Profilbild von DetlefKnut

DetlefKnut

Lesejury Star
offline

DetlefKnut ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit DetlefKnut über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2025

hochbrisant und aktueller denn je

Das Vaterland
0

Dieder Roman von Heinz Liepmanns zählt zu den älteren Werken, da er erstmals 1933 von einem deutschen Juden im Exil verfasst wurde. Die besondere Relevanz des Romans liegt in seiner brisanten Aktualität, ...

Dieder Roman von Heinz Liepmanns zählt zu den älteren Werken, da er erstmals 1933 von einem deutschen Juden im Exil verfasst wurde. Die besondere Relevanz des Romans liegt in seiner brisanten Aktualität, die sich angesichts des zunehmenden Einflusses der AfD und des umstrittenen US-Präsidenten zeigt. Diese Aktualität vermag durchaus zu beunruhigen.

Zur Weihnachtszeit im Jahr 1932 sticht das kleine Fischereischiff mit elf Besatzungsmitgliedern in See, um Heringe zu fangen. Nach drei Monaten kehrt die „Kulm“ schließlich nach Hamburg in ihren Heimathafen zurück. In der Zwischenzeit wurde Adolf Hitler Ende Januar zum Reichskanzler ernannt. Die Seeleute kehren in ein Deutschland zurück, das sich seit ihrer Abreise an Weihnachten stark verändert hat.

Die Mannschaft der „Kulm“ setzt sich aus Mitgliedern mit verschiedenen sozialen und weltanschaulichen Hintergründen zusammen, darunter Sozialdemokraten, Kommunisten, Juden und Nationalsozialisten. Diese Differenzen spielten bisher auf See keine Rolle, da sie alle ihre Pflicht als Seeleute erfüllen und miteinander auskommen mussten. Die Situation ändert sich jedoch, als sie sich Hamburg nähern und einen Mann aus dem Wasser retten.

In diesem Roman, in dem es nicht nur einen Protagonisten gibt, werden in verschiedenen, sehr packenden Episoden die Schicksale einiger Besatzungsmitglieder erzählt. Nun sind die Nationalsozialisten an der Macht und herrschen mit Gewalt und Willkür.

Heinz Liepman beschreibt unerbittlich, wie die Besatzungsmitglieder mit den neuen Machtgefügen konfrontiert werden. Stellenweise sind diese Beschreibungen sehr schonungslos, insbesondere wenn die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten dargestellt wird. Neben den schockierenden Begegnungen mit den Nazis thematisiert der Autor auch die persönlichen Konflikte der Betroffenen. So wird zum Beispiel die Geschichte eines Mannes erzählt, der eine Jüdin geheiratet hat und selbst zum Nazi wird, was zu Konsequenzen für die Ehe führt. Die Frau entscheidet sich dazu, sich scheiden zu lassen, doch selbst der Anwalt, der sie seit Jahren kennt, verweigert ihr jegliche Hilfe, weil er jetzt ebenfalls ein Nazi ist. Für die Frau scheint es keinen Ausweg mehr zu geben.

Die Schicksale sind äußerst belastend und im Grunde geht es für jeden der Betroffenen nur um das nackte Überleben in dieser gewalttätigen und menschenverachtenden Gesellschaft. Dies könnte auch auf denjenigen angewendet werden, der rasch zu einem höheren Rang als Verbrecher bei der SA aufgestiegen ist.

Der Schriftsteller, der von 1905 bis 1966 lebte, konnte durch die Schilderung von Szenen wie dem Erwachen des Hamburger Hafens oder der Fahrt der „Kulm“ die Elbe hinauf, Emotionen bei den Lesern wecken, jenseits des reinen Handlungsablaufs.

Die Thematik dieses Buches hat mich besonders betroffen und immer wieder in bestimmten Szenen an die gegenwärtigen Ereignisse in Deutschland und weltweit erinnert. »Das Vaterland« ist ein aufrüttelnder Roman, der eindringlich vor Augen führt, was geschehen kann. Seine Erzählungen sind wie ein Geschichtslektion, die sich jedem tief ins Gedächtnis einprägen sollte.

Der Pendragon Verlag hat diesen Roman erneut veröffentlicht, was großartig ist. Durch kleine Anpassungen in der Sprache ist er nun auch für junge Leser gut lesbar.

Wilfried Weinke verfasste ein zwanzigseitiges Nachwort, das das Leben und Werk von Heinz Liepman beschreibt und in den historischen Kontext einordnet.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 ist ein düsteres Kapitel unserer Geschichte, das auch heute noch Angst und Schrecken auslösen kann. Die schonungslose Beschreibung der damaligen Ereignisse zeigt, wie das Schicksal vieler Menschen durch Manipulation und Gewalt beeinflusst wurde. Diese Geschichten wecken Emotionen und machen die Vergangenheit für uns greifbar. Durch eine moderat angepasste Sprache wird die Geschichte lebendig und spannend, auch für heutige Generationen. Die Aktualität dieser Themen ist unbestreitbar und verlangt danach, dass wir sie nicht vergessen. Offanbar wurden die Lehren aus der Vergangenheit nicht gezogen. Dabei sollten sie dafür sorgen, dass sich solche Gräueltaten niemals wiederholen. Folgt unseren Social Media Accounts, um auch über andfere lesenswerte Romane informiert zu werden!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 13.03.2025

die düsteren Geheimnisse der Familien

Ein ungezähmtes Tier
0

Mit seinem neuen Roman erleben wir Joël Dicker in seiner einzigartigen brillianten Form des Schreibens. Die Choreografie der Szenen und Kapitel dieses Romans, der durchaus auch zu den Thrillern gezählt ...

Mit seinem neuen Roman erleben wir Joël Dicker in seiner einzigartigen brillianten Form des Schreibens. Die Choreografie der Szenen und Kapitel dieses Romans, der durchaus auch zu den Thrillern gezählt werden kann ist so berauschend, dass man gar nicht möchte, dass er auch ein Ende hat.

Zunächst gibt es die Gegenwart. Als Leser erfährt man von dem Überfall auf ein Juweliergeschäft. In sehr kurzen Kapiteln ist man hautnah dabei und liest, wie die Täter dabei vorgehen.

Dann gibt es die Handlung, die zwanzig Tage vor dem Raubüberfall beginnen. In dieser Handlung geht es um zwei Ehepaare mit KIndern, die am Rande Genfs wohnen. Eines der Paare ist offenbar extrem reich und lebt in einer Villa wie in einem Glashaus. Das andere Paar wäre gern so reich, ihr Haus wird im Stadtgebiet als Warze bezeichnet.

Der Ehemann von Warze begehrt die Ehefrau von Glashaus. Begehren mag untertrieben sein. Er stalkt sie regelrecht. Er hat sogar seinen Joggingplan umgestellt, nur um die Frau länger und besser beobachten zu können aus dem an das Grundstück angrenzenden Wald. Seine Frau weiß davon natürlich nichts, aber es passt ihr gar nicht, dass sich seine Laufzeiten geändert haben und er sich deshalb morgens nicht mehr um die Kinder kümmert.

Es ergeben sich mehrer spannende Fragen, die unbedingt einer Klärung bedürfen. Was geschieht mit dem Verhältnis der jeweligen Ehepartner untereinander? Was geschieht in der Beziehung der beiden Ehepaare zueinander? Welche Rolle spielen die beiden Ehepaare bei dem Raubüberfall, auf den es unweigerlich von Tag zu Tag hinausläuft?

Die Stärke von liegt in der kreativen Konstruktion eines Romans, wie er es bereits mit seinem Debüt »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« und anderen Romanen wie »Die Affäre Alaska Sanders« bewiesen hat. Man mag es mir verzeihen, dass ich erneut auf den außergewöhnlichen Plot eingehe, aber dies ist nunmal das Markenzeichen dieses Schriftstellers. Einen solchen Plot zu schaffen ist nicht jedermanns Sache.

Dieser ungewöhnliche und besondere Plot wird zusätzlich durch den Drucksatz, der sich auch im E-Book widerspiegelt, unterstützt. Die Tage bis zum Raubüberfall sind im jeweiligen Titelbild des Kapitels aufgelistet und durchgestrichen, was bislang schon geschehen ist. Der zweitliche Ablauf erfolgt zwar chronologisch, was den Raubüberfall angeht. Aber ansonsten werden viellerlei Rückblenden präsentiert, die meherere Jahr zurückgehen. Die Geschehnisse in den Rückblende sind als Hintergrundinformationen unwiderlegbar wichtig für das Verständnis der Handlungen in der Gegenwart.

Auf besondere Art werden die einzelnen Hauptpersonen vorgestellt. Dies geschieht meist in einer Rückblende und mit einer Geschichte, die man losgelöst auch wie eine Kurzgeschichte lesen könnte. Es sind Anekdoten und Szenen aus dem Leben der jeweiligen Figur, die einem noch eine besondere Freude machen.Nicht zu vergessen natürlich, dass man in der Gestalt einer kleinen Geschichte erfährt, was es mit dem ungezähmten Tier auf sich hat und warum einem gleich zu Beginn das Tatoo mit dem Panther so besonders vorkommt.

Die Lokalität des Romans bietet zusätzlich ihren eigenen Reiz: Genf, Saint-Tropez, Nizza, San Remo usw. Ich ließ dabei Filmmusiken aus den 1960ern und 1970er Jahren laufen, die mich zusätzlich in eine ganz besondere Stimmung beim Lesen brachten. Ich schmeckte und roch quasi die Cocktails, bekam ein Gefühl von Dabeisein.

Es entfaltet sich in diesem stimmungsvollen Roman »Ein ungezähmtes Tier« ein fesselndes Geflecht aus kurzen Geschichten, die die Hauptfiguren lebendig machen. Die Rückblenden führen auf eine emotionale Reise in die Vergangenheit der Protagonisten und verleihen ihren gegenwärtigen Entscheidungen Tiefe. Mit einer geschickten und langsamen Hinführung zum dramatischen Geschehen rund um den Raubüberfall werden die Leser nahtlos in die Spannung integriert. Die actiongeladenen Auftritte des SEK bringen Adrenalin und Nervenkitzel, während die amorösen Nebenspieler die Schicksale der Hauptfiguren auf unerwartete Weise beeinflussen.

Erlebt mit »Ein ungezähmtes Tier« einen Roman, der nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Lasst euch von dieser packenden Geschichte mitreißen und entdeckt die Welt dieser Figuren, die durchaus ans Herz wachsen können. Unbedingt hineinlesen und Exemplar sichern – ein unvergessliches Leseerlebnis!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 11.03.2025

Unglaubliche Konstellation der Ermittelnden

Aachener Finsternis
0

Mit diesem Krimi habe ich mit Ingrid Davis erneut eine für mich neue Autorin kennengelernt, die weiß, wie man spannende Krimis schreibt. Aber es ist ja auch mittlerweile der zehnte Fall für die Privatdetektivin ...

Mit diesem Krimi habe ich mit Ingrid Davis erneut eine für mich neue Autorin kennengelernt, die weiß, wie man spannende Krimis schreibt. Aber es ist ja auch mittlerweile der zehnte Fall für die Privatdetektivin Britta Sander, die eng mit der Aachener Kripo zusammenarbeitet.

Der Auftakt findet statt, als zwei geflohene Schwerverbrecher aus dem Gefängnis die Stadt in Angst versetzen. Gleichzeitig wird den Lesern der heimtückische Mord an der angesehenen Geschäftsfrau Susanne Jaschke in einem belebten Parkhaus in Aachen geschildert. Dieser Fall erfordert die Expertise der Detektivin Britta Sander und des Kriminalkommissars Körber.

Hinter der Fassade einer vermeintlich glücklichen Familie entdecken sie schon bald mehr als nur ein Motiv für diesen Mord, und ein Geheimnis tritt zutage, das den Ermittlungen eine unerwartete Wendung gibt.
Als Britta nur knapp einem Anschlag entgeht, wird die Suche nach dem Täter zu einem sehr persönlichen Kräftemessen zwischen ihr und einer Verschwörung, die sich tief ins Herz der Kaiserstadt gefressen hat. Hand in Hand mit dem Ex-Gangsterboss Tom Hartwig muss Britta sich ihrem bisher finstersten Fall stellen.

In einer scheinbar glücklichen Familie stoßen die Beiden auf mehr als nur ein Motiv für den Mord. Schließlich wird ein überraschendes Geheimnis enthüllt, welches die Ermittlungen in eine ganz neue Richtung lenkt.

Aber dann wird auf Britta Sander ein Anschlag verübt. Sie selbst hat dabei großes Glück, was nicht alle Beteiligten sagen können Es beginnt ein persönlicher Kampf zwischen ihr und einer Verschwörung, die in das Herz der Kaiserstadt eingedrungen ist. Gemeinsam mit dem ehemaligen Gangsterboss Tom Hartwig steht Britta vor ihrem dunkelsten Fall, der sie tief in die Aachener Finsternis führt.

Nach meiner anfänglichen Überraschung über die enge Zusammenarbeit der Privatdetektivin mit der Aachener Polizei aufgrund von Personalmangel, war ich noch mehr erstaunt, als ich erfuhr, dass ein ehemaliger Ganove und seine Leute angeblich auf der Seite der Polizei standen. Diese raffinierte Wendung bietet aber der Krimiautorin zahlreiche Möglichkeiten für Konflikte und Spannungen innerhalb der Handlung.

Die Ermittlerin als Detektivin muss sich nicht immer an die gesetzlichen Vorgaben der Polizei halten. Die Kriminellen, die ihr helfen, können sogar weiter gehen, da sie nicht verfolgt werden, solange ihre Taten unentdeckt bleiben. Diese Handlungsmöglichkeiten sind typisch für fiktive Romane, die Spannung und Unterhaltung bieten. Wäre dies Realität, müsste man sich ernsthaft Sorgen machen.

Leser können sich auf mannigfaltige Wendungen und Überraschinen freuen. Für amoröse Abenteuer ist sich die Protagonistin auch nicht zu schade und steht zwischen den Stühlen. Und ob die aus dem Gefängnis ausgebrochenen Verbrecher etwas mit dem Mord an der Unternehmerin zu tun haben bleibt letztendlich nicht unaufgeklärt.

Die Leser dürfen sich auf zahlreiche unerwartete Ereignisse freuen. Die Hauptfigur ist bereit für romantische Abenteuer und befindet sich in einer schwierigen Situation. Es bleibt letztendlich nicht ungeklärt, ob die entflohenen Verbrecher etwas mit dem Mord an der Unternehmerin zu tun haben.

Insgesamt bietet der Aachen-Krimi mit der Privatdetektivin Britta Sander eine spannende Mischung aus Ermittlungen, unerwarteten Allianzen und romantischen Verwicklungen. Ihre enge Zusammenarbeit mit der Polizei und die überraschende Unterstützung von Gangstern zeigen, dass die Jagd nach Gerechtigkeit oft in die tiefsten Schatten der Stadt führt. Die komplexen Beziehungen, die Britta zu zwei Männern entwickelt, fügen der Geschichte eine zusätzliche emotionale Dimension hinzu und machen sie umso fesselnder.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 24.02.2025

sieben Frauenköpfe - Wer sind diese Frauen?

Die 11. Stunde
0

James Pattersons und Maxine Paetros »Die 11. Stunde« aus der Women’s Murder Club-Serie habe ich erneut im englischen Original (11th hour) gelesen. Trotz der gut lesbaren deutschen Übersetzung schätze ich ...

James Pattersons und Maxine Paetros »Die 11. Stunde« aus der Women’s Murder Club-Serie habe ich erneut im englischen Original (11th hour) gelesen. Trotz der gut lesbaren deutschen Übersetzung schätze ich die Originalsprache dieser Bücher. Auf meinem Blog gibt es bereits einen eigenen Beitrag "Spannende Thriller-Reihe: Women’s Murder Club von Patterson" über die spannende Thriller-Reihe von Patterson mit den Protagonistinnen und den besprochenen Bänden.

In gewohnter Weise werden den Lesern zwei Kriminalfälle präsentiert. Dieses Mal werden sie aber nicht von verschiedenen Figuren im Personal gelöst, sondern Lindsay Boxer bittet den Chef darum, beide Fälle bearbeiten zu dürfen, denn sie üben jeder einen besonderen Reiz auf sie aus.

In einem Fall wurde ein Cop getötet, der undercover in einer Drogengang ermittelt. Als gleich darauf weitere Drogendealer mit derselben Waffe erschossen werden, bekommt der Täter den Beinamen „Der Rächer“ und Lindsay und ihr Team kommen zu dem Schluss, dass es sich beim Täter um einen Kollegen handeln könnte, denn er scheint wesentliches INsiderwissen zu haben und die Tatwache stammt aus der Asservatenkammer.

Im anderen Fall werden in dem Anwesen eines großen und bekannten Hollywood-Stars die Totenschädel von sieben Frauen gefunden. Mit der Entdeckung des ersten Schädels startet der Roman übrigens. Die Körper bleiben allerdings verschwunden. Eine Hausdruchsuchung und auch das Umgraben im Garten bringen keinen Erfolg und das Team steht immer noch vor einem Rätsel. Aucvh ergibt sich keinerlei Hinweis auf ein Motiv. Zwar ist vor vielen Jahr die Ehefrau des Schaupielers verschwunden und er wurde kurzzeitig verdächtigt, aber dieses Verdächtigungen hatten sich später als haltlos erwiesen. Der Schauspieler hofft, dass seine Frau sich unter den jetzt aufgefunden Opfern befindet, nur damit er Gewissheit hat. Schließlich vermisst er sie immer noch.

Schließlich und endlich gibt es erneut Konflickte im privaten Umfeld des Personals, die für die Spannung im Hintergrund der Reihe sorgen. Lindsay Boxer bangt um ihren Ehemann.

Die Leser werden von den vielfältigen Erzählsträngen mitgerissen, und es können Vermutungen über potenzielle Verbindungen zwischen ihnen entstehen. Diese Dramaturgie kennen die Reihenleser bereits, während die rasch aufeinanderfolgenden kurzen Kapitel mit nur ein bis drei Seiten den Roman zu einem wahren Pageturner machen. Wirklich eine spannende Lektüre, die die Leser bis zur letzten Minute in »11th Hour« in Atem hält.

In diesem Thriller werden zwei unterschiedliche Sichtweisen genutzt, was ihn besonders faszinierend macht. Lindsay Boxer berichtet persönlich als Ich-Erzählerin über alle Geschehnisse um sie herum. Für die Szenen ohne Boxer, tritt ein allwissender Erzähler in der dritten Person auf. Beim Lesen ist es jedoch kaum bemerkbar, dass es zwei Perspektiven gibt. Nur wenn Boxer selbst erzählt, wird es etwas persönlicher. Diese Erzählweise ist normalerweise eher den Privatdetektiven in Krimis und Thrillern vorbehalten, während sie bei Polizisten von Autoren eher selten verwendet wird. Dieser spannende Thriller bietet somit eine einzigartige Sichtweise und hält den Leser bis zur letzten Minute gefesselt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 20.02.2025

die Suche nach den vermissten Mädchen

Ein Schrei, den niemand hört
0

Dieser klasse Thriller ist der Auftakt der Reihe um Detective Chief Inspector Robert Kett, seines Zeichens Experte für Vermisstenfälle. Außerdem ist er charmant, wortgewandt, risikobereit und mit seinen ...

Dieser klasse Thriller ist der Auftakt der Reihe um Detective Chief Inspector Robert Kett, seines Zeichens Experte für Vermisstenfälle. Außerdem ist er charmant, wortgewandt, risikobereit und mit seinen drei Töchtern irgendwie auch überfordert.

In den meisten britischen Krimis steht die Suche nach vermissten Personen im Vordergrund. Dies könnte entweder der Realität entsprechen oder einfach ein beliebter Trend bei britischen Autoren und Verlagen sein. Solange die Spannung erhalten bleibt, kann dies jedoch nicht schaden. Bei Alex Smith ist dies definitiv gegeben, da er auch eine ordentliche Prise Humor einbringt. Nun aber zu den Einzelheiten.

DCI Kett erreicht Norwich mit seinen drei Töchtern – Alice (8), Evie (3) und Moira (18 Monate). Er ist vorübergehend von seinem Dienst bei der Metropolitan Police London freigestellt worden. Seine Frau Billie ist seit einigen Monaten verschwunden. Trotz intensiver Bemühungen der Polizei und von Robert selbst, bleibt ihre Suche erfolglos und steckt fest. Während er nach seiner Frau sucht, hat Robert scheinbar seine Töchter vernachlässigt, die ihn jetzt mehr denn je brauchen. Daher wurde er zu einer familiären Auszeit verpflichtet, die er mit den Mädchen in seiner Heimatstadt verbringen möchte.

Als DCI Kett in Norwich eintrifft, sind zufällig zwei elfjährige Mädchen verschwunden. Die beiden hatten Zeitungen für einen Zeitungshändler ausgetragen und sind während ihrer Tour wie vom Erdboden verschluckt. Obwohl er Zwangsurlaub hat und eigentlich in einem anderen Polizeibezirk arbeitet, wird Kett dank seiner Vermissten-Superkräfte zur Rettungsaktion eingezogen. Aber niemand hört DCI Kett sagen: Ich bin dafür nicht zuständig. Denn es geht um kleine Mädchen.

Unvergleichlich finde ich die Konstellation des alleinerziehenden Vaters, den sich ALex Smith für den Krimi hat einfallen lassen. Trotzt aller Sorge um die vermisste Mutter seiner Töchter versteht der DCI die verordnete Auszeit und bemüht sich sehr auch im Rahmen der regionalen Vermisstenfälle um seine Töchter. Doch es ist schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Die eine Tochter muss in die Schule, die zweite in einen Kindergarten und für die dritte, am wenigsten einsichtige, muss er eine Kinderfrau oder eine Tagesmutter finden. Besonders Moira sorgt für sehr viele wunderbare Situationen, die einem vor Lachen die Tränen in die Augen treiben.

Für den Humor und die ungewöhlichsten Situation sorgen aber auch die anderen Figuren im Roman. Ob das nun Ketts alter Kumpel und Polizeikollege Porter ist, der offenbar keinen Tee machen kann, sich aber stets bemüht, oder der Leiter der Polizei, Superintendent Colin Clare, der laut und schnaufend wie ein Choleriker sein Amt ausfüllt und bei jedem Misserfolg durch die Decke geht. Letzterer wird schnell von der kleinen Moira „Ninosau“ genannt, weil sie wohl bei irgendjemanden aufgeschnappt hatte, dass der Superintendet als Dinausaurier bezeichnet wurde, während ihn Evie gelegentlich „Pupskopf“ nennt.

Die Hintergrundgeschichte um die verschmundene Ehefrau von Kett funktioniert bestens, um die Spannung bis zum Schluss zu halten. Dafür bedarf es nicht nur die verschwundenen Mädels in Norwich, deren Suche von einer Reihe Wendungen und Verwirrungen begleitet wird. Falsche Spuren, falsches Bauchgefühlt. Immer wieder laufen Kett und die örtliche Polizei in eine Sachgasse, auch wenn sie so manches Mal nah an dem Enmtführer dran zu sein scheinen.

Alex Smith belässt es spannungstechnisch nicht bei einm Krimi mit Ermittlungen, sondern hat einen feinen Thriller präsentiert. Schließlich lässt er Euinbblicke aus einer anderen Perspektive zu. Diese Kapitel sind wunderbar mit einer anderen Schrift hinterlegt und als Leser gewinnt man einen Blick auf die entführten Mädchen. Manchmal hat man auch das Gefühl, aus der Sicht eines Täters zu schauen. Es ist jedenfalls grauenvoll und man wünscht sich, dass Kett und die Polizei dem Treibven schnell ein Ende bereiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser humorvolle Thriller um die vermissten Mädchen und ihre schicksalhaften Begegnungen beim Zeitungsaustragen nicht nur Spannung und unerwartete Wendungen bietet, sondern auch durch die spritzigen Dialoge der drei Töchter des Protagonisten und die ständigen Überreaktionen seines cholerischen Chefs für herzhaftes Lachen sorgt. Ein echtes Vergnügen für alle, die eine Mischung aus Nervenkitzel und Humor lieben! Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, teile ihn doch auf deinen sozialen Medien und lass auch deine Freunde an diesem unterhaltsamen Abenteuer teilhaben!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere