Beeindruckende Sammlung
YOKAI - GEISTERIm japanischen Volksglauben existiert eine Reihe von übernatürlichen Wesen, die unter dem Begriff „yōkai“ zusammengefasst werden. Der Prestel Verlag hat nun mit „Yōkai – Geister“ eine wunderschön gestaltete ...
Im japanischen Volksglauben existiert eine Reihe von übernatürlichen Wesen, die unter dem Begriff „yōkai“ zusammengefasst werden. Der Prestel Verlag hat nun mit „Yōkai – Geister“ eine wunderschön gestaltete Sammlung von Holzschnitten herausgegeben, die jene Wesen dokumentiert. Die Ausgabe ist mit einem festen, seidig glänzenden Einband und mit einer Schlauchbindung (auch japanische Blockbindung) versehen. Die Rückseiten der Illustrationen sind somit nicht bedruckt, so dass die Motive nicht durchscheinen und dicke Doppelseiten entstehen. Das Buch wird mit einer schwarzen Schleife verschlossen.
In seinem begleitenden Texten stellt der Gerichtsmediziner Philippe Charlier die unterschiedlichsten Arten von Geistern vor. Die yūrei sind bspw. Frauen in weißen Gewändern und mit offenen Haaren, wobei Weiß in Japan die Farbe des Todes ist. Die Holzschnitte sind manchmal farblos und trist, manchmal voll kräftiger Farben. Wir sehen schlichte Darstellungen, überladene Szenen, riesenhafte Skelette und herumfliegende Köpfe ohne Körper – es gibt allerhand zu entdecken in dieser Sammlung.
Die verschiedenen Geister und ihre Geschichten sind in Japan jedem Kind bekannt und es gibt für alles den passenden Geist. Da wäre zum Beispiel ubume, der Geist einer bei der Geburt verstorbenen Mutter auf der Suche nach ihrem Kind. Oder die so genannten funayūrei, Geister Ertrunkener, halb Mensch, halb Fisch, die Schiffe anlocken und auf Riffe zusteuern. Yuki-Onna, die Schneefrau lässt ihre Opfer erfrieren und die tsukumogami sind beseelte Alltags- und Gebrauchsgegenstände. Besonders aktiv sind Geister übrigens in der „Stunde der Kuh“ zwischen 2 und 3 Uhr nachts.
Charlier erzählt auch Geschichten, wie die des Tellergeists Okiku, einer Magd, die von ihrem Herrn, einem Samurai, getötet wurde, weil sie sich ihm nicht hingeben wollte. Er stürzte sie in einem Brunnen, der als Tor zur Unterwelt verstanden wird und Filme wie „The Ring“ inspirierte. Am Ende weist ein Abbildungsverzeichnis alle gezeigten Werke mit Titel, Künstler, Lebensdaten und Ausstellungsort aus. Die bekanntesten Künstler dürften dabei Utagawa Hiroshige und Katsushika Hokusai sein.