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Veröffentlicht am 06.09.2025

Heimat ohne Haltung

Heimat
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In ihrem Roman Heimat erzählt Hannah Lühmann die Geschichte von Jana, die mit ihrem Mann Noah in einem Dorf lebt, in dem die AfD stärkste Kraft ist. Jana wirkte dabei auf mich von Beginn an naiv und orientierungslos: ...

In ihrem Roman Heimat erzählt Hannah Lühmann die Geschichte von Jana, die mit ihrem Mann Noah in einem Dorf lebt, in dem die AfD stärkste Kraft ist. Jana wirkte dabei auf mich von Beginn an naiv und orientierungslos: Sie übernimmt nahezu unreflektiert tradwife-Ideale und verfängt sich zunehmend in einem Milieu, in dem rechte Ideologien, verschwörungsgeladener Medienkonsum und eine vermeintliche Sehnsucht nach Geborgenheit miteinander verschwimmen.

Jana kündigt ihren Job, ohne ihren Mann einzubeziehen, erwartet dennoch Verständnis – ein Beispiel für die Kommunikationslosigkeit, die ihre Ehe prägt. Mit Noah verbindet sie immer weniger, während sie gleichzeitig fasziniert auf Karolin, eine zentrale Figur in der Tradwife-Szene, blickt. Diese Faszination entwickelt sich erstaunlich schnell, ohne dass Jana innere Widerstände zeigt. Ihre Entfremdung von Noah verläuft folgerichtig, wirkte auf mich aber literarisch oberflächlich und wenig nachvollziehbar. Insgesamt blieben die Figuren leider flach und schwer greifbar – ein Mitfühlen war mir nicht möglich.

Lühmann berührt viele gesellschaftspolitische Themen – von rechter Ideologie über tradwives bis hin zu Medienverhalten. Doch keines dieser Themen wird in die Tiefe verfolgt. Vieles bleibt bei Andeutungen, vagen Beschreibungen oder halben Thesen stehen. Gerade die Auseinandersetzung mit der AfD oder der Tradwife-Bewegung, die das Potenzial für eine literarische wie politische Reflexion böte, blieb leider aus. Dadurch wirkte der Roman auf mich politisch unbefriedigend: Kritik fehlte weitgehend, eine klare Haltung ebenso.

Eine Stärke des Buches ist, dass es die Vielschichtigkeit rechter Lebenswelten sichtbar macht – wie Alltag, Familienmodelle und Verschwörungserzählungen ineinandergreifen. Auch der Zusammenhalt innerhalb der Szene, die gegenseitige Unterstützung, wurde glaubhaft dargestellt. Doch gerade, weil es keine Figur gibt, die diesen Tendenzen aktiv widerspricht, blieb bei mir ein schaler Nachgeschmack: Wer bereits mit der Szene sympathisiert, könnte sich eher bestätigt als abgeschreckt fühlen.

Fazit: Heimat ist in der Anlage ein spannender Versuch, das Tradwife-Phänomen und seine Verankerung in einer rechtskonservativen Lebenswelt literarisch zu erkunden. Die Umsetzung jedoch hat mich enttäuscht: Oberflächliche Figuren, fehlende innere Logik im Handeln der Protagonistin und die mangelnde kritische Auseinandersetzung mit zentralen Themen ließen den Roman ins Leere laufen. Für Leser:innen, die einen tieferen Einblick in die emotionalen Mechanismen der Tradwife-Bewegung suchen, kann das Buch dennoch interessant sein. Wer aber eine literarisch dichte oder politisch kluge Auseinandersetzung erwartet, wird enttäuscht.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Leider langweilig

Mismatch
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Inhalt: Austin Fields ist der neue Spitzenspieler der College-Basketballmannschaft der Hopeville University. Nach dem Umzug in die Kleinstadt will er ein für alle Mal mit seiner Vergangenheit abschließen ...

Inhalt: Austin Fields ist der neue Spitzenspieler der College-Basketballmannschaft der Hopeville University. Nach dem Umzug in die Kleinstadt will er ein für alle Mal mit seiner Vergangenheit abschließen – wenn nur diese ebenso hübsche wie hartnäckige Sportjournalistin aufhören würde, Fragen zu stellen. Denn sein dunkelstes Geheimnis scheint ihm bis hierher gefolgt zu sein …

Joyce Reed ist eine angehende Sportjournalistin, wird als Frau aber nicht richtig ernst genommen. Da kommt es ihr gerade recht, dass der neue Star der Hopeville Dragons Geheimnisse zu verbergen scheint. Die perfekte Gelegenheit, sich zu beweisen. Doch als sie die Wahrheit erfährt, ändert das alles.

Leider konnte mich diese Sportsromance nicht überzeugen. Im Vergleich zu anderen Romanen dieses Genres fehlten mir der freche Wortwitz, das Prickeln zwischen den Figuren, spicy Szenen und nicht zuletzt ein ernsthaftes, hintergründiges Problem. Basketballer Austin Fields gibt zwar mehrfach an, dass er sich wegen eines Ereignisses in der Vergangenheit schuldig fühlt, als dieses dann aber auf unspektakuläre Weise enthüllt wurde, schien mir das als sehr übertrieben. Die beiden Figuren Joyce und Austin sind ganz niedlich, konnten aber leider über die für meinen Geschmack zu langweilige Handlung nicht hinweghelfen.

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Veröffentlicht am 25.10.2024

Schwache Umsetzung

Die Mitford Schwestern
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In ihrem neuesten Roman widmet sich die Autorin Marie Benedict den „verrückten Mitford-Schwestern“. Die 6 Töchter einer britischen Adelsfamilie sorgten in den 20er und 30ern mit ihren Eskapaden stets für ...

In ihrem neuesten Roman widmet sich die Autorin Marie Benedict den „verrückten Mitford-Schwestern“. Die 6 Töchter einer britischen Adelsfamilie sorgten in den 20er und 30ern mit ihren Eskapaden stets für illustre Schlagzeilen. Während eine Schwester politisch aktiv dem Kommunismus nacheifert, wird die nächste zur größten Jüngerin Hitlers.



Im Fokus des Romans stehen die 3 Schwestern Nancy (die älteste), Diana (die mittlere) und Unity (die jüngste), deren Perspektive auf Ereignisse zu verschiedenen Zeitpunkten zwischen 1932-1941 in wechselnden Kapiteln wiedergegeben wird.



Da ich zuvor noch nichts von den Mitford-Schwestern gehört hatte, war ich sehr neugierig und hoffte auf einen lebhaften historischen Roman, der die geschichtlichen Ereignisse beleuchtet und gleichzeitig eine Erklärung bietet, weshalb die verschiedenen Schwestern in solche politischen Extreme verfallen konnten. Doch Entgegen meiner Hoffnungen blieb die Handlung sehr oberflächlich und die Figuren eindimensional. Die Autorin schaffte es leider nicht, ein Gesamtbild der Familie zu zeichnen und hinreichende Erklärungen anzubieten. Gleichzeitig fehlten der historische Kontext und die Einordnung in die damaligen Verhältnisse. Der Roman las sich für mich wie eine notizhafte Aneinanderreihung der chronologischen Ereignisse, ohne mich emotional mitzunehmen. Leider fehlt zudem im Nachgang eine Kennzeichnung, was erdacht und was wahre Begebenheit ist, sodass hier keine Einordnung ohne Vorwissen möglich ist. Am unangenehmsten fand ich aber die unkritische Betrachtung und Verherrlichung der Nazis durch die Figur Unity - hier wäre eine Einordnung wichtig gewesen!

Ich habe insgesamt deutlich mehr erwartet und finde, dass die Autorin hier viel Potential verschenkt hat.

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Veröffentlicht am 19.08.2024

MINT ohne Funken

Dating and other Theories. Wenn der präziseste Plan zum romantischen Verhängnis wird
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Die Raketenwissenschaftlerin Esther möchte ihrer besten Freundin Jinny helfen und dringend verhindern, dass diese sich noch einmal auf ihren Ex einlässt. Notgedrungen arrangiert sie daher ein Date zwischen ...

Die Raketenwissenschaftlerin Esther möchte ihrer besten Freundin Jinny helfen und dringend verhindern, dass diese sich noch einmal auf ihren Ex einlässt. Notgedrungen arrangiert sie daher ein Date zwischen ihrem Nachbarn Jonathan, den sie eigentlich unausstehlich findet, und Jinny. Jonathan lässt sich allerdings nur unter der Bedingung darauf ein, dass Esther ihm im Gegenzug bei seinem neuesten Drehbuch helfen wird. Was als Zweckgemeinschaft begann, wird aber schnell mehr und Esther gerät in eine echte Zwickmühle…

Als Fan von Ali Hazelwoods MINT-RomComs musste ich auch diesen Roman lesen. Von der Grundidee her hatte er auch wirklich viel Potential, leider konnte er mich dennoch nicht überzeugen. Dies lag vor allem am nüchternen, fast schon abgehackten Schreibstil, wodurch ich beim Lesen überhaupt nicht in das klassische RomCom-Wohlgefühl kam. Verstärkt hat dies auch die Protagonistin Esther, die mich mit ihrer bärbeißigen, teilweise schon richtig unfreundlichen Art eher abschreckte. Ihre kleine Charakterwandlung zum Ende hin und der herzensgute Jonathan konnten es dann leider nicht mehr rausreißen - die gesamte Geschichte war mir leider zu flach und ungeschickt konstruiert, streckenweise sogar etwas langweilig und ich musste mich regelrecht zwingen, sie zu Ende zu lesen.

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Veröffentlicht am 24.07.2024

Schwach

Forever Never
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Lucy Score steht für mich für unterhaltsame Kleinstadtromane mit liebenswerten Figuren und einer Portion Spice. In „Forever Never“ schreibt die Autorin jedoch nicht nach altbewährtem Rezept, sondern weitet ...

Lucy Score steht für mich für unterhaltsame Kleinstadtromane mit liebenswerten Figuren und einer Portion Spice. In „Forever Never“ schreibt die Autorin jedoch nicht nach altbewährtem Rezept, sondern weitet eine vermeintlich spannende Story mit zwei blassen Hauptfiguren ohne jeglichen Tiefgang und diversen spicy Szenen auf über 500 Seiten episch aus.

Der Inselpolizist Brick Callan trifft erneut auf seine heimliche große Liebe Remi Ford, die vom Festland zurück auf die Insel geflüchtet ist. Im Gepäck hat sie diverse Probleme, die er für sie lösen möchte. Im Enemies-To-Lovers-Stil kommen die beiden zusammen, begleitet von abstrusen Gedankengängen, warum sie nicht zusammen sein können, und Sexszenen, die mir persönlich oft schon zu vulgär waren. Mit beiden Figuren, vor allem dem übergriffigen Brick, bin ich nicht recht warm geworden, und die liebenswerten Nebenfiguren, die den Roman hätten aufwerten können, wurden leider total vernachlässigt. Remis Probleme, die sich unter anderem um eine gewalttätige Ehe drehen, hätten Tiefgang bringen können. Das Potential wurde von der Autorin aber leider nicht genutzt. Es reihte sich eine spicy Szene an die nächste, der Rest bildete nur den Rahmen für Belanglosigkeit. Das ist mir zu wenig und ich weiß, dass die Autorin das wirklich besser kann. Ich hoffe, sie findet zu ihrem altbewährten Stil zurück!

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