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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2025

Eindringlich erzählt aber ein wenig aus der Zeit gefallen

Das Skalpell des Engels
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Inhalt:
Der leitende Arzt eines Krankenhauses in Rom geht einem rätselhaften Todesfall in seiner Klinik nach. Ein sehr junger und vorher komplett gesunder Nigerianer ist nämlich innerhalb von kürzester ...

Inhalt:
Der leitende Arzt eines Krankenhauses in Rom geht einem rätselhaften Todesfall in seiner Klinik nach. Ein sehr junger und vorher komplett gesunder Nigerianer ist nämlich innerhalb von kürzester Zeit und mit starken aber teilweise difussen Symptomen verstorben. Kein Medikament hat geholfen und der Arzt vermutet zuerst einen Fehler bei sich und seinen Angestellten, weil sie den Ernst der Lage nicht schnell genug begriffen haben. Bei seinen Nachforschungen entdeckt er aber ähnlich rätselhafte Fälle in den umliegenden Krankenhäusern und zieht einen guten Freund und Kommissar aus Genua hinzu. Schnell bemerken die beiden, dass sie einen Kampf gegen Windmühlen führen und treffen auf unvorstellbare menschliche Abgründe.

Meine Meinung:
Auf diesen Krimi habe ich mich sehr gefreut, weil der Autor als Kardiologe wirklich weiss, wovon er schreibt und entsprechend detailliert und überzeugend werden medizinische Details auch in die Handlung eingearbeitet. Auch die Einblicke ins Krankenhauswesen, den Personalmangel an allen Ecken und Enden sowie die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie sowie der Kampf gegen verbrecherische und unethische Machenschaften werden eindringlich und mit viel Hintergrundwissen dargestellt. Übrigens sind auch die Schauplätze sehr detailliert und gründlich recherchiert.
Dies hat mich wirklich überzeugt und ich finde, dass Coletta auch seine Figuren äusserst vielschichtig gestaltet hat. Weniger gut gefallen hat mir, dass von Anfang an klar war, worauf die Geschichte hinauslaufen würde und dass die beiden Hauptfiguren durch einige Vorurteile in ihrer Arbeit gehindert werden. Der Krimi wirkt dadurch ein wenig aus der Zeit gefallen, als würde man einen alten Brunetti lesen.
Auch finde ich, dass 100 Seiten mehr der Geschichte nicht geschadet hätten, die vielen Leerstellen haben es mir teilweise ein wenig erschwert, der Handlung zu folgen, ich brauchte oft einen Moment, um in einem neuen Kapitel anzukommen, obwohl ich sonst eigentlich keine Mühe mit komplexen Zusammenhängen habe. Das kann also sicher auch einfach Geschmacksache oder ein persönliches Leseempfinden sein.

Meine Empfehlung:
Der kleinen Kritik zum Trotz möchte ich diesen klug aufgebauten, eindringlich erzählten Krimi mit seiner gesellschaftskritischen und tragischen Handlung sehr, sehr gerne empfehlen und hoffe, dass dieses Buch noch ganz viel Aufmerksamkeit bekommt.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Solider Krimi mit Spannung und ausgeklügelter Handlung

Tode, die wir sterben
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Inhalt:
Svea Karhuu und Jon Nordh sind eigentlich noch dabei, als Team zusammenzufinden, da müssen sie sich bereits mit einer komplizierten und gefährlichen Ermittlung herumschlagen. Als sich abzeichnet, ...

Inhalt:
Svea Karhuu und Jon Nordh sind eigentlich noch dabei, als Team zusammenzufinden, da müssen sie sich bereits mit einer komplizierten und gefährlichen Ermittlung herumschlagen. Als sich abzeichnet, dass der Fall weit grössere Dimensionen umfasst, als angenommen, stecken sie schon mittendrin und müssen sich zudem noch mit ihren eigenen Dämonen herumschlagen.

Meine Meinung:
Das Buch habe im letzten Jahr ganz überraschend vom Verlag zugeschickt bekommen und da ich mal wieder Lust auf einen Krimi hatte, habe ich es in den letzten Tagen gelesen. Es hat mir sehr gut gefallen und mir kurzweilige und spannende Lesestunden beschert.
Vor allem das sehr ungleiche Ermittlerduo - Svea Karhuu, die vorher als verdeckte Ermittlerin gearbeitet hat, nach einem tödlichen Zwischenfall aber versetzt werden musste und Jon Nordh, der seit wenigen Wochen Witwer ist und seine Trauer, seine Wut und seine Aufgabe als nun alleinerziehender Vater und hart arbeitender Polizist unter einen Hut zu bringen versucht - hat es mir angetan.

Schreibstil und Aufbau:
Das Ehepaar Voosen-Danielsson hat bereits eine erfolgreiche (zehn Bände umfassende) Krimireihe gemeinsam geschrieben und legt mit "Tode, die wir sterben" den Auftaktband einer neuen Reihe vor. Das eigens für diesen Fall zusammengestellte Ermittlerduo taucht sofort tief in die Abgründe der schwedischen Bandenkriminalität ein und beim Lesen spürte ich, dass Voosen-Danielsson wissen, wovon sie schreiben und vor allem auch, dass ihre gemeinsam entwickelte Erzählsprache es wirklich in sich hat. Packend, unterhaltsam und sehr gut recherchiert erzählen sie in "Tode, die wir sterben" einen Krimi, der sich von einem scheinbar tragischen Zwischenfall ausgehend zu einer kritischen Gesellschaftsstudie entwickelt und dabei nie an Spannung verliert.

Meine Empfehlung:
Ich werde Voosen-Danielsson auf jeden Fall im Auge behalten und empfehle euch diesen spannenden und kurzweiligen Krimi sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Oberflächlich und packend gleichzeitig, ein leichtes Lesevergnügen

Die Halbwertszeit von Glück
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Inhalt:
Paris, 2019, Mylène erfährt kurz vor ihrer Hochzeit, dass sie eine Wohnung in Amsterdam geerbt hat und kommt zudem einem alles verändernden Geheimnis auf die Spur. Kurzerhand reist sie überstürzt ...

Inhalt:
Paris, 2019, Mylène erfährt kurz vor ihrer Hochzeit, dass sie eine Wohnung in Amsterdam geerbt hat und kommt zudem einem alles verändernden Geheimnis auf die Spur. Kurzerhand reist sie überstürzt nach Amsterdam, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten.
Grenzgebiet DDR, 1987, die erfolgreiche Physikerin Johanna lebt alleine in einer abgelegenen Datsche, nachdem ein Schicksalsschlag ihr den Boden unter den Füssen weggezogen hat. Als sie eine sehr junge und verletzte Flüchtige im Wald findet, nimmt sie diese wider besseren Wissens bei sich auf und befindet sich bald mitten in einer ausweglosen Situation.
LA, 2003, Holly jobbt unterbezahlt in einer Produktionsfirma, ist aber nach einem vielversprechenden Treffen mit einer berühmten Regisseurin ihrem Traum, Drehbuchautorin zu werden, einen Schritt näher. Doch als sie vom dramatischen Tod einer Arbeitskollegin erfährt und sich auch noch dafür verantwortlich fühlt, stürzt sie in ein tiefes Loch.
Drei Frauen, drei Schicksale, drei ganz unterschiedliche Orte und Zeitpunkte und dennoch verbinden sich die drei Erzählstränge mehr und mehr miteinander.

Meine Meinung:
Das Buch habe ich vor einiger Zeit mit meinen Prämienpunkten in der Lesejury "gekauft", weil mich die vielen positiven Rezensionen begeistert haben und weil ich die Gestaltung auch einfach wunderschön finde. Von Anfang an war ich mitten in der Geschichte, habe den Schreibstil sehr gerne gemocht und vor allem am Ende, als sich die Ereignisse förmlich überschlagen, atemlos Seite um Seite umgeblättert. Ja, viele Entscheide der Figuren habe ich nicht nachvollziehen können. Wie Mylène beispielsweise tagelang weder ihren Verlobten, noch ihre Eltern oder auch ihre Angestellten über ihren Verbleib informiert. Oder wie Johanna begonnen hat, sich von allen Menschen abzukapseln und so lange über ein wichtiges Thema zu schweigen. Oder auch, wie Holly sich für den Tod ihrer Freundin verantwortlich fühlt und deswegen so viele Lebensentscheide hinterfragt.

Schreibstil und Aufbau:
Aber das spielt alles gar keine Rolle, weil die Geschichte so packend erzählt ist und weil ich nur so durch die kurzen Kapitel, die übrigens alle mit einem bitterzarten Cliffhanger enden - natürlich immer schön abwechslungsweise mit einer anderen Protagonistin im Fokus - geflogen bin. Der Roman hat so schöne Bilder in mir hervorgerufen, dass ich ihn mir wunderbar als Dramedy à la "One day" (der Film, nicht die Serie, klar) vorstellen könnte.
Die drei Frauen werden zwar unterschiedlich detailliert herausgearbeitet und ich hätte mir immer mal wieder mehr Tiefe gewünscht - beim Tippen dieser Rezension fällt mir auf, dass ich mir keine der Figuren wirklich vorstellen kann - aber der leichte Stil und die geschickt verknüpften Handlungsstränge machen das wett und sorgen für ein unterhaltsames, spannendes, abenteuerliches und auch ein wenig berührendes Lesevergnügen.

Meine Empfehlung:
In Worte zu fassen, wie gut mir dieses Buch gefallen hat, obwohl so vieles oberflächlich geblieben ist und nachdem ich die Figuren und ihre Entscheide oft nicht verstehen konnte, fällt mir schwer. Aber dieser leichte, filmhafte Schreibstil, die packenden Übergänge und Verknüpfungen haben es mir einfach angetan und mich nur so durch die Seiten fliegen lassen.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Einzelne Längen aber insgesamt eine berührende und spannend aufgebaute Geschichte

Unser Buch der seltsamen Dinge
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Inhalt:
Wie früher meine Cousinen und ich jagen auch Miv und Sharon Verbrecher. Während meine ältere Cousine und ich aber die jüngste in unserem Trio im Garten der Nachbarn herumkriechen und nach Beweisen ...

Inhalt:
Wie früher meine Cousinen und ich jagen auch Miv und Sharon Verbrecher. Während meine ältere Cousine und ich aber die jüngste in unserem Trio im Garten der Nachbarn herumkriechen und nach Beweisen für verdächtige Aktivitäten suchen liessen (natürlich behielten wir sie aus sicherer Distanz mit einem Fernglas im Auge), nehmen es Miv und Sharon mit einem richtigen Mörder auf. Sie jagen den Yorkshire Ripper, der zwischen 1975 und 1980 zahlreiche Frauen tötete und sammeln in einem Notizbuch alle seltsamen Dinge, welche ihnen in ihrem Alltag auffallen.

Meine Meinung:
Erhalten habe ich dieses mir vorher komplett unbekannte Buch von Irene. Ihre Rezension hatte mich neugierig gemacht und entsprechend hat sie mir das Buch netterweise zu einem Kaffeedate mitgebracht
Gefallen hat mir, wie die Freundschaft von Miv und Sharon sich entwickelt und wie Mivs Erzählperspektive aufgebaut ist und somit immer tiefere Einblicke in die Geschichte und Zusammenhänge ermöglicht. Stellenweise hatte ich mit einigen Längen zu kämpfen - nach etwa 200 Seiten hätte ich das Buch deswegen sogar fast abgebrochen - dann aber hat es mich noch einmal richtig in seinen Bann gezogen und mir ein spannendes und vor allem gegen Ende berührendes Leseerlebnis ermöglicht.

Schreibstil und Aufbau:
Miv und Sharon sind beste Freundinnen und leben in einer Zeit, in der ein grausamer Mörder sein Unwesen treibt aber auch in einer Zeit, in der alle Menschen, die fremd aussehen oder sich sonderbar benehmen, unter Generalverdacht geraten. Eindrücklich schildert die Autorin, wie sich Alltagssituationen für die beiden Mädchen anfühlen und verknüpft reale Probleme, wie Mobbing, Schulschwärmereien, Ausgrenzung und Gewalt mit einer gefährlichen Spurensuche. Mivs Mutter ist schon länger schwer krank und Mivs Vater ist von seiner Arbeit und der belastenden Familiensituation sehr erschöpft. Für Miv bleibt nicht viel Energie übrig und somit kann sich das Mädchen oft frei bewegen, leidet aber auch unter der immer stärkeren Vernachlässigung.
Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und nach und nach erfahren wir, wie die Menschen in Mivs Nachbarschaft miteinander verwandt und bekannt sind. Besoders gut gefallen hat mir, dass Mivs Perspektive aufzeigt, wie naiv das Mädchen noch ist. Sie weiss beispielsweise, dass der Mörder Prostituierte umbringt, kennt aber die Bedeutung des Wortes "Prostituierte" nicht, sie bemerkt, dass die Leute in ihrer Stadt Menschen mit anderer Hautfarbe, Religion und Muttersprache ausschliessen und unter Generalverdacht stellen, weiss aber nicht, was es damit auf sich hat. Und sie bemerkt, dass ihre geliebte Bibliothekarin stets ihr zerschrammtes Gesicht versteckt, erkennt aber nicht, woher diese Wunden kommen. Wir Erwachsenen durchschauen viel schneller, was läuft und wie die Figuren miteinander verbunden sind und können die Ereignisse somit noch einmal ganz anders einordnen, als Miv und Sharon. Im Roman werden einige nicht ganz einfache Themen behandelt (TW beachten), aber Godfrey geht nie ins Detail. Vielmehr erzählt sie diese Szenen mit Leerstellen und überlässt einiges der Fantasie, was ich sehr geschickt finde.

Meine Empfehlung:
Auf den ersten Blick geht es in diesem Buch um zwei Mädchen, welche versuchen, einen Mörder zu jagen. Aber schon nach wenigen Seiten wird klar, dass Jennie Godfrey mit "Unser Buch der seltsamen Dinge" eigentlich ein Buch über die erste Liebe, über Rassismus und dem Ankommen in einer Gesellschaft sowie über eine grosse, alles überdauernde Freundschaft geschrieben hat. Der berührende Roman hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle euch das Buch gerne weiter.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Alltagsflucht fürs Herz

Bei Sonnenaufgang in Darling Cove
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Inhalt:
Die Geschäftsfrau und Barbesitzerin Eve ist froh um den rätselhaften Untermieter, der sich in der Nebensaison in ihrem Cottage einquartiert. Die dadurch entstehenden Einnahmen sorgen dafür, dass ...

Inhalt:
Die Geschäftsfrau und Barbesitzerin Eve ist froh um den rätselhaften Untermieter, der sich in der Nebensaison in ihrem Cottage einquartiert. Die dadurch entstehenden Einnahmen sorgen dafür, dass Eve längst überfällige Reparaturarbeiten bezahlen kann. Aber auch sonst hat sie viel um die Ohren. Die abgelegene Insel Ennisfarne ist nämlich moderner, als sie auf den ersten Blick scheint; ein Feinkostladen verköstigt Einheimische und Besuchende, ein Filmscreening unter freiem Himmel sowie ein Musikfestival sorgen für Stimmung und die Menschen, welche auf der Insel leben, sind eine Gemeinschaft, in der sich auch Eves Untermieter sofort wohl fühlt.

Meine Meinung:
Holly Hepburns Bücher haben mich schon einige Male begeistert und ihr Roman "Süße Träume im Cottage am Strand" hat mich sogar dazu bewegt, Schottland und vor allem die Orkney Inseln zu besuchen (und was habe ich mich in diese Region der Welt verliebt...). Aber auch "Bei Sonnenaufgang in Darling Cove" kam genau zur richtigen Zeit in meinem Leben. Ich las das Buch nämlich im Zug unterwegs zu den Proben und Konzerten eines Projektes in Luzern - der Filmvorführung von Top Gun Maverick mit Live Orchester - und war hin und weg, als die Protagonistin des Buches in ihrem Freilichtkino "Top Gun" zeigte, allerdings den Klassiker von 1986, aber ganz ehrlich, was für ein Zufall.
Auch dieser Roman von Hepburn hat mir sehr gut gefallen, mich in die wunderschönen Landschaften von Ennisfarne entführt, mein Fernweh nach Northumberland geweckt und mich mit Eve und Logan mitfiebern lassen. Besonders begeistert haben mich die Freundschaft zwischen Eve und Selina, Eves pragmatische und anpackende Art sowie die sagenhaft schönen Beschreibungen der Landschaft und Menschen auf Ennisfarne. Meine mit Abstand liebste Figur war übrigens Eves ungestümer Labrador Huxley, der mein Herz sofort im Sturm erobert hat.
Das romantische Hin und Her wird tatsächlich ein wenig gar mit Missverständnissen und sich aus dem Weg gehenden Verliebten in die Länge gezogen, aber letztendlich haben diese Umstände meinem Lesevergnügen keinen Abbruch getan.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch ist eine Alltagsflucht in eine Inselgemeinschaft, in der Zusammenhalt, Verantwortung und Spass gross geschrieben werden, in traumhaft schöne Landschaften und ins Leben einer Protagonistin, welche mit ihrem Intellekt sowie ihrem Engagement für ihre Lieben (und ihrem wunderbaren Labrador Huxley) punktet.

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