Profilbild von Julchentim

Julchentim

Lesejury Star
offline

Julchentim ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Julchentim über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2025

Skurril, smart, manchmal sprunghaft – aber definitiv lesenswert

Das Ministerium der Zeit
0

Ich bin zwiegespalten, wenn ich über Das Ministerium der Zeit von Kaliane Bradley schreibe – nicht, weil das Buch schlecht wäre, im Gegenteil: Ich mochte es wirklich sehr. Es ist schräg, verspielt, traurig, ...

Ich bin zwiegespalten, wenn ich über Das Ministerium der Zeit von Kaliane Bradley schreibe – nicht, weil das Buch schlecht wäre, im Gegenteil: Ich mochte es wirklich sehr. Es ist schräg, verspielt, traurig, charmant und klug.

Das Ministerium der Zeit ist kein Sci-Fi-Blockbuster mit Action im Minutentakt. Wer sowas sucht, wird vielleicht enttäuscht sein. Es ist vielmehr eine ruhige, dialogreiche Geschichte mit einem herrlich absurden Setting.

Ich mochte vor allem den Ton der Erzählung. Es ist introspektiv, stellenweise poetisch (manchmal ein bisschen zu metapher-verliebt, ja), und nie langweilig. Auch wenn auf Handlungsebene lange nicht viel passiert, tragen die Gespräche die Geschichte mühelos. Das Spannende liegt nicht im Plot, sondern in den Themen, die beiläufig aber tiefgründig verhandelt werden: postkoloniale Identität, Sprache, Trauma, Anpassung, Zugehörigkeit.

Und ja natürlich, es gibt Romantik. Kein Hollywoodkitsch, sondern eine leise, seltsame, aber irgendwie glaubwürdige Beziehung, die sich da aufbaut. Besonders das Zusammenspiel zwischen Gore und der Ich-Erzählerin fand ich gelungen: viel Humor, viel Reibung, viel Subtext. Die Nebenfiguren bringen zusätzliche Farbe und Leben ins Geschehen.

Was das Buch für mich nicht zu einem uneingeschränkten Highlight macht, ist genau das, was andere auch kritisieren: Manchmal will es zu viel. Die Mischung aus Sci-Fi, Romanze, Spionage, Gesellschaftskritik und persönlichem Drama ist ambitioniert und nicht immer in Balance. Einige Themen werden nur angerissen, andere verlieren sich in der dichten Metaphernsprache. Ich hätte mir an ein paar Stellen mehr Fokus gewünscht.

Und doch: Dieses Buch hat mich berührt, zum Lachen gebracht, nachdenklich gemacht – und bleibt mir im Kopf. Auch wenn es nicht perfekt ist, finde ich es mutig, originell und alles andere als beliebig. Für ein Debüt: beachtlich. Für den Mainstream: vielleicht zu eigenwillig. Aber für Leser*innen, die gerne abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs sind, eine echte Empfehlung.

Also: Nicht von der Diskussion um den Titel abschrecken lassen. Einfach lesen. Und selbst ein Bild machen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2025

Geheimnisse, Morde und ein Hauch von Déjà-vu

Das Mörderarchiv: Der Tod, der am Dienstag kommt
0


Nach dem ersten Band des Mörderarchivs war meine Vorfreude auf die Fortsetzung riesig. Doch diesmal konnte mich die Geschichte nicht ganz so fesseln.

Annie hat sich gerade in das Haus ihrer verstorbenen ...


Nach dem ersten Band des Mörderarchivs war meine Vorfreude auf die Fortsetzung riesig. Doch diesmal konnte mich die Geschichte nicht ganz so fesseln.

Annie hat sich gerade in das Haus ihrer verstorbenen Tante Frances eingelebt, da wird die Wahrsagerin Peony Lane tot in ihrer Orangerie gefunden – und Annie gerät selbst ins Visier der Ermittler. Also bleibt ihr nichts anderes übrig, als erneut das berüchtigte Mörderarchiv zu durchforsten.

Das Setting in Castle Knoll ist wieder wunderbar atmosphärisch, und die Mischung aus Gegenwart und Frances' Tagebucheinträgen sorgt für eine dichte, rätselhafte Handlung. Doch genau diese zeitlichen Sprünge haben mich diesmal etwas überfordert, vor allem im Hörbuch. Die Übergänge waren für mich nicht immer durchschaubar, und es gab viele Nebenfiguren, die eher an Band 1 erinnerten, als wirklich zur aktuellen Handlung beizutragen.

Auch inhaltlich fühlte sich die Geschichte an manchen Stellen zu vertraut an: eine alte Prophezeiung, ein mysteriöser Mord, dunkle Geheimnisse – all das funktionierte im ersten Band wunderbar, doch diesmal fehlte mir das gewisse Etwas, das die Geschichte frisch und eigenständig macht. Besonders Frances’ Liebesleben nahm für meinen Geschmack zu viel Raum ein, während Annie als Hauptfigur fast ein wenig blass blieb.

Trotzdem ist das Buch unterhaltsam, mit charmantem britischen Flair und einigen spannenden Wendungen. Ich hoffe, dass ein möglicher dritter Band neue Akzente setzt – dann aber vielleicht lieber als Printversion, um die Struktur besser nachvollziehen zu können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2025

Eine solide Ergänzung, aber nicht der beste Band der Reihe

Slough House
0


Als Fan der Serie „Slow Horses“, die mit Gary Oldman brilliert, war meine Erwartung an das Buch hoch. Der gewohnte Wortwitz, die äußerst bissigen Dialoge und die schrulligen Figuren sind auch hier wieder ...


Als Fan der Serie „Slow Horses“, die mit Gary Oldman brilliert, war meine Erwartung an das Buch hoch. Der gewohnte Wortwitz, die äußerst bissigen Dialoge und die schrulligen Figuren sind auch hier wieder präsent. Doch während die Charaktere gewohnt stark gezeichnet sind, bleibt die eigentliche Spionagegeschichte für meinen Geschmack etwas blass. Einige Handlungsstränge fügen sich nicht ganz so elegant zusammen, und der Spannungsbogen erreicht nicht ganz das Niveau früherer Bände. Trotzdem bleibt „Slough House“ eine unterhaltsame Ergänzung der Reihe, auch wenn es nicht mein persönliches Highlight ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.02.2025

Mitreißende Fortsetzung mit kleinen Schwächen

Charons Erbe - Eine Liebe wie Sterne
0

3,5 ⭐

„Charons Erbe“ von Ursa Jaumann setzt die Geschichte von Eka und Maxim fort und liefert dabei eine spannende Mischung aus Emotionen, Magie und Charakterentwicklung. Besonders Eka und Maxim glänzen ...

3,5 ⭐

„Charons Erbe“ von Ursa Jaumann setzt die Geschichte von Eka und Maxim fort und liefert dabei eine spannende Mischung aus Emotionen, Magie und Charakterentwicklung. Besonders Eka und Maxim glänzen erneut mit ihrer intensiven Dynamik – die Anziehung zwischen den beiden ist spürbar und ihre persönlichen Herausforderungen machen sie nur noch greifbarer. Themen wie Mental Health werden sensibel eingebunden, ohne dabei die fesselnde Spannung der Geschichte zu mindern.

Auch die Nebenfiguren, allen voran Irina und Alexej, bringen frischen Wind in die Handlung, und ihre Entwicklungen halten die Neugier auf kommende Bände hoch. Das Magiesystem bleibt faszinierend, spielt hier jedoch eine etwas kleinere Rolle.

Was mir weniger gefallen hat, ist die teils sehr repetitive Sprache. Bestimmte Formulierungen wie das Klackern der Pumps oder verlaufene Mascara tauchen so oft auf, dass sie irgendwann eher störend als atmosphärisch wirken. Das hat für mich an manchen Stellen die Immersion ein wenig geschmälert.

Trotzdem überzeugt das Buch mit einer fesselnden Handlung und emotionaler Tiefe. Wer die Charaktere ins Herz geschlossen hat, wird auch hier wieder mit ihnen mitfiebern – und dennoch Lust auf die Fortsetzung bekommen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.02.2025

Zwischen Magie und Moral – Ein faszinierendes, aber zwiespältiges Abenteuer

Kiss of the Nightingale
0


„Kiss of the Nightingale“ besticht mit einer kreativen und außergewöhnlichen Welt, in der Talente durch magische Edelsteine vererbt werden. Die glamouröse Kulisse, inspiriert von der Belle Époque, sowie ...


„Kiss of the Nightingale“ besticht mit einer kreativen und außergewöhnlichen Welt, in der Talente durch magische Edelsteine vererbt werden. Die glamouröse Kulisse, inspiriert von der Belle Époque, sowie das Magiesystem haben mich von Anfang an fasziniert. Die Geschichte bietet Intrigen, Romantik und eine düstere Atmosphäre, die mich durchaus in ihren Bann ziehen konnte.

Allerdings hatte ich große Schwierigkeiten mit der Protagonistin Cleodora. Während ich morally grey Charaktere grundsätzlich spannend finde, war Cleos Entwicklung für mich wenig überzeugend. Ihre Handlungen wirkten oft selbstsüchtig und widersprüchlich, sodass es mir schwerfiel, mit ihr mitzufühlen. Auch das Liebesdreieck zwischen Cleo, dem mysteriösen Vicomte Lenoir und der manipulativen Madame Dahlia konnte mich nicht so wirklich überzeugen.

Dennoch bleibt das Buch dank seines einzigartigen Konzepts, der detailreichen Welt und des atmosphärischen Schreibstils ein lesenswertes Romantasy-Debüt. Wer gerne in magische, aber zwiespältige Welten eintaucht, wird hier auf jeden Fall unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere