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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2025

Ein wunderbares Buch

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Ganz adrett steht es da, in meinem Regal. Herausfordernd blickt sie mich an. Die Dame auf dem Cover. Und ich merke: Das kleine Büchlein geb ich nicht mehr her. Der Debütroman von Sarah Lorenz ist voller ...

Ganz adrett steht es da, in meinem Regal. Herausfordernd blickt sie mich an. Die Dame auf dem Cover. Und ich merke: Das kleine Büchlein geb ich nicht mehr her. Der Debütroman von Sarah Lorenz ist voller Leben, Schmerz, Liebe. So viel mehr, als man in einem Leben ertragen kann. Aber man muss. Und wenn es nicht mehr geht, hilft Mascha.

Das Buch ist auch eine Hommage an die Dichterin Mascha Kaleko, deren Gedichte die einzelnen Kapiteln einleiten. Kaleko kannte ich noch nicht. Aber ihre Gedichte gefallen mir sehr. Sowohl Kaleko als auch Lorenz schreiben mit einer gewissen Leichtigkeit über die großen, schweren Themen es Lebens.

Es bleibt das Gefühl, dass das Leben neben all seiner Hässlichkeit auch Liebe bereithält. Ebenso Freundschaft und großartige Literatur.

Das Buch hat allerdings auch eine Trigger-Warnung zu Beginn. Es werden wirklich sehr viele schmerzhafte Themen behandelt.Trotz der Leichtigkeit in der Sprache musste ich an einigen Stellen schlucken. Vor allem das Verhältnis der Ich-Erzählerin zu ihren Eltern hat mich lange beschäftigt. Sie versteht ihre Mutter rational aber ist nicht in der Lage ihr emotional zu verzeihen. Anderseits versteht sie rational dass ihr Vater ein Ars… ist, und ihre Mutter eigentlich missbraucht hat, aber emotional hat sie sich mit ihm versöhnt und konnte eine gute Beziehung zu ihm aufbauen.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Wien - Stadt der Schmuggler

Internationale Zone
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Der Picus Verlag hat sich richtig ins Zeug gelegt und eine wunderschöne Neuausgabe von Milo Dors und Reinhard Federmanns „Internationale Zone“ auf dem Markt gebracht. Das Büchlein kommt im Leineneinband ...

Der Picus Verlag hat sich richtig ins Zeug gelegt und eine wunderschöne Neuausgabe von Milo Dors und Reinhard Federmanns „Internationale Zone“ auf dem Markt gebracht. Das Büchlein kommt im Leineneinband und mit einem Lesebändchen daher. Garniert wird das ganze durch ein Nachwort das den Roman historisch einordnet.

Das Buch entstand in den 50er Jahren, also ca. zur Zeit als die Geschichte spielt. Trotz seines Alters ist der Roman alles andere als angestaubt. Dafür sorgt ein harter, schneller Erzählstil. Der Roman orientiert sich an den amerikanischen Hard Boiled Krimis. Tiefgreifende Figurenzeichnungen darf man natürlich nicht erwarten. Aber allzu einseitig sind die Figuren auch nicht, sie hätten oft auch die Möglichkeit gehabt Entscheidungen anders zu treffen.

Das das Buch so alt ist, ist ein Plus für mich. Historische Romane die erst in den letzten Jahren oder Jahrzehnten spielen betrachten die Dinge oftmals aus heutiger Sicht und/oder verklärt.

Für Fans vom dritten Mann, hard boiled Krimis und Lesern die gerne einen authentischen Krimi der in der Wiener Nachkriegszeit spielt, lesen ein Muss.

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Moderner Blick auf das Phänomen der Ekstase

Berauscht der Sinne beraubt
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„Berauscht der Sinne beraubt“ bietet einen eindrucksvollen Überblick über einige, hauptsächlich historische Themen, die die Autorin mit Ekstase in Bezug setzt. Bereits im Vorwort wird vorweg genommen, ...

„Berauscht der Sinne beraubt“ bietet einen eindrucksvollen Überblick über einige, hauptsächlich historische Themen, die die Autorin mit Ekstase in Bezug setzt. Bereits im Vorwort wird vorweg genommen, dass das Buch lediglich einen Ausschnitt behandeln kann und persönlich ist. Racha Kirakosian ist Professorin für Mediävistik, dementsprechend Geschichts- und Religionslastig ist das Buch ausgefallen.

Wahnsinnig spannend fand ich den moderne Blick auf die früheren Interpretationen von Ekstase. Sowohl zur Zeit, als bestimmte Phänomene auftraten, als auch Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später. Es zeigt sich eindrucksvoll, dass die Interpretation und der Fokus teilweise mehr über den Autor und seine Zeit als über das beschriebene Ereignis selbst aussagen.

Obwohl das Buch über 300 Seiten hat, werden bestimmte Themen wie die goldenen 20er, Künstler die die Ekstase suchten, und Wissenschaftler, Mathematiker die ihre Werke als göttliche Eingebung ansahen, nicht oder kaum berührt. Das liegt daran, dass das Buch in die Tiefe, nicht in die Breite geht.

Assoziationen an meine Studienzeit wurden geweckt. Das Buch erinnerte mich aufgrund seiner Tiefe und den immer wiederkehrenden Ausschnitten aus Originaltexten an ein geisteswissenschaftliches Seminar. Im besten Sinne. Spannend, lehrreich, tiefgehend, augenöffnend. Aber auch nichts zur Berieselung oder für Zwischendurch. Ich hätte nicht wenig Lust wieder studieren zu gehen und ein Seminar oder eine Vorlesung bei Racha Kirakosian zu belegen.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Aus dem Leben eines kleinen Widders

Widder Willi will aber!
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„Willi Widder will aber“ ist ein herzallerliebst gezeichnetes Kinderbuch um Kinder durch die Trotzphase zu helfen. Die Hauptfigur, der kleine Widder Willi hat einen starken Willen. Doch leider funktionieren ...

„Willi Widder will aber“ ist ein herzallerliebst gezeichnetes Kinderbuch um Kinder durch die Trotzphase zu helfen. Die Hauptfigur, der kleine Widder Willi hat einen starken Willen. Doch leider funktionieren die Dinge oft nicht so wie er will. Selbst dann, wenn alle tun was er will. Willi versteht nicht warum das so ist.

Die meisten Kinder werden sich mit Willi identifizieren können. Und Eltern ihre Kinder in Willi wiedererkennen.

Das Buch glänzt vor allem durch seine liebevollen Illustrationen und lustigen Einfälle. Die Schwächen liegen meiner Meinung nach beim Text. Dieser ist streckenweise zu lang und kompliziert für ein kleines Kind. Das Buch wird ja ab drei beworben.
Für größere Kinder ist es sicher besser geeignet, zumal man dann auch das Verhalten von Willis Bezugspersonen besser reflektieren kann.

Die Geschichte an sich hat mir gut gefallen. Man merkt, dass Willi es nicht böse meint. Das Cover zeigt wo es lang geht und ist witzig und süß gleichermaßen.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Eine Geschichte über Gewalt

Sing mir vom Tod
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Beim Zuklappen des Buchdeckels rast mein Herz immer noch. So sehr hat die Geschichte mich gefesselt, so tief war ich drinnen.

Ivy Pochoda ist eine verd*mmt gute Geschichtenerzählerin. Aber „Sing mir vom ...

Beim Zuklappen des Buchdeckels rast mein Herz immer noch. So sehr hat die Geschichte mich gefesselt, so tief war ich drinnen.

Ivy Pochoda ist eine verd*mmt gute Geschichtenerzählerin. Aber „Sing mir vom Tod“ ist nichts für schwache Nerven und Mägen. Zu drastisch sind die Gewaltdarstellungen, zu häufig kommt es zu sinnlosen Gewaltausbrüchen. Ja, ich musste das Buch zur Hälfe weglegen, weil ich eine Pause brauchte.

Im Zentrum stehen zwei Frauen. Florence „Florida“ Baum und Dios. Während Florida noch versucht ihren Gefängnisnamen abzustreifen und wieder in ihre alte Identität zu schlüpfen, weiß Dios schon längst dass es kein zurück mehr gibt. Auch für Florida nicht. Im zweiten Teil begegnen wir zusätzlich der Ermittlerin Lobos. Auch sie weiß mehr über Gewalt als ihr lieb ist.

Das Buch und die Figuren sind spannend. Ihre Geschichte düster und faszinierend. All das spielt vor dem Hintergrund der Pandemie. Man findet durchaus auch gesellschaftskritische Töne. Das ganze Spektrum der Gewalt wird durchgespielt: Neben körperlicher auch verbale durch Herabsetzung. Oder durch Verniedlichung.

Im Grunde geht es um Macht. Die Macht die ein älterer Mann über junge, naive Frauen hat. Die Macht die Männer durch ihre Hilfsbereitschaft dem schwachen Geschlecht gegenüber haben. Die Macht, die Drogen über uns haben. Die Macht die uns unsere Stellung, unser Beruf geben. Gewalt ist dann oft ein Mittel zur Selbstermächtigung der Hilflosen. Eine Entschuldigung ist das freilich nicht. Pochoda macht nicht den Fehler Gewalt zu Glorifizieren oder als ausweglos darzustellen.

Das Cover erinnert an einen Western und passt gut zur Geschichte.

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