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Veröffentlicht am 03.05.2025

Inselfeeling

Der Duft von Kuchen und Meer
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Der neue Roman von Anne Barns verspricht wieder eine richtige Wohlfühlgeschichte zu werden - und dem war auch so, auch wenn ich diesmal ein wenig Tiefe vermisste.

Maren lebt in Kassel und ist seit vier ...

Der neue Roman von Anne Barns verspricht wieder eine richtige Wohlfühlgeschichte zu werden - und dem war auch so, auch wenn ich diesmal ein wenig Tiefe vermisste.

Maren lebt in Kassel und ist seit vier Jahren Alleinerzieherin ihrer sechsjährigen Tochter Leni, nachdem ihr Mann Florian plötzlich verstorben ist. Ihre Großmutter Undine ist ihr eine große Hilfe, denn sie hütet oftmals ihre Urenkelin, wenn Maren länger im Café arbeiten muss, wo sie leckere Kuchen und Torten bäckt.
Eines Tages eröffnet Undine ihre Enkeltochter, dass sie ein Haus auf Amrum besitzt, in dem ihre Tante Gesche lebt, welche auch das Wohnrecht hat. Diese möchte demnächst ausziehen und da Undine nie mehr nach Amrum zurückkehren möchte, will sie das Haus Maren schenken. Maren fällt aus allen Wolken und nimmt sich erstmals zwei Wochen frei um sich das Haus anzusehen. Noch vor Lenis Einschulung fahren die Beiden auf die Nordseeinsel, um zu überlegen, ob sie das Haus verkaufen oder vermieten sollen. In Amrum angekommen, sind Maren und Leni sofort verzaubert von der Lage des Anwesens, welches direkt an den Dünen liegt. Auch das erste Zusammentreffen mit Gesche und Martje verläuft sehr positiv, doch einfach wird es Maren trotz allem nicht gemacht.....

Anne Barns erzählt die Geschichte in der Gegenwart aus der Sicht von Maren. Es gibt jedoch auch einige Rückblicke in die Vergangenheit. In diesem Strang lernen wir Hedwig kennen, die Mutter von Undine, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Frankfurt nach Amrum gekommen ist, um ihre große Liebe Jordis zu heiraten. In diesem Handlungsstrang und aus Gesprächen zwischen einigen Familienmitgliedern lässt die Autorin den Leser hinter die Kulissen schauen und deckt nach und nach ein paar Familiengeheimnisse auf.

Die Geschichte lässt sich leicht und locker lesen und der angenehme Schreibstil der Autorin lässt einem durch die Seiten fliegen. Allerdings erhält leider die Geschichte auch viel Altbekanntes aus ihren anderen Romanen. Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich, dass Undine ihre Herkunft ihrer Tochter, Enkel- und Urenkeltochter verheimlicht hat. Niemand von ihnen wusste, dass sie auf Amrum geboren wurde und auf der Insel gelebt hat. Das finde ich schon etwas weit hergeholt.

Lenis Aussagen fand ich außerdem oftmals nicht altersgerecht. Auch wenn sie ein aufgewecktes und neugieriges Kind ist, empfand ich ihre Weisheiten oder Kommentare nicht authentisch. Trotzdem hat mich Lenis offene Art und ihr Überschwang sehr gefallen, auch wenn für mich das Alter nicht wirklich passte.

Anne Barns hat die Amrumer Sprache gut eingesetzt, aber irgendwann wurde es mir dann doch etwas zu viel. Bei österreichischen Büchern ist bei den Verlagen oftmals der Dialekt nicht erwünscht oder wird gekürzt, was ich nicht authentisch finde. Hier wurde auf jeder Seite Öömrang verwendet. Das passt für mich nicht.

Hingegen konnte mich die Atmosphäre wirklich mitnehmen und verzaubern. Das Feeling für die Insel hat durch die bildhafte Landschaftsbeschreibung und durch die Verhaltensweisen der Inselbewohner noch mehr an Ausstrahlung gewonnen. Und als Leckermäulchen habe ich jede Erwähnung der leckeren Backwaren, die Maren zaubert, geliebt. Da läuft einem gleich das Wasser im Mund zusammen. Einige Rezepte davon findet man auf den letzten Seiten des Buches - vielen Dank Anne Barns.

Auch das Ende kam mir dann fast zu plötzlich und erschien mir etwas zu problemlos. Trotzdem mochte ich den Roman gerne, denn er sorgt für entspannte Lesestunden und lässt einem von Urlaub an der Nordsee träumen.

Fazit:
Ein leichter Wohlfühlroman mit leckeren Rezepten, einen Familiengeheimnis und einer atmosphärischen Inselkulisse - zum Entspannen und Wohlfühlen.

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Veröffentlicht am 26.04.2025

Buch und Blume

Die Zuverlässigkeit des Zufalls
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Der neue Roman von Lilli Beck ist diesmal im Atlantik Verlag veröffentlich worden und liest sich auch deutlich "einfacher" als ihre Hardcover Einzelbände aus dem Blanvalet Verlag.
Ich muss ehrlich sagen, ...

Der neue Roman von Lilli Beck ist diesmal im Atlantik Verlag veröffentlich worden und liest sich auch deutlich "einfacher" als ihre Hardcover Einzelbände aus dem Blanvalet Verlag.
Ich muss ehrlich sagen, dass mir ihre Romane, die rund um die beiden Weltkriege oder der Nachkriegszeit besser gefallen, als ihre Gegenwartsliteratur. Auch ihre letzte Trilogie fand ich etwas zu "leicht" und hatte nicht die Tiefe ihrer ersten Romane, obwohl Lilli Beck immer wieder ernste Themen aufgreift. In "Die Zuverlässigkeit des Zufalls" geht es zum Beispiel um Trauerbewältigung.

Nina-Marie hat vor drei Jahren ihre große Liebe Eric verloren. Seitdem vergeht kein Tag, an dem sie nicht an ihn denkt. Der Zufall hat Eric damals in den kleinen Blumenladen ihrer Mutter geführt und sie haben eine wunderschöne gemeinsame Zeit miteinander verlebt. Als kurz nach Erics Tod die kleine Änderungsschneiderei neben dem Blumengeschäft ihrer Mutter zusperrt, erfüllt sich Nina-Marie den Traum einer eigenen Buchhandlung. Mit "Buch und Blume" - Buchladen und Blumengeschäft - ist sie in Berlin-Spandau ab sofort eine gefragte Geschäftsfrau.
Als sie statt einer Stammkundin, die jede Woche duftende Blumensträuße abholt, diese direkt an den Empfänger liefern soll, steht sie vor ihrem Lieblingsschriftsteller, der schon lange keinen neuen Krimi mehr veröffentlicht hat. Der mürrische Mann, der so gar nicht in das Bild von Nina-Maries Lieblingsautor passt, hat einen schweren Schicksalsschlag hinter sich. Dabei trifft sie auch auf dessen Sohn Jack, den sie aus derselben Selbsthilfegruppe kennt, die sie manchmal besucht. Nina-Marie möchte, dass der Schriftsteller wieder zurück zu sich selbst findet und seine Krimireihe weiterschreibt und macht sich ihre eigenen Gedanken..

Um ihre eigene Trauer aufzuarbeiten, beginnt sie ihre Zeit mit Eric aufzuschreiben. Dadurch erfahren die Leser in Rückblenden, wie sich die Beiden kennen- und lieben gelernt haben.

Neben der Trauerbewältigung geht es - wie das süße Cover bereits verrät - viel um Bücher, was mit ein Grund war, dass ich zu diesem Roman gegriffen habe. Ich mochte die Atmosphäre, die durch "Buch und Blume" entsteht und die Lilli Beck ganz wunderbar vermittelt hat.
Obwohl Nina-Maries Geschichte sehr bewegend ist, konnte ich nicht so ganz nachvollziehen, dass sie auch nach drei Jahren noch immer laufend in Tränen ausbricht und komplett in ihrer Trauer gefangen ist. Jeden Tag denkt sie an Eric, sie träumt von ihm und sie vergleicht jeden und alles mit ihrer großen Liebe. Ihr Tag besteht aus ihrer Arbeit im Blumenlädchen und ihrem Buchladen. Sie hat sich total zurückgezogen und trifft nur manchmal ihrer Freundin, die auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitet und deshalb auch selten für sie da ist.

Die einzelnen Figuren sind sehr lebendig gezeichnet und ich konnte sie mir lebhaft vorstellen. Die verschiedenen Charaktere bereichern - bis hin zur kleinsten Nebenfigur - den Roman. Besonders den Zusammenhalt zwischen Mutter und Tochter mochte ich sehr.
Der Schreibstil von Lilli Beck ist gewohnt bildhaft und lebendig.

Manche Themen rund um den Krimiautor und einem Vorfall im letzten Drittel des Buches fand ich hingegen etwas unausgegoren. Vor allem die Beschuldigung und die eher lasche und unaufgeregte Auflösung dieses Ereignisses kam mir zu kurz.

Fazit:
Eine nette Geschichte über Trauerbewältigung, aber auch Wohlfühlthemen, wie Bücher und Blumen und dem Zufall, der so einiges ins Rollen bringt. Dass die Geschichte lange in Erinnerung bleiben wird, bezweifle ich allerdings.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Etwas verwirrend

Haltlos
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Der neue Psychothriller von Sarah Nisi hat mich diesmal ziemlich verwirrt. Die Spannung beginnt von der ersten Seite, aber der rasche Wechsel zwischen einzelnen Personen und verschiedenen Rückblicken und ...

Der neue Psychothriller von Sarah Nisi hat mich diesmal ziemlich verwirrt. Die Spannung beginnt von der ersten Seite, aber der rasche Wechsel zwischen einzelnen Personen und verschiedenen Rückblicken und Einsichten, machten es mir anfangs doch etwas schwer.

Aus ungewisser Ursache stürzt Emilys Freundin Liv vor ihren Augen auf die U-Bahn Gleise der Londoner Underground. Emily fühlt sich am Tod ihrer besten Freundin schuldig und hat ein schlechtes Gewissen, weil sie sich seit diesem Augenblick an nichts mehr erinnern kann. Emily leidet seit diesem Vorfall an einer posttraumatischen Amnesie und kann ihren Alltag nicht mehr bewältigen- Sie musste sogar ihr Studium abbrechen. Neben den Gedächtnisverlust hat sie auch Panikattacken und Schlafstörungen. Medikamente sollen sie ruhigstellen, doch Emily möchte endlich wissen, was damals genau passiert ist. War es Mord, ein Unfall oder Selbstmord? Immer wieder geht sie zur Unglücksstelle in der Holborn Station und befragt Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes.
Auf eine Bitte von Livs Mutter zieht sie in dessen Wohnung, um diese aufzulösen. Nebenan wohnt Shakes, ein Kleinkrimineller, der Emily irgendwie bekannt vorkommt, ihr aber auch Unbehagen bereitet. Er gibt an Liv kaum gekannt zu haben, doch Emily glaubt ihm nicht...

Neben dem Erzählstrang um Emily, der die Haupthandlung bildet, haben wir kleine Rückblenden und Auszüge aus Livs Tagebuch und auch Einblicke in Shakes Leben. Dazwischen gibt es immer wieder Kapitel eines namenlosen Patienten, der sich in einer Therapiesitzung befindet. Man erkennt eindeutig einen Psychopaten, der mit seinem Arzt spricht und spielt.
Die verschiedenen Blickwinkel, die mich anfangs verwirrten, führen mit der Zeit immer mehr zusammen, verraten aber lange Zeit kaum etwas. Als Leser rätselt man, was wohl ans Licht kommt, wenn Emily sich wieder erinnern kann und trotzdem möchte man es am liebsten sofort wissen. Der Spannungsbogen steigt dadurch an, denn als Leser weiß man genauso wenig wie Emily selbst. Zusätzlich fragt man sich, ob sie eine zuverlässige Erzählerin ist.
Shakes wirkt als ehemaliger Häftling gleichermaßen undurchsichtig. Aber auch Emilys Exfreund Alex, ein Polizist, der ebenfalls im selben Wohnkomplex wohnt, erschien mir etwas fragwürdig.
So richtig konnte ich zu keinen der Figuren eine Verbindung aufbauen.

Erst nach der Hälfte hat der Thriller Fahrt aufgenommen und konnte mich richtig in den Bann ziehen. Sarah Nisi hat das Konzept der posttraumatische Amnesie plausibel mit der Handlung verknüpft. Der Fokus liegt auf psychologischen Aspekten und Hintergründen, die die Autorin in einem Nachwort noch genauer beschreibt.

Trotz der hohen Spannung ab der zweiten Hälfte des Buches und einigen überraschenden Wendungen, konnte mich der Psychothriller nicht komplett packen. Vor allem zu Beginn hatte ich große Schwierigkeiten in die Geschichte zu finden. Obwohl "Haltlos" komplett anders als die anderen beiden Thriller der Autorin ist, hat mich auch dieser nicht gänzlich überzeugen können.

Cover:
Ich habe keine weiteren Cover gefunden. Sarah Nisi ist deutsche Autorin und lebt seit 2012 in London. Sie dürfte ihre Bücher auf deutsch schreiben.

Fazit:
Ein unblutiger Psychothriller, der erst ab der zweiten Hälfte richtig spannend wird und der mich nicht gänzlich überzeugen konnte. Die Idee und diverse Plottwists haben mir aber gefallen. Ich bin mir allerdings unsicher, ob ich die kommenden Thriller der Autorin lesen werde.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Interessanter Generationenroman

Vor hundert Sommern
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Den neuen Roman von Katharina Fuchs habe ich mir von meinen Gutpunkten bei vorablesen geholt. Ich mag ihre Bücher sehr und freute mich sehr auf das neue Buch der Autorin.
Wir haben es mit einem Generationenroman ...

Den neuen Roman von Katharina Fuchs habe ich mir von meinen Gutpunkten bei vorablesen geholt. Ich mag ihre Bücher sehr und freute mich sehr auf das neue Buch der Autorin.
Wir haben es mit einem Generationenroman zu tun, der auf zwei Zeitebenen erzählt wird, die sich laufend abwechseln.
Der Handlungsstrang aus der Vergangenheit beginnt vor genau hundert Jahren - passend zum Titel. Clara wächst in ärmlichen Verhältnissen bei ihrer Familie in Berlin auf. Sie arbeitet als Flaschenspülerin in der größten Bierbrauerei Berlins und unterstützt ihre Familie finanziell, seit ihr Vater seinen Arbeit verloren hat. Bevor sie ihren späteren Ehemann Willy kennenlernt, verliebte sie sich in den Exilrussen Alexei. Dieser ist Kommunist und agiert im Untergrund gegen die aufkommende NSDAP.

In der Gegenwart lernen wir Anja, 57 Jahre, ihre Mutter Elisabeth, 94 und Enkelin von Clara aus dem Vergangenheitsstrang, kennen, sowie die Töchter von Anja, Lena und Anabel. Anja arbeitet als Bibliothekarin an der Hochschulbibliothek in Bremen. Sie ist mit ihrem Job, bei dem sie eine Führungsrolle angeboten bekommt, der Versorgung ihrer Mutter und ihrer eigenen Familie restlos überfordert. Sie selbst bleibt dabei auf der Strecke. Ich konnte mich richtig in ihre Situation hineinfinden, denn vieles kam mir mehr als nur bekannt vor. Dazu kommt noch, dass die Wohnung von Elisabeth aufgelöst wird, die demnächst zum Verkauf steht. Vorher sollte sie jedoch noch ausgeräumt werden. Elisabeth ist vor kurzem nach einem Schlaganfall in Hamburg in ein Seniorenheim gezogen. So ist sie in der Nähe von ihrer Tochter Anja und deren Familie.
Anabel ist die ältere der Enkelinnen von Elisabeth und Influencerin. Sie ist das totale Gegenteil ihrer Schwester Lena, die in Berlin studiert. Lena ist eine sehr zurückhaltende junge Frau, die früher gemobbt wurde und schwer Anschluss findet. Als ein Professor, bei dem sie den Unterricht sehr mochte, wegen antisemitischen Anfeindungen die Universität verlässt, fühlt sich Lena noch unwohler. Sie beginnt ihrer Mutter dabei zu helfen, die Wohnung ihrer Großmutter auszuräumen. Dabei findet sie alte Fotos und Dokumente, die viele Fragen aufwerfen. Lena weiß kaum etwas über die Vergangenheit ihrer Familie, die größtenteils totgeschwiegen wurde. Sie beginnt Elisabeth im Seniorenheim zu besuchen und auszufragen. Vor allem interessiert sie sich für Clara, die anscheinend in den 30iger Jahren einen eigenen Hundesalon hatte. Seit Lena selbst den Streuner Finn aufgenommen hat, fühlt sie sich mit Clara verbunden. Elisabeth sieht ein, dass sie endlich über das bis heute verschwiegene Familiengeheimnis sprechen muss, bevor es zu spät ist...

Katharina Fuchs erzählt sehr detailverliebt. Vor allem im Gegenwartsstrang war es mir manchmal zu ausführlich. Außerdem fand ich die Handlung manchmal zu politisch und vom aktuellen Geschehen überlastet. Der Konflikt zwischen Israel und dem Gazastreifen wird mir zu viel und zu oft erwähnt, wo doch die Vergangenheit von Clara im Mittelpunkt stehen sollte - auch wenn das Thema Antisemitismus den rote Faden zwischen Vergangenheit und Gegenwart bildet.
Zusätzlich hat die Autorin viele weitere Themen in den Gegenwartsstrang gepackt, wie psychische Probleme, Alter, Verlust, Social Media, Nachhaltigkeit, Veganismus, Gender Care Gap usw.....

Der Vergangenheitsstrang ist mir hingegen zu kurz gekommen und vor allem am Ende ging es mir dann viel zu schnell. Gerne wäre ich noch länger in der Vergangenheit bei Clara verblieben, denn ihre Geschichte hat mich gepackt. Sie ist eine sehr starke Frau, die versucht ihr Leben besser zu gestalten. Am Ende werden die beiden Zeitebenen aber sehr gut zusammengeführt.

Die Kapitel sind mit den Namen der erzählenden Figur, dem Monat und der Jahreszahl gekennzeichnet. So weiß man immer, wo und bei wem man gerade ist.
Der Schreibstil ist wie immer sehr bildhaft, atmosphärisch und detailverliebt. Ich mag ihn aber sehr und habe schnell in die Geschichte gefunden. Mit dem Erscheinen einer alten Bekannten aus "Zwei Handvoll Leben", nämlich der Schneiderin Anna, die Schwester von Willy, die im KaDeWe arbeitet, hatte ich nicht gerechnet und mich umso mehr gefreut.

Fazit:
An meine beiden "Lieblings-Status" Romane der Autorin kann "Vor hundert Sommern" leider nicht anschließen. Mich hat die Geschichte, trotz einigen Kritikpunkten, gut unterhalten und ich vergebe 3 1/2 Sterne, die ich auf 4 Sterne bei anderen Portalen aufrunden werde.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Über große Bücherliebe und Trauerbewältigung

Die Bibliothek der zweiten Chancen
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Charlotte liebt Bücher seit sie denken kann und arbeitet in ihrem Traumjob in der Kölner Bibliothek. Vor fünf Jahren hat sie ihren Mann Cedric verloren, den sie zum ersten Mal in Paris am Friedhof Père ...

Charlotte liebt Bücher seit sie denken kann und arbeitet in ihrem Traumjob in der Kölner Bibliothek. Vor fünf Jahren hat sie ihren Mann Cedric verloren, den sie zum ersten Mal in Paris am Friedhof Père Lachaise gesehen hat. Doch richtig kennengelernt haben sie sich tatsächlich in der Kölner Bibliothek. Diese soll nun renoviert werden und die ungewisse berufliche Zukunft macht Charlotte schwer zu schaffen. Der fast gleichzeitige Auszug ihrer beiden Töchter Yvonne und Nicola sind dann noch das Tüpfelchen auf dem i. Nach dem Tod von Cedric hat sie ihr Leben ganz nach ihren Töchtern ausgerichtet. Charlotte fühlt sich deshalb nun auf dem Abstellgleis angekommen.
Frank, ein netter Kunde und Witwer, der sie umwirbt, hat keine Chance, denn Charlotte sucht nicht nach einer neuen Liebe. Schwägerin Nadine, die sich ziemlich übergriffig benimmt, macht ihr zusätzlich das Leben schwer. Charlotte denkt sehnsüchtig an ihren langgehegten Traum ein eigenes Buch zu schreiben. Die einsamen Abende könnte sie doch damit ausfüllen...
Die zufällige Begegnung mit der jungen Verlegerin Lisa scheint ihr den Weg genau in diese Richtung zu weisen. Doch Lisa kämpft ebenfalls an allen Fronten. Der eigene Verlag läuft noch nicht wirklich und schreibt rote Zahlen. In wenigen Wochen steht auch noch ihre Hochzeit mit ihrem Verlobten Marten an, der in letzter Zeit immer weniger Verständnis für sie und ihren Job aufbringt.
Als Charlotte alte Briefe von Cedric findet, der ihr nach seinem Tod Aufgaben stellt, ist eine davon eine Reise nach Paris, wo sie damals ihre Flitterwochen verbracht haben. Sie tritt diese Reise an und trifft in der Stadt der Liebe wieder auf Lisa, die mit ihrem Verlobten ein Wochenende verbringt. Die beiden Frauen freunden sich trotz des Altersunterschiedes an und unterstützen sich auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland gegenseitig.

Marie Adams hat einen leichten und einnehmenden Schreibstil, der sich gut lesen lässt. Die Figuren - bis hin zu den Nebencharakteren - sind sehr lebendig dargestellt. Alle haben ihre Stärken und Schwächen und einige davon sind mir beim Lesen ans Herz gewachsen. Allerdings hätte ich sowohl Lisa, als auch Charlotte, oftmals am liebsten geschüttelt, wenn sie sich wieder von denselben Menschen manipulieren lassen. Bis sich beide auf die eigenen Füße stellen und erkennen, wann es genug ist, dauert es eine Weile.
Der Blick hinter das Verlagwesen hat mir sehr gut gefallen und der Städtetrip nach Paris hat meine Sehnsucht nach dem französischen Laissez-faire wieder erweckt.
Manche Handlungen sind hingegen etwas vorhersehbar, manchmal gibt es aber auch überraschende Wendungen, die den beiden Frauen ein neues (Lebens-)Kapitel eröffnet. Neben dem Thema Bücher geht es größtenteils um Trauerbewältigung und den Mut zur Veränderung, um Freundschaft und das Wiederfinden der Lebensfreude.

Fazit:
Die kurzweilige und warmherzige Geschichte regt zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln ein. "Alles hat seine Zeit" - Trauer und Verlust, genauso wie Hoffnung und neue Träume. Dies vermittelt Marie Adams sehr anschaulich. "Es ist nie zu spät für einen Neubeginn" ist das Credo der Autorin, die uns Leserinnen Mut macht.

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