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Veröffentlicht am 09.06.2025

„An einem schönen Tag im Herbst“ …

Geschichten aus dem Muckligwald – Geschenkbuch mit Zeichnungen von Bestseller-Illustrator Charlie Mackesy
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… kommt Oma zu Besuch, zur großen Freude der Enkelkinder.
Pam, Ida, Sam, Finn und Lynn lieben Omas Gutenacht-Geschichten. Für jedes der fünf Kinder erzählt Oma eine spezielle Geschichte aus dem Muckligwald ...

… kommt Oma zu Besuch, zur großen Freude der Enkelkinder.
Pam, Ida, Sam, Finn und Lynn lieben Omas Gutenacht-Geschichten. Für jedes der fünf Kinder erzählt Oma eine spezielle Geschichte aus dem Muckligwald und seiner Umgebung.
In ihren poetischen Versen klingt ein leiser Humor mit; sie künden von liebenswerten und weniger netten Menschen, von Tieren und verschiedenen magischen Wesen, welche die zauberhafte Gegend bewohnen. Die gereimte Form spricht Kinder oft besonders an und hat in Kathrin Köller eine hervorragende Übersetzerin gefunden. Die Autorin Vicky Cowie beschränkt sich auf den Ablauf ihrer Geschichten und die jeweilige Handlung. Ihre Beschreibungen sind weniger ausführlich; hier lässt sie ihren Lesern viel Raum für eigene Vorstellungen.
Wunderbar damit harmonieren die Illustrationen, die Charlie Mackesy kreiert hat. Auch sie sind darauf ausgerichtet, die kindliche Fantasie anzuregen. In zarten Farben ergänzen die beschwingt schwebenden Aquarelle die magische Kinderwelt Cowies. Jede einzelne Seite ist liebevoll dekoriert, ebenso wie die Vorsatzblätter des hochwertig gestalteten Kinderbuchs. Eine echte Freude, darin zu blättern und daraus vorzulesen!


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Veröffentlicht am 26.04.2025

Intensives Leseerlebnis

Beeren pflücken
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Er ist ihr Debüt und bereits mehrfach preisgekrönt: Amanda Peters hat mit „Beeren pflücken“ einen vielschichtigen, klugen Roman vorgelegt.
Die Entführung eines kleinen Mi´kmaq-Mädchens aus Kanada bildet ...

Er ist ihr Debüt und bereits mehrfach preisgekrönt: Amanda Peters hat mit „Beeren pflücken“ einen vielschichtigen, klugen Roman vorgelegt.
Die Entführung eines kleinen Mi´kmaq-Mädchens aus Kanada bildet die Rahmenhandlung. Wie das Leben danach für die Beteiligten über mehrere Jahrzehnte weitergeht, wird wechselweise aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Joe, der Bruder der Kleinen, schildert, welche Anstrengungen seine indigene Familie unternimmt, um die jüngste Tochter wiederzufinden, und wie die Eltern und Geschwister versuchen, den großen Verlust zu verarbeiten. Ruthie, die mittlerweile unter dem Namen Norma bei einem gut situierten Ehepaar in Maine lebt, berichtet aus ihrer Sicht von ihrem Heranwachsen in dieser, der Kirche sehr zugewandten Familie, von ihren Träumen und Zweifeln, bis sie - erst sehr spät im Leben - die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt.
In ruhigem Tempo, ohne Schnörkel, schreibt Peters über die sehr verschiedenen Lebenswege, Schicksalsschläge und Emotionen beider Seiten. Keine Vorwürfe und kein pathetischer Ton sind nötig, um den Leser ihre – ebenfalls sehr verschiedenen - (Alltags-)Probleme mitempfinden zu lassen, etwa den stets vorhandenen Rassismus.
Sachlich, ganz ungeschönt und ehrlich lässt sie ihre Protagonisten selbst zu Worte kommen. Dennoch spürt der Leser die Intensität, die in ihrem Roman steckt.


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Veröffentlicht am 24.02.2025

Familie und Politik

Russische Spezialitäten
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Seit seiner Kindheit leben Dmitrij und seine Familie als Spätaussiedler in Sachsen und haben sich dort eine neue Existenz aufgebaut. Ihr Магазин, ein kleines Geschäft mit ukrainischen und russischen Spezialitäten, ...

Seit seiner Kindheit leben Dmitrij und seine Familie als Spätaussiedler in Sachsen und haben sich dort eine neue Existenz aufgebaut. Ihr Магазин, ein kleines Geschäft mit ukrainischen und russischen Spezialitäten, gibt ihm ein Gefühl der Wärme und Sicherheit, bedeutet für ihn einen Rückzugsort vor den rechtsextremen Anfeindungen der neuen Umgebung. Er liebt Kiew und vor allem seine Muttersprache Russisch, die er "inhaliert".
Doch als der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ausbricht scheint ihm die Sprache das einzige zu sein, das ihn mit seiner Mutter noch verbindet; denn ihre unterschiedlichen politischen An- und Einsichten führen zu Streit. Sie bezichtigt - von russischen Propagandafilmen beeinflusst - die Ukraine als Aggressor und hält ihren Sohn für deutsch geprägt. Ob es Dmitrij gelingt, sie mit einer Reise ins Kriegsgebiet nach Kiew zu einer anderen Einstellung zu bewegen?

Ironisch und doch warmherzig schildert Kapitelman ein (stets aktuelles) Dilemma, das sicher in vielen Familien für Probleme sorgt oder sie gar spaltet: Streit um gegensätzliche politische Einstellungen. Bei aller Problematik bleibt er jedoch unterhaltsam und wunderbar lesbar.
Unaufdringlich, aber dezidiert reflektiert der Autor über die Kraft von Sprache, ihre Facetten, über Verbindendes und Trennendes. Seine Liebe zu Sprache und ihren Möglichkeiten, sich zu verständigen zeigt sich deutlich in seinem Roman: Er spielt selbst mit der Sprache und bedient sich gern auch eigener Wort-Kreationen; was seinen Schreibstil frisch und individuell macht.
Mit „Russische Spezialitäten“ trifft Kapitelman sicher einen Nerv seiner Leserschaft. большо́е спаси́бо!

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Veröffentlicht am 10.10.2024

"Das Buch Hanna"

Ein anderes Leben
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Mit dem aufschlussreichen Titel “Das Buch Hanna“ bezeichnet Caroline Peters die Erinnerungen ihrer Mutter. Denn Hanna hat ihre eigene Sicht auf ihre Vergangenheit, die bisweilen erheblich von der ihrer ...

Mit dem aufschlussreichen Titel “Das Buch Hanna“ bezeichnet Caroline Peters die Erinnerungen ihrer Mutter. Denn Hanna hat ihre eigene Sicht auf ihre Vergangenheit, die bisweilen erheblich von der ihrer Töchter abweicht.
Sehr sensibel spürt die Autorin dem Leben ihrer Mutter nach. Sie begegnet deren Wünschen, die oft im Widerspruch zu den Erwartungen der bürgerlichen Gesellschaft der Siebziger Jahre stehen, mit dem Verständnis der inzwischen erwachsenen Tochter und begreift, wie stark die Doppelrolle der Frauen jener Zeit ihre Mutter belastet hat. Hausfrau, Ehefrau, Mutter und eine Karriere als Schriftstellerin - das ist kaum in Einklang zu bringen.
Erst am Grab ihres Vaters ist Peters bereit, über Hanna nachzudenken, die zu jener Zeit schon einige Jahre nicht mehr am Leben ist. Sie erzählt in leichtem Ton, wunderbar lesbar und sehr humorvoll, doch der Leser spürt die leichte Wehmut dahinter.
Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich hier auf eigene Weise. Aus dem „Buch Hanna“ und den oft konträren Erinnerungen der drei Schwestern setzt sich schließlich ein Bild ihrer Mutter zusammen: einer klugen Frau, die den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit entsprechen, aber ebenso sehr ein autarkes Leben als Künstlerin führen will und beinahe daran zerbricht.
Einfühlsam und nachdenklich - ein überzeugendes Romandebüt von Caroline Peters!





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Veröffentlicht am 24.07.2024

"Wir drei sind eins"

Kleine Monster
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Pia, Jakob und Luca: eigentlich leben sie als glückliche Familie zusammen – bis eines Tages ein Vorfall in der Schule ihre heile Welt erschüttert. Der siebenjährige Luca soll einer Klassenkameradin etwas ...

Pia, Jakob und Luca: eigentlich leben sie als glückliche Familie zusammen – bis eines Tages ein Vorfall in der Schule ihre heile Welt erschüttert. Der siebenjährige Luca soll einer Klassenkameradin etwas angetan haben.Was genau passiert ist, bleibt allerdings im Ungewissen. Luca bestreitet die Beschuldigungen, seine Eltern wollen ihn schützen, doch bei Pia schleichen sich leise Zweifel ein. Ist er wirklich unschuldig? Oder können nicht auch Kinder hinterhältig und "kleine Monster" sein?
Auf raffinierte Weise schildert die Autorin, wie sich Stück für Stück Pias Misstrauen aufbaut,
die Harmonie in der Familie Risse bekommt. Sie nutzt dazu zwei Handlungsebenen; die Ereignisse der Gegenwart lassen in Pia dramatische Erinnerungen an ihre eigene Kindheit wach werden. Aus der Sicht der Erwachsenen, die nun selbst Mutter ist, bewertet sie die Geschehnisse (und ihre eigene Rolle darin) neu. Sind Linds Formulierungen anfangs nur vage, so werden sie im Verlauf der Geschichte immer deutlicher und erzeugen eindrucksvolle Bilder der vergangenen und aktuellen Geschehnisse. Dabei erzählt sie in einem schlichten Stil, ohne jedes Pathos, und lässt den Leser einen tiefen Blick in Pias Psyche und die Familienstrukturen werfen.
„Wir drei sind eins“ - das galt für Pia und ihre zwei Schwestern in der Vergangenheit. Auch für ihre kleine Familie in der Gegenwart erwartet sie das. „Eine glückliche Familie. Bis wir es nicht mehr sind."

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