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Veröffentlicht am 29.04.2025

Zwischen dunkler Begierde, Selbstfindung und Blutdurst.

A Dowry of Blood: Begehren. Obsession. Macht.
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Diesen Roman kann man nur schwerlich in Worte fassen, ist es doch eine Geschichte durch die Jahrhunderte, eine, in der Found-Family keine Gemütlichkeit ausstrahlt, sondern danach schreit, durchbrochen ...

Diesen Roman kann man nur schwerlich in Worte fassen, ist es doch eine Geschichte durch die Jahrhunderte, eine, in der Found-Family keine Gemütlichkeit ausstrahlt, sondern danach schreit, durchbrochen zu werden, in der Melancholie und Schwermut fließt; in der Hoffnung und Liebe in Kontrollsucht, Bedürftigkeit und Jähzorn verglühen. Leidenschaft, die in Obsession erstickt wird, Lebenslust, verschluckt von Toxic, Monotonie und Blutdurst.

𝐀 𝐃𝐨𝐰𝐫𝐲 𝐨𝐟 𝐁𝐥𝐨𝐨𝐝: 𝐁𝐞𝐠𝐞𝐡𝐫𝐞𝐧. 𝐎𝐛𝐬𝐞𝐬𝐬𝐢𝐨𝐧. 𝐌𝐚𝐜𝐡𝐭. ist ein Geständnis, ein Abschluss und eine Zusammenfassung von der – teilweise lückenhaften, verschwommenen – Zeit, die Constanta an der Seite ihres vermeintlichen Retters und Erlösers, ihres Wärters und Häschers verbrachte. Durch triste Töne, in eindringlichen Worten – gänzlich elegant – werden wir in ein glanzvolles Dasein gezogen, dessen Pracht schleichend einem Alptraum weicht, solcher, dem zu entkommen unmöglich scheint. Geprägt aus lockenden Versprechungen, verführerischen Lügen, grenzenlosem Wahn und einer nicht endenden Gier – nach Kontrolle, Wissen, Macht.
Dass es gerade Stolz und Gottkomplexe sind, die das Böse niederstrecken, die die fest verschlossenen Türen und zu engen Fesseln sprengen … Nun, damit hat der Herr in all seiner Überheblichkeit sicher nicht gerechnet.

Die Geschehnisse fokussieren sich zunächst auf den Grafen und Constanta, die klein, bedürftig gehalten, wird, isoliert. Abwechslung – den Beginn von Rebellion – bringen Magdalena und später Alexi mit. JedeR der drei „Untertanen“ weist verschiedene Eigenschaften und Wünsche auf, sodass Spannungen und Konflikte (mit ihrem Herren) unausweichlich waren.

S.T. Gibson versteht es, Tristesse auf Papier zu bannen, zwischen Zuckerbrot und Peitsche zu wanken, zu verunsichern. Durch eine Art bittersüßen Abschiedsbrief, eine von Wehmut und Stärke geprägte Rückblende, erfahren wir, wie Constanta in die Gesellschaft des Vampirs kam, wie die Zeit verging, Veränderung brachte, Wahrheiten zeigte. So viele Geheimnisse.
Zwar wirken die Zeilen aufgrund des gewählten, oft förmlichen, poetischen Stils distanziert, aber dies untermalt die allgegenwärtige Dunkelheit, die Gefahr, die bedrückende, oft hoffnungslose Stimmung. Und doch finden sich hinter unterschwelligem Hass und Vorwurf zärtliche, fast bedauernde Aussagen, reine Emotionen.

Letztlich ist 𝐀 𝐃𝐨𝐰𝐫𝐲 𝐨𝐟 𝐁𝐥𝐨𝐨𝐝 wie ein düsterer Sog, in dem eine toxische Beziehung, vermeintliche Liebe, langsam aufgedröselt, kritisch beleuchtet und ausgemerzt wird. Gothic-Vibes und dunkle Romantik machen dieses Buch zu einer rundum gelungenen, untypischen Vampir-Geschichte.

~ 𝗗𝘂 𝗵𝗮𝘁𝘁𝗲𝘀𝘁 𝗮𝘂𝘀 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗺 𝘄𝗶𝗹𝗹𝗲𝗻𝘀𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸𝗲𝗻 𝗠𝗮𝗲𝗱𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗽𝘂𝗹𝘀𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻𝗱𝗲 𝗪𝘂𝗻𝗱𝗲 𝗱𝗲𝗿 𝗕𝗲𝗱𝘂𝗲𝗿𝗳𝘁𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁 𝗴𝗲𝗺𝗮𝗰𝗵𝘁. ~

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Achtung: Suchtgefahr!

Truly Forbidden
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„Truly Forbidden“ hat mich auf mehreren Ebenen überrascht – beginnend bei dem Genre, denn es handelt sich nicht, wie durch diverse Social-Media-Auftritte behauptet und durch das Cover vermutet, um eine ...

„Truly Forbidden“ hat mich auf mehreren Ebenen überrascht – beginnend bei dem Genre, denn es handelt sich nicht, wie durch diverse Social-Media-Auftritte behauptet und durch das Cover vermutet, um eine Dark Romance (geschweige denn um eine Romantasy xD).

Vor fünf Jahren verließ Calla Livitin ihre Heimatstadt, um in New York zu studieren. Ein Fauxpas kurz vor ihrer Abreise und all die mit Staindrop verbundenen Erinnerungen machten es ihr unmöglich, zurückzukehren. Bis sie ihrem Vater die letzte Ehre erweisen und für ein paar Wochen ihrer Mutter zur Seite stehen will. Dass eine Begegnung mit ihrer ehemals besten Freundin und ein Aufeinandertreffen mit Ambrose nicht lange auf sich warten lassen, hindert die Kellnerin nicht an ihrem Plan, zu bleiben. Doch Dot braucht dringend einen Job. Und in Rows 3 Sternerestaurant, dem von den BewohnerInnen abgelehnten Projekt des einstigen Lieblings, wird dringend Personal gebraucht.
Aber Ambrose würde lieber auf dem Mars wohnen als das Mädchen, dem er einst die Unschuld nahm, für die er damals alles aufgeben wollte, hätte sie ihn nur gebeten, zu bleiben, heute eine Frau, in seiner unmittelbaren Nähe zu dulden … Eigentlich.
Denn Row ist noch immer Row und Cal … ist noch immer die tollpatschige, unbeholfene, schrullige Kindheitsfreundin seiner Schwester …

Shen bediente sich skurriler Situationen und unglaublich witziger Wortgefechte, die direkt aus einer RomCom stammen könnten. Zudem finden sich die Tropes „Smalltown“, „Brothers-best-friend“, „First-Love“, „GrumpyxSunshine“ & „Second-Chance“. Auch die sehr spezielle Charakterzeichnung sorgt einerseits für viel Humor und pure Unterhaltung, einen gewissen Wohlfühlfaktor, andererseits für rührende, schockierende Momente:
L. J. Shen
Calla Livitin wirkt wie eine lebensfrohe, übersprudelnde und selbstbewusste junge Frau, die Sinn für Humor und Peinlichkeiten hat. Doch als Kind einer Einwandererfamilie, die ihr Erbe stolz in die Kleinstadt trug, hatte Dot eine schwere Kindheit samt Jugend, die einzig durch ihre Eltern und die Casablancas erträglich wurde. Mobbing, Misshandlung und Missbrauch lehrten sie, niemandem zu vertrauen, vor allem keinen Männern, förderten ihre nervösen Ticks, begünstigten eine Sozial- sowie Androphobie. Auch nachdem sie – gedemütigt und Dylan beraubt – ihrer Heimat den Rücken gekehrt hatte, konnte sie sich nicht von dem Einfluss ihrer Vergangenheit lösen. Nur McMonster, einem Gesichtslosen, den sie im Forum für Menschen mit Angst vor Männern kennenlernte, gibt ihr Halt.
Nun, wieder hier, ist es der People-Pleaserin ein Bedürfnis, zu helfen, doch um gegen Ungerechtigkeiten und Intrigen, die die Stadt beherrschen, aktiv vorgehen zu können, muss sich Dot erst ihrem eigenen Trauma entgegenstellen. Und dann … dann kann sie vielleicht aus ihrem Traum, für den sie in Staindrop genügend Futter bekommt, Realität machen, den letzten Wunsch ihres Vaters erfüllen und Liebe zulassen.

Row hat sich seinen Erfolg und seinen Ruf hart erarbeitet, verschaffte sich weltweit mit der Kombination aus direktem Arschl*chverhalten, Geschäftssinn und seinem Talent für die Gourmetküche Respekt. Das ‚Descartes' sollte der verarmten, festgefahrenen Einwohnerschaft von Staindrop zu Aufmerksamkeit und Wachstum verhelfen, doch seine Pläne sorgen für brodelnden Unmut. Für Hassmails, Vandalismus und Stalking. Aber Ambrose Casablancas kümmert das nicht. Denn sobald das neue Jahr anbricht, wird er nach London aufbrechen und seine Karriere vorantreiben … Wäre es nur nicht so schwer, Dot jeden Tag zu sehen, sich gegen das zu wehren, was unausweichlich ist. Die Versuche, nicht mehr in der exzentrischen Frau zu sehen als einen One-Night-Stand, den er nie vergessen konnte, als ein unverbindliches Abenteuer, kommen ihm, seiner Gefühlskälte, in die Quere und bringen alles durcheinander … Perfektes Chaos.

Es gibt so viel über die Figuren zu sagen, die so unglaublich authentisch und echt gezeichnet wurden, dass es mir schwerfiel, sie ziehen zu lassen. Denn vor allem die Protagonisten sind absolute Herzmenschen!
L. J. Shen baut ihre Storyline nach und nach auf, lässt uns die Gegebenheiten, die Konflikte und die Stimmung – sowohl zwischen einzelnen Parteien als auch innerhalb der Kleinstadt – ergründen und gewährt uns intensive und detaillierte Einblicke in Dot & Row. Dass nicht nur Cal kämpft – mit der Trauer um ihren Vater, ihrer Perspektivlosigkeit und einer tragischen Vergangenheit inkl. schwerem, fest verankertem Trauma –, sondern auch Ambroses defensive Einstellung und sein unfreundliches Verhalten einen unerwarteten, schrecklichen Ursprung haben, lässt die Art des erfolgreichen Kochs nachvollziehbar werden, weckt Mitgefühl und den Drang, beide in Umarmungen zu hüllen.
So bemüht distanziert und erzwungen das „erwachsene“ Miteinander zwischen ihnen begann, so ehrlich, innig und explosiv wandelt sich diese Dynamik, die für Seufzer, Herzklopfen und „Ich will das auch!“ sorgt. Es war wunderschön, ein stetiges Auf und Ab, wankelmütig, total witzig und sehr emotional. Denn Row ist so viel mehr und Cal so voller Angst …

In „Truly Forbidden“ treffen wir auf weitere, die Handlung bereichernde Figuren – Dylan, die ebenfalls eine Ladung Probleme mit sich trägt und dennoch eine wunderbare, forsche beste Freundin ist, die man selbst in seinem Leben will. Rhyland – Rows „bester Freund“ und ein Charmeur, Kieran und die coolen Mütter der Hauptakteure. Auch Personen, die zwielichtiger nicht sein könnten, finden sich in der Kleinstadt.
Shens Stil ist wie gewohnt direkt, gefühlvoll und malerisch. Sowohl das Setting als auch die Charaktere und der Verlauf kamen bildreich und atmosphärisch zur Geltung, die melancholischen Aspekte überschatteten nie die Leichtigkeit. Es gab Schmerz, Tränen und Erleichterung, Wahrheiten, die die Kraft haben, einen Menschen zu zerbrechen, Wege, die nur noch, mutig, gegangen werden müssen, kraftvolle Aussagen und so vieles, das mich tief bewegt hat.
Die Intentionen und Zweifel des Einzelnen wurden nahbar dargelegt – auch jene derer, die kein Verständnis verdienten. Callas und Rows gewaltiges Wachstum, sowohl miteinander als auch jedeR für sich, ist reich an Abwechslung, Höhen und Tiefen.
Ein Genuss.

Der augenscheinlich recht üppige, jedoch von Anfang an mitreißende Verlauf besteht aus wichtigen, sensiblen Themen, Gänsehautmomenten, Heartbreaking-Vibes und Cozy-Feels; aus spannenden, temporeichen und überraschenden Ereignissen, aus Romantik, Witz und Spice. Wir finden ebenso viele anrüchige wie bizarre Gedanken, etliche Fragen, die nach und nach beantwortet werden, ergreifende Offenbarungen und Ängste, die so tief sitzen, dass sie alles Gute, jeden Funken Glück von sich stoßen …
Doch für Ambrose Casablanca gibt es nur alles oder nichts – wofür wird sich Calla Livitin entscheiden, wenn die Angst in ihren Knochen sitzt?

Fazit: Ich kann euch allen diese herzerwärmende, einheizende, unterhaltsame und definitiv nicht darke Romance sowas von empfehlen. Vorsicht: Suchtgefahr!

Anm.: Im Buch finden sich einige Fehler in Form von vergessenen/falschen Worten.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Eine sehr empfehlenswerte Geschichte.

Nachtlügen
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Der düstere Fantasy-Roman „Nachtlügen“ erzählt die Geschichte von Isra, die sich ihren Lebensunterhalt tagsüber als Kellnerin verdient, doch des Nachts als Alb gute Träume stiehlt und Alpträume hinterlässt.

Seit ...

Der düstere Fantasy-Roman „Nachtlügen“ erzählt die Geschichte von Isra, die sich ihren Lebensunterhalt tagsüber als Kellnerin verdient, doch des Nachts als Alb gute Träume stiehlt und Alpträume hinterlässt.

Seit eines ihrer Opfer verstarb, scheinen Schuld und Gram die junge Frau niederzudrücken, zusätzlich wird sie von ihresgleichen gemieden, ist einsam. Als jedoch ein weiterer Vorfall dieser Art geschieht, beginnt die Nachtalbin Dinge zu hinterfragen, tiefer zu graben und sich auf die Suche nach Antworten zu begeben. Doch welche Geheimnisse sie dabei aufdeckt, damit hat Isra nicht in den dunkelsten Stunden gerechnet …

Lisanne Surborg führt uns mit einem eindringlichen Ton und poetisch anmutender Sprache durch ihre dichte Story, die weder frei von Melancholie, moralischen Grauzonen noch von Schwere ist. Zwar wurde die Protagonistin mit allerhand Facetten und Charakterzügen ausgearbeitet, wird durch Fehler und ihre Gefühle nahbarer, dennoch hält die Autorin eine gewisse Distanz sowie Härte aufrecht.
Im Verlauf ergründen wir die Kreaturen der Nacht – Hierarchien, Gegebenheiten und ihr Dasein samt alternativen Lebensstilen wurden verständlich dargelegt. Da sich fantastische Romane häufiger mit Vampiren oder Dämonen als mit Nachalben beschäftigen, war es originell und durchweg interessant, mehr über diese Wesen zu lesen und in diese ganz besondere Welt einzutauchen.
Durch eine Storyline, die einen ausgewogenen Mix aus Informationen, spannenden Momenten und Mysterien enthält, blieb „Nachtlügen“ ununterbrochen abwechslungsreich. Surborg schafft es, die LeserInnen durch Details an den Verlauf zu bannen, durch Fragen und Ungereimtheiten das Interesse aufrechtzuerhalten, mit Wendungen zu überraschen.

Ich fand diese Geschichte wirklich gut, einfallsreich und düster. Hoffentlich werden wir noch mehr von der Autorin lesen können.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Ich kann die Bücher der Autorin nur empfehlen.

Golden-Heights-Reihe, Band 2 - Unlock My Truth
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„𝐔𝐧𝐥𝐨𝐜𝐤 𝐦𝐲 𝐓𝐫𝐮𝐭𝐡“ ist Band zwei der „𝘎𝘰𝘭𝘥𝘦𝘯 𝘏𝘦𝘪𝘨𝘩𝘵𝘴“-Reihe von Saskia Louis und erzählt die Geschichte von 𝐂𝐚𝐫𝐥𝐲 & 𝐓𝐲.
Es ist nicht nötig, den Vorgänger zu kennen, jedoch werdet ihr nach diesem Roman auch ...

„𝐔𝐧𝐥𝐨𝐜𝐤 𝐦𝐲 𝐓𝐫𝐮𝐭𝐡“ ist Band zwei der „𝘎𝘰𝘭𝘥𝘦𝘯 𝘏𝘦𝘪𝘨𝘩𝘵𝘴“-Reihe von Saskia Louis und erzählt die Geschichte von 𝐂𝐚𝐫𝐥𝐲 & 𝐓𝐲.
Es ist nicht nötig, den Vorgänger zu kennen, jedoch werdet ihr nach diesem Roman auch 𝘓𝘦𝘹𝘪𝘦 & 𝘓𝘰𝘨𝘢𝘯 genauer kennenlernen wollen.

Im Prolog erfahren wir, wie Charlotte auf die Geschwister gestoßen ist, und bekommen einen Eindruck davon, wie die Kunststudentin lebte und wieso sie so unbedingt Anschluss finden, Teile ihrer selbst verbergen will. Im weiteren Verlauf, der zwei Jahre später ansetzt, bekommt dieses Bild mehr Kontur, jedoch umrahmt von einem Lügenkonstrukt.
Carly liebt die Kunst, sticht in ihren Kursen hervor, verliert sich gerne – im Liegen – in heißen Piratenstorys. Ihre WG teilt sie sich mit ihrer besten Freundin Lexie, der Schwester des Jungen, in den sie sich vor so vielen Monaten verliebte. Doch Ty hält nichts von ernsthaften Beziehungen, hält jeden auf Abstand und macht weder einen Hehl daraus, dass ihm Geld nichts bedeutet, noch aus seiner Einstellung den Reichen gegenüber. Und in der Künstlerin scheint er auch nicht mehr zu sehen als eine weitere Schwester.
Gerade als sich Carly entschließt, ihre romantischen Hoffnungen loszulassen, zwingen Tyler persönliche Umstände dazu, bei ihr einzuziehen. Als wäre das nicht unangenehm genug, übernehmen seine wahren Gefühle und die Eifersucht die Oberhand, während sich Tys abgestreifte Vergangenheit in die Gegenwart drängt …

Was war das wieder schön!
Saskia Louis schafft es jedes Mal aufs Neue, mit ihren amüsanten Romanen, denen es nie an Ernst und einer gewissen Portion Realität fehlt, selbst die tristesten Tage aufzuhellen. Der Ton war locker, der Verlauf flott und frei von Längen, ohne dass der Eindruck entstand, dass nur an der Oberfläche gekratzt wurde. Tyler besticht mit seiner direkten, fürsorglichen Art und dem Bedürfnis, die beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben zu beschützen. Dass der 23-Jährige stets bereit ist, zu flüchten, jedoch nicht dazu, zu viel zu geben, zu viel zuzulassen, ändert weder etwas an seiner interessanten Ausstrahlung noch an seinem mühelosen Charme. Erst das Auftauchen seines kriminellen, unverbesserlichen Vaters lockt in dem unnahbaren Frauenhelden eine defensive, zornige Seite hervor. Nur Carly – herzensgut, aber nicht fehlerfrei – scheint den Aufruhr in seinem Inneren verstehen und sehen zu wollen. Obwohl er sich selbst als nicht gut genug für die zartbesaitete Künstlerin erachtet, kann er sich seiner Empfindungen nicht verwehren, kann ihre Worte nicht vergessen. Dabei hat er Lexie ein Versprechen gegeben …

Die Protagonisten, samt den Schatten ihrer Vergangenheiten und der leisen Zuversicht für die Zukunft, waren greifbar und authentisch ausgearbeitet. Es war leicht, Reaktionen und Zweifel nachzuvollziehen, für die Lügen Verständnis zu finden. Louis spart nicht an Found-Family-Vibes, an echten Freundschaften und Unterstützung, was sich in den Dynamiken der Figuren widerspiegelt. Für Spannung sorgen sowohl die Geheimnisse, die früher oder später für Verletzungen und Brüche sorgen könnten, als auch die echten Motivationen des Vaters der Geschwister. Es machte Spaß, Charlotte und Ty einzeln kennenzulernen und die beiden miteinander zu erleben, zu verfolgen, wie sie unsichtbare, selbst errichtete Barrieren überwinden, Gedanken los- und Schmetterlinge zulassen. Typisch für Saskias Romane ist der trockene Humor, der sich in Unterhaltungen, Monologen und skurrilen Situationen zeigt. (Ich sag’ nur: Piratenromane …) Abgesehen von den Loveinterests waren die Nebenfiguren – besonders Lexie & Logan sowie Mace & Evan – ausreichend integriert. Spicy-Szenen sind stimmig inszeniert, nehmen jedoch nicht den Fokus ein, dafür ist Carlys Leidenschaft zur Kunst und Tylers Liebe zur Musik deutlich zu spüren. Außerdem finden wir echte Probleme und wichtige Themen – seien es innere Kämpfe, Selbstzweifel, der Wunsch, zu genügen, frei und mehr zu sein als eine Vergangenheit, eine Gesellschaftsschicht oder eine Krankheit.

Fazit: „Unlock my Truth“ bekommt, wie jedes Buch der Autorin, eine große Leseempfehlung. Ich kann die nächste Veröffentlichung von Saskia kaum erwarten.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Wieder eine tolle Geschichte der Autorin.

Seven Years From Now
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Als ich sah, dass ein neuer Roman von Ashley Poston übersetzt wird, war klar:
Dieses Buch muss ich lesen, denn › Dead Romantics‹ blieb aufgrund der Originalität unvergessen. Dass mich „Seven Years From ...

Als ich sah, dass ein neuer Roman von Ashley Poston übersetzt wird, war klar:
Dieses Buch muss ich lesen, denn › Dead Romantics‹ blieb aufgrund der Originalität unvergessen. Dass mich „Seven Years From Now: Liebe ist eine Frage des Timings“ in gewisser Weise an die Tragik aus „Die Frau des Zeitreisenden“ erinnert, tat sein Übriges.
Und so viel vorab: Lemon & Iwan enttäuschten nicht.

Nach dem Tod ihrer Tante erbt die rationale Workaholicerin deren, von Erinnerungen und Wehmut durchtränkte, Wohnung und zieht widerwillig in das urige Monroe. Analea war ein sprunghafter Mensch, abenteuerlustig, reisebegeistert, schrill – doch hinter bunten Zügen verbarg sich eine ganz eigene Dunkelheit. Sie und ihre Nichte verbanden geheime Geschichten, die Suche nach Aufregung und die Leidenschaft, neue Kulturen und Länder zu entdecken. Analeas Tod hinterließ in Clementine Leere, Schuld und so viele Fragen.
Als sie eines Abends in ihre neue Bleibe tritt, trifft sie auf einen Fremden, der es sich gerade gemütlich macht. Schlimm genug, könnte man meinen, aber als die PR-Redakteurin etliche Kleinigkeiten bemerkt, die nicht da sein sollten – unmöglich da sein können! – erinnert sie sich an jene Worte, die ihr ihre Tante einst über die Wohnung und deren Zauber anvertraute … Und an Analeas einzige Regeln:
»Zieh immer deine Schuhe aus!«
»Verlieb dich nie in dieser Wohnung!«

„Seven Years From Now“ ist eine RomCom mit Mystery-Vibes, die in einem lockeren und modernen, oft ironischen und direkten Tonfall erzählt wird. Sowohl die Figuren als auch die Gegebenheiten sind schlüssig und vorstellbar dargelegt, laden hier und da zum Träumen, oft zum Schmunzeln, jedoch auch zum schwer Seufzen ein.
Vor allem Clementine wurde mit vielen Facetten und Sorgfalt ausgearbeitet, mit Fehlern und Eigenheiten; war hinter der selbstbewussten, harten Fassade nahbar und verletzlich. Neben all der Skurrilität, dem Charme und dem Witz verzichtet Poston nicht auf ernste Themen, auf tragische Ereignisse und die Liebe, die nicht loslässt, die auch „sieben Jahre“ und zahlreiche verpasste Chancen später noch pulsiert.
Während für ›Lemon‹ nur wenige Wochen vergehen, in denen sie sich nach dem sympathischen Tellerwäscher sehnt und die Wohnung anfleht, sie zu ihm zurückzubringen, sind es Jahre, in denen sich der emphatische, leidenschaftliche junge Mann verändert. Würden sich die beiden, jetzt, in der Gegenwart, erkennen? Würde sich James Ashton an sie erinnern? Diese Antwort soll nicht allzu lange auf sich warten lassen …

Idee und Setting, die „zeitreisende“ Wohnung, Sternekoch und Verlagsleben, waren ebenso interessant, wie die Protagonisten und Clementines fürsorgliche Freundinnen Drew und Fiona. Dem spritzigen Plot, der trotz des Gefühlschaos zum Wohlfühlen einlädt, ist leicht zu folgen und die charakterliche Entwicklung – das Hinterfragen der eigenen Wünsche – authentisch. Auch den Gefühlen – von Sehnsucht über Traurigkeit bis hin zu Hoffnung und dem Drang, sich zu beweisen – und der Atmosphäre, zwischen Euphorie und der Melancholie, die im Angesicht von Vergänglichkeit unausweichlich ist, konnte ich nachspüren.
Ashley Poston lässt keine Langeweile aufkommen und macht es den LeserInnen leicht, in das Geschehen einzutauchen. Im Verlauf dröseln sich ungeahnte Verbindungen und weitere Geheimnisse auf, Entscheidungen müssen getroffen und die Wahrheit gesprochen werden, sodass am Ende Überraschungen warten. Dass die romantische Komponente im Gesamten ohne viel aufgesetztes Drama, stattdessen mit Kommunikation auskommt, es dennoch knisternde, spannende und ulkige Momente gibt, macht diese RomCom zusätzlich zu einer, die ich gerne empfehlen möchte.

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