Profilbild von Ritja

Ritja

Lesejury Star
offline

Ritja ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Ritja über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2025

Spannend bis zum Schluss

Der Wolf im dunklen Wald
0

Der zweite Fall von Carla Seidel ist genauso verwirrend, schlaufenfahrend und spannend wie der erste Fall.

Bei Carla und ihrer Tochter Lana ist alles wie gehabt. Sie umkreisen sich, sie scheuen die Nähe ...

Der zweite Fall von Carla Seidel ist genauso verwirrend, schlaufenfahrend und spannend wie der erste Fall.

Bei Carla und ihrer Tochter Lana ist alles wie gehabt. Sie umkreisen sich, sie scheuen die Nähe und obwohl beide das gleiche Ziel haben, schaffen sie es nicht gemeinsam. Sie stoßen sich ab wie Magneten, obwohl sie die Distanz gern abgebaut hätten. Carla trinkt, wie schon im Band 1, zu viel, zu maßlos und stürzt dadurch immer wieder ab. Sie kämpft mit ihren inneren Dämonen, die sich aus Schuld, Wut, Verzweiflung und Traurigkeit zusammensetzen. Doch sie hat keine Zeit sich mit ihren Themen zu beschäftigen. Sie muss Morde aufklären. Eigentlich etwas, was sie nicht mehr machen wollte.

Deshalb Wendland - Ruhe, weg vom Ex und keine Morde.

Nun steht sie vor der zweiten Mordermittlung. Ihr Vorgesetzter ist keine große Hilfe, dazu noch gut verbunden mit den Menschen, die als Täter in Frage kommen könnten. Das schafft noch zusätzliche Spannung zwischen ihnen. Doch Carla hat Lars Eggers an ihrer Seite. Gemeinsam setzen sie die Ermittlungen in Gang. Bis der nächste Mord in einem anderen Bundesland geschieht.

Die Autorin weiß, wie man den Lesenden packt und mitzieht. Die eingebauten Wendungen und Richtungswechsel sorgen für etwas Verwirrung, so dass man umdenken muss. Dazwischen packt sie immer wieder das Private und aus meiner Sicht, die traurigere Seite der Geschichte. Das Unvermögen der Familie Seidel zusammenzukommen ohne sich zu verletzen. Auch diese Passagen hat die Autorin gut beschrieben und beleuchtet. Es gibt bei ihr kein schwarz oder weiß, was mir gut gefallen hat.

Während die Morde aufgeklärt werden, bleibt das Private offen.

Veröffentlicht am 16.03.2025

Informatives und leicht zu lesendes Sachbuch

Leben ohne Angst
0

"Leben ohne Angst" ist ein gut zu lesendes Sachbuch, welches seinen Lesenden an die Hand nimmt, manchmal sogar sanft umarmt. Prof. Dr. Grönemeyer schreibt über die verschiedensten Ängste (Krankheit, Tod, ...

"Leben ohne Angst" ist ein gut zu lesendes Sachbuch, welches seinen Lesenden an die Hand nimmt, manchmal sogar sanft umarmt. Prof. Dr. Grönemeyer schreibt über die verschiedensten Ängste (Krankheit, Tod, Panik, Phobien), was sie mit uns machen und was eigentlich hinter der Angst steht. Seine Erklärungen kann man gut folgen, auch wenn der erste Teil des Buches mit einigen Fachbegriffen bestückt ist. Die Zusammenhänge sind jedoch sehr interessant und durch die persönlichen Einschübe gut nachvollziehbar. Die erwähnten Studien oder Forschenden kann man im Quellenverzeichnis nachlesen und sich dadurch auch weitere Studien im Netz suchen. Der Autor weist allerdings auch daraufhin, dass dieses Buch sich nicht eignet, um Angststörungen allein zu therapieren. Hierfür sollte sich der Lesende ärztliche Unterstützung suchen.

Der zweite Teil zeigt auf, wie man die Angst überwinden kann bzw. welche Methoden und Ansätze hilfreich u.a. für die Reduzierung von Stress sind. Wer sich schon mit Stressreduzierung und Achtsamkeit beschäftigt hat, wird auf einige bekannte Ansätze treffen. In anschaulichen kurzen Kapiteln werden die Ansätze erklärt wie z.B. Den Kopf freimachen, den Körper beruhigen, Raus aus dem Angstzirkus und Zurück zum Miteinander.

Obwohl die Ansätze für mich nicht neu waren, hilft es immer wieder sich damit auseinander zusetzen und sich die Methoden zu verinnerlichen. Es gibt so viele kleine Stellschrauben, die man drehen kann, um sich besser und ruhiger zu fühlen. Man muss sich "nur" die Zeit und den Raum nehmen, die Vorschläge umzusetzen.

Veröffentlicht am 09.03.2025

Leseempfehlung

Vermissen auf Japanisch
0

Kyoko reist mit ihrem Sohn nach Japan zu ihrer Familie. Sechs Wochen Sommerferien und sechs Wochen Familienleben. In dieser Zeit stirbt ihr Ehemann Levi. Nach ihrer Rückkehr ändert sich ihr Leben schlagartig. ...

Kyoko reist mit ihrem Sohn nach Japan zu ihrer Familie. Sechs Wochen Sommerferien und sechs Wochen Familienleben. In dieser Zeit stirbt ihr Ehemann Levi. Nach ihrer Rückkehr ändert sich ihr Leben schlagartig. Schulden, keine Lebensversicherung und der Verlust ihres Hauses machen sie wütend auf Levi, aber sie wird aufgefangen und gestützt. Bubbe, ihre jüdische Schwiegermutter, steht ihr bei, auch wenn Kyoko ganz anders um Levi "trauert" als sie es sich erhofft hat. Kyoko ist überfordert und mauert. Sie ist funktioniert, um ihren Sohn zu schützen. Sie sucht Mittel und Wege, wie sie ein gutes Leben führen können und schafft für Alex und sich immer wieder Wahlfamilien. Menschen, die mit ihnen zusammenleben und eine Gemeinschaft bilden. Die finanzielle Unabhängigkeit von ihrer Schwiegerfamilie wird eines ihrer zentralen Anliegen.

Kyoko hat sich einen Panzer zugelegt. Sie kann nur schwer über ihre Gefühle sprechen und lässt auch kaum neue Gefühle zu. Sie wirkt oft in ihren Aussagen hart und harsch, zurückweisend und kalt, aber sie liebt trotzdem - vor allem ihren Sohn Alex.

Es ist ein Blick in das Leben einer Japanerin, die in den USA lebt und arbeitet und zwischen den Kulturen immer wieder ins straucheln kommt.

Ich mochte die Geschichte, besonders Bubbe. Die Geschichte zog mich mit und ließ mich immer wieder Pausen zum Nachdenken einlegen. Die Charaktere waren speziell, eigenwillig und trotzdem faszinierend. Der Schreibstil war sehr gut, fast schon poetisch, aber die Zeitsprünge waren teilweise anstrengend und verwirrend, da es keine Kapitel mit Überschriften zur Orientierung gab.

Leseempfehlung für alle, die einen kleinen Einblick in die japanische Kultur und Gefühlswelt erhalten wollen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.03.2025

Kleiner Einblick in die Wirtschaftswunderzeit

Frühjahrskollektion
0

Wer kennt sie noch, die dicken Modekataloge, die man halbjährlich im Briefkasten (bzw. daneben) liegen hatte?

Den bekannten Neckermannkatalog gab es schon in den 60ziger Jahren und genau in diesen Katalog ...

Wer kennt sie noch, die dicken Modekataloge, die man halbjährlich im Briefkasten (bzw. daneben) liegen hatte?

Den bekannten Neckermannkatalog gab es schon in den 60ziger Jahren und genau in diesen Katalog will Lilo ihre Bademode unterbringen. Doch wie kommt man an die richtigen Leute, die dies ermöglichen könnten? Lilo ist eine geschäftstüchtige Frau, die einen Modeladen erfolgreich führt und sehr zielstrebig ihre Ideen verfolgt. Sie entwickelt Bademoden für reife Frauen. Doch schon bald muss sie mit einem unangenehmen Besuch zurecht kommen, der sie an die Vergangenheit erinnert, die sie so gut verdrängt hatte.

Ihrem Mann vermittelt sie eine Stelle bei Neckermann (nicht ganz ohne Hintergedanken). Während sie nach vorn prescht, hadert er mit seinem neuen Job. Er reist in die DDR, um Verträge auszuhandeln oder zu kündigen. Kein leichtes Unterfangen, da sein Gewissen ihn immer wieder blockiert.

Je weiter man in den Roman eintaucht, desto mehr dunkle Flecken tauchen auf der weißen Weste des Ehepaares auf. Auch der Arbeitgeber von Harry steht im Fokus der Ermittlungen.

Die Autorin verwebt fiktive Charaktere mit wahren Begebenheiten und erschafft damit einen Roman, der einerseits unterhält und andererseits etwas Gänsehaut entstehen lässt. Der Schreibstil ist sehr schön und so gleitet man durch die Seiten und kann abtauchen in die 60ziger Jahre, wo das Wirtschaftswunder blühte, aber die Vergangenheit noch nicht aufgearbeitet war.

Veröffentlicht am 01.03.2025

Leseempfehlung

In der Bucht
0

Die Kurzgeschichte "In der Bucht" wurde 1922 erstmals veröffentlicht und doch liest sie sich sehr flüssig und modern. Ich mochte die Geschichte und ihre Charaktere sehr und war erstaunt, was die Autorin ...

Die Kurzgeschichte "In der Bucht" wurde 1922 erstmals veröffentlicht und doch liest sie sich sehr flüssig und modern. Ich mochte die Geschichte und ihre Charaktere sehr und war erstaunt, was die Autorin alles auf nur 128 Seiten einfließen lässt.

Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.

Dieser Spruch fiel mir als erstes ein, als ich die ersten Seiten der Erzählung gelesen hatte. Der Mann des Hauses geht zur Arbeit und die Frauen streifen direkt ihre Steifheit und Etikette ab und freuen sich auf den gemeinsamen Tag. Es brodelt im Inneren der Frauen. Das strenge Korsett der gesellschaftlichen Normen zickt und sie wollen es immer weniger tragen. Jeder Charakter, der von der Autorin erschaffen wurde, hat seine eigene kleine Geschichte. Beryl setzt sich ab und verbringt ihre Zeit mit einer Frau, die keinen guten Ruf in der Gesellschaft genießt. Und Linda, die Mutter, freut sich, wenn sie ihre Kinder nicht um sich hat und für sich sein kann.

Die Autorin hält der Gesellschaft den Spiegel vor und zeigt, was nicht stimmt. Die festgefahrenen Geschlechterrollen, die Unzufriedenheit der Charaktere (auch der männlichen) und die Übergriffigkeit des männlichen Geschlechts.

Ein kleines wunderschön gestaltetes Buch, was sich zu lesen lohnt.

  • Einzelne Kategorien
  • Erzählstil
  • Charaktere