Doch ein Arztroman!
Staying AliveDas Cover kommt altbacken daher, wie Pop-Art der 1950er Jahre mit klar dargestelltem Motiv der jungen Ärztin mit aufgezogener Spritze. Der Buchinhalt spielt aber in unserem gegenwärtigen, für alle Beteiligten ...
Das Cover kommt altbacken daher, wie Pop-Art der 1950er Jahre mit klar dargestelltem Motiv der jungen Ärztin mit aufgezogener Spritze. Der Buchinhalt spielt aber in unserem gegenwärtigen, für alle Beteiligten stressigen Krankenhaussystem, nämlich in der Notaufnahme eines großen Berliner Krankenhauses mit Nicki, 34, frisch gebackene Assistenzärztin der Inneren Medizin als Erzählerin. Der Buchtitel Stayin’ Alive von den Bee Gees dient hier auch in der Reanimationsfortbildung als Rhythmus-Geber beim Reanimierungsszenarium – übrigens eine von mehreren spritzigen, originellen Episoden des dortigen Arbeitsalltags. Es geht aber auch bei Stayin’ Alive ums Überleben der medizinischen Mitarbeiter mit katastrophaler Arbeitsüberlastung durch mehrere Nachdienste am Stück, Überstunden, chaotischen Arbeitsbedingungen, zu wenig Schlaf, kaum Energie übrig für Freizeit. Realistische Alltagsgeschichten, mit medizinischen Termini und Praktiken als Fußnoten erklärt, erzählen von Mitmenschlichkeit, Unappetitlichem bis zu Humorvollem, nicht romantisierend. Leider verliert sich die Erzählerin in manchem Rückblick z.B. in dem Kapitel um ihren Bruder und den Bitterling. Mit ihren Gedanken zu sozialer Vereinsamung im Schichtdienst oder auch zu persönlichen Kompromissen im Bereich medizinische Karriere und Kinder erhält der Roman eine ernsthafte Tiefe. Der meist freundschaftliche Umgang im Kollegenkreis gefällt, während Nicki’s Verliebtheit in den Oberarzt Micha zu konstruiert wirkt.
Insgesamt lehrreich und unterhaltsam durch den ehrlichen, witzigen Schreibstil.