Weder schwarz noch weiß
Dunkle Momente
Es gibt kein schwarz oder weiß.
Eva Herbergen hat in ihrem Leben als Strafverteidigerin so einiges erlebt. Sie soll ihre Mandant:innen vor der Strafe schützen. Sie muss über den Tellerrand schauen ...
Es gibt kein schwarz oder weiß.
Eva Herbergen hat in ihrem Leben als Strafverteidigerin so einiges erlebt. Sie soll ihre Mandant:innen vor der Strafe schützen. Sie muss über den Tellerrand schauen und prüfen, warum ist das Verbrechen verübt worden? Wer trägt wirklich die Schuld? Sie sammelt neben Beweisen auch Geschichten, die die Menschen zu Tätern werden ließen.
Elisa Hoven ist Professorin für Strafrecht an der Universität Leipzig und Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof und das liest man. Der Blick auf die Fälle ist oft nüchtern und sachlich. Ist man am Anfang noch schockiert über die Tat und dem Vorgehen muss man sich im Laufe der Ermittlungen eingestehen, dass nicht alles schwarz oder weiß ist. Vieles liegt in einem Graubereich und die Rechtsprechung überrascht nicht nur einmal. Doch auch die Strafverteidigerin Eva Herbergen bewegt sich immer wieder an der Grenze und manchmal überschreitet sie sie. Wie kommt sie damit zurecht und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
Die Fälle sind angelehnt an realistische Fälle (True Crime Liebhaber werden dies mögen). Die Fälle werden gut geschildert und zeigen die Diskrepanz zwischen Recht und Gerechtigkeit auf. Auch die moralischen Ansprüche werden beleuchtet. Können sie standhalten? Und welchen Einfluss haben die Medien, wenn sie unreflektiert, nach einer Schlagzeile gierend von dem Verbrechen schreiben? Wie viele Details kann man einer Bevölkerung zumuten? Es tauchen viele Fragen auf, die nicht immer alle beantwortet werden. Dafür hätte es ein paar Seiten gebraucht.
Insgesamt war es ein interessantes Buch, welches, dank eines guten Schreibstil, den Lesenden die Komplexität von Recht und Gerechtigkeit, von Moral und der Gefahr von Vorverurteilung aufzeigt.