Einmal mit Alice im Wunderland Tee trinken?
Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und MagieDas unscheinbarste, schäbigste Geschäft in der Charing Cross Road in London hat noch nie ein Buch verkauft. Libronautic Inc. bietet seinem exklusiven Kundenkreis einen anderen besonderen Service. Wer mit ...
Das unscheinbarste, schäbigste Geschäft in der Charing Cross Road in London hat noch nie ein Buch verkauft. Libronautic Inc. bietet seinem exklusiven Kundenkreis einen anderen besonderen Service. Wer mit Alice im Wunderland Tee trinken oder zusammen mit Frodo im „Tänzelnden Pony“ auf Aragorn warten möchte, dem wird hier geholfen. Sogenannte Libronauten ermöglichen Buchreisen gegen einen entsprechenden Geldbetrag und unter strengster Geheimhaltung. Libronauten? Das sind stets zwölf Männer, benannt nach Bibelgestalten und mit der Gabe der „Stimme“ gesegnet, die, ähnlich einem Männerorden, in der Charing Cross Road residieren. Mittels ihres Talents und dank Erstausgaben viel gelesener Bücher veranstalten sie spezielle Reisen. Der junge Adam ist seit seinem zweiten Lebensjahr bei ihnen aufgewachsen. Mittlerweile darf er seinen Mentor Gabriel auf Buchreisen begleiten. Heute geht es mit dem Gast Mr. Stevenson in John Polidoris „Der Vampyr“, zum ersten Mal unter Adams Leitung. Doch diese Reise geht gründlich schief, da der Kunde die Regeln verletzt. Nur mit Glück können sich die Beteiligten unbeschadet in die Realität retten. Für Adam folgt eine Kette von überraschenden Ereignissen, die sein Leben aus den Angeln heben wird.
„Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie“ ist der Auftaktband zur neuen Dilogie von Akram El-Bahay. Erneut nahm ich sein Angebot eines magischen Leseabenteuers an und wurde nicht enttäuscht.
Der faszinierende Plot hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt und wie erwartet, wurde ich sozusagen in das Buch hineingezogen. Akram El-Bahay schreibt gewohnt gut und spannend. Mit seinen starken Bildern erschafft er eine wunderbare magische Welt, in der das Unmögliche machbar erscheint. Mit Urban Fantasy trifft auf Literaturklassiker könnte die Situation, in der sich Adam befindet, treffend beschrieben werden. Gerade noch sitzt er mit Gabriel gemütlich vor einem knisternden Kaminfeuer, atmet den Duft der alten Bücher ein und liest die Reisegruppe in die Geschichte. Nur wenig später, nach seiner zweiten gescheiterten Buchexpedition, hockt er in einem, von einem Kobold chauffierten Taxi, das auf der Flucht, durchs moderne London rast. Er entdeckt eine magische Welt mitten unter uns und wird auf eine Rettungsmission geschickt, die voller Rätsel und Gefahren steckt.
Adam ist ein junger Mann, Anfang Zwanzig, der zunächst naiv, ja beinah kindlich erscheint. Seine Herkunft wird nicht erklärt, nur dass er bei den Libronauten aufgewachsen ist, was seine Unbedarftheit erklärt. Er besitzt die „Stimme“ und scheint für zwei Protagonisten von besonderem Interesse zu sein. Gleich zu Beginn muss er einige schwere Schläge hinnehmen. Mein Favorit ist der taffe Kobold Luthin. Vor einiger Zeit aus einem unbekannten Buch entführt, findet er sich in unserer Welt sehr gut zurecht und liefert sich mit Adam teils neckische, teils bissige Wortgefechte. Elisa wiederum ist im gleichen Alter wie Adam, wirkt aber reifer. Auch sie verfügt über die „Stimme“, wenn auch untrainiert. Diese Fähigkeit ist also kein reines Männerding, obwohl die Libronautic Inc. diesen Eindruck erweckt. Die Libronauten erscheinen divers, nicht nur bezüglich ihrer Herkunft. Sind sie auf der Seite der Guten oder der Bösen?
Mit „Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie“ hat der Autor neben einer rätselhaften Rettungsmission, die uns in Literaturklassiker, aber auch in Londoner Museen führt, eine Hommage an die Welt der Bücher geschrieben. Die zahlreichen erwähnten Titel und literarischen Anspielungen schaffen eine spezielle Atmosphäre, die mir sehr gut gefällt.
Die magische Abenteuerreise, führt uns in mehrere Buchklassiker, wo allerhand geschieht. Gegen Ende von Band eins nimmt die Erzählung nochmals an Fahrt auf. Die Ereignisse überschlagen sich und das Kopfkino läuft auf Hochtouren. Ein paar Fragen werden beantwortet, ein Rätsel gelöst, aber sehr Vieles bleibt leider offen.
Wer seine Nerven schonen will, kauft sich jetzt Band 1 und stellt ihn ungelesen ins Regal. Anfang Oktober wird das Buch dann hervorgeholt und gelesen. Mit dem dann Ende des Monats erscheinenden zweiten Band werden alle Fragen beantwortet.
Ich muss mich enttäuschenderweise noch 5 Monate gedulden. Von mir gibt es die volle Punktzahl und eine Leseempfehlung an alle Fantasy-Freunde.