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Die Geschichte um Suchi und Haiwen beginnt im Jahre 1938 in Shanghai. Die beiden gehen zusammen zur Schule und sind Nachbarn. Ihre Freundschaft wandelt sich im Laufe der Zeit in Liebe. Dann verlässt Haiwen ...

Die Geschichte um Suchi und Haiwen beginnt im Jahre 1938 in Shanghai. Die beiden gehen zusammen zur Schule und sind Nachbarn. Ihre Freundschaft wandelt sich im Laufe der Zeit in Liebe. Dann verlässt Haiwen plötzlich Shanghai, um zur Armee zu gehen. Er tut dies, damit sein Bruder nicht gehen muss. Suchi und Haiwen werden sich 60 Jahre lang nicht mehr sehen. Ihr Zusammentreffen findet in den USA im Jahr 2008 statt. Es besteht immer noch eine tiefe Verbundenheit zwischen den beiden. Suchi beginnt mit ihrer Erzählung 1938, während Haiwen mit seiner im Jahr 2008 anfängt und sie sich zeitlich aufeinander zubewegen. Neben den Hauptprotagonisten liegt der Augenmerk der Autorin auf Traditionen, politischen Unruhen und vor allem dem chinesisch-japanischen Krieg. Und so sind es genau diese Faktoren, die das Leben der Figuren stark beeinflussen. Die Autorin spannt damit einen großen Bogen über mehrere Jahrzehnte. Der Schreibstil ist elegant, bildhaft und sehr schön. Dennoch war es mir manchmal zu ausschweifend. Probleme hatte ich mit den Namen, die einem als Europäer nicht geläufig sind und die sich im Hochchinesischen und im Shanghaier Dialekt unterscheiden. Dazu kommen Spitznamen, die es noch verwirrender gestalten. Ich habe das Hörbuch gehört und da fiel es mir besonders schwer zu folgen. Der ruhige Roman wird von beiden Sprechern gut vorgetragen, wobei ich der Sprecherin lieber zugehört habe. Für mich ist dies ein tiefgründiger Roman, der einen interessanten Einblick in die Kultur der Chinesen, ihre Geschichte und Traditionen gibt. Dazu kommt noch eine tragische Liebesgeschichte. Insgesamt ein feinfühliger Roman mit einem Hauch Melancholie.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Neuanfang

Blumen im Schuh
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Elisabeth ist seit vielen Jahren mit Wolfgang verheiratet. Sie wohnen in einem schönen Haus, gehen in ihrer Freizeit zum Golfen, sonntags in die Kirche und alles scheint perfekt. Bis zu dem Tag, an dem ...

Elisabeth ist seit vielen Jahren mit Wolfgang verheiratet. Sie wohnen in einem schönen Haus, gehen in ihrer Freizeit zum Golfen, sonntags in die Kirche und alles scheint perfekt. Bis zu dem Tag, an dem sie Wolfgang mit einer anderen Frau entdeckt. Elisabeth ist von dem Seitensprung tief verletzt, aber das ist nicht alles, denn nach und nach erkennt sie, dass eigentlich gar nichts mehr in der Ehe in Ordnung ist. Die bittere Erkenntnis und der Schmerz werden durch ihre Schwägerin Anja aufgefangen. Sie bietet Elisabeth Unterschlupf und zeigt ihr ein ganz anderes Leben.
Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, was unter anderem an dem angenehmen und flüssigen Schreibstil von Annette Spratte liegt. Zudem hat die Autorin nicht nur die Hauptprotagonisten, sondern auch die Nebenfiguren authentisch gestaltet. Es hat mir gefallen, wie Elisabeth langsam zu sich findet und der Realität ins Gesicht blickt. Auch der Wechsel zwischen Gefühlen des Neubeginns und des Scheiterns empfinde ich als glaubwürdig. Der Roman ist zwischen Tiefgründigkeit und Leichtigkeit aufgespannt, und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Allerdings war es mir am Ende zu klischeehaft und fast schon kitschig. Irgendwie einfach zu viel des Guten. Dennoch ist es für mich ein lesenswertes Buch mit Wohlfühlfaktor.

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