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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.12.2025

Mehr Zimt als Substanz

Copenhagen Cinnamon 1. Delicate
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Als Jonnas Vater ihr die finanzielle Unterstützung streicht, strandet sie im Café "Copenhagen Cinnamon" vom emotional sehr verschlossenen Besitzer Mads. Kurzerhand wird sie als Barista eingestellt und ...

Als Jonnas Vater ihr die finanzielle Unterstützung streicht, strandet sie im Café "Copenhagen Cinnamon" vom emotional sehr verschlossenen Besitzer Mads. Kurzerhand wird sie als Barista eingestellt und schnell entsteht zwischen den beiden eine Anziehung, derer sie sich nur schwer erwehren können. Doch als sie erkennen, dass ihre Vergangenheit stärker mit einander verknüpft ist als gedacht, droht jegliche Annäherung im Keim erstickt zu werden.



„Copenhagen Cinnamon“ bietet ein stimmungsvolles Setting, leicht herbstliche Vibes und ein gemütliches Café als Wohlfühlkulisse, doch die Figurenzeichnung und die Glaubwürdigkeit einiger Konflikte konnten mich nicht vollkommen überzeugen.



Das Ambiente mit dem charmanten Café und später sogar mit einem Hausboot in Kopenhagen gehörte eindeutig zu den Stärken des Romans. Die Szenen hatten für mich etwas Warmes, Behagliches und wären eigentlich perfekt für eine Cozy-Romance. Viele Dialoge waren witzig-unterhaltsam, einige Entgegnungen zwischen den beiden Hauptfiguren Mads und Jonna trafen genau den Ton, der das Lesen leicht machte. Doch mit den beiden Protagonisten wurde ich leider nicht wirklich warm.



Jonna wirkte einerseits suchend und unsicher, andererseits erstaunlich fordernd und manchmal doch sehr unverschämt auf mich. Sie möchte ihren eigenen Weg finden, hängt aber gleichzeitig stark am finanziellen Support ihres Vaters — ein Spannungsfeld, das nicht immer konsistent erzählt wirkte. Ihr Drang, sich im Café bei Mats einzubringen, obwohl sie keinerlei Berechtigung dazu hat, ließ sie auf mich oft aufdringlich wirken.



Mads dagegen ist der typische „verletzte Einzelgänger“, der niemanden an sich heranlassen will... außer natürlich die Protagonistin, die ihn schon nach wenigen Minuten erstaunlich tief berührt. Diese Mischung aus emotionaler Blockade und Besitzdenken in Bezug auf Jonna wirkte auf mich eher konstruiert als authentisch.



Vor allem aber der Konflikt mit Jonnas Vater blieb für mich der schwächste Punkt: Er verlangte von ihr klare Entscheidungen, reduzierte seine Unterstützung abrupt und ließ gleichzeitig seine sehr fragwürdige Begleiterin in die Erziehung hineinpfuschen. Seine Beweggründe blieben für mich kaum nachvollziehbar und dadurch wirkte vieles einfach harsch statt realistisch. Auch die juristischen Elemente und der zentrale „Fall“ im Buch fühlten sich für mich eher oberflächlich-konstruiert und stellenweise unlogisch an. Obwohl ein juristischer Rat laut Nachwort angeblich eingeflossen ist, blieben einige Szenen doch schwer glaubwürdig.



Auch auf Mads Seite waren manche Entscheidungen widersprüchlich: finanzielle Sorgen im Café, aber gleichzeitig neue Angestellte; starke emotionale Reaktionen, aber wenig kommunikativer Wille. Situationen, die mit einem ruhigen Gespräch gelöst wären, wurden unnötig dramatisiert. Die Enemies-to-Lovers-Dynamik wirkte eher wie „Fake Enemies“, weil beide einfach nicht miteinander redeten.



Der romantische Funke zündete zwar früh, aber mir war die Anziehung meist zu offensichtlich und zu wenig organisch. Die Entwicklung „Ich will niemanden an mich heranlassen“ zu „Ich liebe sie“ passierte sehr schnell, ohne dass der Prozess emotional überzeugend transportiert wurde. Auch die Spannung oder Wendungen im letzten Teil habe ich nicht als überraschend empfunden, sondern eher als vorhersehbar.



Fazit: „Copenhagen Cinnamon“ hat ein wunderschönes Setting und einzelne liebenswerte Nebenfiguren, besonders der Mads' Großvater Knut war ein Highlight. Doch die Hauptfiguren und ihre Konflikte blieben für mich zu oberflächlich, teilweise unlogisch und in ihrer Dynamik wenig glaubhaft. Der Roman las sich leicht und hatte humorvolle Momente, aber insgesamt konnte mich die Geschichte nicht wirklich packen. Ein Wohlfühl-Setting mit Potenzial, aber Figuren und Plot haben mich eher frustriert als berührt.

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Heimat ohne Haltung

Heimat
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In ihrem Roman Heimat erzählt Hannah Lühmann die Geschichte von Jana, die mit ihrem Mann Noah in einem Dorf lebt, in dem die AfD stärkste Kraft ist. Jana wirkte dabei auf mich von Beginn an naiv und orientierungslos: ...

In ihrem Roman Heimat erzählt Hannah Lühmann die Geschichte von Jana, die mit ihrem Mann Noah in einem Dorf lebt, in dem die AfD stärkste Kraft ist. Jana wirkte dabei auf mich von Beginn an naiv und orientierungslos: Sie übernimmt nahezu unreflektiert tradwife-Ideale und verfängt sich zunehmend in einem Milieu, in dem rechte Ideologien, verschwörungsgeladener Medienkonsum und eine vermeintliche Sehnsucht nach Geborgenheit miteinander verschwimmen.

Jana kündigt ihren Job, ohne ihren Mann einzubeziehen, erwartet dennoch Verständnis – ein Beispiel für die Kommunikationslosigkeit, die ihre Ehe prägt. Mit Noah verbindet sie immer weniger, während sie gleichzeitig fasziniert auf Karolin, eine zentrale Figur in der Tradwife-Szene, blickt. Diese Faszination entwickelt sich erstaunlich schnell, ohne dass Jana innere Widerstände zeigt. Ihre Entfremdung von Noah verläuft folgerichtig, wirkte auf mich aber literarisch oberflächlich und wenig nachvollziehbar. Insgesamt blieben die Figuren leider flach und schwer greifbar – ein Mitfühlen war mir nicht möglich.

Lühmann berührt viele gesellschaftspolitische Themen – von rechter Ideologie über tradwives bis hin zu Medienverhalten. Doch keines dieser Themen wird in die Tiefe verfolgt. Vieles bleibt bei Andeutungen, vagen Beschreibungen oder halben Thesen stehen. Gerade die Auseinandersetzung mit der AfD oder der Tradwife-Bewegung, die das Potenzial für eine literarische wie politische Reflexion böte, blieb leider aus. Dadurch wirkte der Roman auf mich politisch unbefriedigend: Kritik fehlte weitgehend, eine klare Haltung ebenso.

Eine Stärke des Buches ist, dass es die Vielschichtigkeit rechter Lebenswelten sichtbar macht – wie Alltag, Familienmodelle und Verschwörungserzählungen ineinandergreifen. Auch der Zusammenhalt innerhalb der Szene, die gegenseitige Unterstützung, wurde glaubhaft dargestellt. Doch gerade, weil es keine Figur gibt, die diesen Tendenzen aktiv widerspricht, blieb bei mir ein schaler Nachgeschmack: Wer bereits mit der Szene sympathisiert, könnte sich eher bestätigt als abgeschreckt fühlen.

Fazit: Heimat ist in der Anlage ein spannender Versuch, das Tradwife-Phänomen und seine Verankerung in einer rechtskonservativen Lebenswelt literarisch zu erkunden. Die Umsetzung jedoch hat mich enttäuscht: Oberflächliche Figuren, fehlende innere Logik im Handeln der Protagonistin und die mangelnde kritische Auseinandersetzung mit zentralen Themen ließen den Roman ins Leere laufen. Für Leser:innen, die einen tieferen Einblick in die emotionalen Mechanismen der Tradwife-Bewegung suchen, kann das Buch dennoch interessant sein. Wer aber eine literarisch dichte oder politisch kluge Auseinandersetzung erwartet, wird enttäuscht.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Leider langweilig

Mismatch
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Inhalt: Austin Fields ist der neue Spitzenspieler der College-Basketballmannschaft der Hopeville University. Nach dem Umzug in die Kleinstadt will er ein für alle Mal mit seiner Vergangenheit abschließen ...

Inhalt: Austin Fields ist der neue Spitzenspieler der College-Basketballmannschaft der Hopeville University. Nach dem Umzug in die Kleinstadt will er ein für alle Mal mit seiner Vergangenheit abschließen – wenn nur diese ebenso hübsche wie hartnäckige Sportjournalistin aufhören würde, Fragen zu stellen. Denn sein dunkelstes Geheimnis scheint ihm bis hierher gefolgt zu sein …

Joyce Reed ist eine angehende Sportjournalistin, wird als Frau aber nicht richtig ernst genommen. Da kommt es ihr gerade recht, dass der neue Star der Hopeville Dragons Geheimnisse zu verbergen scheint. Die perfekte Gelegenheit, sich zu beweisen. Doch als sie die Wahrheit erfährt, ändert das alles.

Leider konnte mich diese Sportsromance nicht überzeugen. Im Vergleich zu anderen Romanen dieses Genres fehlten mir der freche Wortwitz, das Prickeln zwischen den Figuren, spicy Szenen und nicht zuletzt ein ernsthaftes, hintergründiges Problem. Basketballer Austin Fields gibt zwar mehrfach an, dass er sich wegen eines Ereignisses in der Vergangenheit schuldig fühlt, als dieses dann aber auf unspektakuläre Weise enthüllt wurde, schien mir das als sehr übertrieben. Die beiden Figuren Joyce und Austin sind ganz niedlich, konnten aber leider über die für meinen Geschmack zu langweilige Handlung nicht hinweghelfen.

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Veröffentlicht am 25.10.2024

Schwache Umsetzung

Die Mitford Schwestern
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In ihrem neuesten Roman widmet sich die Autorin Marie Benedict den „verrückten Mitford-Schwestern“. Die 6 Töchter einer britischen Adelsfamilie sorgten in den 20er und 30ern mit ihren Eskapaden stets für ...

In ihrem neuesten Roman widmet sich die Autorin Marie Benedict den „verrückten Mitford-Schwestern“. Die 6 Töchter einer britischen Adelsfamilie sorgten in den 20er und 30ern mit ihren Eskapaden stets für illustre Schlagzeilen. Während eine Schwester politisch aktiv dem Kommunismus nacheifert, wird die nächste zur größten Jüngerin Hitlers.



Im Fokus des Romans stehen die 3 Schwestern Nancy (die älteste), Diana (die mittlere) und Unity (die jüngste), deren Perspektive auf Ereignisse zu verschiedenen Zeitpunkten zwischen 1932-1941 in wechselnden Kapiteln wiedergegeben wird.



Da ich zuvor noch nichts von den Mitford-Schwestern gehört hatte, war ich sehr neugierig und hoffte auf einen lebhaften historischen Roman, der die geschichtlichen Ereignisse beleuchtet und gleichzeitig eine Erklärung bietet, weshalb die verschiedenen Schwestern in solche politischen Extreme verfallen konnten. Doch Entgegen meiner Hoffnungen blieb die Handlung sehr oberflächlich und die Figuren eindimensional. Die Autorin schaffte es leider nicht, ein Gesamtbild der Familie zu zeichnen und hinreichende Erklärungen anzubieten. Gleichzeitig fehlten der historische Kontext und die Einordnung in die damaligen Verhältnisse. Der Roman las sich für mich wie eine notizhafte Aneinanderreihung der chronologischen Ereignisse, ohne mich emotional mitzunehmen. Leider fehlt zudem im Nachgang eine Kennzeichnung, was erdacht und was wahre Begebenheit ist, sodass hier keine Einordnung ohne Vorwissen möglich ist. Am unangenehmsten fand ich aber die unkritische Betrachtung und Verherrlichung der Nazis durch die Figur Unity - hier wäre eine Einordnung wichtig gewesen!

Ich habe insgesamt deutlich mehr erwartet und finde, dass die Autorin hier viel Potential verschenkt hat.

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Veröffentlicht am 19.08.2024

MINT ohne Funken

Dating and other Theories. Wenn der präziseste Plan zum romantischen Verhängnis wird
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Die Raketenwissenschaftlerin Esther möchte ihrer besten Freundin Jinny helfen und dringend verhindern, dass diese sich noch einmal auf ihren Ex einlässt. Notgedrungen arrangiert sie daher ein Date zwischen ...

Die Raketenwissenschaftlerin Esther möchte ihrer besten Freundin Jinny helfen und dringend verhindern, dass diese sich noch einmal auf ihren Ex einlässt. Notgedrungen arrangiert sie daher ein Date zwischen ihrem Nachbarn Jonathan, den sie eigentlich unausstehlich findet, und Jinny. Jonathan lässt sich allerdings nur unter der Bedingung darauf ein, dass Esther ihm im Gegenzug bei seinem neuesten Drehbuch helfen wird. Was als Zweckgemeinschaft begann, wird aber schnell mehr und Esther gerät in eine echte Zwickmühle…

Als Fan von Ali Hazelwoods MINT-RomComs musste ich auch diesen Roman lesen. Von der Grundidee her hatte er auch wirklich viel Potential, leider konnte er mich dennoch nicht überzeugen. Dies lag vor allem am nüchternen, fast schon abgehackten Schreibstil, wodurch ich beim Lesen überhaupt nicht in das klassische RomCom-Wohlgefühl kam. Verstärkt hat dies auch die Protagonistin Esther, die mich mit ihrer bärbeißigen, teilweise schon richtig unfreundlichen Art eher abschreckte. Ihre kleine Charakterwandlung zum Ende hin und der herzensgute Jonathan konnten es dann leider nicht mehr rausreißen - die gesamte Geschichte war mir leider zu flach und ungeschickt konstruiert, streckenweise sogar etwas langweilig und ich musste mich regelrecht zwingen, sie zu Ende zu lesen.

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