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Ullap

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.03.2025

Draussen auf dem "platten Land"

Hier draußen
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Das junge Hamburger Ehepaar Lara und Ingo zieht mit seinen Kindern vor die Tore der Großstadt ins beschaulilche Dorf Fehrdorf. Dort versprechen sie sich mehr Platz, mehr Ruhe und etwas Beschaulichkeit, ...

Das junge Hamburger Ehepaar Lara und Ingo zieht mit seinen Kindern vor die Tore der Großstadt ins beschaulilche Dorf Fehrdorf. Dort versprechen sie sich mehr Platz, mehr Ruhe und etwas Beschaulichkeit, vielleicht auch neue Kontakte zu den alten Dorfbewohnern. Als eines Tages Ingo in einen Autounfall mit einer weissen Hirschkuh verwickelt wird und diese daraufhin vom Dorfjäger erschossen werden muss, kommt ein alter dörflicher Aberglaube wieder ans Tageslicht.

Mit ihrem Debütroman hat uns die Autorin ein wunderbar plastisches und für mich sehr realitätsnahes Bild einer kleinen Gemeinschaft gezeichnet. Eine verschworene Bewohnerschaft, bei der jeder jeden kennt, es Neulinge erst einmal schwer haben, aber dann doch auch gerne aufgenommen werden, bei denen Traditionen noch etwas zählen und jeder doch auch irgendwie so sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Eigentlich passiert im Laufe des Romans nicht so sehr viel, als Leser lernt man die unterschiedlichen Personen nach und nach kennen und blickt hinter die Fassaden, die nicht immer so sind, wie sie eigentlich erscheinen. Eine klare, kurze und prägnante Sprache passt dabei gut zum Leben der Dorfbewohner, in dem oft nicht viel Zeit für Gefühle bleibt, der oft harte Alltag will zunächst einmal bewältigt werden. Dabei kommen nach und nach doch einige Dinge an die Oberfläche, der Roman wird zum Ende hin noch sehr tiefgründig. Die Erzählung ist leichtgängig lesbar, ich hatte immer wieder den Eindruck, mitten unter den Bewohnern zu leben. Auf dieses kleine Stück Dorfleben sollte man sich als Leser gerne mal einlassen!

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Ein Traum kann wahr werden

Die Bibliothek der zweiten Chancen
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Die seit einigen Jahren verwitwete Charlotte hat zwei erwachsene Töchter, die nun fast zeitgleich das heimische Nest verlassen. Trost findet sie in ihrer Arbeit in der Bibliothek mit den Büchern, die sie ...

Die seit einigen Jahren verwitwete Charlotte hat zwei erwachsene Töchter, die nun fast zeitgleich das heimische Nest verlassen. Trost findet sie in ihrer Arbeit in der Bibliothek mit den Büchern, die sie so sehr liebt. Schon lange träumt sie davon, ihr eigenes Buch zu schreiben und dort vielleicht ihre eigene Liebesgeschichte mit ihrem verstorbenen Mann zu verewigen, den sie bis heute nicht vergessen kann. Eine zufällige Begegnung mit der jungen Verlegerin Lisa bringt wieder Hoffnung in dieses Vorhaben. Auch Lisas Leben und die Beziehung zu ihrem Verlobten läuft gerade nicht besonders gut...

Das wunderschöne Cover sowie der passende und anziehende Titel lassen jeden Buchliebhaber sofort nach dieser Lektüre greifen. Das Thema zum "Buch im Buch" ist hier sehr schön umgesetzt, beide Frauen, die zwei unterschiedlichen Generationen entstammen, können hier gegenseitig voneinander profitieren. Es ist eine wunderbare Geschichte von großer Liebe, versäumten Gelegenheiten, aber auch zweiten Chancen, die es zu nutzen gilt. Dies ist hier m.E. sehr feinfühlig und doch auch unterhaltsam umgesetzt, ohne ins Kitschige abzudriften. Die beiden Hauptdarstellerinnnen sind dabei für mich sehr realistisch mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen dargestellt und mir beim Lesen beide ans Herz gewachsen. Gerne eine Leseempfehlung für diesen tollen Roman!

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Hamlet im Seniorenheim

Crime im Heim
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Im Seniorenheim "Silberblick" wird gerade für eine Hamlet-Aufführung geprobt, als der Mops einer Mitbewohnerin tot aufgefunden wird - erschossen, wie die alten Herrschaften bald herausfinden. Kurze Zeit ...

Im Seniorenheim "Silberblick" wird gerade für eine Hamlet-Aufführung geprobt, als der Mops einer Mitbewohnerin tot aufgefunden wird - erschossen, wie die alten Herrschaften bald herausfinden. Kurze Zeit später wird ein weiterer Toter im Garten des Heims gefunden, die Senioren ermitteln auf eigene Faust.

Thematisch gehört dieser unterhaltsame und auch sehr spannende Krimi in die Sparte "Cosy-Crime", ohne hier jedoch allzusehr ins Slapstickhafte abzudriften. Die durchweg sehr liebenswürdig, teilweise schrulligen aber auch zum Teil sehr intelligenten, wenn nicht sogar intellektuellen Heimbewohner können sich und ihre Mitbewohner gut selbst auf die Schippe nehmen, ohne jedoch ihr Ziel aus dem Auge zu verlieren. Hier wird mit Klugheit und Rafinesse ermittelt bis zum wirklich spannenden Ende, obwohl mich dann die Auflösung doch nicht mehr so sehr überrascht hat. Wunderbar untermalt wird diese Geschichte von eingewobenen Shakespeare-Zitaten, die vielleicht ein wenig zu sehr im Vordergrund stehen. Hamlet-Fans wird der Krimi aber ein besonderes Vergnügen sein.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Frauenleben in Irland

Coast Road
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Wir befinden uns in einem kleinen Küstenstädtchen im Irland der 90er Jahre. In dem katholischen Land waren Trennungen oder gar Ehescheidungen noch ein No-Go. In dieser Zeit wagt es die Schriftstellerin ...

Wir befinden uns in einem kleinen Küstenstädtchen im Irland der 90er Jahre. In dem katholischen Land waren Trennungen oder gar Ehescheidungen noch ein No-Go. In dieser Zeit wagt es die Schriftstellerin Colette, ihren Mann zu verlassen und quasi ohne finanzielle Mittel in ein kleines Cottage am Rand ihres Heimatortes zu ziehen, ihr Lebensstil eher locker und unkonventionell. Zwei weitere Frauen, Lizzy und Dolores, kreuzen dabei aus unterschiedlichen Gründen immer wieder ihren Weg.
Das Buch zeigt uns auf einfühlsame Weise das Dorfleben in einer konservativen Gemeinschaft, in der Außenseiter oder ungewöhnliche Begebenheiten aufmerksam beäugt werden, bei denen die drei so unterschiedlichen Frauen im Mittelpunkt stehen, ihren Familien, vor allem den Männern jedoch auch wichtige Rollen zukommen. Ein schwieriges Thema wurde hier von dem Autoren in seinem Erstlingswerk sehr gelungen und leichtgängig lesbar dargestellt.
Diese interessante Geschichte habe ich gerne gelesen, die Botschaft des Romans wird noch einige Zeit in mir nachhallen.

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Veröffentlicht am 14.02.2025

Viel mehr als nur die Geschichte eines Kreuzfahrtschiffs

Fernwehland
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Nachdem ich von der Autorin bereits "Die Sehnsucht nach Licht" mit Begeisterung gelesen habe, hat Kati Naumann auch hier wieder ein interessantes Stück (Ost-)deutscher Geschichte mit toller Hand zu Papier ...

Nachdem ich von der Autorin bereits "Die Sehnsucht nach Licht" mit Begeisterung gelesen habe, hat Kati Naumann auch hier wieder ein interessantes Stück (Ost-)deutscher Geschichte mit toller Hand zu Papier gebracht.

Wir erfahren die Historie eines alten Kreuzfahrtschiffs, das seit den 40er Jahren unter verschieden Flaggen und mit unterschiedlichen Namen unterwegs war, zu DDR-Zeiten zu einem günstigen Preis aufgekauft wurde und "verdienten Bürgern" für Erholungsfahrten zur Verfügung gestellt wurde. Wir lesen aber auch die Geschichte von Stewardes Simone und Matrose Henri, die in jungen Jahren auf dem Schiff gearbeitet und sich dort kennengelernt haben und nun in gesetztem Alter noch mal eine Fahrt mit "ihrem" Schiff unternehmen, bei der sie auf die Schwedin Frida treffen, eine ältere Dame, die auch ganz besondere Erinnerungen mit dem Schiff verbindet.

Das Buch erzählt die Geschichte auf unterschiedlichen Zeitebenen, bei denen wir allmählich die Bedeutung von Fluß, Meer und Schiffahrt für Henris und Simones Familie erfahren, ebenso wird der Bezug zu einem mittlerweile zusammengebrochenen System stetig aufrechterhalten ohne dauernd den mahnenden Finger zu erheben. Dabei sind die einzelen Figuren ganz wunderbar und doch so unterschiedlich gezeichnet, mit einigen wird man sofort warm, bei anderen daurt dies eine ganze Weile.

Für mich wieder ein sehr interessanter, unterhaltsamer und manches Mal auch nachdenklich machender Roman, bei dem ich wieder Neues aus der deutsch-deutschen Vergangenheit lesen durfte, was mir bisher absolut unbekannt war.

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