Platzhalter für Profilbild

tinten_fischchen

aktives Lesejury-Mitglied
offline

tinten_fischchen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tinten_fischchen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.05.2025

Poetisch und emotional mitreisend

Der Kaiser der Freude
0

Ocean Vuong ist einer der interessantes Lyriker unserer Zeit. Ein junger Mann der Sätze schreibt, die so geschliffen wirken, als hätte er jahrhundertelang an ihnen gefeilt. Die Geschichte selbst, gespeist ...

Ocean Vuong ist einer der interessantes Lyriker unserer Zeit. Ein junger Mann der Sätze schreibt, die so geschliffen wirken, als hätte er jahrhundertelang an ihnen gefeilt. Die Geschichte selbst, gespeist aus seinen eigenen Erfahrungen, hat etwas banales. Es werden Schicksale erzählt, wie es sie wohl Millionenfach gibt auf dieser Welt. Und doch vermag Vuong diesem Existieren, dem die aus Hollywood bekannte Größe und das große Happy End fehlt, Würde zu geben. Vuongs Blick auf die Abgehängten und an den Rand der Gesellschaft gedrängten ist von einer ungewohnten Zärtlichkeit. Der Autor nimmt uns mit in marode Häuser, heruntergekommen Fast-Food-Restaurants, Schlachthöfe und sogar Mülltonnen. Immer wieder findet man Solidarität dort wo man es am wenigsten erwartet hätte.

Auch wenn das Buch zur Zeit der Präsidentschaft von Barack Obama spielt, ist es ein Abgesang auf den American Dream. Die einzelnen Kapiteln erinnern manchmal an Kurzgeschichten, sind teils grausam, teils komisch, teils brutal und oft eine Mischung aus all dem und noch soviel mehr.

Als Leser braucht man anfangs etwas Zeit um mit der ungewohnt überladenen, sinnlichen Sprache warm zu werden. Es ist kein Buch zum schnell mal durchlesen, es ist ein Buch mit dem man sich auseinandersetzen und das man manchmal auch erst sacken lassen muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2025

Wunderschön und nicht nur für Kinder

Raus in die Natur! Alles, was du über Camping, Wandern und Backpacking wissen musst
0

Der erste Eindruck beim Auspacken: Wow. Das Buch ist riesig. Und wie schön ist bitte erst der Einband. Aber schon nach einigen Stunden in den nicht gerade zimperlichen Kinderhänden zeigen sich ...

Der erste Eindruck beim Auspacken: Wow. Das Buch ist riesig. Und wie schön ist bitte erst der Einband. Aber schon nach einigen Stunden in den nicht gerade zimperlichen Kinderhänden zeigen sich die ersten Abnützungen. Die Ecken und Kanten haben Farbe verloren und der Kleber an einer Ecke des Innencovers löst sich. Passt aber auch zur Retro-Aufmachung des Buches. Aber als Reisebegleiter wäre das in China hergestellte Buch wohl zu fragil.

Das Buch ist wirklich schön. Die liebevollen Zeichnungen laden ins Abenteuer und zum Träumen ein. Auch auf Inklusion wurde in den Bildern Wert gelegt. Wobei mir ein wenig die nicht perfekten, jungen Eltern mit Top-Figur fehlen. Nicht mal für einen Glatzen- oder Brillenträger hat es gereicht.

Der Text richtet sich nicht nur an Kinder sondern ist auch für Erwachsene geeignet. Selbst fortgeschrittene Themen wie Feuer machen und das Campen in Nähe von hungrigen Tieren werden behandelt. Der Text versprüht Ehrfurcht vor der Natur und mahnt stets zu Rücksicht auf andere.

„Raus in die Natur“ macht richtig Lust den Rucksack auszupacken. Bei Kindern weckt es zudem die Lust aufs Abenteuer und es kann passieren, dass diese mit einer mehrstündigen Almwanderung bald nicht mehr zufrieden sind. Denn da gibt es ja kein Lagerfeuer und keine Bären.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2025

Ein wunderbares Buch

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
0

Ganz adrett steht es da, in meinem Regal. Herausfordernd blickt sie mich an. Die Dame auf dem Cover. Und ich merke: Das kleine Büchlein geb ich nicht mehr her. Der Debütroman von Sarah Lorenz ist voller ...

Ganz adrett steht es da, in meinem Regal. Herausfordernd blickt sie mich an. Die Dame auf dem Cover. Und ich merke: Das kleine Büchlein geb ich nicht mehr her. Der Debütroman von Sarah Lorenz ist voller Leben, Schmerz, Liebe. So viel mehr, als man in einem Leben ertragen kann. Aber man muss. Und wenn es nicht mehr geht, hilft Mascha.

Das Buch ist auch eine Hommage an die Dichterin Mascha Kaleko, deren Gedichte die einzelnen Kapiteln einleiten. Kaleko kannte ich noch nicht. Aber ihre Gedichte gefallen mir sehr. Sowohl Kaleko als auch Lorenz schreiben mit einer gewissen Leichtigkeit über die großen, schweren Themen es Lebens.

Es bleibt das Gefühl, dass das Leben neben all seiner Hässlichkeit auch Liebe bereithält. Ebenso Freundschaft und großartige Literatur.

Das Buch hat allerdings auch eine Trigger-Warnung zu Beginn. Es werden wirklich sehr viele schmerzhafte Themen behandelt.Trotz der Leichtigkeit in der Sprache musste ich an einigen Stellen schlucken. Vor allem das Verhältnis der Ich-Erzählerin zu ihren Eltern hat mich lange beschäftigt. Sie versteht ihre Mutter rational aber ist nicht in der Lage ihr emotional zu verzeihen. Anderseits versteht sie rational dass ihr Vater ein Ars… ist, und ihre Mutter eigentlich missbraucht hat, aber emotional hat sie sich mit ihm versöhnt und konnte eine gute Beziehung zu ihm aufbauen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2025

Wien - Stadt der Schmuggler

Internationale Zone
0

Der Picus Verlag hat sich richtig ins Zeug gelegt und eine wunderschöne Neuausgabe von Milo Dors und Reinhard Federmanns „Internationale Zone“ auf dem Markt gebracht. Das Büchlein kommt im Leineneinband ...

Der Picus Verlag hat sich richtig ins Zeug gelegt und eine wunderschöne Neuausgabe von Milo Dors und Reinhard Federmanns „Internationale Zone“ auf dem Markt gebracht. Das Büchlein kommt im Leineneinband und mit einem Lesebändchen daher. Garniert wird das ganze durch ein Nachwort das den Roman historisch einordnet.

Das Buch entstand in den 50er Jahren, also ca. zur Zeit als die Geschichte spielt. Trotz seines Alters ist der Roman alles andere als angestaubt. Dafür sorgt ein harter, schneller Erzählstil. Der Roman orientiert sich an den amerikanischen Hard Boiled Krimis. Tiefgreifende Figurenzeichnungen darf man natürlich nicht erwarten. Aber allzu einseitig sind die Figuren auch nicht, sie hätten oft auch die Möglichkeit gehabt Entscheidungen anders zu treffen.

Das das Buch so alt ist, ist ein Plus für mich. Historische Romane die erst in den letzten Jahren oder Jahrzehnten spielen betrachten die Dinge oftmals aus heutiger Sicht und/oder verklärt.

Für Fans vom dritten Mann, hard boiled Krimis und Lesern die gerne einen authentischen Krimi der in der Wiener Nachkriegszeit spielt, lesen ein Muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.02.2025

Moderner Blick auf das Phänomen der Ekstase

Berauscht der Sinne beraubt
0

„Berauscht der Sinne beraubt“ bietet einen eindrucksvollen Überblick über einige, hauptsächlich historische Themen, die die Autorin mit Ekstase in Bezug setzt. Bereits im Vorwort wird vorweg genommen, ...

„Berauscht der Sinne beraubt“ bietet einen eindrucksvollen Überblick über einige, hauptsächlich historische Themen, die die Autorin mit Ekstase in Bezug setzt. Bereits im Vorwort wird vorweg genommen, dass das Buch lediglich einen Ausschnitt behandeln kann und persönlich ist. Racha Kirakosian ist Professorin für Mediävistik, dementsprechend Geschichts- und Religionslastig ist das Buch ausgefallen.

Wahnsinnig spannend fand ich den moderne Blick auf die früheren Interpretationen von Ekstase. Sowohl zur Zeit, als bestimmte Phänomene auftraten, als auch Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später. Es zeigt sich eindrucksvoll, dass die Interpretation und der Fokus teilweise mehr über den Autor und seine Zeit als über das beschriebene Ereignis selbst aussagen.

Obwohl das Buch über 300 Seiten hat, werden bestimmte Themen wie die goldenen 20er, Künstler die die Ekstase suchten, und Wissenschaftler, Mathematiker die ihre Werke als göttliche Eingebung ansahen, nicht oder kaum berührt. Das liegt daran, dass das Buch in die Tiefe, nicht in die Breite geht.

Assoziationen an meine Studienzeit wurden geweckt. Das Buch erinnerte mich aufgrund seiner Tiefe und den immer wiederkehrenden Ausschnitten aus Originaltexten an ein geisteswissenschaftliches Seminar. Im besten Sinne. Spannend, lehrreich, tiefgehend, augenöffnend. Aber auch nichts zur Berieselung oder für Zwischendurch. Ich hätte nicht wenig Lust wieder studieren zu gehen und ein Seminar oder eine Vorlesung bei Racha Kirakosian zu belegen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere