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Veröffentlicht am 03.02.2026

Berchtesgaden - Ein Teil deutscher Nachkriegsgeschichte

Berchtesgaden
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Carolin Otto nimmt uns in ihrem gleichnamigen Roman mit nach Berchtesgaden und lässt uns teilhaben am Leben der Menschen kurz nach Beendigung des 2. Weltkrieges. Der Schreibstil ist flüssig und lässt ...



Carolin Otto nimmt uns in ihrem gleichnamigen Roman mit nach Berchtesgaden und lässt uns teilhaben am Leben der Menschen kurz nach Beendigung des 2. Weltkrieges. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Leider ist er aber auch wenig bis völlig emotionslos, so dass ich zu den handelnden Personen keine Bindung aufbauen konnte,

Die Handlungen der Protagonisten sind in meinen Augen nicht immer stimmig und nachvollziehbar. Die Autorin hat zu viel gewollt und dabei den roten Faden aus den Augen verloren. Auch vermisse ich einen Spannungsbogen und eine Weiterentwicklung der Charaktere. Zum Teil liest sich der Roman wie ein Geschichtsbuch. Die wiedergegebenen geschichtlichen Ereignisse sind korrekt dargestellt. Den Zeitgeist hat die Autorin gut getroffen. Das reicht aber nicht für ein gutes Buch.

Interessant war es, die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet zu sehen. Durch die verschiedenen Handlungsstränge, die leider nicht vertieft wurden und bei einigen habe ich mich gefragt: Was soll das?, ist die Tiefe komplett verloren gegangen. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich auf Sophie und ihre Familie zu konzentrieren, da war genug Potential.

Schön wäre es gewesen, ein Personenverzeichnis zu haben, da die im Buch vorkommenden Personen doch sehr zahlreich sind.

Schön gestaltet ist das Cover. Zeigt es doch eine Frau in Kleidung und Frisur im Stil der 40iger Jahr, die ihren Blick auf die Berchtisgadener Berge richtet.

Am Ende bleiben viele Fragen offen. Da hat sich die Autorin eine Tür für eine Fortsetzung offengelassen.

Mich konnte der Roman leider nicht überzeugen. Mein Fazit: Weniger wäre mehr gewesen.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Cocktails nicht nur für die Nazis

Der Barmann des Ritz
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Philippe Collin nimmt uns in seinem Roman “Der Barmann des Ritz” mit in das Paris der Jahre 1940-44, also die Zeit der deutschen Besatzung, und lässt uns teilhaben am Leben von Frank Meier, einem Meister ...

Philippe Collin nimmt uns in seinem Roman “Der Barmann des Ritz” mit in das Paris der Jahre 1940-44, also die Zeit der deutschen Besatzung, und lässt uns teilhaben am Leben von Frank Meier, einem Meister seines Faches.
Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen Er ist jedoch gewöhnungsbedürftig, kommt er doch fast ohne Emotionen aus, so dass es für mich schwierig war, mich Frank Meier nahe zu fühlen.
Der Roman basiert auf einer wahren Geschichte, nur die im Buch enthaltenen Tagebucheinträge sind Fiktion.
Das Buchcover zeigt ein Foto aus der Bar des Ritz, was zur Authentzität erheblich beiträgt.
Im Anhang findet man Fotos von verschiedenen im Buch vorkommenden Persönlichkeiten mit kurzem Lebenslauf. Da hatte ich beim Lesen sofort ein Bild der entsprechenden Person vor Augen.
Auch das Glossar am Ende ist sehr hilfreich. Gerade die französischen Gäste in der Bar des Ritz konnte ich so gut zuordnen.
Die Handlungen des Protagonisten sind glaubhaft und nachvollziehbar.
Frank Meier, selbst Jude, versucht die Zeit der Besatzung unbeschadet zu überleben. In seiner Bar treffen die verschiedensten Menschen aufeinander. Da sind zunächst die Nazis, die Kollaborateure und die französische Elite. Bald muss er sich entscheiden, auf welcher Seite er stehen möchte. Will er aktiv werden und verfolgten Menschen mit seinen Kontakten helfen oder wegschauen. Sein Handeln entscheidet nicht nur über sein Leben, sondern auch über das der Frau, die er heimlich liebt. In seiner Bar treffen sich Menschen, die Widerstand leisten, was dazu führt, dass er in Gewissenskonflikte gerät und all seinen Mut braucht, im Zeichen des Krieges loyal zu sein und selbst zu überleben.
Der Roman zeigt das Bild einer Stadt und Gesellschaft, die sich mit den Folgen der Besatzung arrangiert und zum größten Teil zur Tagesordnung übergeht und erst aufwacht, als die Alliierten schon vor ihren Türen stehen.
Der Autor hat mich leider nicht wirklich abgeholt, was daran liegen mag, dass die Erzählung wenig emotional ist. Es ist ein gut recherchierter Roman über eine dunkle Epoche, nicht nur in Frankreich.

Veröffentlicht am 12.03.2025

Auf der Jagd nach dem Burgunderschatz

Im Auftrag der Fugger - Der Burgunderschatz
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In seinem Roman “Im Auftrag der Fugger – Der Burgunderschatz-” nimmt uns Peter Dempf mit nach Augsburg in das Jahr 1503 und auf die Reise nach Basel und zurück. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich ...

In seinem Roman “Im Auftrag der Fugger – Der Burgunderschatz-” nimmt uns Peter Dempf mit nach Augsburg in das Jahr 1503 und auf die Reise nach Basel und zurück. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Vermisst habe ich eine Karte der Stadt Augsburg aus dem Mittelalter sowie eine ebensolche der Reiseroute nach Basel. So konnte ich schlecht nachvollziehen, wo genau sich die Protagonisten jeweils befanden.

Die Handlungen der Protagonisten sind für mich nicht immer glaubhaft und daher auch nicht nachvollziehbar. Auf ihrer Reise nach Basel und zurück geraten sie von einem Hinterhalt in den nächsten, verlieren sich aus den Augen, finden sich wieder und es gelingt ihnen, ihre Verfolger mit List und Tücke zu schlagen. Sie finden immer und überall eine helfende Hand. Die Reise gerät zu einer einzigen Verfolgungsjagd, bei der nicht immer klar ist, wer ist Freund und wer ist Feind. Für mich war das zu viel Action. Bei einem historischen Roman erwarte ich keinen Thriller.

Gut haben mir die Intrigen der Kaufmannsfamilien in Augsburg gefallen. Diese Schilderungen waren für mich plausibel und nachvollziehbar. Der Burgunderschatz und dessen Besitz versprachen zur damaligen Zeit ein hohes Ansehen, so dass jeder in den Besitz desselben kommen wollte. Etwas befremdlich fand ich den Umgang mit den Protagonisten, deren Tod billigend in Kauf genommen wurde.

Am Ende des Buches taucht eine alte Gefahr wieder auf und die Protagonisten stellen sich erneut in den Dienst der Familie Fugger. Dieses Ende wurde vom Autor geschickt gewählt, lässt es doch Raum, für eine weitere Geschichte.

Das Buchcover ist sehr schön gestaltet, ein richtiger Eyecatcher. Der dunkelblaue Hintergrund und die goldene Silhouette von Augsburg.

Dem Autor gelingt es, die Spannung hochzuhalten, wenn auch die ständigen Verfolgungsjagden für mich etwas ermüdend waren. Mich konnte der Roman nicht voll überzeugen, was aber auch daran gelegen haben mag, dass ich etwas anderes erwartet habe.

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Veröffentlicht am 07.01.2025

Ende gut, alles gut

Die Telefonistinnen - Verbindungen fürs Leben
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Verbindungen fürs Leben ist nun der letzte Teil der Telefonistinnen-Trilogie von Nadine Schojer und spielt wieder in Köln. De Protagonistinnen haben sich im Nachkriegsdeutschland eingelebt und setzen ihren ...

Verbindungen fürs Leben ist nun der letzte Teil der Telefonistinnen-Trilogie von Nadine Schojer und spielt wieder in Köln. De Protagonistinnen haben sich im Nachkriegsdeutschland eingelebt und setzen ihren Weg gemeinsam fort. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Auf dem Cover finden wir die vier Frauen wieder, die auch auf den beiden Vorgängercovern zu sehen sind. Insoweit ist ein hoher Wiedererkennungswert gegeben.

Dieser dritte Teil kann auch gelesen werden, wenn man die beiden anderen Romane nicht kennt. Zum besseren Verständnis würde ich aber empfehlen mit Band 1 zu beginnen.

Die Geschichte nimmt von Anfang an Fahrt auf, so dass der Eindruck entsteht, dass Nadine Schojer den Lesern in diesem Teil möglichst viel präsentieren möchte, wobei wenig Überraschendes passiert, alles läuft auf ein Happy End für alle Protagonistinnen hinaus. Die Handlungen sind im Kontext der Geschichte glaubhaft, lassen aber Tiefe vermissen. Mir ist sehr wohl bewusst, dass es sich um einen Roman handelt, aber so läuft das Leben nicht. Vieles ist mir zu konstruiert.

Allein das Familiengeheimnis von Julia hat mich überrascht und Emotionen ausgelöst sowie der Brief von Giselas Mann, der Größe gezeigt hat.

Für mich war es am Ende zu viel Friede, Freude Eierkuchen. Die Geschichte der vier Frauen hätte mehr hergegeben, da hat die Autorin das Potential leider nicht voll ausgeschöpft.

Trotz meiner Kritik hat mich die Autorin gut unterhalten. Für Leser, die auf Happy Ends stehen, ist die Trilogie bestens geeignet, für mich war es insgesamt zu wenig.

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Veröffentlicht am 02.07.2024

Nina hat es nicht leicht

Die geheimnisvolle Freundin
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Die Autorin Simona Baldelli versucht in ihrem Roman „Die geheimnisvolle Freundin“ zwei Geschichten miteinander zu verbinden, die jede für sich ein Buch wert gewesen wären, mich so aber nicht voll überzeugen ...

Die Autorin Simona Baldelli versucht in ihrem Roman „Die geheimnisvolle Freundin“ zwei Geschichten miteinander zu verbinden, die jede für sich ein Buch wert gewesen wären, mich so aber nicht voll überzeugen konnten.
Das Buch schildert das Leben von Nina zu Beginn der 50iger Jahre in einem Waisenhaus in den Abruzzen und das der erwachsenen Nina als Arbeiterin in einer Tabakfabrik.
Das Leben im Waisenhaus ist geprägt durch Lieblosigkeit und Demütigungen von Seiten der Nonnen. Nina sehnt sich nach Wärme und Zuneigung, möchte einfach als der Mensch gesehen werden, der sie ist und nicht als das Findelkind, das von Geburt an niemand wollte. Ihr Leben scheint sich zu besseren, als Lucia, eine Waise, in das Heim kommt. Doch Lucia ist keine wirkliche Freundin und nutzt Ninas Gutmütigkeit nur aus. Nina verzichtet auf die Möglichkeit einer Adoption und lässt Lucia den Vortritt. Dadurch trennen sich ihre Wege.
Nachdem Nina das Heim Jahre später verlassen hat, bekommt sie eine Anstellung in einer Tabakfabrik und findet mit Marcella – die sie schon aus dem Heim kennt – und Clara – eine Intellektuelle, dje ihre eine neue Welt erschließt – zwei Freundinnen. Als die Tabakfabrik geschlossen werden soll, engagiert sie sich mit den anderen Arbeiterinnen und streikt für ihre Rechte.
Dann ist auf einmal Lucia wieder da und fordert von Nina einen Gefallen, wobei sie natürlich wieder nur sich selbst im Auge hat und Nina Vorwürfe macht und ihr ein schlechtes Gewissen einredet.
Der Autorin gelingt es vortrefflich, die düstere Atmosphäre im Waisenhaus einzufangen. Die Lieblosigkeit der Nonnen und die dort herrschende Gewalt werden wortgewaltig geschildert, so dass man das Gefühl hat, als Betrachter dabei zu sein. Diese Abschnitte haben mich sehr berührt.
Auch die Schilderungen während des Streiks, die Mutlosigkeit und dann der absolute Wille durchzuhalten, um etwas an der Situation zu ändern, sind glaubhaft beschrieben.
Das erneute Zusammentreffen von Nina und Lucia wirkt dagegen sehr konstruiert, die Geschichte dünn und wenig glaubhaft.
Nicht alle Handlungen der beteiligten Personen konnte ich nachvollziehen.
Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Der Buchtitel ist irreführend, gibt es doch keine geheimnisvolle Freundin, zumindest ich konnte sich nicht finden. Auch der Klappentext weckt eine Erwartung, die nicht erfüllt wird. Nina und Lucia verbindet keine jahrelange Freundschaft und auch kein dramatisches Missverständnis erschüttert ihr Vertrauensverhältnis.
Bei beiden Teilen der Geschichte hätte man tiefer in die Materie einsteigen können. Vieles wird nur angerissen oder bleibt oberflächlich. Auch das Bild der beiden jungen Frauen auf dem Cover passt nicht wirklich zum Inhalt der Geschichte.

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