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Veröffentlicht am 10.03.2025

Dieser Massenmord an Zivilisten darf nicht vergessen werden

Ein Krieg wie kein anderer
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Es waren etwa 26 Millionen Sowjetbürger, die zwischen 1941 und 1945 ihr Leben verloren. Die Einheizer begannen ihren Feldzug gegen diese Menschen aber bereits viel früher. Diese „Vorbereitungen“ gipfelten ...

Es waren etwa 26 Millionen Sowjetbürger, die zwischen 1941 und 1945 ihr Leben verloren. Die Einheizer begannen ihren Feldzug gegen diese Menschen aber bereits viel früher. Diese „Vorbereitungen“ gipfelten dann im Feldzug „Unternehmen Barbarossa“. Was die Menschen in den überfallenen Gebieten damals erlebten, wie sie mit dem Hass umgingen und wie sie nach dem Krieg trotzdem weiterleben konnten, das beschreibt der Autor in seinem Buch „Ein Krieg wie kein anderer“.

Hier werde ich nur wenige Aussagen niederschreiben, die Sie in dem rezensierten Buch nachlesen können. So meinte Heinrich Himmler bei einer Versammlung in Posen im Jahr 1943 folgendes: „Diese Masse muss zertreten und abgestochen werden. Es ist, um einmal ein ganz brutales Beispiel zu gebrauchen, wie bei einem Schwein, das abgestochen wird, und allmählich ausbluten muss.“

In seinem Pamphlet schrieb Adolf H. Dass die slawische Rasse minderwertig sei. Er will sie sogar an ihrem Äußeren erkennen und nicht nur er vergleicht sie immer wieder mit der „jüdischen Rasse“. Man beachte, dass genau dieser Herr im Jahr 1939 einen Nichtangriffspakt unterschrieb. Ist es denn erstaunlich, dass die Menschen bis heute nicht vergessen können, was die Deutschen ihnen und ihren Familien angetan haben?

Das Buch hat mich erschüttert und gleichzeitig ermutigt, gegen jeden Rassismus anzugehen. Wir leben hier zwar seit 80 Jahren ohne Krieg, aber wie lange noch? Wer Demagogen folgt und Parteien wählt, die eine Rassenideologie aufleben lassen möchten, der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Es lässt sich gut lesen, da es flüssig und bildhaft geschrieben wurde. Auch wenn das Thema nicht leicht ist, das Dranbleiben lohnt sich auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

"Die Sprache des Donald Trump"

Hitler übersetzen
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Mein Kampf, ein Buch „mit viel Tinte und noch mehr Seiten“ soll übersetzt werden. Es sind 1200 Seiten eines politischen Textes, der zur Katastrophe führte. Es war der erste Schritt auf dem Weg zur Auslöschung ...

Mein Kampf, ein Buch „mit viel Tinte und noch mehr Seiten“ soll übersetzt werden. Es sind 1200 Seiten eines politischen Textes, der zur Katastrophe führte. Es war der erste Schritt auf dem Weg zur Auslöschung von 6 Millionen Menschen. Aus Worten wurden leider dann auch Taten. Und diese Worte sollen nun auch für Menschen lesbar sein, deren Muttersprache das Französische ist.

Welch schwere Aufgabe, die vor dem Autor Olivier Mannoni lag. In „Hitler übersetzen“ schreibt er über seine Schwierigkeiten, sich überhaupt näher mit den Betrachtungsweisen des Führers zu befassen. Was für mich als Leser ebenso unglaublich ist, dass genau diese kruden Ansichten in den Köpfen vieler Leute auch heute wieder (oder noch?) existieren. Wir brauchen gar nicht nach USA oder Ungarn blicken. Bleiben wir in Deutschland und sehen das Grauen unter anderem durch eine rechtsextreme Partei im Bundestag. Der Autor schreibt dazu: „Die Ideen in Mein Kampf zirkulieren weiter unter uns. Ungebrochen, lebendig und bedrohlich.“

Herr Mannoni schreibt von dem kaum zu ertragenen Hass, der ihm bei der Bearbeitung des Buches entgegenschlug. "Auf bleiernen Sohlen durch den Morast waten.", so beschreibt er sein Gefühl bei dieser Arbeit. Das hat er noch nie so geballt erlebt und er übersetzte bereits viele Werke. Er gibt aber auch immer wieder Beispiele von ähnlichen Vorfällen, die in das Hier und Jetzt reichen. Das Buch lässt sich trotz seines schwierigen Themas angenehm lesen. Wer sich für die Thematik interessiert und mehr dazu erfahren möchte, der bekommt im Anhang einige Empfehlungen für weiterführende Literatur.

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Hat Weidel den Franz-Josef kopiert?

Das Deutsche Demokratische Reich
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Eine Bevölkerung, die von der Heterosexualität abfällt? Migranten als Zwangsarbeiter? Tillschneider ruft in ein Mikrofon „Gott schütze die AfD“. Er bemängelt ebenfalls die Eröffnungsfeier von Olympia 2024 ...

Eine Bevölkerung, die von der Heterosexualität abfällt? Migranten als Zwangsarbeiter? Tillschneider ruft in ein Mikrofon „Gott schütze die AfD“. Er bemängelt ebenfalls die Eröffnungsfeier von Olympia 2024 in Frankreich. Lobt aber diese wunderschönen Körper junger Männer und Frauen bei der Feier in Sotschi 2014. Was geht in den Köpfen von Männern und Frauen vor, die solche Aussagen vor Publikum treffen?

Klar ist doch, dass Fluchtbewegungen in Richtung Deutschland von Russland hervorgerufen wurden. Oder gibt es sie nicht, diese vielen Menschen, die sich vor den Bomben in Syrien und der Ukraine auf den Weg machten? Die Partei der Grünen trieben eine erforderliche Energiewende voran und wollten bald auf fossile Brennstoffe verzichten. Ist es überraschend, dass der Hass gegen diese Partei mit Wucht verbreitet wurde? Mit Falschmeldungen aus Russland? Ist es doch ein Land in dem Gas und Öl nur so sprudeln?

Und dann gab es noch eine Aussage von Franz-Josef Strauß. Meinte er doch tatsächlich, dass Hitler und Goebbels Marxisten waren. Nein, das sagte er nicht während der Herrschaft Hitlers und seiner Mannen. Das Zitat von ihm stammt aus dem Jahr 1980. Als er gegen Helmut Schmidt antrat. Wie gut, dass er den Wettstreit um das Kanzleramt verlor.

Diese und etliche weitere Fakten sind nachzulesen in dem Buch
"Das Deutsche Demokratische Reich" von Volker Weiß. Es liest sich sehr gut und kommt ohne ein Zuviel an Fremdwörtern aus. Jedes Kapitel ist mit einer Überschrift versehen. Auf den Seiten gibt es Zahlen. Zu jeder Ziffer gibt es im Anhang Nachweise und Belege zu den einzelnen Aussagen. Ein Buch, das ich gerne las und ohne Abstriche empfehle.


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Veröffentlicht am 04.03.2025

Autor und Sprecher zogen mich in ihren Bann

Die Henkerstochter und das Vermächtnis des Henkers (Die Henkerstochter-Saga 10)
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„Die Henkerstochter und das Vermächtnis des Henkers“ ist also der Jubiläumsband. Für mich war es das erste Buch der Henkerstochter - Saga. Nein, zu keinem Zeitpunkt war es für mich schwierig, der Geschichte ...

„Die Henkerstochter und das Vermächtnis des Henkers“ ist also der Jubiläumsband. Für mich war es das erste Buch der Henkerstochter - Saga. Nein, zu keinem Zeitpunkt war es für mich schwierig, der Geschichte ohne Vorkenntnisse zu folgen. Jeder Band ist in sich abgeschlossen. Hier geht es um Jakob Kuisl und seine Beschwerden. Ihn quälen die Ereignisse der Vergangenheit. Er findet keine Ruhe und plagt sich mit Schuldgefühlen. Tochter und Enkelin machen sich Sorgen. Aber Jakob möchte kein Mitleid und fasst neuen Mut, als ihn der Brief eines alten Weggefährten erreicht. Vielleicht kann er ja endlich seinen Herzenswunsch erfüllen. Endlich genug Geld zu haben und seiner Familie das Bürgerrecht zu kaufen.

Nicht nur die Wendungen zogen mich in den Bann. Auch das Geschehen rund um den Krieg zwischen Christen und Muslimen war spannend zu lesen. Wie stolz waren doch die Adligen und wie wenig galt das „Fußvolk“ damals. So viele Menschen litten unter der Herabwürdigung durch ihre Herrscher und konnten gar nichts dazu beitragen, dass sie endlich anerkannt wurden.

Neben der präzisen Beschreibung von Kämpfen kommt auch der Humor nicht zu kurz. Das gefiel mir besonders gut. Die Sprache ist bildhaft und ich empfand das Buch zu keiner Zeit langweilig. Und der Sprecher ist außerordentlich. Er konnte seine Stimme so gut anpassen, dass sie klang als würden viele Sprecher das Buch lesen. Aus dem Grund empfehle ich es allen, die mehr über die „Türken vor Wien“ erfahren möchte.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Viele Fakten lassen mich sprachlos zurück

Die letzten Tage
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Therese Wenninger ist die Mutter eines zum Tode Verurteilten. Ihr Gnadengesuch richtet sich an den Bundespräsidenten Österreichs. Ihr Sohn Hans Wellner, 17 Jahre alt, soll erschossen werden. Wegen Fahnenflucht. ...

Therese Wenninger ist die Mutter eines zum Tode Verurteilten. Ihr Gnadengesuch richtet sich an den Bundespräsidenten Österreichs. Ihr Sohn Hans Wellner, 17 Jahre alt, soll erschossen werden. Wegen Fahnenflucht. Dieses Urteil zu einer angeblichen Straftat war damals üblich. Auch wenn es die letzten Tage des Krieges waren und es kaum noch Vergehen im Sinne der Nationalsozialisten gab. Befehle wurden minutiös durchgeführt. „Blinder Gehorsam“ war während und nach dem Krieg gang und gäbe.

Die Täter hatten keinen Skrupel, Menschen zu töten. Ihnen wurde kein ordentliches Gerichtsverfahren gestattet. Auch der Hinweis auf Sonn- und Feiertage wurde von den Übereifrigen Männern ignoriert. Erst nach dem Krieg und bei der Aufarbeitung der Geschehnisse, kamen auch diese Fakten zur Sprache. Das Blatt wendete sich. Leider kam die Einsicht der Obrigkeitshörigen für die Verurteilten zu spät.

Es war im Jahr 1993 als der pensionierte Jurist Alois Karmers mit seinen Nachforschungen zu den Ereignissen zum Kriegsende begann. Die waren Grundlage für das Buch „Die letzten Tage“. Für Leser, die das Geschehen nicht nachvollziehen können, unvorstellbar. Was bewog die Henker zur ihren Taten? Schalteten sie ihr Mitgefühl aus oder hatten sie Furcht vor ihren Vorgesetzten? Das Buch lässt dem Leser viel Raum für seine eigenen Gedanken. Können wir urteilen? Aus heutiger Sicht? Diese Fragen mag sich jeder selbst beantworten.

„Es war eine Zeit, in der Niedertracht und Bosheit keine Befehle mehr brauchten, um aus Mitbürgern und Kollegen Täter zu machen.“ Dieses Zitat aus dem Buch beschreibt alles, was die Situation damals ausmacht. Ich empfehle allen das Lesen, die sich mit den Fakten auseinandersetzen möchten. Denn nach wie vor heißt es: „Wehret den Anfängen.“

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