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Veröffentlicht am 12.03.2025

Spannende Dystopie mit etwas Queerness

The Last Bookstore on Earth
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Ein apokalyptischer Sturm ist über die Erde gezogen und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die 17-jährige Liz hat ihre Familie verloren und harrt allein in der Buchhandlung aus, in der sie früher ...

Ein apokalyptischer Sturm ist über die Erde gezogen und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die 17-jährige Liz hat ihre Familie verloren und harrt allein in der Buchhandlung aus, in der sie früher als Aushilfe gearbeitet hat. Dort tauscht sie Gegenstände mit anderen und dient als eine Art Postamt für Nachrichten, die Menschen auf der Durchreise hinterlassen. Dann tritt Maeve in ihr Leben und mit ihr eine Warnung: ein weiterer Sturm zieht auf und eine Gruppe von Flüchtlingen will die Buchhandlung einnehmen. Liz weigert sich, ihren sicheren Hafen zu verlassen, auf der anderen Seite ist sie nun endlich nicht mehr allein. Soll sie Maeve an einen anderen Ort folgen? Oder die Buchhandlung mit ihrem Leben verteidigen?

„The Last Bookstore on Earth“ ist das Debüt der 20-jährigen US-Amerikanerin Lily Braun Arnold, die selbst in einer unabhängigen Buchhandlung arbeitet; die deutsche Übersetzung stammt von Mareike Weber. Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive der Protagonistin Liz in der Ich- und Gegenwartsform, ganz so als würde sie uns gegenübersitzen und uns selbst von den Ereignissen berichten. Dabei ist ihre Einsamkeit aus jeder Zeile herauszulesen – umso schwerer fällt es ihr, wieder jemandem zu vertrauen, aus Angst, verlassen zu werden.

Liz hat mit dem Verlust ihrer Familie viel durchgemacht, sich aber dennoch eine gewisse Hilfsbereitschaft und Naivität bewahrt. Das wird vor allem deutlich, als Maeve in der Buchhandlung auftaucht, die so viel praktischer und wehrhafter ist. Die beiden freunden sich an und schließlich scheint sogar mehr daraus zu werden. Wenn da nur nicht der große Konflikt wäre: Maeve will fortgehen, Liz in der Buchhandlung bleiben. Wie soll sich das auflösen?

Als ich den Titel gelesen habe, musste ich das Buch unbedingt lesen. Leider ist der Buchladen reine Kulisse und auch Literatur spielt keine wirklich Rolle, schade! Ansonsten ist „The Last Bookstore on Earth“ jedoch eine spannende Dystopie mit ein wenig Queerness. Ich bin gespannt, was wir von der Autorin in Zukunft noch lesen werden!

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Spannende Geschichte mit einigen Längen

Rouge
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Nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter Noelle macht Mirabelle sich von Montréal auf den Weg nach Kalifornien, um ihre Angelegenheiten zu regeln und das Haus zu verkaufen. Dabei findet sie heraus, dass ihre ...

Nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter Noelle macht Mirabelle sich von Montréal auf den Weg nach Kalifornien, um ihre Angelegenheiten zu regeln und das Haus zu verkaufen. Dabei findet sie heraus, dass ihre Mutter sich in der letzten Zeit seltsam verhalten hat und immer wieder ein bestimmtes Beauty-Spa in der Nähe aufgesucht hatte. Dieses lag direkt an dem Küstenweg, vom dem Noelle in den Tod gestürzt ist – ein Zufall? Mirabelle will mehr über alles herausfinden, doch auch sie selbst lässt sich allzu leicht von den Versprechungen von ewiger Jugend und Schönheit blenden.

Ich mochte bereits „Bunny“ von Mona Awad sehr - eine herrlich skurrile Dark Academia-Geschichte - daher durfte ich mir auch ihren neuen Roman „Rouge“ nicht entgehen lassen. Die deutsche Übersetzung stammt von Cornelia Röser. Erzählt wird hauptsächlich aus Mirabelles Perspektive in der Ich- und Gegenwartsform; es werden jedoch auch immer wieder ihre Erinnerungen eingeflochten, bei denen die Grenzen zwischen Realität und Einbildung zu verschwimmen scheinen.

Vordergründig ist „Rouge“ vor allem eine Geschichte über Schönheitswahn und die absurden Versprechungen der Beautyindustrie. Mutter und Tochter sind besessen von ihrer eigenen Schönheit. Mirabelle nutzt eine Vielzahl von unterschiedlichen Produkten, mit denen sie ihre Haut makellos halten will. Noelle hingegen schien schon von klein auf eine Konkurrentin in ihrer Tochter zu sehen, was deren Verhältnis schwer belastet hat. Der Roman ist also auch eine Erzählung über eine komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung.

Mona Awad ist eine wahre Meisterin darin, die Grenzen der Wirklichkeit zu überschreiten. Das ist ihr bereits in „Bunny“ gelungen und auch in „Rouge“ geschehen Dinge, die den Boden der Realität verlassen. Damit stellt die Autorin die Frage in den Raum, was wir bereit sind, für Äußerlichkeiten zu opfern und ob das wirklich Wichtige nicht vielleicht anderswo zu suchen ist. Ein spannender Roman, der jedoch auch seine Längen hat und ähnliche Szenen wiederholt. Hier hätte die Handlung etwas gestrafft werden können.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Kurzer Roman über eine Obsession

Die Frau im lila Rock
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Jeden Tag sitzt „die Frau im lila Rock“ auf einer Parkbank in der Nachbarschaft. Beobachtet wird sie dabei von einer anderen, die sich selbst „die Frau mit der gelben Strickjacke“ nennt. Doch bald wird ...

Jeden Tag sitzt „die Frau im lila Rock“ auf einer Parkbank in der Nachbarschaft. Beobachtet wird sie dabei von einer anderen, die sich selbst „die Frau mit der gelben Strickjacke“ nennt. Doch bald wird aus den passiven Beobachtungen aktive Einmischung: zunächst legt sie der Fremden Magazine mit Stellenanzeigen auf die Bank, dann hängt sie ihr Shampoo-Proben an die Wohnungstür und schließlich erhält Frau Hino – so heißt „die Frau im lila Rock“ – den ihr zugedachten Job in einem Hotel. Eine ihrer Kolleginnen ist keine andere als Frau Gondo, „die Frau mit der gelben Strickjacke“. Doch was genau hat sie vor?

„Die Frau im lila Rock“ von Natsuko Imamura erschien im Original bereits im Jahr 2019 und ist ihre erste Übersetzung in die deutsche Sprache, übertragen von Katja Busson. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht der Beobachterin Frau Gondo in der Ich- und Gegenwartsform. Als Leser*innen haben wir so das Gefühl, in ihrem Kopf zu stecken – auch wenn wir ihre Motivation und Intention nicht so recht begreifen können.

Zu Beginn wirkt Frau Gondo noch wie eine interessierte, freundliche Nachbarin, aber schon bald ist klar, dass sie umfassende Informationen über Frau Hino gesammelt hat. Sie führt genauestens Buch über ihre Arbeitsplätze oder Phasen der Arbeitslosigkeit und scheint geradezu besessen davon zu sein, in das Leben dieser fremden Frau einzugreifen. Auch die Reaktionen anderer auf Frau Hino, zum Beispiel die spielender Kinder im Park, beäugt sie kritisch und geradezu mit Eifersucht. Die Motivation für dieses Verhalten bleibt jedoch lange Zeit unklar.

Was wie eine vielleicht etwas seltsame, aber ansonsten harmlose Geschichte beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einem wahren Thriller und es bleibt bei der Lektüre ständig ein ungutes Gefühl zurück. Einzig die etwas lange Einleitung in die Handlung und die Figuren hätte kürzer ausfallen dürfen, der Schluss wartet dafür jedoch mit einem echten Knaller auf und hätte gerne noch etwas weiter ausgeführt werden können. Eine interessante neue Autorin aus Japan, von der wir hoffentlich in Zukunft noch mehr lesen dürfen.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Geschichte über eine komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung

Die Gabe
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Eine Schriftstellerin ist todkrank und will noch ein allerletztes Gedicht schreiben. Dazu zieht sie vom Krankenhaus in die kleine Wohnung ihrer Tochter in Tokios Rotlichtviertel. Die versucht, ihre Arbeit ...

Eine Schriftstellerin ist todkrank und will noch ein allerletztes Gedicht schreiben. Dazu zieht sie vom Krankenhaus in die kleine Wohnung ihrer Tochter in Tokios Rotlichtviertel. Die versucht, ihre Arbeit als Hostess vor der Mutter zu verbergen, aber es ist ein komplizierter Tanz der beiden um die Wahrheit und die Beziehung zwischen ihnen bereits belastet. Kann die Mutter das Leben der Tochter akzeptieren? Oder sind sich beide vielleicht ähnlicher, als sie denken?

„Die Gabe“ ist der Debütroman der japanischen Soziologin und Kolumnistin Suzumi Suzuki und wurde von Katja Busson ins Deutsche übersetzt. Die Handlung wird ausschließlich aus der Perspektive der Tochter in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt – hier wäre der Blickwinkel der Mutter sicherlich auch interessant gewesen, doch diesen erhalten wir nur an einer Stelle gegen Ende des Romans, durch eine andere Figur.

Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist kompliziert. Schon zu Beginn erfahren wir, dass die Tochter mehrere Narben am Körper trägt, für welche die Mutter verantwortlich ist. Nach und nach kommen weitere Puzzleteile hinzu, bis wir am Ende die Situation kennen, die zu dieser Verletzung geführt hat – dennoch bleibt vieles unklar. Auf der einen Seite steht eine Mutter, deren Erfolg als Schriftstellerin ausblieb und die ihr Kind allein großzog. Auf der anderen Seite ist eine Tochter, die stets ihre Grenzen ausgetestet hat, die sich aber auch mit Schuldgefühlen herumschlägt. Erst der nahende Tod der Mutter ermöglicht einen Dialog zwischen beiden.

„Die Gabe“ ist ein stiller, kleiner Roman, in welchem die Protagonistinnen namenlos bleiben und in welchem, objektiv betrachtet, nicht viel geschieht. Dennoch entwickelt der Text eine ungeheure Kraft und schafft es, die Komplexität familiärer Beziehungen darzustellen. Darüber hinaus wird hier auch ein realistischer Blick auf die Arbeit im Rotlichtviertel geworfen. Die Tochter hat alle ihre Freundinnen und Kontakte dort, man unterstützt sich gegenseitig. Allerdings hat sich auch kürzlich eine dieser Freundinnen das Leben genommen. Ein wirklich lesenswerter Roman!

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Was ist Traum und was Realität?

Unmöglicher Abschied
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Schriftstellerin Gyeongha lebt allein und ist des Lebens so müde geworden, dass sie bereits an ihrem Testament arbeitet. Doch dann erreicht sie eine Nachricht von ihrer Freundin Inseon. Die liegt nach ...

Schriftstellerin Gyeongha lebt allein und ist des Lebens so müde geworden, dass sie bereits an ihrem Testament arbeitet. Doch dann erreicht sie eine Nachricht von ihrer Freundin Inseon. Die liegt nach einem Unfall im Krankenhaus in Seoul und bittet Gyeongha, sich auf den Weg zu ihrem Haus in Jeju zu machen, wo sie ihren Vogel Ami zurücklassen musste und um den sich nun niemand kümmert. Gyeongha macht sich auf den beschwerlichen Weg, aber wird sie rechtzeitig ankommen?

„Unmöglicher Abschied“ ist der neuste Roman der frisch gebackenen Nobelpreisträgerin Han Kang, die deutsche Übersetzung stammt von Ki-Hyang Lee. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus der Perspektive der Protagonistin in der Ich- und Vergangenheitsform. Immer wieder werden aber auch andere Stimmen eingeflochten, seien es Erzählungen Inseons oder Auszüge aus Dokumenten, die sich im Besitz der Familie befinden. Der Roman ist dabei in mehrere Teile gegliedert: Teil 1 beschreibt Gyeonghas mühsame Anreise nach Jeju (durch einen Schneesturm), Teil 2 gibt die Geschehnisse nach ihrer Ankunft wieder und Teil 3 schließt den Text auf mysteriöse Weise ab.

Inseons Familiengeschichte ist fest mit dem so genannten Jeju-Aufstand verknüpft, einem Massaker, bei dem Polizei und Militär zwischen April 1948 und August 1949 mindestens 27.000 Menschen töteten; die genaue Zahl ist unbekannt. Inseons Mutter entging dem Tod durch Zufall, musste aber hinterher die Leichen von Verwandten identifizieren; der ältere Bruder geriet in Gefangenschaft. Han Kang beschreibt sehr eindrücklich, wie diese Traumata eine ganze Familie geprägt haben, wie Inseons Mutter zeit ihres Lebens unter den Erinnerungen litt und bis zu ihrem Tode verzweifelt nach dem verschollenen Bruder suchte.

Thematisch schließt sich „Unmöglicher Abschied“ an Han Kangs „Menschenwerk“ an, welches sich mit dem Gwangju-Aufstand von 1980 befasste. In diesem neuen Roman verschwimmen nun aber noch stärker die Grenzen zwischen Traum und Realität, so dass über weite Strecken unklar bleibt, was nun eigentlich tatsächlich geschieht - dafür überzeugt die Autorin erneut mit ihrer poetischen Sprache.

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