Ob reich, ob arm – alles hat Vor- und Nachteile
Die Fletchers von Long IslandDas Cover ist nicht besonders künstlerisch ansprechend gestaltet. In drei Teilen geht es um drei Generationen einer jüdisch-amerikanischen Familie. Die Fletchers aus Middle Rock, Long Island, werden im ...
Das Cover ist nicht besonders künstlerisch ansprechend gestaltet. In drei Teilen geht es um drei Generationen einer jüdisch-amerikanischen Familie. Die Fletchers aus Middle Rock, Long Island, werden im ersten Teil mit allen Familienmitgliedern vorgestellt, wobei die jüngste Generation in ihrer privilegierten Lebenssituation alles andere als glücklich und beruflich erfolgreich sind. Das Judentum mit Begriffen wie z.B. Schiwa, Bar Mitzwa oder Dibbuk wird, mit dem blinden Passagier Zelig Fletcher aus Polen 1942 beginnend, vorgestellt, auch eine Rückschau seiner raschen Erfolge in Amerika. Mit der Entführung seines Sohnes Carl und seiner Freilassung nach fünf Tagen beginnt für die ganze Familie ab 1980 eine traumatische Phase, die selbst nach vier Jahrzehnten Spuren hinterlässt, einfühlsam beschrieben. Teils ist der Schreibstil humorvoll, gerade heraus menschlich, teils tiefer gehend wie z.B. die explodierende, stinkende Umweltkatastrophe um das Styropor – Verpackungsmaterial in Carls brennender Fabrik oder Beamer’s Zusammenbruch durch Zuviel an Drogen und Medikamentenmix. Mit dem Tod von Carl wird im dritten Teil des Romans der wahre Long-Island-Kompromiss eingeleitet: Die immer noch reichen Fletchers verlassen Long Island nach der Auflösung und Verteilung aller Wertgegenstände. Auf S. 568 schließt der Roman mit folgender Erkenntnis: Ob du aus eigener Kraft erfolgreich bist oder einen Sprung in der Schüssel hast, wird von den Umständen bestimmt, in die du geboren wirst. Deine Armut wird deinen Kindern ein großer Antrieb sein. Dein Reichtum wird sie Menschen machen, die nie lernen, sich selbst zu ernähren. Aber die Leute, die sich aus eigener Kraft hocharbeiten, verlieren nie die Angst vor dem Absturz. Die, die das Glück hatten, in Sicherheit und Bequemlichkeit geboren zu werden, entwickeln sich gar nicht erst zu vollständigen Menschen. Wer entscheidet, was besser ist?