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Veröffentlicht am 03.04.2025

Buch der Stunde?

Zu Besuch am rechten Rand
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Vielleicht es das Buch der Stunde? Das Sachbuch von @sallylisastarken führt verständlich und kenntnisreich in die Auseinandersetzung mit der rechtsextremen Partei ein. Sie begibt sich auf eine Reise ...

Vielleicht es das Buch der Stunde? Das Sachbuch von @sallylisastarken führt verständlich und kenntnisreich in die Auseinandersetzung mit der rechtsextremen Partei ein. Sie begibt sich auf eine Reise durch Deutschland und besucht Dörfer und Städte kurz vor den Landtagswahlen 2024. Sie spricht mit Menschen auf Marktplätzen versucht zu verstehen, was Menschen in diese Ideologien treibt. Dazu gibt es zahlreiche Gespräche mit Expert:innen wie Heitmeyer oder Fereidooni.

Mir hat das Sachbuch sehr gut gefallen, auch wenn ich Vieles schon wusste. Es ist informativ, gut recherchiert und fesselnd geschrieben – eine wichtige Lektüre für alle, die sich mit den Strukturen und Denkweisen der extremen Rechten auseinandersetzen möchten.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Witzig und liebevoll

People Pleaser
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„People Pleaser“ hat genau das geliefert, was ich mir von einem guten Jugendroman wünsche: eine lockere, unterhaltsame Lektüre, die trotz ernster Themen nie zu schwer wird. Anna Dimitrova erzählt humorvoll ...

„People Pleaser“ hat genau das geliefert, was ich mir von einem guten Jugendroman wünsche: eine lockere, unterhaltsame Lektüre, die trotz ernster Themen nie zu schwer wird. Anna Dimitrova erzählt humorvoll und treffsicher von Freundschaft, Selbstfindung und dem Drang, es allen recht machen zu wollen – und trifft dabei sowohl inhaltlich als auch sprachlich genau den richtigen Ton.

Nina ist die inoffizielle Therapeutin ihrer Clique. Sie liebt es, Probleme zu lösen – bis sie bei ihrer besten Freundin Teo an ihre Grenzen stößt. Als Teo sich ausgerechnet in Aleks, den Inbegriff einer „Red Flag“, verliebt, sieht Nina nur einen Ausweg: Sie muss Aleks therapieren, bevor Teo sich ihr Herz brechen lässt. Doch natürlich ist Aleks nicht nur der coole Gym-Bro, für den er gehalten wird. Und Nina muss erkennen, dass sie ihre Hilfsbereitschaft nicht immer hilfreich ist.

Der Roman hat mich oft mit witzigen Pointen und schlagfertigen Dialogen überrascht, gleichzeitig werden die Jugendlichen trotz ihrer Schwächen sehr liebevoll dargestellt. Gerade das Thema People Pleasing und die Erkenntnis, dass man sich selbst nicht für andere aufopfern sollte, fand ich super umgesetzt. Die Figuren sind bewusst etwas überzeichnet, aber auf eine Art, die nicht zu klischeehaft ist, zur Story passt und sie umso unterhaltsamer macht.

Ein kluges, witziges Buch über das Erwachsenwerden, Freundschaft und Selbstliebe, das sicher nicht nur Jugendliche anspricht!

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Bisheriges Jahreshighlight

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Für mich ist „Mit dir möchte ich im Himmel Kaffee trinken“ bisher das Lesehighlight dieses Jahres – nicht zuletzt, weil ich Mascha Kaléko als Dichterin, um die es im Roman auch geht, ohnehin sehr liebe. ...

Für mich ist „Mit dir möchte ich im Himmel Kaffee trinken“ bisher das Lesehighlight dieses Jahres – nicht zuletzt, weil ich Mascha Kaléko als Dichterin, um die es im Roman auch geht, ohnehin sehr liebe. Im Zentrum des Romans steht jedoch Elisa, die der Dichterin ihre eigene bewegende Lebensgeschichte erzählt.

Elisa fühlt sich von Kalékos Gedichten verstanden, seit sie sie mit Anfang 20 entdeckt hat, und vertraut ihr ihre Gedanken an – über ihre schwierige Kindheit, ihre Zeit im Heim, ihre Liebesbeziehungen, immer auf der Suche nach Geborgenheit, die sie lange nur in Büchern fand. Und trotzdem ist der Roman nicht düster, sondern voller Sehnsucht, Hoffnung und Poesie. Mit großer Leichtigkeit wird von den schweren Dingen erzählt, beim Erzählen über Freundschaft, der Liebe zu Büchern und der großen Liebe wird es aber auch schon auch mal ein bisschen pathetisch. Diese Mischung hat mir einfach richtig gut gefallen und ich habe mir Vieles angestrichen.

Besonders gelungen fand ich auch die Struktur des Romans: Jedes Kapitel beginnt mit einem passenden Gedicht von Mascha Kaléko, das Elisas Erlebnisse und Gedanken spiegelt. Das hat mir die Gedichte noch einmal anders näher gebracht und ich habe jetzt richtig Lust auf mehr. Insgesamt ist der Roman damit eine literarische Liebeserklärung – an Kaléko, an die Kraft der Worte und daran, dass wir selbst in den dunkelsten Momenten Trost finden können.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Norddeutscher Roman über Pflege und Opioide

Die erste halbe Stunde im Paradies
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Janine Adomeit erzählt in „Die erste halbe Stunde im Paradies“ von Kai und Anne, die als Kinder zu früh erwachsen werden mussten. Die Geschwister wuchsen mit ihrer chronisch kranken, alleinerziehenden ...

Janine Adomeit erzählt in „Die erste halbe Stunde im Paradies“ von Kai und Anne, die als Kinder zu früh erwachsen werden mussten. Die Geschwister wuchsen mit ihrer chronisch kranken, alleinerziehenden Mutter auf – und hatten bald mehr und mehr die Rolle der Pflegenden, halten jedoch fest zusammen. Als Erwachsene haben sie sich längst aus den Augen verloren. Doch als Kai sich nach Jahren wieder meldet, muss Anne sich nicht nur ihm, sondern auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen. Sie arbeitet für einen Pharmakonzern, doch ihr zunehmendes Interesse an Opioiden und insbesondere Fentanyl ist mehr als nur berufliche Neugier.

Besonders beeindruckt hat mich, wie der Roman Fragen wie familiäre Verantwortung, die Rolle von Verwandten als Pflegenden und verdrängte Wut mit einer beeindruckenden Klarheit verhandelt. Die Pflegeproblematik wird ungeschönt gezeigt: der immense Druck, die mangelnde Unterstützung, die still ertragenen Opfer. Dennoch wird auch die tiefe Verbundenheit zwischen den Geschwistern gezeigt. Diese realistischen, schmerzhaften Beschreibungen haben mich sehr beschäftigt. Die Einblicke in Annes Arbeit als Pharmareferentin, durch die man die Gelegenheiten bekommt, hinter die Kulissen hinter der Schmerzmittelindustrie zu schauen, fand ich unglaublich spannend. Ich hatte zur Opioidkrise in den USA bereits Dokus und Serien gesehen, aber der Roman zeigt eindrücklich, dass auch Deutschland nicht davor gefeit ist.

Adomeits Stil ist nüchtern, aber genau dadurch so eindringlich – die Emotionen entstehen zwischen den Zeilen. Ich habe den Roman fast an einem Stück gelesen, weil er mich so gefesselt hat. Diejenigen, die nun befürchten, dass es in dem Roman nur um düstere Themen geht, kann ich beruhigen: Es gibt auch in schwierigen Zeiten noch einen Funken Hoffnung auf Zusammenhalt und Verbundenheit.

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Veröffentlicht am 20.02.2025

Typischer Kapitelman

Russische Spezialitäten
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Dmitrij Kapitelman erzählt in Russische Spezialitäten von Identität, Heimat und seiner Familie, die zwischen den Fronten steht – geografisch, politisch und emotional. Mit dem russischen Angriff auf die ...

Dmitrij Kapitelman erzählt in Russische Spezialitäten von Identität, Heimat und seiner Familie, die zwischen den Fronten steht – geografisch, politisch und emotional. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine zerbricht das fragile Gleichgewicht in seiner jüdisch-ukrainisch-deutsch-moldawischen Familie: Die Mutter glaubt Putins Propaganda, der Sohn verzweifelt daran. Sein Versuch, sie mit der Realität zu konfrontieren, führt ihn mitten in den Krieg nach Kyjiw und mitten hinein in seine innere Zerissenheit.

Kapitelman bleibt seinem unverwechselbaren Stil treu: Scharf beobachtet und pointiert, aber nie zu vereinfachend, gleichzeitig humorvoll und mit Sprache spielend, aber auch tief berührend. Doch während „Eine Formalie in Kiew“ oft noch mit Leichtigkeit spielte und kämpferisch in die Zukunft blickte, ist „Russische Spezialitäten“ ein dunkleres, schmerzhafteres Buch. Es geht um seine Liebe zu Sprache, zu Orten, zu Menschen – und darum, was passiert, wenn diese Liebe auf Hass, der von außen übernommen wird, trifft.

Ein kluges, intensives Buch, das hoffentlich viele Leser:innen findet - denn ich glaube, eigentlich gibt es diese inneren Zerissenheiten in vielen Familien. Eine Empfehlung für alle, die verstehen wollen, was es für eine wahrscheinlich sogar typisch europäische Familie bedeutet, wenn Krieg und Hass nicht nur Länder, sondern auch Familien spaltet.

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