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Veröffentlicht am 19.05.2025

In Brunngries ruht das Verbrechen nie

Prost, auf den Doktor
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Auch Motorradfans schätzen die schöne bayrische Landschaft. So kommt es, dass sich die Nordlichter vom Hamburger Bikerclub „Und Tschüss“ mit den Traunsteiner „MoDo’s!“ nicht auf halber Strecke, sondern ...

Auch Motorradfans schätzen die schöne bayrische Landschaft. So kommt es, dass sich die Nordlichter vom Hamburger Bikerclub „Und Tschüss“ mit den Traunsteiner „MoDo’s!“ nicht auf halber Strecke, sondern lieber im Chiemgau treffen. Das alljährliche Motorradtreffen steht an und soll auf der Sauwiese am Ortsrand von Brunngries gebührend gefeiert werden. Der örtliche Metzger John Parker und sein neuer Grillwagen liefern ein knuspriges Spanferkel und eine feuchtfröhliche Bikerparty steigt. Nach Mitternacht schleichen sich zwei der Teilnehmer heimlich nach Brunngries ins „KRAUSE“, um dort bequemer als im Zelt zu nächtigen. Leider zahlt ein Biker für das bisschen Komfort mit seinem Leben.

„Prost, auf den Doktor“ ist bereits der elfte Band der „Kommissar Tischler ermittelt“- Reihe von Friedrich Kalpenstein. Die Krimis sind leicht erkennbar an der hübschen Dackeldame Resi, die jedes Cover ziert. Ich finde, dieses Mal ist sie besonders gut getroffen. Wer würde nicht zu ihr in die Sprechstunde gehen? Die Bände sind unabhängig voneinander lesbar, aber wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, kehrt immer wieder nach Brunngries zurück.

Kommissar Tischler und sein Team sehen sich mit einem besonders kniffeligen Fall konfrontiert. Wer bringt schon seinen Hausarzt um? Doch die Ermittlungen fördern Erstaunliches zutage. An Tatverdächtigen besteht bald kein Mangel mehr. Wer wollte Sebastian Burgegger wirklich tot sehen? Wird die T(ischler) U(nd) F(ink)-Methode wieder zum Erfolg führen?

Friedrich Kalpenstein unterhält uns erneut mit einem spannenden Krimi, den er bildhaft, locker und mit einer guten Portion Lokalkolorit erzählt. Der Leser begleitet die Ermittler durch das idyllische Städtchen Brunngries und trifft neben den neuen Protagonisten, alte Bekannte wie den smarten Metzger Parker, das geschäftstüchtige, halbseidene Duo Tereza und Nori, den ambitionierten, korianderaffinen Wirt Horst-Erich, den korrupten Bürgermeister Gemeinwieser und Förster Ferstel mit meiner Favoritin Resi.

Eine meiner Lieblingsszenen ist folgende. Dackeldame Resi zeigt Dobermann Rambo, wo der Barthel den Most holt bzw. wer der erste Hund am Platz ist. Ohne Kampfhandlungen, allein dank ihrer umwerfenden Präsenz und Courage. Jawohl! Der Humor kommt auch sonst nicht zu kurz, ohne die Spannung zu beeinträchtigen.

Die Charaktere entwickeln sich weiter. So hat sich Polizeihauptmeister Felix Fink vom naiven Berufsanfänger zum tüchtigen Ermittler gemausert, dem bei diesem Fall sogar das entscheidende Puzzleteil auffällt. Dagegen ist der Kommissar nicht ganz wie sonst, was ich der Abwesenheit seiner Freundin Britta zuschreibe. Trotzdem löst er zusammen mit Fink den Fall wie gewohnt. Einige Wendungen haben mich vorübergehend in die falsche Richtung ermitteln lassen und das Warum war mir nicht klar, aber zuletzt wurde alles logisch aufgeklärt.

Anrührend fand ich eine der letzten Szenen, in der die Biker und Tischler das Mordopfer mit einem „Last Farewell“ verabschiedeten.

Nach dem Krimi ist vor dem Krimi. In diesem Sinn werde ich in nächster Zeit öfters KRAUSES Biergarten aufsuchen. Bei einem Weißbier und einer korianderfreien Brotzeit prüfe ich dann, wie die Dinge in Brunngries stehen. Denn der nächste Fall wird (hoffentlich) nicht lange auf sich warten lassen.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Einmal mit Alice im Wunderland Tee trinken?

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie
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Das unscheinbarste, schäbigste Geschäft in der Charing Cross Road in London hat noch nie ein Buch verkauft. Libronautic Inc. bietet seinem exklusiven Kundenkreis einen anderen besonderen Service. Wer mit ...

Das unscheinbarste, schäbigste Geschäft in der Charing Cross Road in London hat noch nie ein Buch verkauft. Libronautic Inc. bietet seinem exklusiven Kundenkreis einen anderen besonderen Service. Wer mit Alice im Wunderland Tee trinken oder zusammen mit Frodo im „Tänzelnden Pony“ auf Aragorn warten möchte, dem wird hier geholfen. Sogenannte Libronauten ermöglichen Buchreisen gegen einen entsprechenden Geldbetrag und unter strengster Geheimhaltung. Libronauten? Das sind stets zwölf Männer, benannt nach Bibelgestalten und mit der Gabe der „Stimme“ gesegnet, die, ähnlich einem Männerorden, in der Charing Cross Road residieren. Mittels ihres Talents und dank Erstausgaben viel gelesener Bücher veranstalten sie spezielle Reisen. Der junge Adam ist seit seinem zweiten Lebensjahr bei ihnen aufgewachsen. Mittlerweile darf er seinen Mentor Gabriel auf Buchreisen begleiten. Heute geht es mit dem Gast Mr. Stevenson in John Polidoris „Der Vampyr“, zum ersten Mal unter Adams Leitung. Doch diese Reise geht gründlich schief, da der Kunde die Regeln verletzt. Nur mit Glück können sich die Beteiligten unbeschadet in die Realität retten. Für Adam folgt eine Kette von überraschenden Ereignissen, die sein Leben aus den Angeln heben wird.

„Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie“ ist der Auftaktband zur neuen Dilogie von Akram El-Bahay. Erneut nahm ich sein Angebot eines magischen Leseabenteuers an und wurde nicht enttäuscht.

Der faszinierende Plot hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt und wie erwartet, wurde ich sozusagen in das Buch hineingezogen. Akram El-Bahay schreibt gewohnt gut und spannend. Mit seinen starken Bildern erschafft er eine wunderbare magische Welt, in der das Unmögliche machbar erscheint. Mit Urban Fantasy trifft auf Literaturklassiker könnte die Situation, in der sich Adam befindet, treffend beschrieben werden. Gerade noch sitzt er mit Gabriel gemütlich vor einem knisternden Kaminfeuer, atmet den Duft der alten Bücher ein und liest die Reisegruppe in die Geschichte. Nur wenig später, nach seiner zweiten gescheiterten Buchexpedition, hockt er in einem, von einem Kobold chauffierten Taxi, das auf der Flucht, durchs moderne London rast. Er entdeckt eine magische Welt mitten unter uns und wird auf eine Rettungsmission geschickt, die voller Rätsel und Gefahren steckt.

Adam ist ein junger Mann, Anfang Zwanzig, der zunächst naiv, ja beinah kindlich erscheint. Seine Herkunft wird nicht erklärt, nur dass er bei den Libronauten aufgewachsen ist, was seine Unbedarftheit erklärt. Er besitzt die „Stimme“ und scheint für zwei Protagonisten von besonderem Interesse zu sein. Gleich zu Beginn muss er einige schwere Schläge hinnehmen. Mein Favorit ist der taffe Kobold Luthin. Vor einiger Zeit aus einem unbekannten Buch entführt, findet er sich in unserer Welt sehr gut zurecht und liefert sich mit Adam teils neckische, teils bissige Wortgefechte. Elisa wiederum ist im gleichen Alter wie Adam, wirkt aber reifer. Auch sie verfügt über die „Stimme“, wenn auch untrainiert. Diese Fähigkeit ist also kein reines Männerding, obwohl die Libronautic Inc. diesen Eindruck erweckt. Die Libronauten erscheinen divers, nicht nur bezüglich ihrer Herkunft. Sind sie auf der Seite der Guten oder der Bösen?

Mit „Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie“ hat der Autor neben einer rätselhaften Rettungsmission, die uns in Literaturklassiker, aber auch in Londoner Museen führt, eine Hommage an die Welt der Bücher geschrieben. Die zahlreichen erwähnten Titel und literarischen Anspielungen schaffen eine spezielle Atmosphäre, die mir sehr gut gefällt.

Die magische Abenteuerreise, führt uns in mehrere Buchklassiker, wo allerhand geschieht. Gegen Ende von Band eins nimmt die Erzählung nochmals an Fahrt auf. Die Ereignisse überschlagen sich und das Kopfkino läuft auf Hochtouren. Ein paar Fragen werden beantwortet, ein Rätsel gelöst, aber sehr Vieles bleibt leider offen.

Wer seine Nerven schonen will, kauft sich jetzt Band 1 und stellt ihn ungelesen ins Regal. Anfang Oktober wird das Buch dann hervorgeholt und gelesen. Mit dem dann Ende des Monats erscheinenden zweiten Band werden alle Fragen beantwortet.

Ich muss mich enttäuschenderweise noch 5 Monate gedulden. Von mir gibt es die volle Punktzahl und eine Leseempfehlung an alle Fantasy-Freunde.

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  • Handlung
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  • Erzählstil
  • Cover
  • Fantasie
Veröffentlicht am 04.05.2025

Ein neuer Fall für Senhor Léxico

Lautlose Feinde
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Spätsommer in Fuseta. Während Soraia und Leander ihre Hochzeit vorbereiten, wird in Bico Alto die kleine Maria Bento entführt und ihr Großvater André ermordet. Losts Team ermittelt. Dieses Mal wird wegen ...

Spätsommer in Fuseta. Während Soraia und Leander ihre Hochzeit vorbereiten, wird in Bico Alto die kleine Maria Bento entführt und ihr Großvater André ermordet. Losts Team ermittelt. Dieses Mal wird wegen einer internen Untersuchung nicht Graciana die Leitung übernehmen, sondern Miguel Duarte. Da dichter Nebel über der Algarve die Hochzeitsreise des frisch gebackenen Ehepaars um eine Woche verzögert, kann das Team auch auf Lost zählen. Zunächst wird der Fall als eine Kindesentführung behandelt, die aus dem Ruder gelaufen ist und den beschützenden Großvater das Leben gekostet hat. Doch einige Ungereimtheiten, die vor allem Leander auffallen, passen nicht in dieses Bild. Nach und nach zeigt sich, dass das Verbrechen einen ganz anderen Hintergrund hat. Die kleine Maria wird gerettet, doch der Fall fordert weitere Todesopfer.

„Lost in Fuseta – Lautlose Feinde“ ist der siebte Band der Buchreihe um den Ermittler Leander Lost des Schriftstellers und Drehbuchautors Gil Ribeiro alias Holger Karsten Schmidt.

Dieses Mal entführt uns der Autor in die Welt der Agenten und Nachrichtendienste. Ich halte es für eine coole Idee, eine hochbrisante Geheimdienstoperation in Faro stattfinden zu lassen. Zunächst ist der Fall verwirrend und fordert dem Leser Konzentration ab. Da die Vorgänge aus verschiedenen Perspektiven geschildert werden und die Ermittlung auf diverse Unstimmigkeiten stößt, kommt allmählich Struktur in den Fall. Der Leser bekommt eine Idee, worum es eigentlich geht.

Lost ist in Portugal endgültig angekommen. Die Hochzeit und die schwere Zeit, die folgt und allen Beteiligten sehr viel abverlangt, lassen seine neue Familie und ihn noch enger zusammenwachsen. Leander hat sich weiter entwickelt. Er kann Carlos zum ersten Mal „hereinlegen“ und später einen Vorschlag zur effektiveren Zeugenbefragung machen, der geschickt eine Lüge umgeht, aber nicht weit davon entfernt ist. Auch sich selber überrascht er, mit seinem tränennassen Gesicht, das er als unlogisch empfindet. Die anderen Protagonisten bleiben weiterhin überzeugend. Die liebevolle, empathische Soraia, die gewissenhafte Graciana, die Kollateralschäden hasst, der lebensfrohe Carlos, sogar der unsägliche Duarte, der sich ein kleines bisschen Kollegialität abringt.

Der Autor schreibt gewohnt locker, humorvoll und bildhaft. Er fängt die Landschaft der Algarve und die Atmosphäre, das Lebensgefühl dort, hervorragend ein. Vom Fado der Ana Moura bis hin zur abendlichen Bica oder leckeren Pastel de Nata zum Dessert. Spätestens nach dem nächsten Band muss ich unbedingt eine Reise dorthin unternehmen.

Auch Leander Losts siebter Fall hat mich gewohnt gut unterhalten. Der Ausflug in die Welt der Geheimdienste hat die Täterjagd um eine Komponente erweitert. Nicht nur, weil ich eine perfide Tötungsart kennenlernen durfte, die kaum Spuren hinterlässt. Zunächst war der Fall etwas verwirrend, aber mit der Zeit habe ich mich gut hineingefunden. Wie immer war es beeindruckend, vor allem Leander und Isadora bei ihrer Arbeit zu beobachten. Wie mithilfe eines Rühreis und einer Schar Ameisen der genaue Todeszeitpunkt Andrés berechnet wird, das hat schon was.

Ob die Mordfälle auch ohne einen Asperger-Autisten mit fotografischem Gedächtnis und lexikalischem Wissen gelöst worden wären?

Immer wieder erneut, fasziniert mich das unterschiedliche Verständnis von Sprache. Ob Leander sich erinnert, wie er als kleiner Junge mit seinem Velo davon radelte, als er von seiner Lehrerin aufgefordert wurde fortzufahren (mit dem Text) oder wenn er mit Zara folgenden Dialog führt: „Adriana ist nicht profan, sie ist mega.“
»Sie ist eine griechische Vorsilbe?«
Zara verdrehte die Augen überdeutlich, damit Leander Gelegenheit hatte, die Mimik zu dechiffrieren: »Mega ist ein Synonym für großartig.«
»Sieh einer an.«

Ich glaube, seit ich diese Buchreihe lese, achte ich mehr darauf, welche Worte ich benutze bzw. ob ich mich präzise ausdrücke.

Gil Ribeiro hat mich erneut hervorragend unterhalten. Alle meine Fragen wurden beantwortet, auch warum gegen Graciana eine interne Untersuchung läuft und ausgerechnet Miguel Duarte mit der Teamleitung betraut wird.

Ich freue mich schon auf den nächsten Fall aus Fuseta und überlege, mir die Wartezeit mit Leanders Bibel „Das Kompendium der sinnlosen Sätze“ von Dan B. Tucker zu verkürzen.

Von mir gibt es die volle Punktzahl und eine Empfehlung an jeden Krimifan. Für den vollen Lesegenuss sollte mit Band 1 begonnen werden.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Der Mörder und der König

Mord auf der Herreninsel
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Auf der Insel des Märchenkönigs Ludwig II. von Bayern wurde einer der Landschaftsgärtner ermordet. Kaya Benaty und Christoph Steinert von der Münchner Mordkommission erhalten den Fall zugewiesen. Obwohl ...

Auf der Insel des Märchenkönigs Ludwig II. von Bayern wurde einer der Landschaftsgärtner ermordet. Kaya Benaty und Christoph Steinert von der Münchner Mordkommission erhalten den Fall zugewiesen. Obwohl die Identität des Opfers schnell feststeht, kommen die Ermittlungen nur schleppend voran, was nicht nur an der mangelnden Zusammenarbeit der Kommissare Benaty und Steinert liegt. Als der Mörder erneut zuschlägt, gerät die Polizei zunehmend unter Druck. Und der Täter plant schon sein nächstes Verbrechen …

„Mord auf der Herreninsel“ ist ein Regionalkrimi von Maurice Richardson. Das ansprechende Cover zeigt die Schlossanlage Herrenchiemsee. 1873 hat König Ludwig II. die Insel von Holzspekulanten gekauft, um hier sein Traumschloss zu erbauen. Gleichzeitig wurde so die bereits geplante Abholzung verhindert.

Neben dem spannenden Plot hat mich vor allem dieser besondere Schauplatz fasziniert. König Ludwigs Insel wird zum Tatort einer Mordserie, wie sie die Region noch nicht gesehen hat. Neben Herrenchiemsee erweist sich ein Gedicht aus der königlichen Feder als bedeutsam für den Mörder.

Der Autor schreibt flüssig und bildhaft. Ich kenne die Gegend und fand die Beschreibungen sehr zutreffend. Auch die Atmosphäre ist gut eingefangen. Der Spannungsbogen baut sich schnell auf und hält bis zum Schluss. Die Geschehnisse werden abwechselnd aus der Perspektive Kaya Benatys und aus der Sicht des Mörders geschildert. Es ist reizvoll, die Gedankengänge der gegensätzlichen Protagonisten zu lesen.

Mit Kaya Benaty hat der Krimi eine vielschichtige Ermittlerin. Auch sie hat Verbindungen zum Tatort, da sie in Prien aufgewachsen ist. Nach traumatischen Ereignissen hat sie die Gegend vor fast zwanzig Jahren fluchtartig verlassen. Ihre Rückkehr spült lange verdrängte Erinnerungen in ihr hoch. Gleichzeitig muss sie ihre erste Mordermittlung meistern, da sie gerade erst in die Mordkommission versetzt wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass ihre neue Abteilung vorwiegend mit Machos besetzt ist, die frauenfeindliche und homophobe Sprüche lieben, allen voran Kollege Steinert. Kaya ist klug, eigenwillig, verfügt über gute Instinkte und ist offen für neue Lösungsansätze. Auch die anderen Charaktere überzeugen, allen voran der Täter, in dessen Fokus die Kommissarin bald gerät.

Der Regionalkrimi hat mich gut unterhalten. Die Spannung hält bis zum Ende an, dank einiger Verwicklungen. Trotz des perfiden, cleveren Täters und der schwierigen Ermittlungsarbeit wird der Fall komplett aufgelöst. Kayas Entwicklung hat mich überzeugt. Ihr Entschluss, sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen und alte Ressentiments zu überwinden, war richtig und nachvollziehbar. Das Ende der Geschichte lässt mich auf ein Wiedersehen mit der sympathischen Kommissarin spekulieren.

Als einziges Manko empfinde ich das etwas nachlässige Korrektorat.

Ich vergebe 4,5 von 5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans von Regionalkrimis.



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Veröffentlicht am 23.03.2025

Noch 107 Stunden bis zum Aussterben der Menschheit

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Vor neunzig Jahren hat eine Katastrophe die Erde weitgehend verwüstet. Es gab nur Wenige, die auf einer Mittelmeerinsel überlebt haben. Von drei Wissenschaftlern unterstützt, haben diese sich im Schutz ...

Vor neunzig Jahren hat eine Katastrophe die Erde weitgehend verwüstet. Es gab nur Wenige, die auf einer Mittelmeerinsel überlebt haben. Von drei Wissenschaftlern unterstützt, haben diese sich im Schutz einer undurchdringlichen Sicherheitsbarriere ein einfaches Leben aufgebaut. Über allem wacht schützend die KI Abi, die gleichzeitig als eine Art Erzählerin fungiert. Sie ist nur gegenüber der ältesten der Wissenschaftler, Niema Mandripilias, weisungsgebunden und kann mit den Insulanern gedanklich kommunizieren. Alles wirkt beinahe paradiesisch. Dieses Idyll weist nur geringe Makel auf, wie die Tatsache, dass die Inselbewohner stets mit Erreichen des 60. Lebensjahrs sterben, während die drei Ältesten die Hundert deutlich überschritten haben. Doch die Privilegien der Wissenschaftler hinterfragt keiner der Inselbewohner – außer Emory.

Dann wird die Älteste, Niema, tot aufgefunden, scheinbar ermordet. Ausgelöst durch den Todesfall schaltet sich das Sicherheitssystem ab, sodass nur noch wenige Tage bis zur Katastrophe bleiben. Laut Abi kann die Barriere gegen den drohenden giftigen Nebel nur durch das Entlarven des Täters reaktiviert werden. Querdenkerin und Krimifan Emory erhält den Auftrag, umgehend den Mörder zu finden. Während ihrer Ermittlungen fördert sie unglaubliche Fakten und unbequeme Wahrheiten ans Licht. Wird sie die Katastrophe verhindern können?

Als Sciencefiction-Apokalypse-Roman bezeichnet der Autor Stuart Turton
sein neues Buch „Der letzte Mord am Ende der Welt“. Ich würde noch Krimi hinzufügen, was den Genre-Mix komplettiert.

Stuart Turtons Setting, sein Weltenbau, ist sehr überzeugend. Er bevölkert seine kleine Insel mit glaubwürdigen Charakteren. Die leicht rebellische Emory, die häufig aneckt, weil sie alles hinterfragt, ist eine sympathische Hauptfigur, die hervorragend in die Rolle der Ermittlerin passt. Auch die weiteren Protagonisten überzeugen, wie Clara, die ihre Angst durch besonders mutiges Verhalten bekämpft, die komplizierte Niema, die schwer zu durchschauen ist, Emorys Vater Seth, der längst nicht so stur ist, wie gedacht oder Adril, der Ausgestoßene.

Die Geschichte spielt in der Zukunft. Vor dem ultimativen Gau verfügte die Menschheit über technische Errungenschaften, die unseren weit überlegen sind. Trotzdem war die Kluft zwischen Arm und Reich unverändert groß, Kriege und Umweltzerstörung an der Tagesordnung. Bis ein giftiger Nebel voll tödlicher Insekten die Erde unbewohnbar machte. Jetzt führen die Nachfahren der Überlebenden ein einfaches, arbeitsreiches Leben, das dem Wohl der Gemeinschaft gewidmet ist.

Turton schreibt flüssig und sehr bildhaft. Manche Szene löste mein Kopfkino aus. Überhaupt kann ich mir das Buch gut als Vorlage für eine Verfilmung vorstellen. Die Erzählung beginnt verhalten, allmählich baut sich Spannung auf, die nicht nur bis zum Ende anhält, sondern sich sogar kontinuierlich steigert. Zahlreiche Wendungen und Enthüllungen sorgen für anhaltendes Lesevergnügen, sodass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte.

„Der letzte Mord am Ende der Welt“ hat mich hervorragend unterhalten. Der Genre-Mix aus Krimi, Dystopie und Sciencefiction ist sehr gut gelungen. Themen wie Umweltzerstörung, KI, Umgang mit künstlichen Lebensformen oder skrupellose Wissenschaft, verarbeitet der Autor spannend und nachvollziehbar. Immer wieder dachte ich, dem Täter auf der Spur zu sein und wurde schließlich doch überrascht.

Am Autor fasziniert mich, dass bisher jedes seiner Bücher einem anderen Genre zuzurechnen ist und trotzdem oder gerade deswegen sehr gut unterhält. Als nächstes Buch hat Stuart Turton einen wilden Gegenwart-Thriller angekündigt. Ich bin gespannt.

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